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Matschen bis Mattenblume (Bd. 3, Sp. 110 bis 112)
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Artikelverweis  Matschen, S. Adelung Matsch.
 
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Matt, -er, -este, adj. et adv. ein sehr altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen vorkommt.
   1. * Todt; eine im Deutschen völlig veraltete Bedeutung, deren hohes Alter aus dem Hebr. 05de05d505ea, sterben, erhellet. Im mittlern Lat. ist matare tödten, Span. matar, und im alt Franz. Mathe das Grab. Es gehöret in derselben zu unsermmetzeln, Metzcher, und vielleicht auch zu mähen, so fern es ehedem schneiden überhaupt bedeutete, S. diese Wörter.
   2. * Überwunden, so in die Enge gebracht, daß man sich nicht mehr zu helfen weiß; eine gleichfalls im Ganzen veraltete Bedeutung. Im mittlern Lat. mattus, Franz. maté. Man sagte ehedem, jemanden matt sprechen, ihn auffordern, sich für überwunden zu erklären.
   Wer hoestis halb das messer hat
   Der mag dem andern sprechen matt,
   der Burggraf von Riedenburg.
   Ein vugent dem kuinig spricht mat,
   ebend. Im Deutschen gebraucht man es nur noch in dem Schachspiele, wo der Schach oder König matt wird, wenn er völlig überwunden ist, so daß er keinen Zug mehr thun kann.
   Si hant das spil verloren und er eine tuot in allen mat,
   Walther von der Vogelweide. Im Franz. mat, und selbst im Persischen, aus welchen Gegenden dieses Spiel in Europa bekannt geworden, mat. S. Adelung Matsch, welches gleichfalls hiervon abzustammen scheinet. Man hatte ehedem auch das Hauptwort Mat, welches noch bey dem Stryker vorkommt, und das Verderben bedeutet, Isländ. Maat.
   3. Der Kräfte in einem hohen Grade beraubt, einen hohen Grad des Mangels der gehörigen oder gewöhnlichen Kräfte empfindend und darin gegründet; in welcher Bedeutung es noch am häufigsten vorkommt. 1) Eigentlich. Daß sie laufen, und nicht matt werden, Es. 40, 31. Der Herr, der die Ende der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, V. 28. Wie Widder, die matt vor dem Treiber hergehen, Klagel. 1, 6. Und die Sonne stach Jona auf den Kopf, daß er matt ward, Jon. 4, 8. Von schweren Arbeiten, Mangel der Nahrung, großer Hitze, nach einer langen Krankheit u. s. f. wird man matt. 2) Figürlich. (a) Nicht den gehörigen Grad der Lebhaftigkeit oder Stärke habend; im Gegensatze des lebhaft, stark. Eine matte Stimme. Bey Gütern, welche wir stets genießen, wird das Vergnügen endlich matt, Gell. Ein matter Scherz. Ein matter Gedanke. Ein matter Styl. Eine matte Entschuldigung, welche es an der einleuchtenden Gründlichkeit fehlet. (b) Besonders von dem Glanze oder Lichte, einen geringern Grad des Lichtes habend; gleichfalls im Gegensatze des lebhaft. Die matten Strahlen der Sonne. Ein mattes Licht. Eine Oberfläche ist matt, wenn sie kein Licht zurück wirft, daher wird bey den Künstlern matt dem polirten entgegen gesetzt; Franz. mat. Mattes Gold, welches nicht polirt oder brunirt worden. Matte Farben, bey den Mahlern, welche keinen Glanz haben, dergleichen Umbra und Massicot sind. Ein matter Demant, welcher wenig Feuer, wenig Glanz hat. Auch figürlich. Die Abendstunde sollte ihre matten Reitze in einem günstigen Lichte zeigen. (c) Ingleichen auch von dem Geschmacke. Das Bier, der Wein schmeckt matt, wenn er die lebhafte Schärfe oder Kraft verloren hat. Ehedem gebrauchte man es in noch mehrern figürlichen Bedeutungen. Jeroschin nennt ein Land matt, welches in schlechtem Vertheidigungsstande ist. Ein Land matt machen heißt bey eben demselben es verwüsten. Bey dem Burggrafen von Riedenburg stand der Hund, der über dem Schatten im Wasser sein Stück Fleisch verlor, ledig unde mat, das er fin stuki

