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Nēumōnd bis Neunhundert (Bd. 3, Sp. 479 bis 481)
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Artikelverweis Der Nēumōnd, des -es, plur. die -e, derjenige Zustand des Mondes, da er neu ist, d. i. wenn er zu der Sonne kommt, und daher die dunkle Seite gegen uns gerichtet hat, und die Zeit, wenn solches geschiehet. Wir haben Neumond. Von einem Neumonde bis zum andern. Ich bin feind euren Neumonden, Es. 1, 13, den alsdann vorgenommenen gottesdienstlichen Verrichtungen. Im gemeinen Leben auch nur das Neue, das neue Licht, Schwed. Ny, Dän. Nyet, Lat. Novilunium, Noxillunis, Interlunium. Der neue Mond oder Neumond wird dem alten Monde oder Vollmonde entgegen gesetzet, weil der Mond, wenn er neu gewesen ist, zuzunehmen anfängt.
 
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Neun, eine Grundzahl, welche sich zwischen acht und zehen in der Mitte befindet, und jederzeit unverändert bleibt, wenn sie das Hauptwort bey sich hat. Die neun Musen. Neun Tage. Stehet sie aber absolute, so hat sie in der zweyten Endung, welche

[Bd. 3, Sp. 480]


doch selten vorkommt, neuner, und in der dritten neunen. Eine Zahl von neunen. Einer aus neunen. Wenn neun die Zahl der Stunde nach der Uhr ist, so pflegt man es auch wohl unverändert zu lassen. Ich kann vor neun nicht kommen, oder vor neunen.
   Anm. Dieses Zahlwort findet sich so wie die meisten übrigen in allen Europäischen und vielen auswärtigen Sprachen wieder. In den Salischen Gesetzen lautet es nuenet, bey dem Kero niun, im Nieders. negen, bey den Friesen niughen, im Angels. nigon, nigen, im Engl. nine, im Dän. ni, im Schwed. nio, im Isländ. niu, bey dem Ulphilas niun, im Wallis. naw, im alt Preuß. newyni, im Pers. nu, im Lat. novem, im Griech. εννεα.
 
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Die Neunauge, plur. die -n, die mittlere Art Lampreten der Größe nach, welche sich in den Flüssen Nieder-Deutschlandes aufhält, und wenn sie eingemacht ist, in Obersachsen und Oberdeutschland den Nahmen der Bricke bekommt; Petromyzon fluviatilis L. Dieser Fisch hat den Nahmen von seinen sieben Luftlöchern an der Seite, welche den Augen gleichen, und mit seinen wahren Augen ihrer neun machen. Im Nieders. gleichfalls Negenoge, im Dän. Negenöye, im Schwed. Nejnögon, im Pohln. Ninog, im Böhm. Neynoky. In der Schweiz gibt es eine Art eßbarer Flußfische, welche gleichfalls Neunauge genannt wird, und vielleicht auch eine Art Lampreten ist. Eigentlich und der Analogie nach sollte dieses Wort ungewissen Geschlechtes seyn, weil Auge dieses Geschlecht hat, das Neunauge; allein der Gebrauch hat hier ein anderes beliebt.
 
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Der Neunbatzner, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, eine Münze von neun Batzen.
 
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Die Neune, plur. die -n, die Zahlfigur, welche die Zahl neun bezeichnet; der Neuner. Eine Römische Neune. Alle Neunen hinaus werfen. Auf eben diese Art sagt man die Achte, die Viere, die Fünfe u. s. f.
 
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Der Neuner, des -s, plur. ut nom. sing. eine Zahl von neunen, eine Zahl von neun Einheiten als ein Ganzes betrachtet, oder ein aus neun Einheiten bestehendes Ganzes. Daher sind die Neuner in Hessen eine Art Landmünze, welche neun Pfennige gilt, und auch Weißpfennige und leichte Groschen genannt werden. Auch die Neune, d. i. die Zahlfigur neun, wird in der Rechenkunst oft ein Neuner genannt, S. Adelung Neunerprobe. Ingleichen eines von einem aus neun Einheiten bestehenden Ganzen. So sind zu Frankfurt am Main die bürgerlichen Neuner ein Collegium von neun Personen, welche die Rechnungen des Rathes durchsehen, und verschiedenes bey der Stadt-Ökonomie zu besorgen haben.
 
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Neunerley, adj. indecl. et adv. von neun verschiedenen Arten und Beschaffenheiten. Neunerley Samen. Im gemeinen Leben wird eine gewisse Arzeney, deren vornehmster Bestandtheil Opium ist und die Kinder schlafen macht, Requies Nicolai, neunerley Lust genannt. In andern Gegenden heißt sie allerley Lust, ingleichen Kinderruhe. Sie ist von dem Kinderpulver und Ruhepulver, welches zu eben derselben Absicht dienet, noch verschieden.
 
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Die Neunerprobe, plur. die -n, in der Rechenkunst, eine Probe einer berechneten Post, nach welcher man in den summirten Zahlen und in der Summe gleich viele Neuner wegwirft, und was übrig bleibt, mit einander vergleicht.
 
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Nēunfách, adj. et adv. welches ein vermehrendes Zahlwort ist, neun Mahl genommen. Der Zeug liegt neunfach. Er soll es neunfach ersetzen. Neunfältig kommt im Hochdeutschen wenig mehr vor.
 
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Das Neunheil, des -es, plur. inus. ein Nahme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden der Bärlappen führet, S. dieses Wort.

[Bd. 3, Sp. 481]



 
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Neunhundert, richtiger getheilt neun hundert, adj. et adv. welches eine Grundzahl ist, hundert neun Mahl genommen. Neunhundert Jahre. Bey dem Ottfried niunhunt. S. Adelung Hundert.