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Laßgut bis Laßsünde (Bd. 2, Sp. 1916 bis 1917)
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Artikelverweis Das Laßgut, des -es, plur. die -güter. 1) In einigen Gegenden, überhaupt ein jedes Gut oder Grundstück, dessen Besitz man einem andern gegen einen gewissen Zins auf immer oder doch auf eine lange Zeit überlässet. So werden in großen Wäldern den neuen Anbauern oft gewisse Plätze gegen einen Erbzins abgetreten, welche sie auszuräumen und zu Äcker oder Wiesen machen können, die alsdann den Nahmen der Laßgüter, an andern Orten aber auch der Forsthuben, Waldgeraume, Laßräume, führen. 2) In engerer Bedeutung, S. Lasse.
 
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Der Laßhain, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein gegen einen Erbzins einem andern überlassener Hain, ein Hain als ein Laßgut betrachtet.
 
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Die Laßheit, plur. inus. der Zustand, da man laß ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes.
 
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Lässig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Bey- und Nebenworte laß, Laßheit empfindend, so wohl körperliche Trägheit und Müdigkeit, als auch Mangel des gebührenden Eifers habend und zeigend, und darin gegründet. Lässige Hand macht arm, aber der Fleißigen Hand macht reich, Sprichw. 10, 4. Richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie, Ebr. 12, 12. Faulheit bringt Schlafen, und eine lässige Seele wird Hunger leiden, Sprichw. 19, 15. Des Herren Werk lässig thun, Jerem. 48, 10. Das Auge sieht jetzt lässig zu, Günth.
   Nun entsinkt aus lässiger Hand dem Künstler der Hammer,
   Zachar. Anm. Im Nieders. ist läsig und im Engl. lazy, faul, d. i. eine fehlerhafte Abneigung vor der Bewegung und pflichtmäßigen Arbeit habend. In dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen ist lässig eben so ungewöhnlich geworden als laß. Man gebraucht es noch am häufigsten in der anständigen Schreibart für das härtere und niedrigere faul. S. auch Fahrlässig und Nachlässig, wo es aber zunächst von lassen abstammet.
 
Artikelverweis Die
Lässigkeit, plur. inus. 1) Die Neigung zur Laßheit, die Fertigkeit lässig zu seyn; zum Unterschiede von der Laßheit, dem Zustande. 2) Zuweilen auch die Laßheit selbst.

[Bd. 2, Sp. 1917]



 
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Der Laßkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein Schröpfkopf, ein Gefäß, vermittelst des Schröpfens Blut zu lassen.
 
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Läßlich, -er, -ste adj. et adv. ein nur im Oberdeutschen für erläßlich, oder vielmehr erlaßlich übliches Wort. Eine läßliche Sünde, welche erlassen, d. i. vergeben, werden kann. Läßlich sündigen. S. Adelung Laßsünde.
 
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Das Laßmännchen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine männliche Figur in manchen Kalendern, woran die verschiedenen Arten des Blut- oder Aderlassens abgebildet sind; das Aderlaßmännchen.
 
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Der Làßraum, des -es, plur. die -räume. S. Adelung Laßgut.
 
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Das Laßreis, des -es, plur. die -er, im Forstwesen, Reiser oder junge Stämme, welche man auf einem Gehaue Laubholzes zur Fortpflanzung stehen lässet; Hägereiser, Vorständner, im Oberd. Bannreitel, vermuthlich für Bannreiser.
 
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Die Laßsünde, plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine läßliche Sünde oder Erlaßsünde, eine geringe Sünde, welche leicht erlassen oder vergeben werden kann; zum Unterschiede von einer Todsünde.