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Lātschen bis Lattich (Bd. 2, Sp. 1923 bis 1924)
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Artikelverweis Lātschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, diejenige Art des Ganges zu bezeichnen, da man aus einem Fehler an den Füßen, oder aus Nachlässigkeit die Füße im Gehen nicht aufhebet, sondern mit denselben auf dem Boden hinstreichet. Daher man weite ausgetretene Schuhe oder Pantoffeln, welche nicht fest an den Füßen sitzen und daher keine andere Art des Ganges verstatten, gleichfalls Latschen, Singul. die Latsche, zu nennen pflegt. An andern Orten heißt man sie Schlarfen. Ein Latscher, welcher einen latschigen Gang hat. Figürlich, doch gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten, wird es oft für gehen überhaupt gebraucht. Auslatschen, spazieren gehen, ingleichen extra gehen, zu andern Weibern gehen. Die Schuhe niederlatschen, niedertreten. Die Schuhe ablatschen, ablaufen, u. s. f. Im Rothwälschen wird der Hase Latschfuß genannt. Es scheinet eine Onomatopöie zu seyn, welches, so wie das ähnliche schlarfen, den eigenthümlichen Schall eines solchen Ganges nachahmet.

[Bd. 2, Sp. 1924]



 
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Die Latte, plur. die -n. 1) Eine Stange; doch nur noch in einigen Fällen. So werden im Forstwesen junge schlank und gerade aufgeschossene Bäume so wohl Latten, als Stangen genannt. Sommerlatten sind besonders solche junge zarte Weiden vom ersten Wuchse. Ja in einigen Gegenden pflegt man wohl ein jedes Reis, einen jungen Zweig an einem Baume, eine Lade, Latte oder Lahte zu nennen. Im Wallisischen ist Llath eine jede Stange. 2) Am häufigsten sind die Latten lange dünne gemeiniglich viereckige Stangen, dergleichen die z. B. sind, woraus manche Arten von Geländer verfertiget werden, welche man der Quere nach über die Dachsparren zu nageln pflegt, das Stroh- oder Ziegeldach darauf zu befestigen u. s f. Gerissene Latten, welche aus jungen Fichtenbäumen gerissen oder gespalten worden, zum Unterschiede von den geschnittenen, d. i. gesägten. Mit der Latte laufen, oder mit der Stange laufen, sagt man im gemeinen Leben, von einem possierlich windigen Menschen. Sie ärgert sich genug, daß er mit Latten läuft, Günth. Anm. Im Nieders. gleichfalls Latte, im Dän. Lägte, im Schwed. Läckt, im Engl. Lath, im Franz. Late, im Finnländ. Laita, im Böhm. Lat und Latka, im Pohln. Lata, im Ital. Latta, im mittlern Lat. Lata. Es läßt sich mit fast gleichem Rechte zu mehrern Stammwörtern rechnen, indem Geländer, Nieders. Land, glatt, Wendisch latki, das alte lidon, schneiden, lang und schlank, Leiste und Litze, und noch andere mehr Anspruch darauf machen können. Da man Spuren hat, daß auch Breter in einigen Sprachen und Mundarten Latten genannt werden, so können auch Blatt, Platte und Laden mit in Betrachtung kommen.
 
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Latten, verb. reg. act. mit Latten versehen oder belegen. Ein Dach latten, die Dachlatten auf die Sparren nageln, wofür auch belatten üblich ist; im mittlern Lat. latare. Daher die Lattung.
 
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Die Láttenfíscherey, plur. die -en, in einigen Gegenden, die Art und Weise mit der Angel zu fischen, die Angelfischerey oder Ruthenfischerey; von Latte, eine Stange oder Ruthe.
 
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Der Lattenhauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher Latten im Walde hauet oder reißet; der Lattenreißer.
 
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Das Lattenholz, des -es, plur. inus. Holz, welches bequem ist, Latten daraus zu reißen oder zu sägen.
 
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Der Lattennagel, oder Lattnagel, des -s, plur. die -nägel, eine Art großer fast vierzölliger eiserner Nägel, die Dachlatten damit auf die Sparren zu nageln.
 
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Der Lattenreißer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Lattenhauer.
 
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Der Lattenspieker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art viereckiger spitziger Nägel mit kleinen Köpfen, zu den Fußböden, vermuthlich so fern Latte ehedem auch ein Bret bedeutete. S. Adelung Spieker.
 
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Das Lattenwêrk, des -es, plur. die -e, ein aus Latten bestehendes Werk, dergleichen Gartenlauben, Weingeländer u. s. f. sind.
 
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Der Lattich, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in einigen Gegenden, der Gartensallat, welcher nach dem Latein. Lactuca auch wohl Lactūk genannt wird; Lactucā L. Da der Sallat vorzüglich breite Blätter hat, so scheinet es, daß diese breite Beschaffenheit der Blätter zu seiner Benennung Anlaß gegeben, und daß das Wort Lattich mit latus, Blatt und platt Eines Geschlechtes sey. Die Sylbe -ich bedeutet wie in Wegerich, Wütherich u. a. m. ein Ding, ein Subject. Die Lateiner haben durch Einschiebung des Gaumenlautes ihr Lactuca aus eben dieser Quelle. Das Tussilago L.

[Bd. 2, Sp. 1925]


wird um seiner ungewöhnlich großen, breiten und einem Pferdehufe ähnlichen Blätter willen Hufflattich, und im Nieders. Loddik, Lödke, genannt. Im Ital. heißt der Gartensallat Lattuga, im Böhm. Locyka, im Engl. Lettice, im Franz. Laituë, und in einigen Nieders. Gegenden Lätsche.