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Niedersteigen bis Niederwärts (Bd. 3, Sp. 500 bis 501)
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Artikelverweis  Niedersteigen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Steigen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts steigen, hinab steigen. In den Keller niedersteigen, wofür doch hinunter steigen üblicher ist. Die Treppe niedersteigen. Die niedersteigende Linie, in den Geschlechtsregistern, die Nachkommen in gerader Linie; im Gegensatze der aufsteigenden Linie. Daher das Niedersteigen. Schon bey dem Kero nidarstigan.
 
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Niederstoßen, verb. irreg. act. S. Adelung Stoßen, niederwärts nach unten zu stoßen, ingleichen zu Boden stoßen. Jemanden niederstoßen, ihn so stoßen, daß er zu Boden fällt. In engerer Bedeutung wird niederstoßen auch für niederstechen gebraucht. Jemanden niederstoßen, ihm einen Stich beybringen von welchem er todt zur Erde fällt. Daher das Niederstoßen und die Niederstoßung.
 
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Niederstürzen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, zu Boden stürzen, auf die Erde stürzen. Der Baum, das Haus, das Pferd stürzte nieder. 2) Als ein Activum, auf solche Art niederstürzen machen. Jemanden niederstürzen. Daher die Niederstürzung.
 
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Niederthun, verb. irreg. act. (S. Adelung Thun,) welches nur als ein Reciprocum bey den Jägern und im gemeinen Leben üblich ist, wo sich ein Thier niederthut, wenn es sich niederlegt.
 
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Niederträchtig, -er, -ste, adj. et adv. welches von niedrig und tragen abstammet. Es bedeutet,
   1. * Eigentlich, niedrig von Statur, von Größe, eigentlich sich niedrig tragend; eine in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber in den gemeinen Sprecharten, so wie im Oberdeutschen noch sehr üblich ist. So werden kleine niedrige Schafe auch in Meißen niederträchtige Schafe genannt, im Gegensatze der hochbeinigen. Ein niederträchtiger Felsen, d. i. ein niedriger, Bluntschli, ein Schweizer. Zwey niederträchtige Stühle, Stumpf, auch ein Schweizer.
   2. Figürlich. 1) * Demüthig, d. i. Fertigkeit besitzend, andrer Vorzüge mehr als die seinigen zu schätzen, und darin gegründet; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen häufig ist, wo oft die Niederträchtigkeit der Heiligen als eine vorzügliche Tugend gerühmet wird. Der Gegensatz ist das gleichfalls Oberdeutsche hochtragend, stolz, hochmüthig. 2) Sehr merklichen Mangel an vernünftiger Ehrliebe besitzend, und darin gegründet, tiefe Geringschätzung eigener Würde durch seine Handlungen verrathend; ingleichen, in dieser Denkungsart gegründet. Ein niederträchtiger Mensch. Ein niederträchtiges Gemüth. Niederträchtig seyn, handeln. Ein niederträchtiges Betragen. Man kann seinen geringen Werth fühlen, weil man zu träge ist, sich Verdienste zu erwerben,

[Bd. 3, Sp. 501]


dieses ist Niederträchtigkeit und nicht Demuth, Gell. Da dieses Wort in der jetzt gedachten Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur allein gangbar ist, einen sehr harten und beleidigenden Begriff gibt, so ist in der glimpflichern Schreibart dafür oft niedrig üblich.
   Bey den Schwäbischen Dichtern findet sich noch eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. So singt z. B. der von Gliers:
   Sit ich so nidertrehtig bin
   Das ich ir minne enberen muos; wo es unglücklich, unterdruckt, zu bedeuten scheinet.
 
Artikelverweis Die
Niederträchtigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da eine Person oder Sache niederträchtig ist; ohne Plural. Im Hochdeutschen ist es gleichfalls nur noch allein in der zweyten figürlichen Bedeutung üblich, dagegen die beyden ersten im Oberdeutschen noch häufig vorkommen. 2) Eine niederträchtige Handlung; gleichfalls nur in der zweyten figürlichen Bedeutung. Allerley Niederträchtigkeit begehen.
 
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Niedertrêten, verb. irreg. act. S. Adelung Treten, niederwärts treten. Die Maulwurfshügel im Garten niedertreten. Die Schuhe niedertreten, die Quartiere an denselben. Ingleichen zu Boden treten. Das Gras, das Getreide niedertreten. Ich trat dein zitterndes Alter in den Staub der Dürftigkeit und Verachtung nieder, von Brawe. Daher das Niedertreten und die Niedertretung.
 
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Niedertrinken, verb. irreg. act. S. Adelung Trinken, zu Boden trinken. Jemanden niedertrinken, ihm so lange zutrinken, bis er zu Boden fällt; in der niedrigen Sprechart niedersaufen. Ingleichen figürlich, im Trinken überwinden. Daher das Niedertrinken.
 
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Die Niederung, plur. die -en, S. die Niedere.
 
Artikelverweis 
* Das Niederwand, des -es, plur. die -wande, oder -wänder, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, die Unterkleider oder Beinkleider zu bezeichnen. Die leinen Niederwand an seinem Leib, 3 Mos. 6, 10; Kap. 16, 4; leinene Beinkleider, Michael. S. Adelung Niederkleid und Gewand.
 
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Niederwärts, ein Nebenwort des Ortes, nach der Niedere zu; im Gegensatze des aufwärts, so wie unterwärts dem oberwärts entgegen gesetzet ist. Niederwärts gehen, fallen, sich bewegen. In der Schweiz niedsich.