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Landvolk bis Lang (Bd. 2, Sp. 1897 bis 1898)
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Artikelverweis Das Landvolk, des -es, plur. inus. das Volk auf dem Lande, geringe Einwohner auf dem Lande; zum Unterschiede von dem Stadtvolke.
 
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Landwärts, adv. nach dem festen oder trocknen Lande zu.
 
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Die Landwehre, plur. die -n, Wälle, Gräben, Verhaue oder andere zur Vertheidigung der Gränzen eines Landes oder einer Landschaft gemachte Anstalten; in einigen Gegenden der Landfriede, die Heimschaar, im Oberdeutschen die Letze, in Dithmarsen die Hamme.
 
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Der Landwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Lande selbst gebaueter Wein; zum Unterschiede von dem ausländischen.
 
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Der Landwind, des -es, plur. die -e, in der Schifffahrt, derjenige Wind, welcher bey Tage von der See nach den Küsten zu wehet, oft auch, der von dem festen Lande her wehet; beydes zum Unterschiede von dem Seewinde.
 
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Der Landwirth, des -es, plur. die -e, Fämin. die Landwirthinn. 1) Ein Gast- oder Schenkwirth auf dem Lande oder Dorfe; zum Unterschiede von einem Stadtwirthe. 2) Ein jeder Hauswirth auf dem Lande.
 
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Die Landwirthschaft, plur. inus. besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, die Beschäftigung oder Lebensart, da man durch den Feld- oder Landbau Unterhalt und zeitliches Vermögen zu erwerben sucht. Ingleichen die Wissenschaft, durch Nutzung eines Feld- oder Landgutes zeitliches Vermögen zu erwerben; die Land-Ökonomie, welche mit der Landes-Ökonomie nicht verwechselt werden muß.
 
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Die Landwolle, plur. inus. einheimische, im Lande selbst erzeugte Wolle, zum Unterschiede von der ausländischen.
 
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Der Landzeug, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, einheimische, im Lande verfertigte

[Bd. 2, Sp. 1898]


Zeuge, dergleichen Rasch, Boy, Frieß u. s. f. in machen Ländern sind.
 
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Der Landzoll, des -es, plur. die -zölle, ein Zoll, welcher auf dem Lande entrichtet wird; zum Unterschiede von dem See- und Wasserzoll.
 
