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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Laßbauer bis Laßhain (Bd. 2, Sp. 1911 bis 1916)
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Artikelverweis Der Laßbauer, S. Adelung Lasse.
 
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Das Laßbêcken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, das Blut bey dem Aderlassen darin aufzufangen.
 
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Die Laßbinde, plur. die -n, eine Binde, deren man sich bey dem Aderlassen oder Blut lassen bedienet; die Aderlaßbinde.
 
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Der Laßbrief, des -es, plur. die -e, eine schriftliche Urkunde, worin man einen Leibeigenen seiner Leibeigenschaft entlässet, ihn frey lässet.
 
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Der Laßdünkel, des -s, plur. inus. ein stolzer Dünkel, eine stolze Einbildung von sich selbst und seinen Vorzügen. Einen unerträglichen Laßdünkel besitzen. Man leitet es gemeiniglich von der R. A. ab, sich dünken lassen, so sehr auch eine solche Ableitung wider die ganze Analogie der Sprache ist. Mathesius sagt nur La-Dünkel: die der Narr und La-Dünkel sticht. Vielleicht ist die erste Sylbe la oder laß hier das alte Wort lau, falsch, S. Adelung Laugold.
 
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Der Lasse, des -n, plur. die -n, eine noch in vielen Gegenden Deutschlandes übliche Benennung einer Art zinspflichtiger Unterthanen, deren Einschränkung und Zustand aber nicht an allen Orten gleich ist; der Laßbauer. Im mittlern. Lat. Lassus, im Nieders. Lät. Daher ein Laßgut, Nieders. Lätgood, welches von einem Lassen besessen wird, der Laßherr, der Eigenthums- und Grundherr eines solchen Gutes, der Laßzins, der Zins, welcher ihm von dem Laßgute gebühret, laßpflichtig, dazu verpflichtet, die Laßbank, der Gerichtshof der Lassen, bey welcher sich ein Laßrichter nebst mehrern Laßschöpfen befinden. Die Abstammung dieses alten Wortes ist ungewiß. Man leitet es bald von frey lassen her, weil man sie, als die ehemahligen Einwohner nach der Eroberung, des Landes der harten Sclaverey gegen einen gewissen Zins entlassen, bald aber auch, weil man sie im Lande nach dessen Eroberung gelassen, anderer Ableitungen zu geschweigen.
 
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Das Láßeisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Lanzette, so fern sie besonders zum Blut lassen gebraucht wird; im gemeinen Leben eine Fliete.
 
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1. Lassen, verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, ich lasse, du lässest, er lässet, oder läßt; Imperf. ich ließ; Mittelw. gelassen; eine äußere Gestalt haben, mit deren Bestimmung, auf diese oder jene Art in die Augen fallen; doch nur als ein unpersönliches Zeitwort, oder doch nur in der dritten Endung. Das läßt schön, stehet schön, läßt sich mit Vergnügen ansehen. Das würde sehr possierlich lassen, ein sehr possierliches Ansehen haben. Das läßt nicht für meinen Stand, schicket sich nicht für ihn. Es läßt, als wenn es regnen wollte, es scheinet, hat das Ansehen, S. Adelung Anlassen. Ich möchte doch sehen, wie es dir läßt, wenn du verzweifelst. Das läßt ihm sehr natürlich. Aber für mich läßt es ganz wirthschaftlich, Gell. Auch selbst der Zorn läßt ihr noch schön. Wie läßt das? was hat das für ein Ansehen? Ingleichen elliptisch, für gut lassen, in der vertraulichen Sprechart. Das läßt ja nicht.
   Anm. Im Nieders. laten, wo auch Gelaat das äußere Ansehen, die Gestalt ist, bey den Schwäbischen Dichtern Gelesse. Man könnte dieses Zeitwort als einen elliptischen Gebrauch des

