Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Langsichtig bis Lanste (Bd. 2, Sp. 1904 bis 1905)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Langsichtig, -er, -ste, et adv. ein Wort, welches man von solchen Personen gebraucht, bey welchen die durchsichtige Hornhaut oder die krystallene Linse im Auge gar zu flach, und zu nahe gegen das netzförmige Häutchen der Augen gerichtet ist, daher sie zwar in der Ferne, nicht aber in der Nähe deutlich sehen können; im Gegensatze des kurzsichtig. Langsichtig seyn. Ein Langsichtiger, Praesbyta.
 
Artikelverweis 
Längst, adv. der Zeit, vor sehr langer Zeit, als die dritte Staffel von lange. Das habe ich längst gewußt. S. Adelung Lange und Urlängst.
 
Artikelverweis 
Längstens, ein Nebenwort der Zeit, für auf das längste, in der vertraulichen Sprechart. Ich komme längstens in acht Tagen wieder. Ein Mißbrauch ist es, wenn dieses Nebenwort für das vorige längst gebraucht wird. Das habe ich längstens gewußt.
 
Artikelverweis 
Das Langstroh, des -es, plur. car. in der Landwirthschaft, Stroh, welches aus langen geraden Halmen bestehet, und auch Schüttenstroh genannt wird; zum Unterschiede von dem Krummstrohe.
 
Artikelverweis 
Der Langwagen, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, das lange Holz an einem Rüst- und Bauerwagen, welches durch das vordere und hintere Gestell gehet, und beyde mit einander verbindet; an einigen Orten die Langwelle, im Nieders. die lange Wage. Man kann vermittelst desselben den Wagen lang oder kurz machen. Weil der Hinterwagen daran befestiget ist, so pfleget man zuweilen auch den ganzen Hinterwagen mit dem Nahmen des Langwagens zu belegen. S. Adelung Langwiede.
 
Artikelverweis 
Langweilig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Ausdrucke lange Weile. 1) Auf eine unangenehme, verdrießliche Art lange während; zum Unterschiede von langwierig. Ein langweiliger Prozeß. 2) Lange Weile verursachend, wobey uns die Zeit lang wird, wobey man die Dauer der Zeit mit Unlust empfindet. Ein langweiliges Geschwätz. Ein langweiliger Mensch, welcher lange Weile verursacht. Wie oft erweckt

[Bd. 2, Sp. 1905]


man uns in den ersten Jahren durch trockne und langweilige Erklärungen der Glaubenslehre einen Ekel an der Religion! Gell. S. Adelung Lange Weile in Lang II. 3. 4).
 
Artikelverweis 
Die Langwiede, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, der Langwagen, wo das Wort nach einer verderbten Aussprache oft Lampert lautet. Lat. Longurius, im mittlern Lat. Longale. S. Adelung Wiede.
 
Artikelverweis 
Langwierig, -er, -ste, adj. et adv. lange während; am häufigsten von unangenehmen Dingen. Eine langwierige Krankheit, Ein langwieriger Prozeß, Krieg. Nieders. langwilig, langtöged. Soll die durch die lange Dauer verursachte Unlust noch deutlicher ausgedruckt werden, so gebraucht man das Wort langweilig. Von angenehmen Dingen, wird langwierig im Hochdeutschen wohl nicht leicht gebraucht werden; ungeachtet man im Oberdeutschen das langwierig dem kurzwierig überhaupt entgegen setzt.
 
Artikelverweis 
Die Langwierigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es der Zeit nach länger währet, als man wünschet. Die Langwierigkeit des Übels.
 
Artikelverweis 
Die Lanke, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, die Seite, besonders die Seite des Bauches, die Weiche; im mittlern Lat. Longa, Langa, Longua, im Franz. Longe. Siehe Flanke. Bey den Fischern in der Mark Brandenburg ist die Lanke diejenige Seite des Wassers, wo man fischen darf, und die Böttcher nennen, dem Frisch zu Folge, eine fehlerhafte Krümme, oder einen Knoten in einem Reife eine Lanke, wo aber dieses Wort zu einem andern Geschlechte zu gehören scheinet.
 
Artikelverweis 
Der Lanste, des -n, plur. die -n, eine nur im Herzogthum Schleßwig übliche Benennung derjenigen Bauern, welche ihre Güter zu Lehn besitzen, zum Unterschiede von den Bonden, welche ihre Höfe mit dem völligen Eigenthumsrechte besitzen. Vermuthlich von dem Worte Lehn, gleichsam Lehnbauern, oder auch von Lasse, S. dieses Wort. Sie werden auch Festebauern genannt, weil sie ihre Güter von dem Lehensherren festen, d. i. zu Lehen nehmen, müssen.