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Landwirthschaft bis 2. Die Länge (Bd. 2, Sp. 1897 bis 1901)
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Artikelverweis Die Landwirthschaft, plur. inus. besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, die Beschäftigung oder Lebensart, da man durch den Feld- oder Landbau Unterhalt und zeitliches Vermögen zu erwerben sucht. Ingleichen die Wissenschaft, durch Nutzung eines Feld- oder Landgutes zeitliches Vermögen zu erwerben; die Land-Ökonomie, welche mit der Landes-Ökonomie nicht verwechselt werden muß.
 
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Die Landwolle, plur. inus. einheimische, im Lande selbst erzeugte Wolle, zum Unterschiede von der ausländischen.
 
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Der Landzeug, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, einheimische, im Lande verfertigte

[Bd. 2, Sp. 1898]


Zeuge, dergleichen Rasch, Boy, Frieß u. s. f. in machen Ländern sind.
 
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Der Landzoll, des -es, plur. die -zölle, ein Zoll, welcher auf dem Lande entrichtet wird; zum Unterschiede von dem See- und Wasserzoll.
 
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Lang, länger, längste, adj. et adv. welches überhaupt ein Ausdruck der größten Ausdehnung an einem Körper ist, im Gegensatze derjenigen, von welchen die Wörter breit und dick gebraucht werden. Es ist in doppelter Hauptbedeutung üblich.
   I. Absolute, das Maß dieser Ausdehnung zu bezeichnen, mit ausdrücklicher Meldung dieses Maßes.
   1. Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; wo es in der ersten und zweyten Staffel als ein Nebenwort am üblichsten ist. Der Garten ist funfzig Ellen lang. Drey hundert Hufen lang, Raml. Das Haus ist so lang wie die Gasse. Zuweilen auch von der Höhe eines Menschen. Cajus ist so lang wie sein Bruder. Das Maß stehet im Hochdeutschen am häufigsten in der vierten Endung, im Oberdeutschen aber auch in der zweyten, welches auch zuweilen von den Hochdeutschen nachgeahmet wird, sich aber nur in der einfachen Zahl thun lässet. Einer Ellen lang. Doch verstatten diese Wortfügung zuweilen in der mehrern Zahl auch die beyden Zeitwörter zwey und drey, weil sie der Declination fähig sind. Zweyer Spannen lang. Dreyer Ellen lang. Aber nicht, dreyer Meilen, zweyer Zolle lang. So auch in den Zusammensetzungen armslang, gliedslang, ellenlang, eines Armes lang u. s. f.
   Die R. A. der Länge lang, d. i. der Länge nach, so lang man ist, ist Niedersächsisch, ungeachtet sie bey den Hochdeutschen Schriftstellern nicht selten vorkommt. Er streckte sich der Länge lang auf einen Rasen.
   Und mancher fiel die Länge lang danieder,
   Gell. Im Nieders. lingelangst.
   Ingleichen in der zweyten und dritten Staffel. Diese Gasse ist länger als jene. Das längste von beyden. Es ist eine ganze Elle länger, oder um eine ganze Elle länger; im Oberd. auch mit der zweyten Endung, einer ganzen Elle länger. 2. Figürlich von der Zeitdauer, in der ersten und zweyten Staffel; auch am häufigsten als ein Nebenwort. Er schwatzet Tage lang, d. i. ganze Tage. Jahre lang, ganze Jahre. Drey Mahl neun Tage lang, Raml. Drey Tage lang will ich ihm Gesichter machen, Weiße. Hier sangen sie wohl eine Stunde lang, Gell. Ingleichen in den Zusammensetzungen stundenlang, wo es auch als ein Beywort gebraucht wird, ein stundenlanges Gebeth; lebenslang und lebenlang, welche man doch so wie eine Zeit lang richtiger getheilt schreibt, Lebens lang und mein Leben lang. Die Tage werden länger. Der längste Tag.
   II. Eine beträchtliche Länge habend, im Gegensatze dessen was kurz ist, länger als gewöhnlich; wo es nur in der ersten und dritten Staffel gebraucht wird.
   1. Eigentlich und in engerer Bedeutung, ein mehr als gewöhnliches Maß der Ausdehnung in die Länge habend. Ein langes Kleid. Das Kleid ist mir zu lang. Lange Haare haben. Seine Haare lang wachsen lassen. Ein langer Hals. Eine lange Gasse. Etwas auf die lange Bank schieben. S. Adelung Bank.
   2. In weiterer Bedeutung, der Ausdehnung in die Höhe nach; doch nur von der Höhe eines Menschen. Ein langer Mensch. Lang seyn, lang von Statur seyn. Ehedem gebrauchte man es auch für hoch überhaupt. In lengi himilo, Ottfr. im hohen Himmel.

