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Meisterlade bis Meisterwurz (Bd. 3, Sp. 168 bis 169)
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Artikelverweis Die Meisterlade, plur. die -n, bey den Handwerkern, die Lade, oder das Behältniß, worin die Freyheiten, Gerechtsamen u. s. f. des Handwerkes, die Rechnungen und Gelder der Zunft u. s. f. verwahret werden, und welche auch nur die Lade schlechthin heißt; zum Unterschiede von der Gesellenlade.
 
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Meisterlich, -er, -ste, adj. et adv. wie meisterhaft, nur daß dieses mehr der anständigen Sprechart, meisterlich aber mehr dem gemeinen Sprechgebrauche gemäß ist. Nach der Kunst meisterlich bilden, Weish. 13, 13. Wie meisterlich wußte er seine Empfindungen zu verbergen! Das kann ich meisterlich. Er glaubt, seine Sache meisterlich gemacht zu haben, vortrefflich.
 
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Meistern, verb. reg. act. welches von dem Hauptworte Meister gebildet ist, aber einen großen Theil seiner ehemahligen Bedeutungen verloren hat. Es bedeutete, 1) * Personen oder Sachen vorgesetzet seyn, sie regieren; S. Adelung Meister 1. Eine veraltete Bedeutung, in welcher meistron in den Monseeischen Glossen vorkommt. Etwas dieser Bedeutung ähnliches scheinet auch Luther Hiob 38, 33 im Sinne gehabt zu haben: weißest du, wie der Himmel zu regieren ist? oder kannst du ihn meistern auf Erden? Wo es bey Michaelis heißt: Kennest du die Gesetze des Himmels, und machst die Abzeichnung für ihn auf der Erde? 2) Bemächtigen, überwältigen, von Meister, so fern es einen Stärkern, einen Herren bedeutet; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher noch die zusammen gesetzten bemeistern und übermeistern üblich sind.
   Ich kenne mich nicht mehr, ich weiß nicht was ich setze,
   Die Regung meistert mich,
   Gryph. 3) So fern Meister eine mit überlegener Einsicht oder Geschicklichkeit begabte Person bedeutet, ist meistern mit dem Bewußtseyn dieser überlegenen Einsicht tadeln, wo es doch größten Theils nur in engerer Bedeutung und im nachtheiligen Verstande, von der eingebildeten überlegenen Einsicht, oder einem unzeitigen, ungebührlichen Tadel der Handlungen oder Wirkungen eines andern gebraucht wird Schwed. mestra, Franz. maitriser. Sie versuchten

[Bd. 3, Sp. 169]


Gott immer und meisterten den Heiligen in Israel, Ps. 78, 41. Wer ist mir gleich? Wer will mich meistern? Jer. 49, 19.
   Auch der dich meistert, muß dich lieben,
   Haged.
   Soll die Seele sich entwickeln, und in rechter Größe blühn,
   O, so muß kein klügelnd Meistern ihr die Majestät entziehn,
   ebend.
   Der mein Thun zu meistern denkt,
   Predigt tauben Ohren,
   ebend.
   Der Dünkel meistre dich, es mag die Thorheit richten,
   Dusch. In der im gemeinen Leben üblichen R. A. wer am Wege bauet, hat viel Meister, ist Meister aus dem sonst ungewöhnlichen Meisterer, Tadler, zusammen gezogen. 4) * Von Meister, ein Lehrer, war meistern ehedem lehren, in welcher ganz veralteten Bedeutung Notker meisteren gebraucht. 5) * So fern endlich Meister den Urheber, Verfertiger eines Werkes bedeutet, war meistern ehedem auch hervor bringen, verfertigen, machen. Scripturas die du meistrotost, Notk. die Schriften, welche du verfertigtest. Auch diese Bedeutung ist veraltet; indessen scheinet bey den Färbern noch etwas davon üblich zu seyn, bey welchen meistern die Grundfarbe einrichten bedeutet.
   Anm. Das Hauptwort die Meisterung ist nicht üblich. Im Schwed. heißt mestra auch zerbrechen, wo es besonders von dem Glase und den Fenstern gebraucht wird, aber alsdann ein ganz anderes Zeitwort ist, welches vermuthlich zu meiden, mähen, schneiden, stoßen, bey dem Ulphilas maitán, gehöret. Siehe Meißel.
 
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Das Meisterpfund, des -es, plur. die -e, bey den Wollwebern, eine Art schwererer Pfunde als die gewöhnlichen, nach welchen die Wolle, welche sie zum Spinnen ausgeben, gewogen wird. Von Meister, so fern es im weitesten Verstande ein andern Dingen seiner Art überlegenes Ding bedeutet.
 