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folgenden lassen, sinere, ansehen, und es durch sich sehen lassen erklären, zumahl da es mit demselben auf einerley Art abgewandelt wird. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es von demselben ganz verschieden ist, und mit der letzten Hälfte des Wortes Antlitz, zu gleißen, Licht, Glas u. s. f. gehöret. Im Schwed. ist lita, im Angels. wlitan, sehen. In den verwandten Sprachen findet sich von diesem Neutro auch das reciproke Activum, sich stellen, Engl. to leeten, Isländ. laeta, Schwed. låtas,, låtsa, welches Ihre von Lat, Later, die Geberden, ableitet, ungeachtet beyde zu dem bereits angeführten gemeinschaftlichen Stamme gehören.
 
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2. Lassen, verb. irreg. welches in der Conjugation mit dem vorigen überein kommt, und am häufigsten als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, zuweilen aber auch als ein Activum gebraucht wird. Es ist von einem sehr weiten Umfange des Gebrauches, der sich doch auf folgende drey Hauptbedeutungen einschränken lässet.
   1. Nicht hindern, sich leidentlich verhalten, wo es theils vollständig, mit dem Infinitive eines andern Zeitwortes, theils auch elliptisch, mit allerley Vor- und Beywörtern gebraucht wird.
   1) Eigentlich, als ein Neutrum, wo die Franzosen gleichfalls ihr laisser gebrauchen. Ich habe es müssen geschehen lassen. Lasset ihn gehen. Das Glas vorbey gehen lassen. Lassen sie mich nur machen. Einen Vogel fliegen lassen. Der Gärtner hat das Obst erfrieren lassen. Das Feuer ausgehen lassen. Etwas, das man hält, fallen lassen. Das Seil fahren lassen. Die Fahne fliegen lassen. Jemanden zu Grunde gehen lassen. Wir wollen es dabey bewenden lassen.
   In sehr vielen Fällen bekommt die ganze R. A. allerhand Nebenbedeutungen, welche sich ohne allzu große Weitläuftigkeit nicht unter gewisse Classen bringen lassen. Große Seelen halten sich an den Himmel fest, und lassen den Erdkreis unter sich wegrollen, Dusch, d. i. sehen es gleichgültig mit an. Lassen sie es gut seyn, billigen sie es immer, tadeln sie es nicht, kränken sie sich nicht darüber. Laß es nur gut seyn, ich werde ihn schon abführen. Etwas seyn lassen, es bleiben lassen, es unter Weges lassen, im gemeinen Leben, es nicht thun, es unterlassen. Laß es seyn, bedeutet oft so viel als gesetzt. Lassen sie es seyn, daß er nicht mit Anmuth zu pfeifen und zu trallern weiß, Weiße, gesetzt. Eine Sache, eine Arbeit liegen lassen, sich nicht mehr mit ihr beschäftigen. Laß dir das gesagt seyn, nimm es zu Herzen.
   In einigen Fällen stehet die ganze Wortfügung mit lassen anstatt eines Passivi. Ich habe mir sagen lassen, es ist mir gesagt, erzählet worden, man hat mir gesagt. Unser Geist hat einen nothwendigen Hang sich von jeder Art der Schönheit rühren zu lassen, gerührt zu werden.
   In andern stehet es ganz müßig. Er läßt sich nichts verdrießen, es verdrießt ihn nichts. Er läßt es sich vortrefflich schmecken, es schmeckt ihm vortrefflich. Er läßt sich nichts anfechten, es ficht ihn nichts an. Laß ihn nur erst groß werden, wenn er nur erst groß wird. Laß mich nur kommen, wenn ich nur komme. Wo es in einigen Fällen auch den unwilligen Tadel begleitet. Wie hast du dir das können einfallen lassen? Er ließ sich träumen, daß er der erste sey.
   2) Figürlich und als ein Activum, wo das dazu gehörige Zeitwort sehr häufig verschwiegen wird, indem bald das Hauptwort allein, bald ein Nebenwort, bald auch ein Vorwort stehet. Laß es so wie es ist, nehmlich bleiben. Eine Sache in ihrem vorigen Stande lassen. Bier, Wein von dem Fasse lassen,

