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Nahrlosigkeit bis Nähterey (Bd. 3, Sp. 424 bis 426)
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Artikelverweis Die Nahrlosigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nahrlos ist, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes.
 
Artikelverweis Der
Nährstand, des -es, plur. inus. in der Moral, derjenige Stand unter den Menschen, welcher sich zunächst mit der Erwerbung seiner Nahrung, d. i. seines Unterhaltes, beschäftiget; zum Unterschiede von dem Lehrstande und Wehrstande. S. Adelung Stand.
 
Artikelverweis Die
Nahrung, plur. die -en. 1. Dasjenige, was nähret. 1) Eigentlich. Diejenigen Theile eines genießbaren Körpers, welche durch ihren Übergang in den thierischen Körper denselben erhalten und stärken, d. i. die auf mancherley Art abgehenden Theile ersetzen; wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. Kohl gibt eine schlechte Nahrung. Milch gibt viele Nahrung. Die abgehenden Theile der thierischen Körper müssen durch neuen Zugang der Nahrung ersetzt werden. S. Adelung Nahrhaft und Nähren. 2) In weiterer Bedeutung, derjenige genießbare Körper, welcher solche Theile enthält. (a) Eigentlich. Speise und Trank, so wohl von Menschen als Vieh; als ein Collectivum und ohne Plural. Ich will dir Kleider und deine Nahrung geben, Richt. 17, 10. Die Äcker bringen keine Nahrung, Habac. 4, 17. Wachteln zur Nahrung, Weish. 16, 2. In großer Dürre findet das Vieh keine Nahrung auf dem Felde. Der täglichen Nahrung mangeln, Jac. 2, 15. (b) Figürlich, was die Fortdauer des Feuers, und in noch weiterer Bedeutung eines andern Dinges befördert und vermehrt; ohne Plural, außer allenfalls von mehrern Arten. Dem Feuer frische Nahrung geben. Fett ist des Feuers Nahrung. Der Flamme die Nahrung entziehen. Nahrung für seine Wißbegierde finden. Menschenfreundliche Neigungen sind eine süße Nahrung edler Herzen, Gell. Immer neue Nahrung zum Vertrauen auf die Vorsehung einsammeln, ebend. Das Herz wird in der Wohlfahrt der andern die Nahrung seiner Freude finden, ebend. Fliehe alles, was deiner Flamme Nahrung gibt. Thörigte Wünsche, die aus einer abgöttischen Meinung von sich selbst ihre Nahrung ziehen. 3) In noch weiterm Verstande, der Unterhalt, d. i. alles was zur Erhaltung des natürlichen Lebens dienet; ohne Plural. Der zeitlichen Nahrung warten, Sir. 38, 38. Kein Kriegsmann flicht sich in die Händel der Nahrung, 2 Tim. 2, 4. Sorgen der Nahrung, Nahrungssorgen. Seine Nahrung in einem Lande suchen. Seiner Nahrung nachgehen. Jemanden seine Nahrung entziehen.
   2. Der Inbegriff aller derjenigen Mittel, womit man sich die Nahrung der vorigen Bedeutung verschaffet, das Gewerbe; auch ohne Plural, außer allenfalls von mehrern Arten. Die Nahrung gehet schlecht. Was treibst du für Nahrung? Was ist eure Nahrung? 1 Mos. 46, 33. Auf die Nahrung erpicht seyn. Die Braunahrung, der Bierbrau als ein Gewerbe, als ein Mittel des Unterhaltes betrachtet. So auch die Schenknahrung u. s. f. Da denn in manchen Gegenden dieses Wort auch zuweilen im Concreto

[Bd. 3, Sp. 425]


gebraucht wird; z. B. zwey Schenknahrungen, drey Braunahrungen, d. i. so viele mit der Schenk- oder Braugerechtigkeit versehene Häuser. Auch in Absicht der äußern Umstände, der Gelegenheit und Mittel von außen, sich den nöthigen Unterhalt zu verschaffen; ohne Plural. Die Nahrung ist schlecht, geht nicht. Gute Nahrung, schlechte Nahrung haben. Es ist keine Nahrung unter den Leuten, es fehlt unter ihnen an Gelegenheit, sein Brot zu verdienen. Eine Stadt hat gute Nahrung, wenn mehrere Menschen leichtlich ihren Unterhalt in derselben finden.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Narung, im Dänischen und Schwed. Näring, im Pohln. Nerzeia. Es scheinet von dem veralteten Nar, Nara, welches im Tatian und andern ältern Schriftstellern, für Speise, Nahrung, noch häufig vorkommt und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet, und also nicht zunächst von nähren gebildet zu seyn; da es denn eigentlich ein nährendes Ding bedeuten würde.
 
