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1. Die Larve bis Laßbrief (Bd. 2, Sp. 1909 bis 1911)
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Artikelverweis  1. Die Larve, plur. die -n, bey den Jägern und Vogelstellern, 1) eine eingeschnittene Kerbe oben auf der Stellstange, in welche die obere Leine des Jagdzeuges zu liegen kommt. 2) Ein eingeschnittenes Gewinde an den Hefteln der Vogelsteller, oder mit einer Kerbe versehene Hölzer, die Schlagstecken vermittelst eines eisernen Nagels in der Kerbe zu befestigen, und sie mit den Vogelwänden auf und nieder zu ziehen. In beyden Fällen auch die Lorve. Ohne Zweifel von leer, vacuus, so daß es überhaupt einen leeren ausgetieften Raum bedeutet; oder dem alten Lar, ein Lager, weil diese Kerbe den Jagdleinen und Schlagstecken zum Lager dienet.
 
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2. Die Larve, plur. die -n, aus dem Lat. Larva. 1) In der Wapenkunst werden noch die Figuren auf den Helmen von einigen Larven genannt. 2) In den bildenden Künsten ist die Larve ein gemahltes oder geformtes menschliches Gesicht von dem ganzen übrigen Körper abgesondert. Große Larven pflegt man daselbst auch Fratzengesichter zu nennen. Noch häufiger, 3) ein nachgemachtes inwendig hohles Gesicht, welches man zur Verstellung seines wahren Gesichtes vor demselben befestiget; die Maske, ehedem ein Schäm, Schämbart, Schönbart, Butzenantlitz, Böckenantlitz, Joler, Mumme, im Nieders. Scherbellenkopp, Sibillkenkopp. Daher der Larventanz, Ball en Masque. Jemanden die Larve abziehen, auch figürlich, ihn seiner Verstellung ungeachtet nach seiner wahren unlautern Art zu denken und zu handeln darstellen. Die Larve wegthun, weglegen, aufhören sich zu verstellen. Unter der Larve der Gleichgültigkeit seinen Begierden nachhängen, unter einer angenommenen, verstellten Gleichgültigkeit. Ingleichen, doch gleichfalls nur im verächtlichen Verstande, das Gesicht in Ansehung seiner Gestalt. Sie hat eine ganz hübsche Larve. Ein Mädchen ohne Vermögen und ohne Rang -mit ein wenig Larve, aber mit vielem Prunke von Tugend und Gefühl und Witz, Less. 4) Ein scheußliches ungestaltes Gesicht, und eine Erscheinung mit einem solchen Gesichte. Scheußliche Larven erschienen, daran sie sich entsatzten, Weish. 17, 4. Im mittlern Lateine werden die Nachtgeister häufig Larvae genannt. 5) In der Naturlehre wird ein Insect vor der Entwickelung aller seiner Theile, d. i. so lange es noch eine Raupe ist, eine Larve genannt, eine Raupe, als ein noch nicht völlig entwickeltes organisches Geschöpf betrachtet.

[Bd. 2, Sp. 1910]



 
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Die Lásche, plur. die -n, ein als ein Streifen oder Zwickel angesetztes Stück, besonders an den Kleidungsstücken. Ein Mantel ohne Laschen, bey den Schneidern einiger Gegenden, der aus dem Ganzen geschnitten ist. Die Klappen an den Taschen werden an manchen Orten von den Schneidern Laschen, an andern aber Patten genannt. Am häufigsten kommt dieses Wort bey den Schustern vor, wo es ein viereckiges Stück Leder ist, welches an das Oberleder der Schuhe angesetzet wird; in Lübeck die Pläuße.
   Ihr Schuh ist niedrig, stumpf, mit ausgesteifter Lasche,
   Zachar. Im Nieders. Laske, im Schwed. Laska. In einem etwas andern Verstande ist die Lasche bey den Schustern eine Naht, welche nicht aus ganz zerschnittenen Stücken, sondern nur aus Einem leicht eingeschnittenen oder halb durchgeschnittenem Leder gemacht wird. Bey den Zimmerleuten und im Schiffsbaue ist die Lasche ein Einschnitt in ein Stück Bau- oder Zimmerherz, vermittelst dessen dasselbe in einen ähnlichen Einschnitt eines andern Stückes eingefüget wird. Man kann dieses Wort so wohl zu dem Oberdeutschen Bletz, ein Lappen, Flicken, als auch zu Leiste, Litze, so fern es einen schmalen Streif bedeutet, als endlich auch zu der letzten Hälfte des Zeitwortes verletzen, so fern damit auf den gemachten Einschnitt gesehen wird, rechnen; welche letztere Ableitung die wahrscheinlichste ist, S. Adelung Anlaschen.
 
