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Nichts bis Nickel (Bd. 3, Sp. 486 bis 488)
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Artikelverweis  Nichts, adv. welches nur allein von Sachen üblich ist, und dem etwas entgegen gesetzet wird, ein Ding zu bezeichnen, welches nicht vorhanden ist.
   1. Im schärfsten, engsten philosophischen Verstande, wo nur dasjenige nichts ist, was nicht nur nicht vorhanden ist, sondern auch nicht vorhanden seyn kann, nicht möglich ist; Nihilum negativum. In diesem Verstande sagt man, nichts könne nicht etwas werden, oder aus nichts könne nicht etwas werden. Wo

[Bd. 3, Sp. 487]


es denn auch in Gestalt eines Hauptwortes vorkommt, das Nichts, ein Nichts.
   2. In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung ist nichts nur dasjenige, was nicht vorhanden ist, nicht existiret, aber doch existiren oder wirklich werden kann, folglich möglich ist; Nihilum privativum. Besser etwas als nichts. Ich habe nichts. Er hatte nichts gesehen, nichts gehöret. Ich weiß nichts davon. Durchaus nichts, ganz und gar nichts, schlechterdings nichts. Es wird nichts aus der Sache, sie kommt nicht zu Stande. Mein Leben ist wie nichts vor dir, Ps. 39, 6. Wenn es weiter nichts ist. Nichts sollte dich mehr rühren, als dieses. Es ist nichts an der Sache, sie ist ungegründet; ingleichen, sie hat keinen Wirth. Er ist nichts besser, um nichts besser. Gott schuf die Welt aus nichts, er brachte Dinge hervor, welche vorher nicht da waren. Aus nichts wird nichts, wo keine wirkende Ursache vorhanden ist, da kann auch keine Wirkung erfolgen, ingleichen, ein nicht vorhandenes Ding kann nicht den Grund wirklicher Dinge enthalten. Mit nichts anfangen, bey seinem Anfange nichts haben. Er wußte sich mit nichts, als mit seiner guten Absicht zu entschuldigen. Ich weiß von nichts. Zu nichts werden, nicht bloß aufhören zu seyn, sondern auch allen Theilen nach aufhören zu seyn, vernichtet werden. Wo es zuweilen auch Beywörtern, wenn sie als Hauptwörter stehen, zugesellet werden kann. Es ist nichts Gutes an ihm. Ich mag mit nichts Ungerechten zu thun haben.
   Noch häufiger wird es als ein unabänderliches Hauptwort gebraucht, ein nicht vorhandenes Ding zu bezeichnen. Das Nichts, ein Nichts. Ingleichen den Stand des nicht Daseyns. Falle ich nach dem Tode wieder in mein erstes Nichts zurück? Ferner das Mögliche, im Gegensatze des Wirklichen, besonders bey den neuen Dichtern.
   Befruchtet mit der Kraft des wesenreichen Wortes
   Geburt das alte Nichts,
   Hall.
   Ein Schöpfer, der allmächtig das Nichts gebären hieß,
   Dusch. Nichts desto weniger, oder nichts desto minder werden häufig als entgegen setzende Verbindungs-Formeln gebraucht.
   Im gemeinen Leben ist es sehr gewöhnlich, diesem Adverbio zur Verstärkung der Verneinung das nicht nachschleichen zu lassen, welches sich auch wohl gute Schriftsteller mancher Gegenden zu Schulden kommen lassen. Nichts nicht, für nichts. Habt ihr nichts eignes nicht? Opitz. Um nichts zu gewinnen, Lohenst. Wenn der nichts nicht fühlt, ebend. S. 3 Nicht 1. In der reinen Schreibart ist dieses eben so fehlerhaft, als wenn man einem vorher gegangenen verneinenden Worte noch zur Verstärkung das nichts nachschickt. Wird denn nimmermehr nichts aus dir? Raben.
   3. Figürlich, wo es nach einer sehr gewöhnlichen Vergrößerung häufig für wenig, sehr wenig gebraucht wird. So sagt man von einem Menschen im gemeinen Leben, er habe nichts, er könne nichts, er tauge nichts, wenn er wenig Vermögen hat, wenig kann, oder wenig taugt. Da es denn nach einer noch weitern Figur auch für unerheblich, unwichtig, unvermögend gebraucht wird. Wie gar nichts sind alle Menschen! Ps. 39, 12. Alle Menschen sind doch ja nichts, Ps. 62, 10. Der Heiden Götter sind lauter nichts, Jerem. 10, 3, haben kein Leben, kein göttliches Wesen. Das heißt nichts gesagt, nichts das zur Sache dienet. So auch in Gestalt eines Hauptwortes. Je mehr wir die Unzulänglichkeit oder das Nichts unsrer Kräfte einsehen u. s. f. Gell. Ingleichen, obgleich seltener, von einer unbedeutenden, unerheblichen Person. So viele Nichts sind durch den gütigen Einfluß des Goldes zu Etwas geworden.