Artikelverweis Das
Nahrungsgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Ländern, eine Art von Abgabe, welche nicht von den Grundstücken, sondern von der Nahrung, d. i. dem Gewerbe gegeben, und daher auch Gewerbegeld, Gewerbesteuer, Nahrungssteuer genannt wird. S. Adelung Gewerbegeld.
 
Artikelverweis Das
Nahrungsmittel, des -s, plur. ut nom. sing. das Mittel der Nahrung, d. i. der Erhaltung des natürlichen Lebens; in welchem Verstande alle Arten der Speisen und der Getränke Nahrungsmittel genannt werden.
 
Artikelverweis Der
Nahrungssaft, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -säfte, der aus den Speisen in dem Magen bereitete Saft, welcher eigentlich die Nahrung der thierischen Körper ausmacht, und wegen seiner Ähnlichkeit mit der Milch, auch der Milchsaft genannt wird; Chylus.
 
Artikelverweis Die
Nahrungssorge, plur. die -n, Sorgen für die Nahrung, d. i Erhaltung des natürlichen Lebens, Sorgen der Nahrung.
 
Artikelverweis Die
Nähschule, plur. die -n, eine Schule, worin Personen des andern Geschlechtes im Nähen unterrichtet werden.
 
Artikelverweis Die
Nähseide, plur. inus. gezwirnte Seide zum Nähen, zum Unterschiede von andern Arten.
 
Artikelverweis Die
Naht, plur. die Nähte, von dem Zeitworte nähen. 1. Die Art und Weise zu nähen, ohne Plural; in welcher Bedeutung es bey den Nähterinnen sehr häufig ist, besonders in den Zusammensetzungen Hausnaht, Mahlernaht, Bildernaht u. s. f. 2. Der Ort, wo zwey oder mehr Stücke zusammen genähet worden. 1) In der weitesten Bedeutung, so fern nähen ehedem verbinden, zusammen fügen überhaupt bedeutete, da dieses Wort in vielen Fällen des gemeinen Lebens vorkommt. So wird die Fuge zwischen zwey Planken an den Schiffen, wo selbige in der Länge zusammen stoßen, die Naht genannt. Bey den Blecharbeitern ist die Naht der Ort, wo zwey Stücke Blech durch Niethe mit einander verbunden werden, S. Kreuznaht. In der Anatomie ist die Naht eine Art der Zusammenfügung, wenn zwey Knochen mit ihren ausgezähnten Enden, wie die Zähne zweyer Sägen in einander greifen, oder auch, wenn nur die Ränder über einander gehen; jene wird die wahre, diese aber die falsche Naht genannt. S. Kranznaht, Pfeilnaht und Winkelnaht, welche drey Nähte sich an den Beinen des Kopfes befinden. Die Naht an dem Hodensacke ist die schmale Vertiefung in der Mitte, welche ihn gleichsam in zwey Theile theilet. Wegen der Ähnlichkeit werden auch an den haarigen Thieren solche Striche von Haaren, welche das Fell gleichsam in zwey Theile zu theilen scheinen, Nähte genannt. 2) In engerer Bedeutung, so fern nähen mit Nadel und Fäden zusammen fügen bedeutet, ist die Naht derjenige Ort, wo zwey Stücke auf solche Art in die Länge zusammen gefüget worden. Eine Naht machen. Die Naht auftrennen. Die Naht gehet auf, reißt

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auf. Das Kleid reißt aus allen Nähten. Jemanden auf die Naht fühlen, ihn ausforschen, ingleichen, ihn auf die Probe stellen; wo die Figur dunkel ist, wenn sie nicht mit den in Niedersachsen üblichen R. A. auf die Naht (nehmlich der Geldtasche) greifen, aus der Naht klauben, die letzten Pfennige in der Tasche zusammen suchen, kein Geld mehr haben, zusammen hängt, so daß jemanden auf die Naht fühlen, eigentlich seinen Vermögenszustand auszuforschen suchen bedeuten würde.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Naad. Es stammet unmittelbar von nähen ab, welches im Mittelworte bey dem Ottfried ginat lautet, und wird daher richtiger Naht als Nath geschrieben. Vermittelst dieses Zeitwortes hänget es mit Nodus, Nieth und Nuth genau zusammen, welche in dem Begriffe der Verbindung insgesammt mit einander überein kommen.
 
Artikelverweis Die
Nähterey, plur. die -en, die Art und Weise zu nähen, die Naht. Die künstliche Nähterey. Das Nähen selbst, ohne Plural. Sich mit der Nähterey beschäftigen. Über der Nähterey sitzen. Ingleichen genähete, oder ausgenähete Arbeit.