[Bd. 2, Sp. 1899]



   3. Figürlich.
   1) Eine lange Brühe, in den Küchen, welche viel Flüssigkeit und wenig Consistenz hat; im Gegensatze einer kurzen.
   2) Zähe, im gemeinen Leben, und am häufigsten von flüssigen Dingen. Der Wein wird lang, wenn er zähe wird. Nach einer noch weitern Figur sagt man im gemeinen Leben von Speisen oder Getränken, wenn man sie mit Widerwillen hinunter schluckt, daß sie uns lang im Halse werden.
   3) Der Zahl, der Menge nach, für viel; doch nur mit dem Hauptworte Jahr und am häufigsten in der Sprache der Kanzelleyen und des gemeinen Lebens. Ich habe ihn in langen Jahren nicht gesehen. In Betrachtung seiner lange Jahre geleisteten Dienste. Ein vor langen Jahren verstorbener Mann.
    Ich hab in langen Jahren
   Was wahr ist, selbst geprüft, was falsch ist selbst erfahren,
   Schleg. 4) Von der Zeitdauer, ein größeres Maß der Währung habend als gewöhnlich, oder als man wünscht. Eine lange Nacht. Wozu dienet der lange Gram? Das längste Übel höret doch mit dem Tode auf. Ein langes Geschwätz machen. Ein langes Gebeth. Eine lange Predigt. Durch langen Gebrauch abgenutzt. Sich lange Zeit nicht entschließen können. Ich habe ihn in langer Zeit nicht gesehen. Eine lange Krankheit. Eine lange Sylbe, richtiger eine gedehnte, zu deren Aussprache mehr Zeit erfordert wird, als zu einer kurzen, oder geschärften. Ein langer Brief, ein langes Gedicht, eine lange Abhandlung, zu dessen Lesung man viele Zeit gebraucht; aber nicht ein langes Buch. Eine lange Reise, zu welcher viel Zeit erfordert wird. Ein Langes und Breites daher schwatzen, viele unnütze Worte machen. Von langem her, 2 Pet. 2, 3, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Lange Weile haben, die leere, geschäftlose Zeitdauer mit Unlust empfinden. Die lange Weile, die unangenehme Empfindung der leeren geschäftlosen Zeitdauer. Man schreibt dieses Wort gemeiniglich zusammen gezogen, Langeweile, welche Form doch wider die Analogie der Zusammensetzungen ist, indem in denselben das Beywort allemahl die Endsylbe wegwirft, wie in langweilig ganz richtig geschiehet; zumahl da in diesem Worte das Beywort ordentlich decliniret wird, der langen Weile, nicht der Langeweile. Wäre es ein wahres Compositum, so müßte es Langweile heißen, nach der Analogie der folgenden und anderer ähnlichen Zusammensetzungen. Die Art des Verdrusses, den man Langeweile nennt, und der aus der Unthätigkeit der Seele entspringt, Sulz. Sich die lange Weile vertreiben. Etwas für die lange Weile thun, zur Vertreibung dieser Empfindung; im gemeinen Leben auch so viel, als es vergebens, umsonst thun. An einigen Orten wird der Kofent im Scherze lange Weile genannt, wo es im gemeinen Leben wohl in Langwel, Langfel, Lampfel verderbt wird.
   Ingleichen als ein Nebenwort. Die Predigt war sehr lang. Der Brief ist außerordentlich lang. Über lang oder kurz, im gemeinen Leben, in einer unbestimmten Zeit, deren Länge oder Kürze man nicht bestimmen kann.
   Nicht über lang darnach es geschah, Theuerd. Kap. 72. Vber unlang, Notker, in kurzen. Ich würde über lang oder kurz selbst darauf gefallen seyn, Gell. Die Zeit wird mir lang, scheinet mir lang, ich empfinde ihre lange Dauer auf eine mit Unlust verbundene Weise. Mir wird Zeit und Weile bey ihm lang. Sie wird ihnen die Zeit nicht lang werden lassen, Gell. Man muß dieses Nebenwort lang nicht mit dem folgenden Nebenworte lange verwechseln, wie auch zuweilen von