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Das Meisterrêcht, des -es, plur. die -e. 1) Bey den Handwerkern, das mit dem Rahmen und Stande eines Handwerksmeisters verbundene Recht, das Recht, ein Handwerk öffentlich zu treiben, und Gesellen und Lehrlinge zu halten. Das Meisterrecht erhalten, erlangen, gewinnen. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet es auch das Meisterstück. Sein Meisterrecht an etwas thun, Opitz. Und an einem andern Orte nennt er die Natur des Höchsten Meisterrecht und erstgebornes Kind.
 
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Der Meistersänger, oder Meistersinger, des -s, plur. ut nom. sing. eine alte Art zunftmäßig eingerichteter Dichter oder vielmehr Reimer, welche wie andere Handwerker Meister und Lehrlinge unter sich haben, und noch in Nürnberg, Straßburg und einigen andern Oberdeutschen Städten zünftig sind. Sie stammen von den ehemahligen Dichtern des Schwäbischen Zeitalters oder den so genannten Minnesingern ab, und singen ihre Meistergesänge oder Meisterlieder in ihren Zechen und Singeschulen, oder feyerlichen Versammlungen, nach gewissen angenommenen Meistertönen her.
 
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Die Meisterschaft, plur. die -en, ein ehedem sehr übliches, jetzt aber größten Theils veraltetes Wort. Es bedeutete, 1) den Zustand, die Eigenschaft, die Würde eines Meisters, ohne Plural; wo es fast in allen Bedeutungen dieses Wortes vorkommt. So wohl für Vorzug, Rang.
   Vil stolzer ist min meisterschaft
   Denne din gros unfluemikeit,
   der Burggr. v. Riedenb.
   Wer e hat volbracht sin werk mit kraft
   Dem wart die meisterschaft,
   ebend. Als auch für Oberherrschaft, Überlegenheit.
   Den andern teil den git mir mine kraft
   Vnd mine grosse meisterschaft,
   ebend. Besonders überlegene Geschicklichkeit, Erfahrung, Wissenschaft, Kunst; in welchem Verstande es noch im 16ten Jahrhunderte häufig vorkommt. Auch für Lehre, Unterweisung, Zucht war es ehedem üblich. Von der akademischen Magister-Würde kommt es noch zuweilen im Scherze vor. Am üblichsten ist es noch von dem Zustande, der Würde eines Handwerksmeisters. Die Meisterschaft rechtmäßig erlangen, das Meisterrecht. 2) Mehrere Meister; ehedem gleichfalls in den meisten Bedeutungen dieses Wortes. So heißt die Obrigkeit bey dem Hornegk die Meisterschaft. Der Burggraf von Riedenburg nennet die Gelehrten an des Kaisers Hofe des Keisers meisterschaft. In einigen Städten führet nur noch zuweilen eine Handwerkszunft oder Innung den Nahmen der Meisterschaft.
 
Artikelverweis Der
Meisterstreich, des -es, plur. die -e, ein meisterhafter Streich, der Streich eines Meisters, d. i. einer mit überlegener Geschicklichkeit, Erfahrung und Wissenschaft begabten Person. Sich durch einen Meisterstreich aus einer Verlegenheit wickeln.
 
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Das Meisterstück, des -es, plur. die -e. 1) Überhaupt, ein Stück, d. i. ein Werk, eines Meisters, einer in ihrem Fache mit überlegener Kunst, Geschicklichkeit, Wissenschaft oder Erfahrung begabten Person, ein vortreffliches Stück; ein Meisterwerk. So nennet man eine vortreffliche Rede, ein vorzüglich schönes Gedicht, einen meisterhaften Streich u. s. f. Meisterstücke. In engerer Bedeutung ist es das beste unter mehrern vorzüglichen Werken Einer Person. Der Mensch ist das Meisterstück der Natur. 2) Bey den Handwerkern ist es dasjenige Stück Arbeit, welches ein Gesell verfertigen muß, wenn er das Meisterrecht erhalten will. Das Meisterstück machen. Da es denn in weiterer Bedeutung auch wohl von einem jeden Werke gebraucht wird, welches man zum Beweise seiner Geschicklichkeit, Einsicht oder Erfahrung verfertiget.
 
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Der Meistertag, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, derjenige Tag, an welchem sich die Meister eines Handwerkes versammeln.
 
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Die Meisterwurz, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den Schweizerischen Alpen einheimisch ist; Imperatoria L. Engl. Masterwort, Dän. Messerurt. Sie hat den Nahmen vermuthlich den überaus heilsamen Kräften ihrer gewürzhaften scharfen Wurzel zu danken, welche noch jetzt für das wirksamste schweiß- und urintreibende Mittel gehalten wird. Bey dem Camerarius heißt sie Magistrantia, bey andern Ostrutium, Astrutium, Astrentium, daher sie auch in einigen Deutschen Gegenden Ostritz, Astenz, Astranz, Magistranz, ingleichen Kaiserwurz und Wohlstand genannt wird.