[Bd. 3, Sp. 488]



   Anm. Im Isidor neouuihd nist, bey dem Willeram nicuuetes, im Schwabenspiegel und noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden nihtzit, nützit, bey den Schwäbischen Dichtern nuitzit, nuite, in den gemeinen Hoch- und Oberdeutschen Mundarten nischt, im Nieders. niks, im Angels. nowhit, nowit, im Böhm. und Pohln. nic, bey den Krainerischen Wenden nas und nezh, im Dän. und Schwed. intet. Es scheinet aus nicht was oder nicht es zusammen gesetzet zu seyn. Kero und Ottfried gebrauchen noch nicht dafür oder vollständiger nach ihrer Aussprache und Schreibart neouueht, niauuiht. Manche Sprachlehrer rechnen es zu den Pronominibus, von welchen es doch nicht das mindeste an sich hat.
 
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Das Nichtseyn, des -s, plur. car. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Daseyns oder des Seyns, im Gegensatze des Seyns oder Daseyns.
 
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Nichtsnützig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in der gemeinen Sprechart üblich und aus der R. A. zu nichts nütze zusammen gezogen ist. Ein nichtsnütziger Mensch, der zu nichts zu gebrauchen ist, nichts taugt. So auch die Nichtsnützigkeit.
 
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Nichtswürdig, -er, -ste. adj. et adv. keine Würde, keinen Werth habend, auch in der anständigen Schreibart. Eine nichtswürdige Sache. Nichtswürdiges Geld. Nichtswürdige Dinge. Ingleichen keinen moralischen Werth habend. Ein nichtswürdiger Mensch, ein im hohen Grade lasterhafter Mensch. Sein Vermögen an Nichtswürdige verwenden.
 
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Die Nichtswürdigkeit, plur. die -en, die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sie nichtswürdig ist; ohne Plural. Ingleichen eine nichtswürdige Sache; mit demselben.
 
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Das Nichtwollen, des -s, plur. car. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Wollens, die Abwesenheit des Willens; im Gegensatze des Wollens.
 
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Das Nick, S. Adelung Genick.
 
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Der Nickawitz, S. Adelung Nikawitz.
 
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1. Nickel, Genit. Nikels, der nur in den niedrigen Sprecharten einiger Gegenden übliche verkürzte männliche Taufnahme Nikolaus, welcher gemeiniglich von νικ, der Sieg, und λαος, das Volk, abgeleitet wird. Der Nickel, der Nikolaus. Andere Mundarten verkürzen diesen Nahmen vornen, da denn Klaus, Claus oder Klas daraus wird.
 
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2. Der Nickel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. ein nur im Berg- und Hüttenbaue übliches Wort, eine arsenikalische Erzart zu bezeichnen, welche von einigen für ein eigenes Halbmetall gehalten wird; bey den neuern Lat. Nicolum, Niccolum. Sie ist dem Kobalte sehr ähnlich, außer, daß bey diesem die Auflösung in mineralischen Säuren röthlich, bey dem Nickel aber grün ist, welche Farbe der Nickel auch in der Verkalkung annimmt, dagegen der Kobalt im Flusse blau wird. S. der Kupfernickel. Die Abstammung ist ungewiß. Es kann seyn, daß es aus Arsenik mit Weglassung der ersten Sylben verkürzet und verderbt worden, so wie aus Nikolaus auf ähnliche Art Klaus wird. Es kann aber auch seyn, daß es Masse überhaupt, und eine vermischte Masse insbesondere bedeutet, da es denn von nahe, Nagel, Knocke, und andern dieses Geschlechtes, welche eine Verbindung andeuten, abstammen würde. Im Schwed. ist daher Nyckel ein Nagel, und Nek, Finnländ. Niculi, eine Garbe. S. auch Nagelflühe.
 
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3. * Der Nickel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in der Schweiz, übliches Wort, wo es, dem Frisch zu Folge, einen Hohlkreisel bedeutet. In diesem Verstande kommt es ohne Zweifel von nicken, neigen, her, so fern es ehedem auch stoßen bedeutete. Im Schwed. ist daher Nick ein Stoß, und im Finnländ. nyhja ich stoße. Mathesius nennt einen Nasenstüber einen Sternickel, gleichsam Stirnnickel.

[Bd. 3, Sp. 489]


Die Endsylbe ist hier, so wie in den folgenden, die Ableitungssylbe -el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subject bedeutet.