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Lang, länger, längste, adj. et adv. welches überhaupt ein Ausdruck der größten Ausdehnung an einem Körper ist, im Gegensatze derjenigen, von welchen die Wörter breit und dick gebraucht werden. Es ist in doppelter Hauptbedeutung üblich.
   I. Absolute, das Maß dieser Ausdehnung zu bezeichnen, mit ausdrücklicher Meldung dieses Maßes.
   1. Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; wo es in der ersten und zweyten Staffel als ein Nebenwort am üblichsten ist. Der Garten ist funfzig Ellen lang. Drey hundert Hufen lang, Raml. Das Haus ist so lang wie die Gasse. Zuweilen auch von der Höhe eines Menschen. Cajus ist so lang wie sein Bruder. Das Maß stehet im Hochdeutschen am häufigsten in der vierten Endung, im Oberdeutschen aber auch in der zweyten, welches auch zuweilen von den Hochdeutschen nachgeahmet wird, sich aber nur in der einfachen Zahl thun lässet. Einer Ellen lang. Doch verstatten diese Wortfügung zuweilen in der mehrern Zahl auch die beyden Zeitwörter zwey und drey, weil sie der Declination fähig sind. Zweyer Spannen lang. Dreyer Ellen lang. Aber nicht, dreyer Meilen, zweyer Zolle lang. So auch in den Zusammensetzungen armslang, gliedslang, ellenlang, eines Armes lang u. s. f.
   Die R. A. der Länge lang, d. i. der Länge nach, so lang man ist, ist Niedersächsisch, ungeachtet sie bey den Hochdeutschen Schriftstellern nicht selten vorkommt. Er streckte sich der Länge lang auf einen Rasen.
   Und mancher fiel die Länge lang danieder,
   Gell. Im Nieders. lingelangst.
   Ingleichen in der zweyten und dritten Staffel. Diese Gasse ist länger als jene. Das längste von beyden. Es ist eine ganze Elle länger, oder um eine ganze Elle länger; im Oberd. auch mit der zweyten Endung, einer ganzen Elle länger. 2. Figürlich von der Zeitdauer, in der ersten und zweyten Staffel; auch am häufigsten als ein Nebenwort. Er schwatzet Tage lang, d. i. ganze Tage. Jahre lang, ganze Jahre. Drey Mahl neun Tage lang, Raml. Drey Tage lang will ich ihm Gesichter machen, Weiße. Hier sangen sie wohl eine Stunde lang, Gell. Ingleichen in den Zusammensetzungen stundenlang, wo es auch als ein Beywort gebraucht wird, ein stundenlanges Gebeth; lebenslang und lebenlang, welche man doch so wie eine Zeit lang richtiger getheilt schreibt, Lebens lang und mein Leben lang. Die Tage werden länger. Der längste Tag.
   II. Eine beträchtliche Länge habend, im Gegensatze dessen was kurz ist, länger als gewöhnlich; wo es nur in der ersten und dritten Staffel gebraucht wird.
   1. Eigentlich und in engerer Bedeutung, ein mehr als gewöhnliches Maß der Ausdehnung in die Länge habend. Ein langes Kleid. Das Kleid ist mir zu lang. Lange Haare haben. Seine Haare lang wachsen lassen. Ein langer Hals. Eine lange Gasse. Etwas auf die lange Bank schieben. S. Adelung Bank.
   2. In weiterer Bedeutung, der Ausdehnung in die Höhe nach; doch nur von der Höhe eines Menschen. Ein langer Mensch. Lang seyn, lang von Statur seyn. Ehedem gebrauchte man es auch für hoch überhaupt. In lengi himilo, Ottfr. im hohen Himmel.

[Bd. 2, Sp. 1899]



