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Lánd-Sýndicus bis Landvogtēy (Bd. 2, Sp. 1896 bis 1897)
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Artikelverweis Das Lánd-Sýndicus, des -ci, plur. die -ci, der Syndicus eines ganzen Landes, oder der Landstände; in einigen Oberdeutschen Gegenden Landschreiber.
 
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Der Lándtōbak, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, einheimischer Tobak, welcher im Lande selbst erbauet und zubereitet wird.
 
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Die Landtafel, plur. die -n. 1) Eine jetzt größten Theils veraltete Benennung einer Landkarte. 2) Das Archiv eines Landes, der Landstände, oder auch nur eines Landgerichtes, und das zu dessen Aufsicht verordnete Collegium; doch nur in einigen Ländern. So ist in Böhmen die Landtafel die Kanzelley des größern Landgerichtes, wo die Landtagsschlüsse und alle öffentliche Handlungen niedergeschrieben und aufbehalten werden. In dem Fürstenthume Troppau befindet sich außer dem Landrechte und der Landeshauptmannschaft noch eine fürstliche Landtafel. Die kaiserlich königliche Nieder-Österreichische Landtafel zu Wien ist mit einem Registrator, einem Vice-Registrator und andern Beamten besetzt. 3) Eine Landes-Matrikel, d. i. ein öffentliches, obrigkeitliches Verzeichniß, worin die Rittergüter eines Landes nach ihren Besitzern, Erben, Schulden u. s. f. verzeichnet werden; auch nur in einigen Gegenden, besonders in Böhmen, wo sie auch das Landhandelsbuch, in andern Ländern aber nur das Landbuch genannt wird. Auch in Baiern ist eine solche Matrikel unter dem Nahmen der Landtafel bekannt. S. Tafel.
 
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Der Landtag, des -es, plur. die -tage, die Versammlung der Landstände, oder der Stände einer Provinz, und

[Bd. 2, Sp. 1897]


zuweilen die versammelten Stände selbst; zum Unterschiede von einem Kreis- und Reichstage. Einen Landtag ausschreiben. Auf den Landtag reisen. Einen Landtag halten, im gemeinen Leben landtagen. In Pohlen, wo die Landtage vor den Reichstagen vorher gehen, sind jene Versammlungen des Adels in den Provinzen. Eben daselbst werden aber auch die Landgerichte in den Woiwodschaften Landtage genannt. Von Tag, eine Versammlung an einem bestimmten Tage. Schwed. Herredag. Ehedem waren die Landtage auch unter dem Nahmen der Landsprachen bekannt.
 
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Der Landthurm, des -es, plur. die -thürme, in einigen Gegenden, ein Thurm an einer Landwehre.
 
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Die Landtrauer, plur. inus. eine Trauer durch das ganze Land.
 
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Landüblich, adj. et adv. in einem Lande üblich; im Oberdeutschen landläufig.
 
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Die Landung, S. Adelung Landen.
 
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Landverdêrblich, adj. et adv. das Verderben eines Landes befördernd. Ein landverderblicher Krieg.
 
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Der Lándvōgt, des -es, plur. die -vögte. 1) In einigen Gegenden, der Vorgesetzte eines Landes oder einer Provinz, welcher ehedem Landpfleger, Waldboth, Waldgraf, von Wald, Gewalt, hieß, jetzt aber Statthalter, Landeshauptmann u. s. f. genannt wird, und dessen Gewalt und Gerechtsamen nicht in allen Ländern, wo man Landvögte hat, gleich sind. 2) Der oberste Vorgesetzte einer Landschaft, d. i. eines Gewissen Bezirkes eines Landes, dergleichen Landvögte, welche so wohl die Gerechtigkeit handhaben, als auch die obrigkeitlichen Gefälle einnehmen, es so wohl in Ober- als Nieder-Deutschland gibt.
 
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Die Landvogtēy, plur. die -en, die Würde eines Landvogtes, noch mehr aber der seiner Aufsicht anvertrauete Bezirk, in beyden Bedeutungen dieses Wortes.