[Bd. 3, Sp. 111]


hat verlorn, d. i. traurig, betreten. Alles trostes mat sin, ist bey eben demselben dessen beraubt seyn.
   Anm. In der dritten Hauptbedeutung im Dän. mat, im Schwed. matt, im Angels. methig, im Engl. mate, im Böhm. mdle. Im Isländ. ist maeddir, modr, maeda, abmatten, Engl. to mate. Es gehöret zu müde, Mühe, und vielleicht auch zu Muße. Mit verändertem Endlaute ist im Nieders. mak, nicht nur sanftmüthig, friedsam, sondern auch matt. Wenn man alle Bedeutungen dieses Wortes zusammen nimmt, so wird es sehr wahrscheinlich, daß sie nur Figuren einer ältern sind, welche niedrig, tief, bedeutete, und wovon das Stammwort ma, mä, me, lautete, von welchem vermittelst verschiedener Ableitungslaute unser Matte, eine Wiese, Meer, Morast, Mos, und andere mehr abstammen. Im Ital. ist matto dumm, betäubt, und Matto ein Narr. S. 2. Matz und 5. Matte.
 
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Der Mattbunzen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldschmieden, ein Bunzen, mit einer fein punctirten matten Spitze, zu solchen Stellen der getriebenen Arbeit, welche matt, oder glanzlos seyn soll. S. Adelung Matt 3. 2) (b)
 
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Der Mattdamm, des -es, plur. die -dämme, in einigen Gegenden, ein mit Matten, d. i. ströhernen Decken, bekleideter Damm.
 
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1. Die Matte, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden für Made oder Motte übliches Wort. So wird in der Lausitz der Schmetterling die fliegende Matte genannt. S. Motte und Made.
 
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2. Die Matte, plur. die -n, eine ehemahlige Spanische Silbermünze, welche viereckt ist, und nach heutigem Gelde etwa 1 Thlr. 3 Gr. gilt; eine Spanische Matte. Es scheinet, daß dieses Wort ehedem überhaupt den Begriff einer viereckten Fläche gehabt. Im mittlern Lat. ist Matto und Mattonus, Ital. Mattone, ein Ziegelstein. Wenn hier nicht vielmehr der folgende Begriff der Verbindung, der Masse, zum Grunde lieget, (S. 4. Matte,) so daß Matte eigentlich eine Dickmünze bedeuten würde. Matapanus war ehedem auch eine Art Venetianischer Münzen, und die Niederdeutschen Mattier sind gleichfalls bekannt, S. dieses Wort.
 
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3. Die Matte, plur. die -n, eine grobe Decke. Eine Matte von Stroh, eine Strohmatte, von Binsen, eine Binsenmatte. Die Mistbeete mit Matten zudecken. Stubenmatten, grobe wollene Decken, den Fußboden damit zu bedecken; Faulmatten, sie vor die Stubenhüren zu befestigen, um den Koth von den Füßen daran abzustreichen. S. auch Hangematte.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Matte, im Schwed. Matta, im Angels. Meatta, im Engl. und Holländ. Matt, im Latein. gleichfalls Matta. Es scheinet zunächst den Begriff der Bedeckung, zugleich aber auch den verwandten Begriff der Niedrigkeit, Tiefe, Höhlung, zu bezeichnen, da es denn mit 5. Matte, Mieder, Mantel und andern dieser Art Eines Geschlechtes seyn würde. Unser Matratze stammet von diesem Worte her.
 
