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Lumpen bis Lumperēy (Bd. 2, Sp. 2130 bis 2131)
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Artikelverweis  Lumpen, verb. reg. act. gleichfalls nur im gemeinen Leben, als einen Lump, d. i. verächtlichen, armseligen Menschen behandeln. Jemanden lumpen. Er läßt sich nicht lumpen, sagt man von jemanden, welcher eine Ehren halber vorfallende Ausgabe aus Geitz oder Armuth nicht zu vermeiden sucht. Im Oberd. bedeutet Lumper auch einen Stümper.
 
Artikelverweis 
Der Lumpen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Lümpchen, Oberd. Lümplein, ein Lappen im verächtlichen Verstande, ein abgetragener zerrissener Lappen, und aus Verachtung oft auch ein jedes Stück Zeuges oder Kleid. Ein alter abgetragener Lumpen. Mit Lumpen handeln. Das Papier wird aus Lumpen gemacht; im gemeinen Leben aus Haderlumpen, S. Adelung Hader. Sprichw. Das Feuer fängt bald in einem Lumpen, d. i. das Unglück trifft nur arme Leute. Im Diminut. verschwindet der verächtliche Nebenbegriff, und da ist ein Lümpchen weiter nichts als ein Läppchen.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Lumpe, im Schwed. Lump. Es ist der Abstammung nach Ein Wort mit Lappen. Das m ist der gewöhnliche Begleiter der Lippenbuchstaben druckt aber in diesem Falle zugleich eine größere Beweglichkeit aus, worin denn auch der verächtliche Nebenbegriff gegründet ist. Im Oberdeutschen ist lummeln schlotternd herab hangen. Mit den gewöhnlichen Veränderungen gehöret auch unser schlumpen, das Schwed. Lunt, ein Lappen, das Nieders. Plunne, Slunne, Slunte, ein Lumpen, sluns, schlotterig u. s. f. hierher. In

[Bd. 2, Sp. 2131]


manchen Mundarten lautet es im Nominativ der Lump, und der Lumpe.
   Verhängniß, läßt du denn den Purpur so vermodern,
   So sage, was hinfort ein Lump erwarten soll?
   Günth.
   Dein stärkster Foliant, der Fluch für den, der schreibt,
   War Lumpe, ward Papier, wird Kehrig, wird zerstäubt,
   Haged. In manchen Gegenden ist es auch weiblichen Geschlechtes, die Lumpe. Im gemeinen Leben wird dieses Wort sehr häufig mit solchen Hauptwörtern zusammen gesetzt, deren verächtliche, nichtswürdige Beschaffenheit man ausdrucken will. Ein Lumpenhaus, das Lumpengeld, ein Lumpenkerl, ein Lumpending, ein Lumpenbild, die Lumpenwaare u. s. f.
 
Artikelverweis Das
Lumpenbier, des -es, plur. inus. eine Benennung desjenigen Bieres, welches in Wernigerode gebrauet wird.
 
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Das Lumpengesinde, oder Lumpengesindel, des -s, plur. inus. im verächtlichen Verstande, arme, elende, nichtswürdige Leute; das Lumpenvolk, das Lumpenpack sind noch niedriger.
 
Artikelverweis 
Der Lumpenhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Lumpen, besonders zum Behufe der Papiermühlen. Daher der Lumpenhändler, die Lumpenhändlerinn.
 
Artikelverweis 
† Der Lumpenhund, des -es, plur. die -e, in der niedrigsten Sprechart, ein armseliger, nichtswürdiger Mensch, im verächtlichsten Verstande.
 
Artikelverweis 
Der Lumpenmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, S. Adelung Lumpensammler.
 
Artikelverweis 
† Das Lumpenpack, des -es, plur. inus. siehe Lumpengesinde.
 
Artikelverweis 
Der Lumpensammler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lumpensammlerinn, eine Person, welche die Lumpen zum Gebrauche der Papiermühlen sammelt. Im gemeinen Leben der Lumpenmann, oder Haderlump, die Lumpenfrau.
 
Artikelverweis 
Der Lumpenzucker, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eine Art groben Zuckers, welcher aus nochmahliger Siedung des Farin- oder Cassonade-Zuckers entstehet; vermuthlich, weil er gemeiniglich in Lumpen eingepackt wird. Die Holländer, welche ihn in großen in Palmblätter gewickelten Hüten zu verschicken pflegen, nennen ihn daher Palmzucker. Durch neues Sieden entstehet aus dem Lumpenzucker, der Melis, die Rafinade, und endlich der Canarien-Zucker.
 
Artikelverweis 
Die Lumperēy, plur. die -en, im gemeinen Leben, eine elende, armselige, nichtswürdige Sache; in etwas gelinderm Verstande eine Lapperey.