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Lanze bis Lappenmann (Bd. 2, Sp. 1905 bis 1907)
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Artikelverweis Die Lanze, plur. die -n. 1) Ein Spieß überhaupt, in welcher weitern Bedeutung dieses Wort noch in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. Die Lanze, womit einer der Kriegsknechte Christum durchstochen haben soll, wird noch unter den kaiserlichen Kleinodien zu Nürnberg verwahret. Die Lanzen der Jäger sind kleine Spießchen mit langen Stielen, womit die wilden Schweine zu Pferde, aber gemeiniglich nur zur Lust, getödtet werden. Bey dem Wallfischfange ist es ein Spieß ohne Widerhaken, womit man die Wallfische und Wallrosse tödtet. Daher das Zeitwort länzen, große Seefische mit Lanzen tödten. Bey den Modellmachern in Thon und Wachs ist die Lanze, Franz. Lance, Lancette, eine Art eines Spatels, welcher auf Einer Seite rund zuläuft, am andern Ende aber viereckig abgeschnitten ist, der weichen Masse allerey Gestalten damit zu geben. 2) Ein großer schwerer Spieß ohne Knebel, dessen man sich ehedem zu Pferde, so wohl im Kriege als auch bey den Turnieren bediente. Daher eine Lanze brechen, turnieren.
   Anm. Im Franz. Lance, im Ital. Lancia, im Engl. Lance, im Schwed. Lans, im Isländ. Lans, im Lat. Lancea, im Irländ. Langa, im Griech. λογχ. Varro, Nonius und Diodor haben es schon für ein altes Celtisches Wort erkannt, welches so wohl im Lateinischen als Griechischen fremd war. Der erste leitet es von den Celtiberiern, de zweyte von den Sueven, und der dritte von den Deutschen her. Es stammet entweder von lang ab, da es ein langes Gewehr bedeuten würde, oder auch von dem Bretagnischen lanca, werfen, schleudern, Franz. lancer, da es denn ursprünglich einen Wurfspieß bedeutet haben mag.

[Bd. 2, Sp. 1906]



 
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Das Lanzenfêst, des -es, plur. die -e, ein Fest in der Römischen Kirche, welches im 14ten Jahrhunderte zum Andenken der Lanze, womit Christi Seite geöffnet worden, eingeführet wurde.
 
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Das Lanzenkraut, des -es, plur. inus. eine Art eines in Surinam befindlichen Frauenhaares, dessen einzelne am Ende befindliche Federn einer Lanze gleichen; Adianthum Lancea L.
 
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Die Lanzêtte, plur. die -n, aus dem Franz. Lancette, welches das Diminut. von Lance, Lanze, ist, ein Werkzeug der Wundärzte zu bezeichnen, welches aus einer kleinen zweyschneidigen Klinge zwischen zwey unten nicht zusammen genietheten Schalen bestehet, kleine Öffnungen damit zu machen; das Laßeisen, die Fliete, so fern sie vornehemlich zu Öffnung der Adern gebraucht wird.
 
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Der Lanzknecht, S. Adelung Landsknecht.
 
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Lapp, -er, -este, adj. et adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten für laff oder schlaff üblich ist, S. Adelung Schlaff.
 
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Die Lappālie, (viersylbig,) plur. die -n, im gemeinen Leben, eine unerhebliche Kleinigkeit im verächtlichen Verstande; eine Lapperey. Es ist aus dem Deutschen Worte Lappen und einer Lateinischen Endung gebildet. Vermuthlich hat man es in den ehemahligen halb Lateinischen Zeiten im Scherze gebraucht, und in der mehrern Zahl Lappalia gesagt, woraus denn das heutige in beyden Endungen entstanden.
 
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Der Lappe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Läppchen, ein junger unbesonnener Mensch; gleichfalls nur im gemeinen Leben Ober- und Nieder-Deutschlandes. S. Adelung Laffe und Läppisch.
 
