Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Die Länge bis Langhärig (Bd. 2, Sp. 1901 bis 1903)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  1. Die Länge, plur. die -n, das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte lang, welches am häufigsten absolute gebraucht wird, die größte Ausdehnung eines Dinges zu bezeichnen. 1) Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; zum Unterschiede von der Breite und Dicke. Der Garten hält hundert Ellen in die Länge. Ein Stück Holz in die Länge, oder nach der Länge spalten. Die Länge eines Dinges messen. Das Leder in die Länge, oder nach der Länge ziehen. Nach aller Länge da liegen, nach der Länge niederfallen; im gemeinen Leben, der Länge lang, S. Adelung Lang I. 1. Niemand kann seiner Länge eine Elle zusetzen. Die rechte Länge haben, nehmlich des Leibes. In der Geographie und Seefahrt ist die Länge oder Himmelslänge, im Gegensatze der Breite, die Entfernung von dem ersten Meridian nach Morgen zu. Siehe Breite. In der Astronomie ist die Länge eines Sternes dessen Entfernung von dem Anfange des Widders. Als ein Abstractum hat dieses Wort eigentlich keinen Plural, außer wenn man diese Art der Ausdehnung in mehrern Körpern oder in mehrern einzelnen Fällen nimmt. 2) Die Zeitdauer, so wohl überhaupt, als auch eine lange Zeitdauer; ohne Plural. Die Länge der Zeit. Die Gelassenheit ermüdet oft unter der Länge der Zeit, Gell. In die Länge wird man der Sache überdrüssig, wenn sie lange, oder zu lange währet. Etwas in die Länge spielen, es langwierig machen. Die Sache zieht sich in die Länge. Das thut in die Länge nicht gut. Eine liebe lange Länge, im gemeinen Leben, eine sehr lange Zeit.
   Bey dem Notker Lengi. Im Nieders. Länge und Längte, im Dän. Längde, im Engl. Length. Im Nieders. ist die Länge auch ein langes Seil, dessen Enden an einander befestiget sind, und welches um große Packe und Ballen geschlagen wird, sie desto bequemer in die Höhe zu winden.
 
Artikelverweis 
2. Die Länge, plur. die -n, eine Art Fische aus dem Dorschgeschlechte mit zwey Rückenfinnen und Bartfäden, dessen oberer Kinnbacken länger ist, als der untere; Gadus Molua L. Langfisch, Nieders. Länge, Zartlänge, Dän. Lange, Franz. Langhe. Ohne Zweifel wegen seiner ansehnlichen Länge im Verhältnisse mit seiner Dicke.
 
Artikelverweis 
Das Längeholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Bäckern, ein rundes Holz, den Teig damit zu längen, d. i. in die Länge auszudehnen.
 
Artikelverweis 
Langen, verb. reg. welches von dem Nebenworte lang abstammet, und in doppelter Gestalt üblich ist.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben.
   1. Länger werden; doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens.
   Wenn der Tag beginnt zu langen,
   Kommt die Kälte erst gegangen.

[Bd. 2, Sp. 1902]


