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Nothgericht bis Nothklage (Bd. 3, Sp. 529 bis 531)
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Artikelverweis Das Nothgericht, des -es, plur. die -e, ein noch in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, übliches Wort, ein Criminal-Gericht zu bezeichnen. Im Hochdeutschen kommt es noch in dem zusammen gesetzten Ausdrucke vor, ein hoch-nothpeinliches Halsgericht hegen, oder halten.
 
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Das Notgeschrey, des -es, plur. inus. ein größten Theils veraltetes Wort, ein Geschrey bey und über angethane äußere

[Bd. 3, Sp. 530]


Gewalt, besonders bey angethaner Nothzucht zu bezeichnen. Von Noth 5.
 
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* Nothhaft, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen unter die veralteten Wörter gehöret. Ehedem bedeutete es, 1) Noth leidend, sich in Noth befindend. Ich nothafte bin, Notker, der auch das Hauptwort Nothaft für Wiederwärtigkeit, Noth, gebraucht. Im Tatian ist nothaft gebunden, gefangen. 2) In einer dringenden Noth gegründet, und folglich rechtmäßig; im welchem Verstande noch in den Gerichten einiger Gegenden eine nothhafte Entschuldigung eine rechtmäßige Entschuldigung ist, wo auch die Nothhaft, und im Plural die Nothhaften, solche Nothfälle sind, welche eine rechtmäßige Entschuldigung gewähren, Ehehaften, S. dieses Wort.
 
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Der Nothhêlfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Nothhelferinn. 1) Eine Person, welche uns aus einer Noth hilft, von einer dringenden Noth befreyet. Du bist ein Trost Israel und ihr Nothhelfer, Jerem. 14, 8. Er ist der Erlöser und Nothhelfer, Dan. 6, 27. In der Römischen Kirche sind die vierzehen Nothhelfer vierzehen Heilige, welche in allen Arten der Noth vorzüglich angerufen werden. In der anständigen Schreibart ist es in dieser Bedeutung veraltet, vermuthlich um der Zweydeutigkeit mit der folgenden willen. 2) Eine Person oder Sache, deren Hülfe man sich aus Noth bedienet, weil man keine bessere hat; Nieders. Hannke in der Noth.
 
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Das Nothhêmd, des -es, plur. die -en, ein ehedem sehr übliches abergläubisches Hemd, welches nicht nur fest machen, sondern auch in Kindesnöthen liegenden Weibern die Geburt erleichtern sollte.
 
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Die Nothhülfe, plur. inus. die Hülfe in der Noth, in dringenden Nothfällen. Ingleichen eine Hülfe, deren man sich nur aus Noth bedienet, weil man keine bessere hat.
 
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Nöthig, -er, -ste, adj. et adv. Noth habend, in derselben gegründet; doch nur in einigen Fällen des Hauptwortes.
   1. Subjective, in Ansehung der Person. 1) In der weitesten Bedeutung, in der dritten und sechsten Bedeutung des Hauptwortes, doch nur als ein Nebenwort, und mit dem Zeitworte haben. Etwas nöthig haben, es nicht haben, da man es doch gebrauchen, es nur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringung einer Veränderung anwenden könnte, ohne den Grad dieses Bedürfnisses zu bestimmen. Geld nöthig haben, es bedürfen. Ich habe Hülfe nöthig. Man hat ihn nicht mehr nöthig. Ihr Herz scheint keinen großen Antrieb mehr nöthig zu haben, Gell. Etwas sehr nöthig, hoch nöthig haben. Er hat es nöthig. Im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung. Einer Sache nöthig haben. 2) In engerer Bedeutung. (a) * In Noth befindlich, in der siebenten Bedeutung des Hauptwortes; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Im Bergbaue ist eine wassersnöthige Zeche, welche Noth von Wasser leidet, zu viel Wasser hat. (b) * Arm, dürftig; in welchem Verstande es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist.
   2. Objective, in Ansehung der Sache. 1) Zur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringung einer Veränderung erforderlich und dienlich, in der dritten und sechsten Bedeutung des Hauptwortes Noth, und im Gegensatze des unnöthig. Jemanden mit den nöthigen Hülfsmitteln versehen. Die nöthige Kleidung, welche nicht bloß zur Nothdurft, sondern auch zur Bequemlichkeit und zum Wohlstande erfordert wird. Eine nöthige Sache. Etwas für nöthig halten, befinden. Wenn du es für nöthig befindest, Gell. Es ist nöthig, es ist nicht nöthig. Seine Miene sagt mehr als nöthig ist, den Verdacht gegen ihre Tugend zu bestärken, Gell. Wozu ist das nöthig? Ich werde bey diesem Gespräche wohl nicht nöthig seyn. Es ist nicht nöthig, daß

