Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lastbar bis Lästern (Bd. 2, Sp. 1919 bis 1921)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Lastbar, adj. et adv. was Lasten trägt oder tragen kann. Lastbare Thiere oder Lastthier, unter welcher der Esel das berühmteste ist. Das stumme lastbare Thier (Bileams) redete mit Menschenstimme, 2 Petr. 2, 16.
 
Artikelverweis 
Lasten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine Last, d. i. hohen Grad der drückenden Schwere haben. Bücher lasten sehr, haben viele Last nach Maßgebung ihrer Masse. In den zusammen gesetzten belasten, entlasten, überlasten ist es auch in thätiger Gestalt üblich.
 
Artikelverweis 
Das Laster, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * Eine jede Verstümmelung oder grobe körperliche Verletzung; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Läster noch im Schwed. vorkommt, wo auch lätza verletzen ist. Im gemeinen Leben gebraucht man noch das Zeitwort zerlästern in dieser Bedeutung, so wie auch die letzte Hälfte des Zeitwortes verletzen, laedere, hierher gehöret. S. Adelung Last 1. 2) * Eine Beleidigung, und in engerer Bedeutung, Beschimpfung, Beleidigung der Ehre, wie auch im leidenden Verstande, Schande, Schimpf; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher indessen noch lästern abstammet. Einem etwas zu Laster thun, Schwabensp. Kap. 173, zum Schimpfe. Einem weder Laster noch Leid thun, Königshoven.
   Die Juden, so darum den Haß und Laster tragen
   Durch alles Christen Reich,
   Opitz. Im gemeinen Leben einiger Gegenden gebraucht man das Wort Laster als ein niedriges Schimpfwort auf eine schändliche Person oder verächtliches Ding. S. Adelung Lasterstein. 3) * Schaden, Nachtheil; welche Bedeutung gleichfalls veraltet ist.
   Ich wil diu seldenhaften wib
   Niht biten wan des einen
   Das si mir sin genedig so
   Das an ir laster si,
   Walther von Klingen; ohne ihren Schaden. 4) * Ein Verbrechen, eine grobe Übertretung des Gesetzes; schon bey dem Ottfried und im Tatian Lastar. Wenn jemand ein Weib nimmt, und ihre Mutter dazu, der hat ein Laster verwirkt, 3 Mos. 20, 4. Da ihr mußtet eure Laster und Greuel tragen, Ezech. 16, 58. Um drey und vier Laster willen der Stadt Zor will ich ihrer nicht schonen, Amos 1, 9, 11, 13. Auch in dieser Bedeutung kennet man es im Hochdeutschen nur noch in dem Ausdrucke das Laster der beleidigten Majestät, wofür doch auch das Verbrechen der beleidigten Majestät üblicher ist. 5) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die thätige Neigung ein Gesetz wissentlich zu übertreten; ingleichen die Fertigkeit dieser Übertretung. Im gemeinen Leben pflegt man nur solche thätige Neigungen, deren Ausbruch mit einem besondern Grade äußerer Schande verknüpft ist, Laster zu nennen. Allein in der Sittenlehre nimmt man es in dem weitesten Umfange der Bedeutung, auch von solchen thätigen Neigungen dieser Art, welche gemeiniglich nicht von der öffentlichen Schande (welches die nächste Bedeutung dieses Wortes ist) gebrandmarket werden. Ein Laster an sich haben. Das Laster der Trunkenheit, der Hurerey, des Fluchens, des Ungehorsams u. s. f. In Laster fallen. Den Lastern ergeben seyn. Wo es figürlich zuweilen im Singular anstatt des Plurals gebraucht wird. Das Laster fliehen, die Laster. Ingleichen anstatt der lasterhaften Person. Das Laster scheut die Ewigkeit, weil es genöthigt ist, einen Gott knechtisch zu fürchten, Gell.
   Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort vermittelst der Endsylbe er von Last in der ersten Bedeutung, oder vielmehr von dem veralteten Zeitwort lästen, lasten, letzen, verletzen, laedere, abstammet, daher denn die allgemeine Bedeutung einer Verletzung und damit verknüpften Beschimpfung sehr leicht zu erklären ist. Notker gebraucht Lastir auch für Betrug.
 