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nehmlich fleißen. Sein Wasser lassen, seinen Urin fließen lassen. Dem Pferde den Zügel lassen, nehmlich schießen.
   Besonders mit Vor- und Nebenwörtern. Die Thüre offen lassen, nehmlich stehen. Den Acker wüst lassen, nehmlich liegen. Jemanden ungehindert in die Stadt lassen. Die Gelegenheit aus den Händen lassen.
   2. Erlauben, verstatten, welche Bedeutung oft mit der vorigen zusammen fließt.
   1) Eigentlich, wo es bald wiederum vollständig gebraucht wird, mit dem Infinitive des Zeitwortes. In diesem Falle ist es wiederum ein Neutrum, dagegen es, wenn kein Infinitiv dabey stehet, gemeiniglich auch als ein Activum gebraucht werden kann. Laß mich diese Erzählung bis auf eine andere Stunde aufbehalten. Laß diesen Verlust deine Stärke nicht beugen. Wollen sie meine Bitte Statt finden lassen? O lassen sie mich gehen und zu mir selber kommen! Laß die Sache nicht zu weit kommen. Dazu will ich es nie wieder kommen lassen. Sie wird ihnen die Zeit nicht lang werden lassen. Lassen sie sich ihren Irrthum benehmen. Er läßt sich nichts nehmen. Er will sich nicht trösten lassen. Man lasse sich solche Leute nur Ein Mahl über den Kopf wachsen. Laß mich dieses Glück genießen! Ach, lassen sie sich mein Unglück erzählen! Wohin auch die in der gemeinen Höflichkeit übliche Formeln gehören, lassen sie sich was Neues erzählen ich will ihnen mit ihrer Erlaubniß etwas Neues erzählen, lassen sie nur mit sich reden u. s. f.
   Bald mit einem Hauptworte in der vierten Endung der Sache und der dritten der Person, ohne Zeitwort. Einem den Vorzug lassen, ihm denselben verstatten. Lassen sie mir nur Zeit, Ruhe. Lassen sie mir meine Freude. Besonders, im Besitz einer Sache lassen, oder setzen. Ich habe ihm das Buch gelassen, überlassen. Ich will es ihnen für zehen Thaler lassen. Für den Preis, oder um den Preis kann ich es nicht lassen.
   Ingleichen mit Nebenwörtern, oft mit allerley Nebenbegriffen. Ich lasse keinen Dreyer herunter, verstatte nicht, daß man mir ihn abbreche. Jemanden hinaus, hinauf, heraus, herauf lassen u. s. f. verstatten, daß er hinaus u. s. f. gehe. Besonders für zurück lassen. Wo hast du das Buch gelassen? Ich habe es in der Stube, auf dem Tische gelassen. Laß ihn hier. Er fängt wieder da an, wo er es gelassen hat, wo er aufgehöret hat. Ingleichen für übrig lassen. Die Diebe haben ihm nichts gelassen.
   Wie auch mit Vorwörtern. Jemanden in Ruhe lassen; im gemeinen Leben, ihn mit Frieden lassen. Ich lasse dich nicht von der Stelle, nicht aus dem Hause. Jemanden vor sich lassen, ihn von sich lassen. Niemanden über sein Geld lassen. Einem etwas auf dem Halse, über dem Halse lassen. Jemanden bey seinem Amte, in seiner Freyheit lassen.
   2) Figürlich; wohin
   (a) Diejenigen Fälle gehören, wo das einfache Zeitwort, doch nur als ein Neutrum, anstatt eines zusammen gesetzten stehet, und die Figur von dem Zurücklassen entlehnet wird. Jemanden lassen, ihn verlassen, von ihm ablassen, aller Gemeinschaft und Verbindung mit ihm entsagen. Willst du den Schöpfer lassen? Gell. wofür man auch sagt, von einem lassen. Von seiner Meinung nicht lassen wollen, sie nicht ablegen wollen. Ingleichen für unterlassen. Ich habe es ihm schon oft gesagt, aber er läßt es doch nicht. Das Böse lassen.
   Ich hab es oft versucht, und kann es doch nicht lassen,