[Bd. 2, Sp. 1900]


guten Schriftstellern geschiehet. Bey mir soll ihnen die Zeit nicht lange werden, Gell. für lang werden.
   Wie lange wird mir da die Zeit,
   Cron. für lang. Lang stehet, wenn das Hauptwort die Zeit, oder ein anderes Hauptwort der Zeit da ist, lange aber wenn solches verschwiegen ist. Man sagt daher richtig, das wird mir zu lange, und der Tag wird mir sehr lang; aber nicht, der Greis sah lang mit stiller Freude auf den Vater herunter, Geßn. S. Adelung Lange.
   Anm. Bey dem Kero und Ottfried schon lang, bey dem Ulphilas laggs, (sprich langs,) im Angels. lang, laeng, long, im Engl. long, im Schwed. lång, im Lat. longus. Auch unser schlank oder geschlank, Engl. lank, gehöret zu dem Geschlechte dieses Wortes. In dem Nebenworte lang lautet das g wie ein k, dagegen es in dem Beyworte, wenn es am Ende wächset, seinen gelinden Laut wieder bekommt. Man kann dieses Wort, so wie die ähnlichen kurz, groß, dick, dünn, breit u. s. f. mit vielen Beywörtern zusammen setzen, auch mit solchen, welche vor sich nicht allein üblich sind. Z. B. langbeinig, langnäsig, langarmig, langbärtig, langhärig u. s. f. lange Beine, Arme, Haare, einen langen Bart, eine lange Nase habend. Ja es läßt sich auch im gemeinen Leben mit Hauptwörtern mancher Art zusammen setzen. Langbein, der ein langes Bein, oder lange Beine hat; so auch Langnase, Langarm, Langhaar u. s. f.
 
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Die Lang-Äspe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der gemeinen Äsche, weil sie zu einem sehr hohen Baume wächset; Fraxinus excelsior L.
 
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Das Langbeil, des -es, plur. die -e, bey den Stellmachern oder Wagnern, ein langes vorn spitzig zulaufendes Beil, Sachen, welche gerade auslaufen, damit zu behauen.
 
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Der Langbein, des -es, plur. die -e, Langbeinig, siehe Lang Anm.
 
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Lange, länger, längste, adv. welches nur von einer Zeit gebraucht wird, und nur alsdann stehet, wenn kein Hauptwort der Zeit da ist, für lange Zeit.
   1. Eigentlich, wo es so wohl von einer gegenwärtigen, als vergangenen und künftigen Zeit gebraucht wird. Nicht lange hernach. Es ist schon lange her, daß ich ihn gesehen habe, schon lange Zeit her. Das währt lange, das dauert noch länger. Lange schreiben, viele Zeit damit zubringen. Er hat mir lange nicht geschrieben, seit langer Zeit. Lange an etwas arbeiten. Das wird mir zu lange. Du machst mir es zu lange. Bist du schon lange hier? Er kommt noch lange nicht. Er wird nicht lange mehr ausbleiben. Er hat mir versprochen, lange (in langer Zeit) nicht wieder von der Liebe zu reden, Gell. Sie ist ihm schon lange gewogen, seit langer Zeit. So lange die Vorsehung, oder als die Vorsehung, mein Leben erhalten will. So lange ich lebe, so lange als ich lebe. Ich werde so lange hier bleiben, bis du wieder kommst. So lange als ich kann. So lange und nicht länger. Je länger, je lieber. Je länger hier, je später dort. Aufs längste in drey Tagen, d. i. wenn es sehr lange währet. Es hat am längsten gewähret, die längste Zeit der Dauer ist schon vorbey. Das weiß ich lange, seit langer Zeit. Das hat er lange gewußt.
   2. Figürlich. 1) Eine Art von Intension zu bezeichnen, welche aus der vorigen Bedeutung unmittelbar fließt. Was fragen sie lange? Man muß nicht erst lange fragen. Was zauderst du lange? Ich werde dich nicht lange bitten. 2) In Vergleichung, und mit der Verneinung, für bey weiten. Er ist lange nicht so gelehrt als Leibnitz. Er ist noch lange kein Neuton. Sie sieht lange nicht so schön aus, als es die Leute