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Der Lappen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Läppchen, Oberd. Läpplein. 1) Ein jedes weiches, biegsames, herab hangendes Stück ohne bestimmte Gestalt. Der Lappen oder das Läppchen des Ohres, das Ohrläppchen, der weiche herab hangende Theil des äußern Ohres; Lobus. Die herab hangenden Ohren der Hunde sind gleichfalls unter dem Nahmen der Lappen bekannt, besonders bey den Jägern. Die Lappen der Leber, Lobi Hepatis, die aus zusammen gewachsenen Drüsen bestehenden Trauben an der Leber. Das Bartläppchen des Hühnerviehes, die unter dem Schnabel herab hangende Haut. Bey den Fleischern sind die Lappen dünne Stücke Fleisch, welche aus dem Bauche und Wanste des Rindviehes heraus gehacket werden. In der Kräuterkunde sind die Lappen, Laciniae L. herab hangende Theile der einblätterigen Blumen, zum Unterschiede von den bloßen Einschnitten.
   2) Ein Stück Tuch oder Leinwand von bestimmter Gestalt; gewöhnlich nur noch in einigen einzelnen Fällen. In Elsaß nennen die Rhein-Schiffer, dem Schilter zu Folge, ihre Segel Lappen, und da ist der Lappenmann auf einem Rhein-Schiffe derjenige, welcher die Aufsicht über die Segel hat. Bey den Jägern sind so wohl Tuchlappen als Federlappen üblich. Diese bestehen aus einer Menge paarweise an eine lange Schnur geknüpfter Federn; jene aber aus langen aber dabey schmalen Streifen Leinwand, welche an eine Leine genähet werden, und durch ihre Bewegung das Wild abschrecken. Ein Wild gehet durch die Lappen, wenn es dessen ungeachtet durchsetzet; daher man auch im gemeinen Leben von jemanden, der entwischet oder glücklich davon gekommen ist, sagt, er sey durch die Lappen gegangen. Im verächtlichen Verstande nennet man auch wohl jedes Stück Zeuges, oder ein jedes Kleidungsstück einen Lappen. Figürlich wird bey den Schlössern auch der viereckte Theil eines Thürbandes, welcher in das Holz getrieben wird, der Lappen genannt.

[Bd. 2, Sp. 1907]



   3) Ein herab hangendes Stück Zeuges an einem Kleide von unförmlicher Gestalt, besonders ein herab hangendes Stück von einem zerrissenen Kleide oder Zeuge. An einem zerrissenen Kleide hangen die Lappen herunter. Ingleichen kleinere Stücke Zeuges oder Leders von unförmlicher Gestalt, Abgänge von allerley Arten Zeuges. Niemand flicket einen Lappen von neuem Tuch an ein alt Kleid, Marc. 2, 21. Seidene, leinene, wollene Läppchen. Ein Fußlappen, Schuhlappen, ein Stück Zeuges von unförmlicher oder doch unbestimmter Gestalt, die Schuhe damit abzuwischen. Ein Waschlappen, Küchenlappen u. s. f. Im Oberdeutschen werden auch die Stücken Leder, welche man zum Ausbessern der Schuhe und Schuhsohlen gebraucht, Lappen genannt. S. das folgende Zeitwort.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Lappen, im Engl. Lap, in den Monseeischen Glossen Lappa, im Angels. Laeppe, im Dän. Lap, im Schwed. und Isländ. Lapp, im Lat. in einigen Fällen Lobus, im Griech. λοβος, λαιφος, λαφις; alle von lapp, schlaff, wegen der herab hangenden und weichen Beschaffenheit. Lippe, Flabbe, ein herab hangendes Maul, Lumpen, ein abgetragener Lappen, und andere sind genau damit verwandt. In einigen Gegenden lautet dieses Wort der Lappe. Übrigens wird ein Lappen, so fern es ein kleineres von einem größern abgeschnittenes oder abgerissenes Stück Zeuges von unbestimmter Gestalt bedeutet, im Oberd. auch ein Fleck, ein Fetzen, ein Bletz, ein Loden, und im Nieders. Palte, Pulte, Slunne, Slunte, Talter u. s. f. genannt. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird dieses Wort als ein unbekanntes durch Stück, Pletz, Lump, erkläret.
 
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Lappen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen und Niedersächsischen üblich ist, Lappen aufsetzen, d. i. flicken. Ein zerrissenes Kleid lappen. Die Schuhe lappen. Gelappte Schuhe. Daher die Schuhflicker daselbst auch Schuhlapper und Altlapper genannt werden. In weiterer Bedeutung auch von metallenen Körpern. Die Pfannen, die Kessel lappen, flicken. Daher der Kessellapper, der Kesselflicker.
 
Artikelverweis 
Der Lappenmann, des -es, plur. die -männer, S. der Lappen 2.