Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Miere bis Miether (Bd. 3, Sp. 200 bis 203)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis * Die Miere, plur. die -n, der Niederdeutsche Nahme der Ameisen, S. Adelung Ameise.

[Bd. 3, Sp. 201]



 
Artikelverweis 
Der Miesel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, dem Frisch zu Folge, die kleinen, bey ihren Arbeiten abfallenden Stücklein Holz; ohne Zweifel von meißen, schneiden, hauen S. 2. Meißel und Messer, ingleichen Musel.
 
Artikelverweis 
Die Mīesmúschel, plur. die -n, die Niederdeutsche und Holländische Benennung der gemeinen zweyschaligen Muschel mit violetter Schale; Mytulus Musculus L. Entweder von diesen Lateinischen Wörtern, oder auch von Maß, Speise, maßen, mießen, essen, (S. Adelung Muß,) weil sie in vielen Gegenden gegessen werden, daher einige sie auch Küchenmuscheln nennen.
 
Artikelverweis 
Das Miethbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein nur an einigen Orten, z. B. zu Wittenberg übliches Wort, diejenigen Biere zu bezeichnen, welche nicht in des Miethmannes Haus gelegt und daselbst verzapfet werden können, sondern auf des Vermiethers Haus gebrauet und verzapfet werden müssen. S. 3. Miethe.
 
Artikelverweis 
Der Mīeth-Contráct, des -es, plur. die -e, ein zwischen dem Abmiether und Vermiether errichteter Contract, ein Contract, vermöge dessen man etwas miethet oder vermiethet. Siehe Miethen.
 
Artikelverweis 
1. Die Miethe, plur. die -n, ein Nahme der kleinsten ungeflügelten Insecten, welche acht Füße und zwey gelenkige Fühlspitzen haben, und sich vornehmlich in dem trocknen Käse und in dem Mehle aufhalten; Acarus L. Käsemiethen, Mehlmiethen. Sie sind so klein, daß sie mit dem bloßen Auge kaum sichtbar sind. Eine Art derselben kriecht in die Schweißlöcher der Menschen und verursacht alsdann die Krätze. Sie werden im Hochdeutschen auch Milben, im Nieders. auch Memeln, Memern, Emeln, im Osnabrückischen aber Maanen genannt, dagegen Miethe daselbst eine Mücke bedeutet.
   Anm. Dieses Insect heißt im mittlern Lat. Mita, im Franz. Mite, im Engl. Mite, im Dän. Mid. Schon im Griechischen war, dem Hesychius und Theophrast zu Folge, μιδα eine Made, welche die Bohnen zernagte. Miethe, Made und Mette scheinen genau verwandt zu seyn, ob sie gleich Insecten und Würmer von verschiedener Art und Größe bezeichnen. Die Kleinheit der Miethen wird in ihrem Nahmen auch durch den Selbstlaut i bezeichnet, welcher überhaupt der Ausdruck des Kleinen ist, dagegen die größern Made und Motte breitere Selbstlauter haben. S. Adelung Made.
 
Artikelverweis 
2. Die Miethe, plur. die -n, ein nur in der Landwirthschaft einiger Gegenden, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes übliches Wort, einen großen runden oben zugespitzten Haufen Garben oder Stroh zu bezeichnen, welchen man zuweilen unter freyem Himmel zu errichten pflegt, wenn in der Scheuer nicht Platz genug vorhanden ist, und der in Obersachsen ein Fehm, Feim oder Feimen, um Hamburg ein Diemen oder eine Dieme, im Oldenburgischen eine Wiske, an andern Orten aber auch eine Triste genannt wird. Schon in dem alten Baierischen Gesetze in diesem Verstande Mita, im Latein. Meta. Wachter leitet es von dem Angels. mithan, bedecken, her, weil dergleichen Haufen oben bedeckt zu werden pflegen, S. Adelung Mieder und 3. Matte. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit ist der Begriff der Höhe, der Größe, der Masse, der Consistenz und Verbindung der Stammbegriff. Im mittlern Lat. ist Mota, und im alt Franz. Mote, ein Hügel. S. Macht, Mehr, 4. Matte, 1. Mast und 5. Mahl.
 
Artikelverweis 
3. * Die Miethe, plur. die -n, ein veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Es bedeutete, 1) ein Geschenk, in welcher Bedeutung es im Ottfried Miata, im Notker Mieta, und im Schwed. Muta lautet. Es soll niemand kein Miet noch Gaben nehmen, von keiner Wahlung wegen, Bluntschli, ein Schweizer. Im Hebr. ist 05de05ea05df gleichfalls

[Bd. 3, Sp. 202]


ein Geschenk. 2) Der Lohn, die Vergeltung; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Im Tatian Mita, bey welchem uzan Mita umsonst, ohne Lohn ist, im Angels. Med, im Engl. Meed, im Schwed. Muta, im Pohln. Myto, bey dem Ulphilas Mizdo, im Griech. μισθος, im Böhm. Mizda. Ane grosse Miete tuon ich daz, Herm. von der Vogelweide. Niht en sit durch kranke Miete veile, seyd nicht für geringen Lohn feil, ebend. Dem wachter was ze der Miete gach, der Burggraf von Liunz.
   Anm. Man hält dieses Wort gemeiniglich für ein und eben dasselbe Wort mit dem folgenden, welches sich aber ohne sichtbaren Zwang nicht will thun lassen. Wenn man bedenkt, daß die erste und älteste Art der Geschenke in Lebensmitteln und Eßwaaren bestand, so scheinet Miethe, ein Geschenk, Belohnung, Gabe, von Mat, Speise, abzustammen, S. Adelung Mast und Muß. Eben so bedeutete Mahl ehedem so wohl Speise, als auch eine obrigkeitliche Abgabe. S. auch Mauth, welches gleichfalls hierher gehöret.
 