   Gell. So sagt schon Ottfried lazan sin thaz slafan, das Schlafen unterlassen, und in der alten Waldensischen Sprache ist laysa gleichfalls unterlassen. In welcher Bedeutung auch der Infinitiv als ein Hauptwort gebraucht wird, besonders in Verbindung mit dem Hauptworte Thun. Sein Thun und Lassen. Wie auch für nachlassen. Ich lasse dir nach meinem Tode einen ehrlichen Nahmen.
   Ingleichen einige besondere R. A. Sein Leben lassen, verstatten, daß es auf gewaltsame Art genommen werde. Die Bienen lassen, sagt man für schwärmen. Er hat so viel Getreide, daß er es nicht zu lassen weiß, daß er es nicht räumlich unterzubringen weiß. Und nach einer noch weitern Figur. Ich gebrauche Trost, ich weiß mich vor Schmerz nicht zu lassen, habe keine Ruhe an keinem Orte, weiß mich nicht zu fassen. Er weiß sich vor Freude nicht zu lassen, nicht zu fassen. S. auch Gellassen, welches das Mittelwort dieses Zeitwortes ist, und in einer noch besondern, aber mit dieser genau verbundenen Bedeutung gebraucht wird.
   (b) Den Grund der Möglichkeit oder doch der Thunlichkeit eines Prädicates enthalten, möglich, rathsam, thunlich seyn, als ein Neutrum in der dritten Person, und mit dem Infinitive des folgenden Zeitwortes. Die Anstalten lassen es nicht anders vermuthen. Sein Betragen läßt es nicht hoffen. Diese Umstände lassen mich im voraus sehen, daß es nicht gelingen wird. Ingleichen als ein Reciprocum. Das läßt sich nicht sagen, nicht thun. Davon ließe sich vieles sagen. Die angenehme Empfindung läßt sich nur durch reichhaltige Gegenstände erregen. Dabey läßt sich nicht viele Ehre einlegen. Das läßt sich nicht begreifen, nicht denken, nicht hoffen. Holz lässet sich nicht dehnen. Wohin nach einer noch weitern Figur, auch die in der vertraulichen Sprechart üblichen elliptischen R. A. gehören. Das Buch läßt sich lesen, man lieset es nicht ganz ohne Vergnügen. Die Gründe, die er anfühert, lassen sich hören, sind nicht unbündig. Das läßt sich sehen, man siehet es nicht ohne Vergnügen, nicht ohne Beyfall.
   3. Die befehlende oder veranlassende Ursache einer Veränderung seyn, eine Sache befehlen, veranstalten, machen, daß sie geschiehet; wo im Franz. faire auf ähnliche Art gebraucht wird. Besonders mit dem Infinitive eines andern Zeitwortes und als ein Neutrum. Ein Kind etwas auswendig lernen lassen, durch Befehl. Ich habe es ihm schon schreiben lassen. Er hat es mich wissen lassen. Einen Brief übergeben lassen. Gott lässet seine Sonne aufgehen über Böse und Gute. Lassen sie es mich wissen, machen sie es mir bekannt. Ich darf ihn davon nichts merken lassen. Bis man die Kinder hat das Häßliche des Fehlers fühlen lassen, Gell. Es läßt sich niemand weder sehen noch hören. Lassen sie es mich doch sehen, zeigen sie es mir doch. Waaren kommen lassen. Ich lasse es an nichts fehlen.
   Laß sehn, spricht Galathee, obs auch die meine sey,
   Gell. Dort läßt sich schon ein Irrlicht sehn.
   Dort lässet sich die Taube girrend hören,
   Haged.
   O Thor, läßt Zevs sich zornig hören,
   Gell. Sich auf der Flöte, auf der Violine hören lassen. Laß einmahl hören! sage es. Ich wills die Armen schon genießen lassen, Gell. Ich werde mich dankbar finden lassen. Laß mich die geringsten deiner Sorgen empfinden, Dusch. Einen etwas kosten lassen, es ihm zu kosten geben. Ein Haus bauen, ein Buch drucken, ein Kind taufen lassen.
   Hierher gehöret auch derjenige Gebrauch dieses Zeitwortes, da man den Imperativ anderer Sprachen vermittelst desselben

