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2. Die Lasūr bis Lātschen (Bd. 2, Sp. 1922 bis 1923)
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Artikelverweis  2. Die Lasūr, oder Lasūr-Farbe, plur. von mehrern Arten, die -en, eine aus dem morgenländischen Lasur bereitete schöne blaue Farbe, welche auch Ultramarin genannt wird. Eine unechte Lasur wird auch aus blauem gepülvertem Glase, aus Bergblau u. s. f. bereitet, und alsdann gleichfalls Lasurfarbe genannt.
 
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Lasūrblau, adj. et adv. der hohen brennenden blauen Farbe des Lasurs gleich. Ingleichen als ein Hauptwort das Lasurblau, indeclin. die blaue Farbe des Lasurs, so wohl im Abstracto, als im Concreto.
 
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Das Lasūrêrz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein grüngelbes mit schönen Farben überzogenes Kupfererz, welches auch Kupferlasur genannt wird.
 
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Die Lasūrfarbe, plur. die -n, die Farbe des Lasurs, so wohl als ein Abstractum, als auch als ein Concretum.
 
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Der Lasūrstein, des -es, plur. die -e, S. Lazur. Michaelis bemerkt 2 Mos. 27, 18, daß die Alten unsern heutigen Lasurstein auch Sapphir zu nennen gepflegt, unter welchem Nahmen er auch bey dem Plinius vorkommt.
 
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Das Lateīn, des -es, plur. car. aus dem Lat. Latinum, die Lateinische Sprache. Latein reden, die Lateinische Sprache. Schlechtes Latein schreiben. Dein Latein taugt nichts. Latein lernen.
 
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Der Lateīner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lateinerinn. 1) Ein ehemahliger Bewohner des alten Latii in Italien, wo die Lateinische Sprache einheimisch war. 2) Eine Person, welche die Lateinische Sprache verstehet. Ein guter, ein schlechter Lateiner.

[Bd. 2, Sp. 1923]



 
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Lateīnisch, adj. et adv. aus dem Lat. Latinus. 1) Den ehemahligen Einwohnern des alten Latii in Italien, und in weiterer Bedeutung, dem ganzen ehemahligen mittlern Italien gehörig, daher kommend u. s. f. wo es doch nur noch selten gebraucht wird. In der Schifffahrt pflegt man noch die dreyeckigen Segel Lateinische Segel zu nennen. 2) In engerer Bedeutung gebraucht man dieses Wort am häufigsten von der in dem alten Latio ehedem üblichen Sprache, welche in Rom am besten geredet wurde. Die Lateinische Sprache. Lateinisch reden, schreiben. Etwas in das Lateinische übersetzen.
 
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Die Latêrne, plur. die -n, Diminut. das Laternchen, Oberdeutsch Laternlein. 1. Eigentlich, ein Behältniß, dessen Wände aus einer durchscheinenden Materie verfertiget sind, das darein gesetzte brennende Licht vor dem Winde und Regen zu verwahren. Die Gassenlaterne, Handlaterne, Blendlaterne, Stangenlaterne u. s. f. Jemanden mit der Laterne nach Hause leuchten 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der äußern Gestalt. 1) Ein blecherner Aufsatz auf einer Feuermauer, welcher an den Seiten offen, oben aber mit einem spitzigen Dache versehen ist, und verhindert, daß der Wind den Rauch nicht zurück treibe. 2) An den Kuppeln oder runden Italiänischen Thürmen ist die Laterne ein kleines durchsichtiges Thürmchen, welches oben auf denselben hervor raget. 3) In der Mechanik, besonders aber in dem Mühlenbaue, ist die Laterne ein aus zwey Scheiben zusammen gesetztes Getriebe, welches anstatt der Kämme cylindrische Stöcke hat, und auch der Drehling, Dreyling, Trilling genannt wird.
   Anm. Ital. Lanterna, Franz. Lanterne, Engl. Lantern, alle von dem Lat. Laterna. Das letztere leitet man gemeiniglich von latere ab, weil das Licht in einer Laterne gleichsam verborgen ist. Allein, da so wohl ein Leuchter, als eine Laterne im Angels. Lecht ern, Lihtern, genannt wird, von Arn, Ern, ein Ort, Platz überhaupt, so ist, wie schon Ihre angemerket hat, sehr wahrscheinlich, daß auch das Lateinische aus einer ähnlichen alten Quelle herstammet. Denn daß in dem Worte Licht der Hauchlaut nicht wesentlich ist, lässet sich sehr leicht beweisen. Auf ähnliche Art gebrauchen Notker und Willeram das Wort Liehtfaz, eine Laterne, Lampe oder einen Leuchter zu bezeichnen. Übrigens wird eine Laterne im gemeinen Leben auch eine Leuchte genannt.
 
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Der Latếrnenmácher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen an einigen Orten die Klemperer führen, weil sie vornehmlich die blechernen Laternen mit hörnernen oder gläsernen Wänden verfertigen.
 
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Lātschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, diejenige Art des Ganges zu bezeichnen, da man aus einem Fehler an den Füßen, oder aus Nachlässigkeit die Füße im Gehen nicht aufhebet, sondern mit denselben auf dem Boden hinstreichet. Daher man weite ausgetretene Schuhe oder Pantoffeln, welche nicht fest an den Füßen sitzen und daher keine andere Art des Ganges verstatten, gleichfalls Latschen, Singul. die Latsche, zu nennen pflegt. An andern Orten heißt man sie Schlarfen. Ein Latscher, welcher einen latschigen Gang hat. Figürlich, doch gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten, wird es oft für gehen überhaupt gebraucht. Auslatschen, spazieren gehen, ingleichen extra gehen, zu andern Weibern gehen. Die Schuhe niederlatschen, niedertreten. Die Schuhe ablatschen, ablaufen, u. s. f. Im Rothwälschen wird der Hase Latschfuß genannt. Es scheinet eine Onomatopöie zu seyn, welches, so wie das ähnliche schlarfen, den eigenthümlichen Schall eines solchen Ganges nachahmet.

[Bd. 2, Sp. 1924]