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Mêtzig bis Mewenschnabel (Bd. 3, Sp. 196 bis 198)
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Artikelverweis * Die Mêtzig, plur. die -en, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, die Fleischbank zu bezeichnen, wo es am häufigsten Metzg oder Mezg, zuweilen aber auch Metze lautet. Im Mittlern Lat. Macellum.
 
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Der Mêtzkasten, des -s, plur. ut nom. sing. von 4. Metze 2. in den Mühlen, derjenige Kasten, worein der Müller seine Mahlmetzen schüttet und verwahret.
 
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Der Mêtzner, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte 1. Metzen, derjenige Mühlknappe auf den Mühlen, welcher das Metzen verrichtet, und welcher an einigen Orten auch der Mehlmeister genannt wird.

[Bd. 3, Sp. 197]



 
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Der Meuchelmord, des -es, plur. die -e, ein heimlich, hinterlistiger und tückischer Weise begangener Mord. Einen Meuchelmord begehen. Das alte Wort meuchel, welches heimlich, tückisch, hinterlistig bedeutete, ist im Hochdeutschen veraltet. Dietrich von Stade und Bödicker leiteten es von dem gleichfalls veralteten Mougel, die Dämmerung, her. Allein, es scheinet zunächst zu mucken und munkeln zu gehören, welche gleichfalls den Begriff der Heimlichkeit, der Tücke, bey sich führen. Im Schwed. ist mussla heimlich verbergen, und im Franz. musser verbergen. Indessen kann es seyn, daß das gedachte Mougel, Kaisersbergs munk, dunkel, und Matthesii munken, verrathen, und Munker, ein Verräther, Spion, damit verwandt sind. Im Nieders. ist mucken tückisch, hinterlistig, auf meuchelmörderische Art ermorden, welches in dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche auf eine sonderbare Art aus Indien hergeleitet wird. Ein Mucker, Afmucker ist daselbst ein Meuchelmörder, im Oberdeutschen Meuchler. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird Meuchelmörder als ein in den dortigen Gegenden unbekanntes Wort, durch heimlich Mörder erklärt. Wenn nicht der Begriff der Heimlichkeit, der Tücke, diesen Wörtern so wesentlich anklebte, so könnte man sie mit dem Lat. mactare füglich von metzgen und metzen ableiten. S. Adelung Meuchlings.
 
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Der Meuchelmörder, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Meuchelmörderinn, eine Person, welche sich eines Meuchelmordes schuldig gemacht hat. Daher meuchelmörderisch, einem Meuchelmorde ähnlich, in demselben gegründet.
 
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Meuchlings, adj. et adv. ein im Hochdeutschen selten gewordenes Wort, welches nur noch zuweilen im gemeinen Leben gehöret wird, heimlicher, hinterlistiger Weise. Der Feind stellet sich, als wollte er dir helfen, und fället dich meuchlings, Sir. 12, 18. Bey dem Wurstisen ist eine meuchlerische Zusammenkunft eine heimliche, verbothene. S. Adelung Meuchelmord.
 
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Die Meute, plur. die -n, ein nur bey den Jägern übliches Wort, eine Partie Jagdhunde von ungefähr 50-60 Stück bey einer Parforce-Jagd zu bezeichnen. Aus dem Franz. Meute, welches aber mit dem folgenden genau verwandt ist.
 
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Die Meuterey, plur. die -en, ein Wort, welches nur noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, eine unerlaubte Verbindung mehrerer, besonders wider ihre Obern zu bezeichnen, ein Complot, wo es mehr von leichtsinnigen, vorübergehenden Verbindungen dieser Art gebraucht wird; dagegen Verschwörung den Begriff der festern, feyerlichern Verbindung mit sich führet. Eine Meuterey machen.
   Anm. Im Schwed. Myteri, im Dän. Mytterie, im Engl. Mutiny. Es ist im Hochdeutschen nur ein Überbleibsel eines zahlreichern Geschlechtes, wohin die veralteten Meute, eine solche Verbindung, und das Zeitwort meuten, meuteniren, sie erregen, anstiften, gehören; Franz. mutiner, Ital. mutinare, ammutinarsi, Span. amotinarse. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Masse, Materie, 4. Matte, Mat, socius, in Matschaft, 4. Matz und Mit, und bezeichnet überhaupt eine Verbindung. Der Begriff des Aufstandes ist nicht nothwendig damit verbunden, kann aber dabey Statt finden, da denn auch das Lat. Motus mit zur Verwandtschaft gehöret.
 
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Der Meūtmácher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Meutmacherinn, eine Person, welche eine Meute, oder Meuterey anstiftet, erreget, S. das vorige.
 
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Die Mewe, plur. die -n, eine Art mit einer Schwimmhaut an den Füßen versehenen Wasservögel, deren untere Kinnlade in der Mitte einen Höcker hat; Larus L. et Klein. Griech. λαρος, welchen Nahmen sie von den kleinen Seefischen, Lari, haben sollen, welche sie gern essen. Es gibt ihrer sehr viele Arten, welche

[Bd. 3, Sp. 198]


so wohl in der Größe, als in der Farbe von einander unterschieden sind. Die weiße Mewe wird auch Meerschwalbe, Seeschwalbe und Fischaarmewe genannt; die weiße Mewe mit einem braunen Kopfe heißt auch Braunkopf und rothköpfiger Seeschwalm; die große graubraune Mewe führet bey den Grönlandsfahrern den Nahmen des Burgemeisters. Die Ringelmewe hat einen schwarzen Ring von dem Nacken bis über die Hälfte des Halses. Der Schwarzkopf ist eine weiße Mewe mit schwarzem Kopfe. Die kleine aschgraue Mewe wird auch Rohrschwalm und Fischerlein genannt, anderer zu geschweigen. Nach dem Klein müssen alle Mewen vierzehige Patschfüße mit freyer Hinterzehe haben.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Mewe, im Angels. Maew, im Engl. Mew, im Holländ. Meeuw, im Franz. Mawe, Mouette, Mauce, im Dän. Maage, im Norweg. Maase. Weil diese Vögel beständig über der Oberfläche des Wassers fliegen, um die kleinen Fische wegzuschnappen, so scheinen sie von dieser Bewegung ihren Nahmen zu haben, welcher alsdann von dem Zeitworte mähen abstammen würde, wenn nicht ihr eigenthümliches Geschrey zu ihrer Benennung Anlaß gegeben. Eine Art kleiner Mewen wird wegen der Art ihres Fluges im Nieders. Scherke genannt, von scheren, sich im Fluge durchkreuzen.
 
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Der Mewenschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, eine Art dreyzehiger Patschfüße, welche einen schwarzen Schnabel wie eine Mewe hat; Plautus rostro larino Klein.