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Langwiede bis Lapp (Bd. 2, Sp. 1905 bis 1906)
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Artikelverweis Die Langwiede, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, der Langwagen, wo das Wort nach einer verderbten Aussprache oft Lampert lautet. Lat. Longurius, im mittlern Lat. Longale. S. Adelung Wiede.
 
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Langwierig, -er, -ste, adj. et adv. lange während; am häufigsten von unangenehmen Dingen. Eine langwierige Krankheit, Ein langwieriger Prozeß, Krieg. Nieders. langwilig, langtöged. Soll die durch die lange Dauer verursachte Unlust noch deutlicher ausgedruckt werden, so gebraucht man das Wort langweilig. Von angenehmen Dingen, wird langwierig im Hochdeutschen wohl nicht leicht gebraucht werden; ungeachtet man im Oberdeutschen das langwierig dem kurzwierig überhaupt entgegen setzt.
 
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Die Langwierigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es der Zeit nach länger währet, als man wünschet. Die Langwierigkeit des Übels.
 
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Die Lanke, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, die Seite, besonders die Seite des Bauches, die Weiche; im mittlern Lat. Longa, Langa, Longua, im Franz. Longe. Siehe Flanke. Bey den Fischern in der Mark Brandenburg ist die Lanke diejenige Seite des Wassers, wo man fischen darf, und die Böttcher nennen, dem Frisch zu Folge, eine fehlerhafte Krümme, oder einen Knoten in einem Reife eine Lanke, wo aber dieses Wort zu einem andern Geschlechte zu gehören scheinet.
 
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Der Lanste, des -n, plur. die -n, eine nur im Herzogthum Schleßwig übliche Benennung derjenigen Bauern, welche ihre Güter zu Lehn besitzen, zum Unterschiede von den Bonden, welche ihre Höfe mit dem völligen Eigenthumsrechte besitzen. Vermuthlich von dem Worte Lehn, gleichsam Lehnbauern, oder auch von Lasse, S. dieses Wort. Sie werden auch Festebauern genannt, weil sie ihre Güter von dem Lehensherren festen, d. i. zu Lehen nehmen, müssen.
 
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Die Lanze, plur. die -n. 1) Ein Spieß überhaupt, in welcher weitern Bedeutung dieses Wort noch in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. Die Lanze, womit einer der Kriegsknechte Christum durchstochen haben soll, wird noch unter den kaiserlichen Kleinodien zu Nürnberg verwahret. Die Lanzen der Jäger sind kleine Spießchen mit langen Stielen, womit die wilden Schweine zu Pferde, aber gemeiniglich nur zur Lust, getödtet werden. Bey dem Wallfischfange ist es ein Spieß ohne Widerhaken, womit man die Wallfische und Wallrosse tödtet. Daher das Zeitwort länzen, große Seefische mit Lanzen tödten. Bey den Modellmachern in Thon und Wachs ist die Lanze, Franz. Lance, Lancette, eine Art eines Spatels, welcher auf Einer Seite rund zuläuft, am andern Ende aber viereckig abgeschnitten ist, der weichen Masse allerey Gestalten damit zu geben. 2) Ein großer schwerer Spieß ohne Knebel, dessen man sich ehedem zu Pferde, so wohl im Kriege als auch bey den Turnieren bediente. Daher eine Lanze brechen, turnieren.
   Anm. Im Franz. Lance, im Ital. Lancia, im Engl. Lance, im Schwed. Lans, im Isländ. Lans, im Lat. Lancea, im Irländ. Langa, im Griech. λογχ. Varro, Nonius und Diodor haben es schon für ein altes Celtisches Wort erkannt, welches so wohl im Lateinischen als Griechischen fremd war. Der erste leitet es von den Celtiberiern, de zweyte von den Sueven, und der dritte von den Deutschen her. Es stammet entweder von lang ab, da es ein langes Gewehr bedeuten würde, oder auch von dem Bretagnischen lanca, werfen, schleudern, Franz. lancer, da es denn ursprünglich einen Wurfspieß bedeutet haben mag.

[Bd. 2, Sp. 1906]



 
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Das Lanzenfêst, des -es, plur. die -e, ein Fest in der Römischen Kirche, welches im 14ten Jahrhunderte zum Andenken der Lanze, womit Christi Seite geöffnet worden, eingeführet wurde.
 
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Das Lanzenkraut, des -es, plur. inus. eine Art eines in Surinam befindlichen Frauenhaares, dessen einzelne am Ende befindliche Federn einer Lanze gleichen; Adianthum Lancea L.
 
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Die Lanzêtte, plur. die -n, aus dem Franz. Lancette, welches das Diminut. von Lance, Lanze, ist, ein Werkzeug der Wundärzte zu bezeichnen, welches aus einer kleinen zweyschneidigen Klinge zwischen zwey unten nicht zusammen genietheten Schalen bestehet, kleine Öffnungen damit zu machen; das Laßeisen, die Fliete, so fern sie vornehemlich zu Öffnung der Adern gebraucht wird.
 
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Der Lanzknecht, S. Adelung Landsknecht.
 
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Lapp, -er, -este, adj. et adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten für laff oder schlaff üblich ist, S. Adelung Schlaff.