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1. Láschen, verb. reg. act. von dem vorigen Hauptworte. 1) Laschen ansetzen, mit Laschen versehen. Einen Schuh laschen. 2) Mit einer in halb eingeschnittenes Leder gemachten naht versehen. Lederne Beinkleider laschen. Ingleichen bey den Zimmerleuten, vermittelst zweyer Einschnitte zusammen fügen. Daher die Laschung.
 
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2. † Láschen, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, derb ausprügeln, besonders mit einem ledernen Riemen, wofür in manchen Gegenden auch kalaschen üblich ist. Im Engl. ist to lash und slash gleichfalls mit Ruthen hauen. Entweder von schlagen, oder auch von dem Engl. Leash, Franz. Lesse, Span. Lazzo, ein Riemen, ein Seil, S. Adelung Litze.
 
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Die Lase, plur. die -n, ein irdenes bauchiges Gefäß von unbestimmter Größe, mit einem Henkel und einer Dille, allerley flüssige Körper darin eine Zeit lang aufzubehalten. Eine Wasserlase, Trinkwasser darin zu hohlen und aufzubehalten. Eine Bierlase, Weinlase, Bier oder Wein darin aus dem Keller zu hohlen.
   Drey Lasen waren stets von Wurzner Nasse voll,
   Zachar. Im Oberdeutschen Lose, Looskanne, Lasse, Laßkanne. Der Begriff des hohlen, leeren Raumes scheinet in diesem Worte der herrschende zu seyn, so daß es mit Flasche, Klause, Schleuse, welche sich nur durch die Vorlaute unterscheiden, dem Schlesischen Lusche, eine Pfütze, und andern Eines Geschlechtes ist. Im mittlern Lat. ist Lassanum ein thönernes Geschirr in einem Nachtstuhle, und Lossa, Span. Loza, ein irdenes Gefäß.
 
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Láß, lasser, lasseste, adj. et adv. der zu den gewöhnlichen Verrichtungen gehörigen Kräfte des Leibes und Lust und Munterkeit des Gemüthes beraubt; träge, matt, müde, kraftlos. Du hast lasse Hände gestärket, Hiob 4, 3. Daß man allerzeit bethen und nicht laß werden sollte, Luc. 18, 1. Wie laß bin ich! Opitz. Ist er vom Gehen laß, ebend. Ingleichen eine fehlerhafte Abneigung vor der Bewegung oder Arbeit habend, faul. Ein lasser Arbeiter. In beyden Fällen ist es in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen selten, daher es nur noch in der edlern und höhern Schreibart gebraucht wird. Siehe Lässig.

[Bd. 2, Sp. 1911]



   Anm. Bey dem Notker, der es noch für langsam, spät, Nieders. laat, gebraucht, lazzo, bey dem Winsbeck für träge, las, im Nieders. laassam, läsig, lösig, im Engl. lazy, im Schwed. lodsker, lat, im Isländ. latur, im Angels. laet, im Bretagnischen laosg, im Finnländischen loi, laisca, im Franz. las und lache, im Ital. lasso, im Lat. lassus. Im Hebr. ist 05d705dc05e9 schwächen, entkräften. Es schienet mit dem Zeitworte lassen, sinere, Last und letzte verwandt zu seyn.
 
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Der Laßbauer, S. Adelung Lasse.
 
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Das Laßbêcken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, das Blut bey dem Aderlassen darin aufzufangen.
 
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Die Laßbinde, plur. die -n, eine Binde, deren man sich bey dem Aderlassen oder Blut lassen bedienet; die Aderlaßbinde.
 
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Der Laßbrief, des -es, plur. die -e, eine schriftliche Urkunde, worin man einen Leibeigenen seiner Leibeigenschaft entlässet, ihn frey lässet.

 

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