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Láschen bis 1. Lassen (Bd. 2, Sp. 1910 bis 1911)
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Artikelverweis 2. † Láschen, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, derb ausprügeln, besonders mit einem ledernen Riemen, wofür in manchen Gegenden auch kalaschen üblich ist. Im Engl. ist to lash und slash gleichfalls mit Ruthen hauen. Entweder von schlagen, oder auch von dem Engl. Leash, Franz. Lesse, Span. Lazzo, ein Riemen, ein Seil, S. Adelung Litze.
 
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Die Lase, plur. die -n, ein irdenes bauchiges Gefäß von unbestimmter Größe, mit einem Henkel und einer Dille, allerley flüssige Körper darin eine Zeit lang aufzubehalten. Eine Wasserlase, Trinkwasser darin zu hohlen und aufzubehalten. Eine Bierlase, Weinlase, Bier oder Wein darin aus dem Keller zu hohlen.
   Drey Lasen waren stets von Wurzner Nasse voll,
   Zachar. Im Oberdeutschen Lose, Looskanne, Lasse, Laßkanne. Der Begriff des hohlen, leeren Raumes scheinet in diesem Worte der herrschende zu seyn, so daß es mit Flasche, Klause, Schleuse, welche sich nur durch die Vorlaute unterscheiden, dem Schlesischen Lusche, eine Pfütze, und andern Eines Geschlechtes ist. Im mittlern Lat. ist Lassanum ein thönernes Geschirr in einem Nachtstuhle, und Lossa, Span. Loza, ein irdenes Gefäß.
 
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Láß, lasser, lasseste, adj. et adv. der zu den gewöhnlichen Verrichtungen gehörigen Kräfte des Leibes und Lust und Munterkeit des Gemüthes beraubt; träge, matt, müde, kraftlos. Du hast lasse Hände gestärket, Hiob 4, 3. Daß man allerzeit bethen und nicht laß werden sollte, Luc. 18, 1. Wie laß bin ich! Opitz. Ist er vom Gehen laß, ebend. Ingleichen eine fehlerhafte Abneigung vor der Bewegung oder Arbeit habend, faul. Ein lasser Arbeiter. In beyden Fällen ist es in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen selten, daher es nur noch in der edlern und höhern Schreibart gebraucht wird. Siehe Lässig.

[Bd. 2, Sp. 1911]



   Anm. Bey dem Notker, der es noch für langsam, spät, Nieders. laat, gebraucht, lazzo, bey dem Winsbeck für träge, las, im Nieders. laassam, läsig, lösig, im Engl. lazy, im Schwed. lodsker, lat, im Isländ. latur, im Angels. laet, im Bretagnischen laosg, im Finnländischen loi, laisca, im Franz. las und lache, im Ital. lasso, im Lat. lassus. Im Hebr. ist 05d705dc05e9 schwächen, entkräften. Es schienet mit dem Zeitworte lassen, sinere, Last und letzte verwandt zu seyn.
 
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Der Laßbauer, S. Adelung Lasse.
 
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Das Laßbêcken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, das Blut bey dem Aderlassen darin aufzufangen.
 
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Die Laßbinde, plur. die -n, eine Binde, deren man sich bey dem Aderlassen oder Blut lassen bedienet; die Aderlaßbinde.
 
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Der Laßbrief, des -es, plur. die -e, eine schriftliche Urkunde, worin man einen Leibeigenen seiner Leibeigenschaft entlässet, ihn frey lässet.
 
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Der Laßdünkel, des -s, plur. inus. ein stolzer Dünkel, eine stolze Einbildung von sich selbst und seinen Vorzügen. Einen unerträglichen Laßdünkel besitzen. Man leitet es gemeiniglich von der R. A. ab, sich dünken lassen, so sehr auch eine solche Ableitung wider die ganze Analogie der Sprache ist. Mathesius sagt nur La-Dünkel: die der Narr und La-Dünkel sticht. Vielleicht ist die erste Sylbe la oder laß hier das alte Wort lau, falsch, S. Adelung Laugold.
 
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Der Lasse, des -n, plur. die -n, eine noch in vielen Gegenden Deutschlandes übliche Benennung einer Art zinspflichtiger Unterthanen, deren Einschränkung und Zustand aber nicht an allen Orten gleich ist; der Laßbauer. Im mittlern. Lat. Lassus, im Nieders. Lät. Daher ein Laßgut, Nieders. Lätgood, welches von einem Lassen besessen wird, der Laßherr, der Eigenthums- und Grundherr eines solchen Gutes, der Laßzins, der Zins, welcher ihm von dem Laßgute gebühret, laßpflichtig, dazu verpflichtet, die Laßbank, der Gerichtshof der Lassen, bey welcher sich ein Laßrichter nebst mehrern Laßschöpfen befinden. Die Abstammung dieses alten Wortes ist ungewiß. Man leitet es bald von frey lassen her, weil man sie, als die ehemahligen Einwohner nach der Eroberung, des Landes der harten Sclaverey gegen einen gewissen Zins entlassen, bald aber auch, weil man sie im Lande nach dessen Eroberung gelassen, anderer Ableitungen zu geschweigen.
 
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Das Láßeisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Lanzette, so fern sie besonders zum Blut lassen gebraucht wird; im gemeinen Leben eine Fliete.
 
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1. Lassen, verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, ich lasse, du lässest, er lässet, oder läßt; Imperf. ich ließ; Mittelw. gelassen; eine äußere Gestalt haben, mit deren Bestimmung, auf diese oder jene Art in die Augen fallen; doch nur als ein unpersönliches Zeitwort, oder doch nur in der dritten Endung. Das läßt schön, stehet schön, läßt sich mit Vergnügen ansehen. Das würde sehr possierlich lassen, ein sehr possierliches Ansehen haben. Das läßt nicht für meinen Stand, schicket sich nicht für ihn. Es läßt, als wenn es regnen wollte, es scheinet, hat das Ansehen, S. Adelung Anlassen. Ich möchte doch sehen, wie es dir läßt, wenn du verzweifelst. Das läßt ihm sehr natürlich. Aber für mich läßt es ganz wirthschaftlich, Gell. Auch selbst der Zorn läßt ihr noch schön. Wie läßt das? was hat das für ein Ansehen? Ingleichen elliptisch, für gut lassen, in der vertraulichen Sprechart. Das läßt ja nicht.
   Anm. Im Nieders. laten, wo auch Gelaat das äußere Ansehen, die Gestalt ist, bey den Schwäbischen Dichtern Gelesse. Man könnte dieses Zeitwort als einen elliptischen Gebrauch des

[Bd. 2, Sp. 1912]


folgenden lassen, sinere, ansehen, und es durch sich sehen lassen erklären, zumahl da es mit demselben auf einerley Art abgewandelt wird. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es von demselben ganz verschieden ist, und mit der letzten Hälfte des Wortes Antlitz, zu gleißen, Licht, Glas u. s. f. gehöret. Im Schwed. ist lita, im Angels. wlitan, sehen. In den verwandten Sprachen findet sich von diesem Neutro auch das reciproke Activum, sich stellen, Engl. to leeten, Isländ. laeta, Schwed. låtas,, låtsa, welches Ihre von Lat, Later, die Geberden, ableitet, ungeachtet beyde zu dem bereits angeführten gemeinschaftlichen Stamme gehören.

 

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