[Bd. 3, Sp. 531]


du hingehest. Das nöthigste von etwas wissen. Sehr nöthig, hoch nöthig, höchst nöthig, drucken auch hier die höhern Grade aus. Das Nöthige wird auch zuweilen in der anständigen Schreibart für die Nothdurft gebraucht. Soll ich dich an dem Nöthigen Mangel leiden sehen? Dusch. 2) * Zur Erreichung einer Absicht unentbehrlich, den Umständen nach unvermeidlich; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wo es für nothwendig bey den Oberdeutschen Schrifttellern mehrmals vorkommt. Die Sache muß nöthig da seyn, Opitz, für nothwendig. Ich muß nöthig schreiben, nothwendig. Daher Opitz auch Nöthigkeit für Nothwendigkeit gebraucht.
 
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Nöthigen, verb. act. 1) * Dusch äußere Gewalt, wider Willen, zu etwas bewegen, zwingen, von Noth 5; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher so wohl nöthigen, als das veraltete einfachere nöthen bey den Oberdeutschen Schriftstellern sehr häufig ist. So dich jemand nöthiget eine Meile, so gehe mit ihm zwo, Matth. 5, 41. Ohne deinen Willen wollte ich nichts thun, auf daß dein Gutes nicht wäre genöthiget, sondern freywillig, Philem. 14.
   Die ärgste Noth ist die, die gar zu lange nöthet,
   Logau. Ehedem war eine Jungfrau nöthigen oder nöthen so viel als sie nothzüchtigen. Zuweilen pflegt man die R. A. genöthiget werden, genöthiget seyn, sich genöthiget sehen, auch im Hochdeutschen im glimpflichern Verstande zu gebrauchen, wenn man wilder Willen zu etwas gezwungen worden. 2) Durch dringende Umstände, durch Vorlegung triftiger Gründe zu etwas bewegen, so daß der freye Wille dabey nicht im eigentlichen Verstande gezwungen wird. Ich ward genöthiget, mich auf den Kaiser zu berufen, Apostelg. 28, 19. Das Wetter nöthigte mich zu Hause zu bleiben. Was nöthiget dich dazu? Besonders in den R. A. sich genöthiget sehen, genöthiget seyn, genöthiget werden, wofür man im Oberdeutschen sagt, sich gemüßiget oder bemüßiget sehen, bemüßiget werden. 3) In der engsten Bedeutung, aus Höflichkeit, durch Gründe der Höflichkeit zu etwas bewegen. Jemanden zum Essen, zum Trinken nöthigen. Man nöthigte mich so lange, bis ich voran gehen, die Oberstelle nehmen mußte. Das Nöthigen bey Tische ist nicht mehr Mode. Schon Ottfried gebraucht in diesem Verstande noten.
   So auch die Nöthigung, besonders in der zweyten Bedeutung.
   Anm. Im Schwed. nödga, bey dem Ulphilas nauthjan, im Angels. neadigan. Es ist das Intensivum oder Frequentativum des schon gedachten im Hochdeutschen aber veraltete nöthen, welches mit dem Oberdeutschen nieten genau zusammen hänget, und ehedem für unser heutiges nöthigen gangbar war; Dän. node, Schwed. nöda, Isländ. neida. In zunöthigen, zubringen, hat es noch die mehr eigentliche Bewegung des Bestrebens, Drängens, S. Adelung Nieten, so wie es in benöthigt zunächst vor nöthig abstammet.
 
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Die Nöthigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nöthig ist, in der zweyten objectiven Bedeutung des Beywortes.
 
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Das Nothjahr, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein theures Jahr, da Noth, d. i. Mangel an Getreide und Lebensmitteln ist.
 
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Die Nothklage, plur. die -n, noch in den Gerichten einiger Gegenden, die Klage über angethane Noth, d. i. offenbare Gewalt, besonders die Klage über erlittene Nothzucht.