[Bd. 2, Sp. 1915]


auszudrucken pflegt. Laßt uns die Prüfungen des Himmels gehorsam erdulden. Laß uns in zärtlicher Umarmung den kommenden Morgen betrachten, Geßn. Wenn wir die Tugend für etwas halten, so laß uns das Glück segnen, welches uns mit ihren Empfindungen bekannter macht, Dusch. Ich weiß nicht, wo das Ängstliche und Gezwungene befindlich seyn soll, welches man dieser Art des Ausdruckes beylegt. Wenigstens hat sie nicht Ursache, sich von dem Oberdeutschen, daß wir also das Glück segnen, oder, segnen wir also das Glück, verdrängen zu lassen.
   In manchen Fällen bleibt auch hier das Zeitwort weg. Blut lassen, dessen Ausfluß durch Öffnung der Ader bewerkstelligen, wofür man im gemeinen Leben sagt, die Ader lassen, oder zur Ader lassen. Sich gegen jemanden heraus lassen, ihm etwas eröffnen. Besonders von gewissen Arten der langsamen Bewegung nach unten zu. Sich niederlassen, sich setzen. Sich auf die Knie lassen. Besonders vermittelst eines Seiles. Einen Sack Getreide von dem Boden lassen. Sich in den Brunnen lassen. Daher nach einer noch weitern Figur, sich zu jemanden herab lassen, sich nach seinem niedrigern Stande, Schwachheiten, Vorurtheilen u. s. f. bequemen.
   Anm. 1. Wenn dieses Zeitwort noch ein anderes im Infinitive bey sich hat, so ist es alle Mahl ein Neutrum; stehet es aber ohne ein Zeitwort, so wird es zuweilen thätig und kann auch im Passivo gebraucht werden.
   Das Zeitwort, welches dem lassen beygesellet wird, stehet alle Mahl im thätigen Infinitive der gegenwärtigen Zeit ohne zu. Laß ihn kommen, befiehl, veranstalte, daß er komme. Welcher thätige Infinitiv auch bleibt, wenn gleich der Verstand den leidenden erfordert. Man ließ ihn rufen, so wohl, man erlaubte, daß er rufen konnte, als auch, man befahl, daß er gerufen würde. Welches denn freylich zuweilen eine Zweydeutigkeit macht; z. B. man lasse ihn würgen, wo nur der Zusammenhang entscheiden kann, ob würgen thätig oder leidend verstanden werden muß. Lassen selbst verlieret, wenn es in Verbindung mit einem andern Zeitworte in einem zusammen gesetzten Tempore stehet, sein Augment ge. Ich habe es ihm schreiben lassen, nicht schreiben gelassen. Doch alles dieses hat es nur den Zeitwörtern sehen, hören, lernen, lehren, wollen, können, müssen, dürfen, mögen und heißen gemein; welches aber noch nicht hinreicht, es zu einem Hülfsworte zu machen, wie von vielen Sprachlehrern geschiehet.
   Wenn der Casus der Person sich auf das bey lassen befindliche Zeitwort beziehet, so bleibt derselbe auch in dieser Verbindung unverändert. Er hat mich grüßen lassen, weil grüßen die vierte Endung erfordert. Laß dir an meiner Gnade gnügen. Laß dir sagen. Laß mir deine Hand beystehen, Ps. 119, 173. Laß mir deine Barmherzigkeit widerfahren, Ps. 119, 77. Weil die Zeitwörter genügen, sagen u. s. f. schon an und für sich die dritte Endung erfordern.
   Beziehet sich aber die Person auf das Zeitwort lassen, so löse man die ganze Redensart auf. Stehet alsdann die Person in der ersten Endung, so muß sie in Verbindung mit dem lassen und dem dazu gehörigen Zeitworte in der vierten stehen. Laß ihn nichts davon merken, d. i. mache, veranstalte, daß er nichts davon merke. Du lässest mich erfahren viele und große Angst, Ps. 71, 20. Er ließ sie es fühlen, Richt. 18, 16. Er wolt sys lassen wissen vor, Theuerd. Kap. 84. So laß michs wissen bey der Zeit, Kap. 66. Meine Frau darf ichs nicht wissen lassen, Gell. An einem andern Orte hingegen gebraucht Gellert unrichtig die dritte Endung: da kann ich ihnen die Geschicklichkeit meiner Frau sehen lassen, wo es sie heißen