Im Oberdeutschen auch für lang werden, d. i. lange däuchten, von der Zeit. Die kurzen Stunden mir sehr langen.
   2. Sich mit der Länge bis zu etwas erstrecken. 1) Eigentlich, so wohl von der körperlichen Ausdehnung, als auch von der Zeit, für reichen; am häufigsten nur im gemeinen Leben. Der Rock langt bis auf die Fersen. Die Vorhänge langen bis auf die Erde. Das Gebirge langt bis an das Meer. Der Berg Sina langet bis gen Jerusalem, Gal. 4, 25. Deine Gewalt langet bis an der Welt Ende, Dan. 4, 19. 2) Dem Werthe, der Materie, der Güte nach. Hundert Thaler langen nicht weit. Das Geld langet nicht so weit, ist dazu nicht hinlänglich. Der Zeug langet gerade noch zu Einem Kleide. Bis dahin langet (erstrecket sich) meine Höflichkeit nicht, Less. Die Zeit meiner Wallfahrt langet nicht an die Zeit meiner Väter in ihrer Wallfahrt, 1 Mos. 47, 9; d. i. kommt ihr der Dauer nach nicht gleich. Nach einer noch weitern Figur auch für auskommen. Ich kann damit nicht langen. In beyden Bedeutungen ist in der anständigern Sprechart dafür nun reichen üblicher.
   3. In engerer Bedeutung, mit ausgestreckter Hand an etwas reichen. 1) Eigentlich, wo in der anständigern Sprechart gleichfalls reichen üblicher ist. Ich kann nicht so weit langen. Ich kann schon bis dahin langen. Ingleichen die ausgestreckte Hand an einen Ort hin bewegen. In die Schüssel langen. Nach etwas langen. Auf den Tisch langen. 2) * Figürlich, mit dem Gemüthe, mit Unruhe begehren; wofür doch jetzt verlangen üblicher ist. Das einfache langen kommt indeß in dieser Bedeutung noch bey dem Notker vor, und im Schwed. heißt es auch noch länga. S. Adelung Verlangen.
   II. Als ein Activum, in dem ersten Falle der letzten dritten Bedeutung, mit ausgestreckter Hand darreichen; gleichfalls nur im gemeinen Leben, für reichen, geben. Lange mir den Hut. So auch in den Zusammensetzungen ablangen, auflangen, herlangen, hinlangen, zulangen. Auch figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, hingehen und holen, oder bringen. Ich will immer gehen und die Forrellen aus dem Fischhälter langen, Gell.
   Das Hauptwort die Langung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
 
Artikelverweis 
Längen, verb. reg. welches das Activum des vorigen Neutrius wenigstens in einigen Bedeutungen ist. 1. Lang machen, in die Länge ausdehnen, erstrecken; wo es doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist. 1) Bey den Bäckern wird der Teig gelänget, wenn er mit dem Längeholze gewalzet und dadurch in die Länge ausgedehnet wird. Auch die Metallarbeiter längen ein Metall, wenn sie es vermittelst des Hammers in die Länge ausdehnen. 2) In der Seefahrt wird gespanntes Tauwerk gelänget, wenn es der Länge nach nachgelassen, lockrer gemacht wird. 3) Im Bergbaue wird eine Grube oder ein Ort gelänget, wenn sie in die Länge getrieben oder fortgesetzet werden. S. Adelung Längort. 4) Eine Brühe längen, in den Küchen einiger Gegenden, sie länger, d. i. dünner machen. 2. In der Landwirthschaft Thüringens heißt einen Acker längen, ihn der Länge nach theilen, im Gegensatze des Strümpfens, der Theilung in die Quere. Wo keine Gränzesteine vorhanden sind, müssen die Anstößer in streitigen Fällen mit einander längen, d. i. das streitige Stück Ackers der Länge nach mit einander theilen.
   So auch die Längung. In der anständigern Sprechart ist in den vier ersten Fällen dafür verlängern üblich.
 
Artikelverweis 
Das Lngenmāß, des -es, plur. die -e, ein körperliches Maß, die Längen der Dinge darnach zu messen, dessen Größe

[Bd. 2, Sp. 1903]


eine gerade Linie ist; zum Unterschiede von dem Flächenmaße und Körpermaße.
 
Artikelverweis 
Die Langeweile, S. Adelung Lange Weile in Lang II. 3. 4).
 
Artikelverweis 
Der Lángfísch, des -es, plur. die -e, S. 2. Länge.
 
Artikelverweis 
Das Langhaar, des -es, plur. inus. bey den Perrückenmachern, die hintern langen ungekräuselten Haare an den Schwanz- und Beutel-Perrücken.
 
Artikelverweis 
Der Langhals, des -es, plur. die -hälse, im gemeinen Leben, ein mit einem langen Halse versehenes Geschöpf. In engerer Bedeutung, eine Art ausländischer Baumkletten mit einem langen Halse, welche wegen ihres kurzen Schwanzes auch Kurzschwanz genannt wird; Falcinellus Giuguit, Seba et Klein.
 
Artikelverweis 
Langhärig, adj, et adv. lange Haare habend.