Artikelverweis 
Der Lästerer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte lästern. 1) So fern dasselbe ehedem zerfetzen, auf eine ungebührliche Art zerreißen oder zerschneiden bedeutete, pflegen die Stadtfleischer so wohl die Dorffleischer als auch alle übrige Pfuscher ihres Handwerkes Lästerer zu nennen, weil sie dem Vorgeben nach das Fleisch nicht so geschickt und reinlich ausschlachten können. 2) Von der jetzt gewöhnlichern Bedeutung des Zeitwortes, der einen andern schändlicher und erdichteter Unvollkommenheiten beschuldiget, ein grober Verleumder. Ein Lästerer der Majestät. Ein Gotteslästerer, der Gott grober Unvollkommenheiten beschuldiget; bey dem Notker Kegotsehelto.
   Anm. Schon bey dem Notker Lasterar für Verleumder. Das weibliche Geschlecht Lästerinn, (um des Wohlklanges für Lästererinn,) kommt in der Deutschen Bibel vor. Ihre Weiber sollen ehrbar seyn, nicht Lästerinne, (Lästerinnen,) 1 Tim. 3, 11. Den alten Weibern, daß sie nicht Lästerin (Lästerinnen) seyn, Tit. 2, 3.
 
Artikelverweis 
Lasterfrey, adj. et adv. frey von Lastern, in der letzten Bedeutung dieses Hauptwortes.
 
Artikelverweis 
Lasterhaft, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit zur möglichsten Ausübung schändlicher, und in weiterer Bedeutung, böser

[Bd. 2, Sp. 1921]


Neigungen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein lasterhafter Mensch. Lasterhaft seyn. Lasterhafte Neigungen, Gedanken, Begierden. Lasterhaft leben. Das ungewöhnlichere Oberdeutsche lasterhaftig kommt in der veralteten Bedeutung für schändlich noch bey dem Opitz vor: die lasterhaftig dich verspotten.
 
Artikelverweis 
Die Lasterhaftigkeit, plur. inus. die Fertigkeit zu Lastern, so fern dieses Wort ehedem eine mit Schande verbundene Übertretung des Gesetzes bedeutete. Da aber jetzt Laster von dieser Fertigkeit gebraucht wird, so kommt jenes nunmehr seltener vor.
 
Artikelverweis 
Das Lasterlêben, des -s, plur. inus. ein lasterhaftes Leben; am häufigsten bey den Dichtern der vorigen Zeiten.
 
Artikelverweis 
Lästerlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Von dem Hauptworte Laster. 1) * Strafbar, wider das Gesetz streitend oder handelnd; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher lastarlihh schon bey dem Kero vorkommt.
   Ee ich ir lege lasterlichen bi
   Ee lies ich mich schern vnd villen,
   Reinmar der Alte; ehe ich ihr auf eine unerlaubte Art beywohnen wollte. 2) Schändlich; eine noch im gemeinen Leben übliche Bedeutung. Er hat mich lästerlich betrogen. 2. Von dem Zeitworte lästern, in einer Lästerung gegründet, derselben ähnlich oder gleich. Lästerlich wider die Obrigkeit reden. Lästerliche Reden.
 
Artikelverweis Das
Lästermaul, des -es, plur. die -mäuler, eine lästernde Person, in der letzten Bedeutung des Zeitwortes. Sprichw. 4, 24.
 
Artikelverweis 
Lästern, verb. reg. act. von dem Hauptworte Laster, in dessen sämmtlichen Bedeutungen es ehedem üblich war. 1) * Verstümmeln, zerfetzen, verunstalten, dilacerare; in welcher Bedeutung im gemeinen Leben noch zerlästern üblich ist, S. dasselbe. 2) * Schänden; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher Frisch einige Beyspiele anführet. Die Frauen lästern, sagte man ehedem in eben der Bedeutung, in welcher wir jetzt das Zeitwort schänden gebrauchen. 3) Aus Vorsatz schändliche oder grobe Unvollkommenheiten wider die Wahrheit von jemanden sagen, jemandes Ehre auf eine grobe Art durch Worte schänden. Die Obrigkeit lästern. Jemanden lästern. Gott lästern. Daher die Lästerung, plur. die -en, so wohl die Handlung, als auch die Lästerrede selbst. Lästerungen wider jemanden ausstoßen. Anm. In der letzten Bedeutung schon im Isidor lastron, im Ottfried gilastoron, im Notker lasteren, im Dän. laste.