   3. Figürlich.
   1) Eine lange Brühe, in den Küchen, welche viel Flüssigkeit und wenig Consistenz hat; im Gegensatze einer kurzen.
   2) Zähe, im gemeinen Leben, und am häufigsten von flüssigen Dingen. Der Wein wird lang, wenn er zähe wird. Nach einer noch weitern Figur sagt man im gemeinen Leben von Speisen oder Getränken, wenn man sie mit Widerwillen hinunter schluckt, daß sie uns lang im Halse werden.
   3) Der Zahl, der Menge nach, für viel; doch nur mit dem Hauptworte Jahr und am häufigsten in der Sprache der Kanzelleyen und des gemeinen Lebens. Ich habe ihn in langen Jahren nicht gesehen. In Betrachtung seiner lange Jahre geleisteten Dienste. Ein vor langen Jahren verstorbener Mann.
    Ich hab in langen Jahren
   Was wahr ist, selbst geprüft, was falsch ist selbst erfahren,
   Schleg. 4) Von der Zeitdauer, ein größeres Maß der Währung habend als gewöhnlich, oder als man wünscht. Eine lange Nacht. Wozu dienet der lange Gram? Das längste Übel höret doch mit dem Tode auf. Ein langes Geschwätz machen. Ein langes Gebeth. Eine lange Predigt. Durch langen Gebrauch abgenutzt. Sich lange Zeit nicht entschließen können. Ich habe ihn in langer Zeit nicht gesehen. Eine lange Krankheit. Eine lange Sylbe, richtiger eine gedehnte, zu deren Aussprache mehr Zeit erfordert wird, als zu einer kurzen, oder geschärften. Ein langer Brief, ein langes Gedicht, eine lange Abhandlung, zu dessen Lesung man viele Zeit gebraucht; aber nicht ein langes Buch. Eine lange Reise, zu welcher viel Zeit erfordert wird. Ein Langes und Breites daher schwatzen, viele unnütze Worte machen. Von langem her, 2 Pet. 2, 3, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Lange Weile haben, die leere, geschäftlose Zeitdauer mit Unlust empfinden. Die lange Weile, die unangenehme Empfindung der leeren geschäftlosen Zeitdauer. Man schreibt dieses Wort gemeiniglich zusammen gezogen, Langeweile, welche Form doch wider die Analogie der Zusammensetzungen ist, indem in denselben das Beywort allemahl die Endsylbe wegwirft, wie in langweilig ganz richtig geschiehet; zumahl da in diesem Worte das Beywort ordentlich decliniret wird, der langen Weile, nicht der Langeweile. Wäre es ein wahres Compositum, so müßte es Langweile heißen, nach der Analogie der folgenden und anderer ähnlichen Zusammensetzungen. Die Art des Verdrusses, den man Langeweile nennt, und der aus der Unthätigkeit der Seele entspringt, Sulz. Sich die lange Weile vertreiben. Etwas für die lange Weile thun, zur Vertreibung dieser Empfindung; im gemeinen Leben auch so viel, als es vergebens, umsonst thun. An einigen Orten wird der Kofent im Scherze lange Weile genannt, wo es im gemeinen Leben wohl in Langwel, Langfel, Lampfel verderbt wird.
   Ingleichen als ein Nebenwort. Die Predigt war sehr lang. Der Brief ist außerordentlich lang. Über lang oder kurz, im gemeinen Leben, in einer unbestimmten Zeit, deren Länge oder Kürze man nicht bestimmen kann.
   Nicht über lang darnach es geschah, Theuerd. Kap. 72. Vber unlang, Notker, in kurzen. Ich würde über lang oder kurz selbst darauf gefallen seyn, Gell. Die Zeit wird mir lang, scheinet mir lang, ich empfinde ihre lange Dauer auf eine mit Unlust verbundene Weise. Mir wird Zeit und Weile bey ihm lang. Sie wird ihnen die Zeit nicht lang werden lassen, Gell. Man muß dieses Nebenwort lang nicht mit dem folgenden Nebenworte lange verwechseln, wie auch zuweilen von

[Bd. 2, Sp. 1900]


guten Schriftstellern geschiehet. Bey mir soll ihnen die Zeit nicht lange werden, Gell. für lang werden.
   Wie lange wird mir da die Zeit,
   Cron. für lang. Lang stehet, wenn das Hauptwort die Zeit, oder ein anderes Hauptwort der Zeit da ist, lange aber wenn solches verschwiegen ist. Man sagt daher richtig, das wird mir zu lange, und der Tag wird mir sehr lang; aber nicht, der Greis sah lang mit stiller Freude auf den Vater herunter, Geßn. S. Adelung Lange.
   Anm. Bey dem Kero und Ottfried schon lang, bey dem Ulphilas laggs, (sprich langs,) im Angels. lang, laeng, long, im Engl. long, im Schwed. lång, im Lat. longus. Auch unser schlank oder geschlank, Engl. lank, gehöret zu dem Geschlechte dieses Wortes. In dem Nebenworte lang lautet das g wie ein k, dagegen es in dem Beyworte, wenn es am Ende wächset, seinen gelinden Laut wieder bekommt. Man kann dieses Wort, so wie die ähnlichen kurz, groß, dick, dünn, breit u. s. f. mit vielen Beywörtern zusammen setzen, auch mit solchen, welche vor sich nicht allein üblich sind. Z. B. langbeinig, langnäsig, langarmig, langbärtig, langhärig u. s. f. lange Beine, Arme, Haare, einen langen Bart, eine lange Nase habend. Ja es läßt sich auch im gemeinen Leben mit Hauptwörtern mancher Art zusammen setzen. Langbein, der ein langes Bein, oder lange Beine hat; so auch Langnase, Langarm, Langhaar u. s. f.

 

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