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Lappālie bis Lappjagen (Bd. 2, Sp. 1906 bis 1908)
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Artikelverweis Die Lappālie, (viersylbig,) plur. die -n, im gemeinen Leben, eine unerhebliche Kleinigkeit im verächtlichen Verstande; eine Lapperey. Es ist aus dem Deutschen Worte Lappen und einer Lateinischen Endung gebildet. Vermuthlich hat man es in den ehemahligen halb Lateinischen Zeiten im Scherze gebraucht, und in der mehrern Zahl Lappalia gesagt, woraus denn das heutige in beyden Endungen entstanden.
 
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Der Lappe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Läppchen, ein junger unbesonnener Mensch; gleichfalls nur im gemeinen Leben Ober- und Nieder-Deutschlandes. S. Adelung Laffe und Läppisch.
 
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Der Lappen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Läppchen, Oberd. Läpplein. 1) Ein jedes weiches, biegsames, herab hangendes Stück ohne bestimmte Gestalt. Der Lappen oder das Läppchen des Ohres, das Ohrläppchen, der weiche herab hangende Theil des äußern Ohres; Lobus. Die herab hangenden Ohren der Hunde sind gleichfalls unter dem Nahmen der Lappen bekannt, besonders bey den Jägern. Die Lappen der Leber, Lobi Hepatis, die aus zusammen gewachsenen Drüsen bestehenden Trauben an der Leber. Das Bartläppchen des Hühnerviehes, die unter dem Schnabel herab hangende Haut. Bey den Fleischern sind die Lappen dünne Stücke Fleisch, welche aus dem Bauche und Wanste des Rindviehes heraus gehacket werden. In der Kräuterkunde sind die Lappen, Laciniae L. herab hangende Theile der einblätterigen Blumen, zum Unterschiede von den bloßen Einschnitten.
   2) Ein Stück Tuch oder Leinwand von bestimmter Gestalt; gewöhnlich nur noch in einigen einzelnen Fällen. In Elsaß nennen die Rhein-Schiffer, dem Schilter zu Folge, ihre Segel Lappen, und da ist der Lappenmann auf einem Rhein-Schiffe derjenige, welcher die Aufsicht über die Segel hat. Bey den Jägern sind so wohl Tuchlappen als Federlappen üblich. Diese bestehen aus einer Menge paarweise an eine lange Schnur geknüpfter Federn; jene aber aus langen aber dabey schmalen Streifen Leinwand, welche an eine Leine genähet werden, und durch ihre Bewegung das Wild abschrecken. Ein Wild gehet durch die Lappen, wenn es dessen ungeachtet durchsetzet; daher man auch im gemeinen Leben von jemanden, der entwischet oder glücklich davon gekommen ist, sagt, er sey durch die Lappen gegangen. Im verächtlichen Verstande nennet man auch wohl jedes Stück Zeuges, oder ein jedes Kleidungsstück einen Lappen. Figürlich wird bey den Schlössern auch der viereckte Theil eines Thürbandes, welcher in das Holz getrieben wird, der Lappen genannt.

[Bd. 2, Sp. 1907]