[Bd. 2, Sp. 1901]


machen, Gell. 3) Eine Art von Versicherung; doch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart. Wenn ihnen der Wein in den Kopf kommt, so geben sie mir lange eine Verschreibung von hundert Thalern, Gell. Ihr gebt mir eure Tochter lange noch, Weiße. Ich muß das Weib lange noch einsperren, ebend. Du wirst dich aber doch lange einmahl in Damenkleider werfen müssen, ebend. 4) Für hinlänglich; auch nur im gemeinen Leben, und vielleicht nur allein mit dem Nebenworte gut. Es ist lange gut für mich, es ist für mich gut genug. 5) Für gleich, auch; auch nur in der vertraulichen Sprechart. Wenn ich lange hingehe, so finde ich es doch nicht. Wenn du ihm lange gute Worte gibst, so thut er es doch nicht.
   Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung, im Isidor langhe, bey dem Kero und Ottfried lango, im Schwed. länge, im Isländ. leingi, im Engl. long time. S. Adelung Lang II. 3. 4).
 
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1. Die Länge, plur. die -n, das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte lang, welches am häufigsten absolute gebraucht wird, die größte Ausdehnung eines Dinges zu bezeichnen. 1) Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; zum Unterschiede von der Breite und Dicke. Der Garten hält hundert Ellen in die Länge. Ein Stück Holz in die Länge, oder nach der Länge spalten. Die Länge eines Dinges messen. Das Leder in die Länge, oder nach der Länge ziehen. Nach aller Länge da liegen, nach der Länge niederfallen; im gemeinen Leben, der Länge lang, S. Adelung Lang I. 1. Niemand kann seiner Länge eine Elle zusetzen. Die rechte Länge haben, nehmlich des Leibes. In der Geographie und Seefahrt ist die Länge oder Himmelslänge, im Gegensatze der Breite, die Entfernung von dem ersten Meridian nach Morgen zu. Siehe Breite. In der Astronomie ist die Länge eines Sternes dessen Entfernung von dem Anfange des Widders. Als ein Abstractum hat dieses Wort eigentlich keinen Plural, außer wenn man diese Art der Ausdehnung in mehrern Körpern oder in mehrern einzelnen Fällen nimmt. 2) Die Zeitdauer, so wohl überhaupt, als auch eine lange Zeitdauer; ohne Plural. Die Länge der Zeit. Die Gelassenheit ermüdet oft unter der Länge der Zeit, Gell. In die Länge wird man der Sache überdrüssig, wenn sie lange, oder zu lange währet. Etwas in die Länge spielen, es langwierig machen. Die Sache zieht sich in die Länge. Das thut in die Länge nicht gut. Eine liebe lange Länge, im gemeinen Leben, eine sehr lange Zeit.
   Bey dem Notker Lengi. Im Nieders. Länge und Längte, im Dän. Längde, im Engl. Length. Im Nieders. ist die Länge auch ein langes Seil, dessen Enden an einander befestiget sind, und welches um große Packe und Ballen geschlagen wird, sie desto bequemer in die Höhe zu winden.
 
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2. Die Länge, plur. die -n, eine Art Fische aus dem Dorschgeschlechte mit zwey Rückenfinnen und Bartfäden, dessen oberer Kinnbacken länger ist, als der untere; Gadus Molua L. Langfisch, Nieders. Länge, Zartlänge, Dän. Lange, Franz. Langhe. Ohne Zweifel wegen seiner ansehnlichen Länge im Verhältnisse mit seiner Dicke.

 

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