Artikelverweis 
4. Die Miethe, plur. die -n, das Abstractum des folgenden Zeitwortes, doch nur in dessen zweyten Bedeutung. 1) Das Verhältniß zwischen dem Abmiether und Vermiether, der zwischen beyden errichtete Vertrag; ohne Plural. Etwas zur Miethe haben. Kauf geht vor Miethe. Zur Miethe in einem Hause wohnen. Die Miethe zur Richtigkeit bringen. Jemanden die Miethe aufsagen. Jemanden in die Miethe nehmen. 2) Das für eine gemiethete Sache verglichene Geld, am häufigsten von dem Gelde, welches für eine gemiethete Wohnung, für einen gemietheten Theil eines Gebäudes bezahlet wird, und welches auch der Zins heißt. Der Plural wird hier nur von mehrern Summen dieser Art gebraucht. Die Miethe bezahlen, schuldig bleiben. Die Miethe zur Richtigkeit bringen. 3) Eine gemiethete oder vermiethete Wohnung, ein gemietheter oder vermietheter Theil eines Gebäudes. Es stehen drey Miethen in diesem Hause leer.
 
Artikelverweis 
Miethen, verb. reg. act. welches jetzt nur noch in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. 1) Um Lohn dingen; wo man es nur noch von dem Gesinde gebraucht, wenn man es gegen einen bestimmten Lohn auf gewisse Zeit zu seinem Dienste dinget. Einen Knecht, eine Magd, einen Bedienten miethen, diesen Vertrag errichten, welches durch beyderseitiges Versprechen und durch eine gewisse Angabe von Seiten der Herrschaft geschiehet, welche daher das Miethgeld, der Miethgroschen genannt wird. Von andern Personen wird es nicht mehr gebraucht. Andere Arbeiter, Tagelöhner u. s. f. werden nicht gemiethet, sondern gedungen, oder bestellet; ob es gleich noch Matth. 20, 1 heißt, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg; wo es schon in dem zu Basel 1523 gedruckten R. T. als ein unverständliches Wort, durch bestellen, dingen, erkläret wird. Wohl aber gebraucht man es noch im verächtlichen Verstande, von Personen, welche man durch Belohnung zu seinen Absichten beweget. Ein gemietheter Lobredner. 2) Zum Gebrauche auf eine gewisse Zeit gegen eine bestimmte Bezahlung erhalten; wo es, wie Stosch ganz richtig bemerkt, nur von solchen Dingen üblich ist, welche man ohne weitere Bearbeitung gebrauchen kann, zum Unterschiede von dem pachten. Man miethet einen Garten, wenn man ihn, so wie er da ist, zu seinem Vergnügen gebrauchen will; dagegen der Gärtner, welcher den Ertrag benutzen will, und ihn also erst bearbeiten muß, denselben pachtet. Indessen ist es auch hier durch den Gebrauch eingeschränket worden. Man miethet zwar ein Haus, eine Wohnung, eine Stube, eine Kammer, einen Keller, einen Laden, einen Stall u. s. f. ingleichen ein Schiff, einen Kahn, eine Kutsche, einen Wagen, ein Pferd, Meublen u. s. f. dagegen man von Büchern u. s. f. dieses Zeitwort nicht gebraucht, wenn man gleich für ihren auf gewisse Zeit bedungenen Gebrauch bezahlet.

[Bd. 3, Sp. 203]


In weiterm Verstande kommt es in einigen Zusammensetzungen auch von geringen Personen vor, welche man auf kurze Zeit zu seinem Dienste verpflichtet. So wird ein Lehn- und Lohnlackey, ein Lehn- und Lohnknecht, welchen man nicht jahrweise, sondern auf kurze Zeit in seinem Dienste hat, auch ein Miethlackey, ein Miethknecht genannt. So auch die Miethung.
   Anm. Schon bey dem Ottfried in der ersten Bedeutung miattun, bey dem Kero in der zweyten mietan, im Nieders. meden, meen, wo es aber nur allein in der ersten Bedeutung von dem Gesinde gebraucht wird, dagegen in der zweyten Bedeutung heuern üblich ist. Die Abstammung ist ungewiß, weil mehrere Stämme mit gleichem Rechte darauf Anspruch haben. Da miethen alle Mahl einen Vertrag, eine Verbindung voraus setzt, so scheinet es zu mit, Mat, socius, (S. Adelung Matschaft,) 4. Matte, und andern dieses Geschlechtes zu gehören. Indessen kann es auch von Miethe, Lohn, abstammen. S. 3. Miethe.
 
Artikelverweis 
Der Miether, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mietherinn, eine Person, welche etwas miethet, besonders in den Zusammensetzungen Abmiether, Vermiether.