[Bd. 2, Sp. 1916]


muß, weil in allen diesen Fällen bey der Auflösung die Person in der ersten Endung zu stehen kommt. Machen, veranstalten sie, daß ich es sehe, daß er es wisse u. s. f.
   Anm. 2. Dieses sehr alte Zeitwort lautet im Oberdeutschen und in den damit verwandten Sprachen und Mundarten schon von des Kero Zeiten an lazzan, lazin, im Imperf. schon im 8ten Jahrhunderte ich liaz, im Ital. lasciare, im Französ. laisser, im Wallach. lasce. Im Ungarischen ist lassadom und im Lappländ. Laazhiidam, ich lasse nach. Andere, besonders nördlichere Sprachen und Mundarten, verwandeln den Zischlaut ihrer Gewohnheit nach in ein t, wie das alte Gothische ietan bey dem Ulphilas, das Nieders. laten, das Angels. laetan, das Engl. to let, das Schwed. låta, das Dänische lade. Noch weichere Sprachen stoßen das t oder d gar aus, wie das alte Oberd. laan, das Friesische lehn, das Albanische lin, und in dem Irländischen ligim löset es sich gar in einen Gaumenlaut auf. Daß es mit los, laß, dem Nieders. lat, späte, und dem Latein. laxare, genau verwandt ist, ist wohl gewiß; ob sich gleich der erste und ursprüngliche Stammbegriff wegen des hohen Alters und vielfachen Gebrauchs nicht mit Gewißheit angeben lässet. Einige Sprachen und Mundarten haben noch ein anderes ähnliches Zeitwort, welches der Gegensatz unsers lassen ist, und verhindern bedeutet; wie das Gothische latjan, das Schwed. lätja, das Angels. laetan, das Isländ. letia, das Niedersächs. letten. Allein dieses stammet wohl unmittelbar von dem Niederdeutschen lat, spät, ab.
 
Artikelverweis 
Das Laßgut, des -es, plur. die -güter. 1) In einigen Gegenden, überhaupt ein jedes Gut oder Grundstück, dessen Besitz man einem andern gegen einen gewissen Zins auf immer oder doch auf eine lange Zeit überlässet. So werden in großen Wäldern den neuen Anbauern oft gewisse Plätze gegen einen Erbzins abgetreten, welche sie auszuräumen und zu Äcker oder Wiesen machen können, die alsdann den Nahmen der Laßgüter, an andern Orten aber auch der Forsthuben, Waldgeraume, Laßräume, führen. 2) In engerer Bedeutung, S. Lasse.
 
Artikelverweis 
Der Laßhain, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein gegen einen Erbzins einem andern überlassener Hain, ein Hain als ein Laßgut betrachtet.

 

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