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Mêtzeley bis Meuchelmord (Bd. 3, Sp. 195 bis 197)
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Artikelverweis Die Mêtzeley, plur. die -en, S. das folgende.
 
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Mêtzeln, verb. reg. act. welches das Iterativum oder Frequentativum von metzen, schneiden, ist. Es bedeutet, 1) ungeschickt schneiden, aus Ungeschicklichkeit statt Eines Mahles mehrmahls schneiden, setzen; in welchem Verstande es so wie das zusammen gesetzte zermetzeln besonders im gemeinen Leben üblich ist. Daher die Metzeley oder das Gemetzel, ein solches ungeschicktes Schneiden. 2) * Schlachten, im mittlern. Lat. macellare; in welchem Verstande es nur noch im Oberdeutschen üblich ist. Der Metzger hat heute nicht gemetzelt. Daher eben daselbst der Metzger auch der Metzler genannt wird, bey dem Ottfried Mezalar; der Metzeltag, der Schlachttag. 3) Niederhauen, niedermachen, Franz. massacrer; in welchem Verstande es besonders in dem zusammen gesetzten niedermetzeln üblich ist. Daher die Metzeley, ein Blutbad. So auch die Metzelung.

[Bd. 3, Sp. 196]



 
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1. Mêtzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von 4. Metze 2. Der Müller metzet, wenn er die ihm bestimmte Mahlmetze vor dem Mahlen von dem Getreide wegnimmt. Nieders. matten.
 
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2. * Mêtzen, verb. reg. act. ein altes Wort, welches ehedem schneiden, hauen, schlachten, niedermachen u. s. f. bedeutete, aber im Hochdeutschen veraltet ist. Im Oberdeutschen kommt es so wie die Iterativa metzeln und metzgen noch für schlachten vor. Es ist das Intensivum von dem alten meiden, meden, schneiden, welches wiederum von mähen abstammet, schon bey dem Ulphilas maitan lautet, und mit dem Lat. mactare Eines Geschlechtes ist. Unser metzen lautet im Holländ. matsen, im Ital. mazzare, ammazzare, im Span. matar, im mittlern Lat. matare, im Slavon. messar, im Ungar. metzöm, im Arab. maza; alle in der Bedeutung so wohl des Schneidens und Schlagens, als auch des Umbringens, Schlachtens und Niedermachens. Ein Überrest ist außer den vorigen und folgenden Wörtern auch noch die letzte Sylbe des Wortes Steinmetz, einen Steinhauer zu bezeichnen. Allein das Franz. Maçon, ein Maurer, und maçonner, mauern, gehöret mehr zu Masse, Massiv, als hierher. S. Adelung Mähen, Matt, Meißel, Messer u. s. f.
 
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Das Mêtzengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, womit man dem Müller die ihm gehörige Mahlmetze abkauft, das Mahlgeld, Nieders. Mattelgeld. S. 4. Metze 2.
 
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* Mêtzgen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es schlachten bedeutet. Der Metzger hat heute nicht gemetzget. Im Nieders. ist matsken in noch weiterer Bedeutung schneiden, hauen, fetzen. Es ist aus metzigen zusammen gezogen, und vermittelst der iterativen Endung -igen von 2. Metzen gebildet. Metzeln und metzigen bedeuten einerley und sind nur in den Ableitungssylben unterschieden. S. -igen. Hieraus erhellet zugleich, daß man dieses und das folgende Wort richtiger mit einem g als mit einem ch schreibet.
 
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Der Mêtzger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Metzgerinn, ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, einen Fleischer zu bezeichnen, wo auch Metzler dafür üblich ist, bey dem Ottfried Mezalar im mittlern Lat. Macellarius, im Ital. Macellaio. Man könnte es von Mett, Fleisch, ableiten, von welchem Worte auch Fleischer in eben derselben Bedeutung herstammt, so wie das Böhm. Massar, ein Fleischer, von Masso, Fleisch, gebildet ist, wenn nicht die Abstammung von dem vorigen metzgen zu gewiß wäre, da es denn genau das ausdruckt, was die Niedersachsen mit ihrem Schlächter sagen. S. Adelung Fleischer. Im Oberdeutschen sind von diesem Worte alle Zusammensetzungen üblich, welche man im Hochdeutschen am liebsten mit Fleischer macht. Der Metzgerknecht, Metzgerhund, Metzgergang, ein vergeblicher Gang, Metzgerpost, die Fortschaffung der Briefe und Packete durch die Metzger, welche der Ursprung des ganzen heutigen Postwesens ist, und noch in einigen Oberdeutschen Gegenden angetroffen wird, u. s. f.
 
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* Die Mêtzig, plur. die -en, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, die Fleischbank zu bezeichnen, wo es am häufigsten Metzg oder Mezg, zuweilen aber auch Metze lautet. Im Mittlern Lat. Macellum.
 
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Der Mêtzkasten, des -s, plur. ut nom. sing. von 4. Metze 2. in den Mühlen, derjenige Kasten, worein der Müller seine Mahlmetzen schüttet und verwahret.
 
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Der Mêtzner, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte 1. Metzen, derjenige Mühlknappe auf den Mühlen, welcher das Metzen verrichtet, und welcher an einigen Orten auch der Mehlmeister genannt wird.

[Bd. 3, Sp. 197]



 
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Der Meuchelmord, des -es, plur. die -e, ein heimlich, hinterlistiger und tückischer Weise begangener Mord. Einen Meuchelmord begehen. Das alte Wort meuchel, welches heimlich, tückisch, hinterlistig bedeutete, ist im Hochdeutschen veraltet. Dietrich von Stade und Bödicker leiteten es von dem gleichfalls veralteten Mougel, die Dämmerung, her. Allein, es scheinet zunächst zu mucken und munkeln zu gehören, welche gleichfalls den Begriff der Heimlichkeit, der Tücke, bey sich führen. Im Schwed. ist mussla heimlich verbergen, und im Franz. musser verbergen. Indessen kann es seyn, daß das gedachte Mougel, Kaisersbergs munk, dunkel, und Matthesii munken, verrathen, und Munker, ein Verräther, Spion, damit verwandt sind. Im Nieders. ist mucken tückisch, hinterlistig, auf meuchelmörderische Art ermorden, welches in dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche auf eine sonderbare Art aus Indien hergeleitet wird. Ein Mucker, Afmucker ist daselbst ein Meuchelmörder, im Oberdeutschen Meuchler. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird Meuchelmörder als ein in den dortigen Gegenden unbekanntes Wort, durch heimlich Mörder erklärt. Wenn nicht der Begriff der Heimlichkeit, der Tücke, diesen Wörtern so wesentlich anklebte, so könnte man sie mit dem Lat. mactare füglich von metzgen und metzen ableiten. S. Adelung Meuchlings.