   3) Ein herab hangendes Stück Zeuges an einem Kleide von unförmlicher Gestalt, besonders ein herab hangendes Stück von einem zerrissenen Kleide oder Zeuge. An einem zerrissenen Kleide hangen die Lappen herunter. Ingleichen kleinere Stücke Zeuges oder Leders von unförmlicher Gestalt, Abgänge von allerley Arten Zeuges. Niemand flicket einen Lappen von neuem Tuch an ein alt Kleid, Marc. 2, 21. Seidene, leinene, wollene Läppchen. Ein Fußlappen, Schuhlappen, ein Stück Zeuges von unförmlicher oder doch unbestimmter Gestalt, die Schuhe damit abzuwischen. Ein Waschlappen, Küchenlappen u. s. f. Im Oberdeutschen werden auch die Stücken Leder, welche man zum Ausbessern der Schuhe und Schuhsohlen gebraucht, Lappen genannt. S. das folgende Zeitwort.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Lappen, im Engl. Lap, in den Monseeischen Glossen Lappa, im Angels. Laeppe, im Dän. Lap, im Schwed. und Isländ. Lapp, im Lat. in einigen Fällen Lobus, im Griech. λοβος, λαιφος, λαφις; alle von lapp, schlaff, wegen der herab hangenden und weichen Beschaffenheit. Lippe, Flabbe, ein herab hangendes Maul, Lumpen, ein abgetragener Lappen, und andere sind genau damit verwandt. In einigen Gegenden lautet dieses Wort der Lappe. Übrigens wird ein Lappen, so fern es ein kleineres von einem größern abgeschnittenes oder abgerissenes Stück Zeuges von unbestimmter Gestalt bedeutet, im Oberd. auch ein Fleck, ein Fetzen, ein Bletz, ein Loden, und im Nieders. Palte, Pulte, Slunne, Slunte, Talter u. s. f. genannt. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird dieses Wort als ein unbekanntes durch Stück, Pletz, Lump, erkläret.
 
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Lappen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen und Niedersächsischen üblich ist, Lappen aufsetzen, d. i. flicken. Ein zerrissenes Kleid lappen. Die Schuhe lappen. Gelappte Schuhe. Daher die Schuhflicker daselbst auch Schuhlapper und Altlapper genannt werden. In weiterer Bedeutung auch von metallenen Körpern. Die Pfannen, die Kessel lappen, flicken. Daher der Kessellapper, der Kesselflicker.
 
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Der Lappenmann, des -es, plur. die -männer, S. der Lappen 2.
 
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Die Lapperey, plur. die -en. 1) * Das Lappen, d. i. das Flicken; doch nur im Niedersächsischen und ohne Plural, wo es auch figürlich von einer unangenehmen verdrießlichen Sache gebraucht wird. 2) Eine unerhebliche, unwichtige Sache, in verächtlichem Verstande. Schwed. Lappri, Nieders. Lapperije, vielleicht nicht so wohl von Lappen, pannus, als vielmehr von Lappe, ein junger Mensch, so daß der allgemeine Begriff die Kleinheit ist. Schon im Arab. ist Lahw eine kleine Sache, eine Kleinigkeit, ingleichen ein Kind, Knabe. S. auch das folgende.
 
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Läppern, verb. reg. act. welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden üblich ist. Es läppert sich zusammen, sagt man, wenn aus kleinen unerheblichen Posten endlich eine beträchtliche Summe, oder aus wenig Dingen nach öfterer Wiederhohlung endlich eine beträchtliche Anzahl wird. Einem Geld abläppern, es ihm in kleinen Summen abfordern. Einem etwas zuläppern, es ihm zu mehrern Mahlen in kleinen Posten, oder in kleinen Summen, bey Kleinigkeiten, geben, einhändigen. Daher Läpperschulden, Schulden, welche in kleinen unerheblichen Summen hin und wieder gemacht worden; Klitterschulden, Nieders. Plickschulden. S. das vorige.
 
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Lappicht, -er, -ste, adj. et adv. von lapp, schlaff, im gemeinen Leben, auf eine fehlerhafte Art weich und beweglich. S. Adelung Schlaff.

[Bd. 2, Sp. 1908]



 
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Lappig, adj. et adv. von Lappen, pannus, aus Lappen bestehend, Lappen habend. Ein lappiges Kleid, woran die Lappen herunter hangen; wofür doch zerlappt und zerlumpt üblicher sind.
 
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Läppisch, -er, -te, adj. et adv. von Lappe, ein junger unbesonnener Mensch, auf eine unanständige Art jugendlich, kindisch, einem reifern Alter unanständig, im verächtlichen Verstande. Läppische Reden, Einfälle. Ein läppischer Mensch. Sich läppisch betragen. Im Nieders. awiesig.
 
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Das Lappjagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jagen, d. i. eine Jagd, wo der Jagdbezirk nur mit Lappen umstellet worden.

 

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