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4. Die Matte, plur. inus. oder die Matten, sing. inus. ein Wort, welches den Begriff der Consistenz, der dichten Verbindung der Theile, der Masse, hat. Man gebraucht es nur noch im gemeinen Leben vieler Gegenden, wo die geronnene oder gekäsete Milch, so wie sie zum Käsemachen gebraucht wird, die Matte, oder im Plural die Matten, Käsematten heißt. Holländ. Matte, im Lotharing. Matton. In Meißen wird die Milch mattig, wenn sie gerinnet. S. auch 1. Matz. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Masse, Materie, und stammet mit denselben von Mat, socius, (S. Matschaft, mit, mischen u. s. f.) ab. Bey dem Petron ist Mattea eine gewisse leckere Speise, Griech. ματτν, bey dem Sueton, Mactea; um Dombes in Frankreich ist

[Bd. 3, Sp. 112]


Matte ein Bündel Hanf, und im Lotharing. Maitte die Materie, der Stoff.
 
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5. Die Matte, plur. die -n, ein Wort, welches den Begriff der Vertiefung, der physischen Niedrigkeit hat, aber nur noch in zwey Fällen vorkommt. 1) Eine eingebogene fehlerhafte Bäule in einem Geschirre heißt am Nieder-Rheine und in einigen andern Gegenden eine Matte. Ein metallenes Geschirr bekommt Matten, wenn es auf einen harten Körper fällt. Bey den Goldplättern werden die kleinen fehlerhaften Grübchen in der stählernen Plättwalze, welche von dem Gusse herrühren, gleichfalls Matten genannt, wo es aber auch von matt, wenig oder gar keinen Glanz habend, abstammen, und eine solche matte Stelle bezeichnen kann. 2) Eine Wiese, ein vorzüglich Oberdeutsches Wort, welches im Hochdeutschen nur in der höhern Schreibart üblich ist. Das Heu verfaulte auf den Matten, Bluntschli, ein Schweizer. Die Matten, voll Raub und voll Ruin, Raml.
   Von langen Matten
   Erhebt sich der kühle Thau,
   Zachar. Anm. In der letzten Bedeutung im Nieders. Mäde, Mädland, Meetland, im Angels. Maed, im Engl. Mead, Meadow, welche man, so wie das Oberdeutsche, gemeiniglich, obgleich unrichtig, von mähen ableitet; eine Ableitung, welche dem Worte Matte bald einen zu weiten, bald aber auch einen zu engen, folglich keinen bestimmten Begriff gewähren würde. Nicht alle Wiesen werden gemähet, hingegen werden in vielen und großen Provinzen auch die Äcker und Felder gemähet. Ma, Mä, ist ein sehr altes, noch im Schwedischen übliches Wort, welches einen niedrigen, flachen, sumpfigen Boden bedeutet, und wovon vermittelst verschiedener Ableitungslaute Marsch, Mos, Morast, Mohr, Matte u. s. f. abstammen. S. Adelung Matt Anm. Zu dieser allgemeinen Bedeutung der Niedrigkeit oder Tiefe gehören auch das Lat. mittere, das Franz. mettre, im Lothar. matte, das mittlere Lat. bey dem Libavius befindliche Mottena, Torf, das Ungar. Mezö und Lappländ. Metze, ein Feld, und hundert andere mehr; zu dem abstammenden Begriffe der Aushöhlung aber unser Maß, Metze, Muth, ein Scheffel, das Lat. Modius u. s. f. Im Baierischen heißt eine Wiese auch mit dem Zischlaute ein Moser.
 
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Matten, verb. reg. act. von dem Bey- und Nebenworte matt, matt machen. 1) In dem Schachspiele, jemanden matten, seinem Könige matt biethen, seinen König matt machen. 2) Entkräften und entkräftet werden, wo es doch nur in den Zusammensetzungen abmatten und ermatten üblich ist, S. diese Wörter.
 
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Die Mattenblume, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme der Dotterblume oder Butterblume, Caltha palustris L. welche auf allen Matten, d. i. Wiesen, angetroffen wird, daher sie auch Goldwiesenblume, und mit untergeschobenem Zischlaute Maßliebe und Mosblume genannt wird. S. 5. Matte.