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Landschöppe bis Landsknêcht (Bd. 2, Sp. 1894)
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Artikelverweis Der Landschöppe, des -n, plur. die -n. 1) Der Schöppe, d. i. Beysitzer, eines Land- oder Provinzial Gerichtes. So werden die Beysitzer der Landrechte oder Landgerichte in Schlesien Landschöppen genannt. 2) Der Beysitzer eines Gerichtes auf dem Land, eines Dorfgerichtes. S. Schöppe.
 
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Die Landschranne, plur. die -n, S. Adelung Landgericht.
 
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Der Landschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Schreiber in einem Land- oder Provinzial-Gerichte, dessen Würde und Vorzug nach Maßgebung der Länder von verschiedener Art ist. In Böhmen, Mähten und andern Provinzen gehöret der Landschreiber nebst dem Landkämmerer und Landrichter zu den drey obersten Land-Officieren oder Landesbeamten; vermuthlich weil er daselbst, so wie in der Schweiz, zugleich der Syndicus der ganzen Provinz ist. In andern Landrechten oder Landgerichten ist er nur Secretarius oder Actuarius des Landgerichtes. 2) Der Schreiber oder Actuarius in einem Gerichte auf dem flachen Lande oder für das flache Land; zum Unterschiede von einem Stadtschreiber. S. Adelung Schreiber.
 
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Die Landschule, plur. die -n. 1) Eine Schule auf dem Lande; zum Unterschiede von einer Stadtschule. 2) Eine zum Besten eines ganzen Landes, oder auf dessen Kosten errichtete Schule, wofür doch Landesschule üblicher ist.
 
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Der Landsee, des -s, (dreysylbig,) plur. die Landseen, (dreysylbig,) ein See mitten im festen Lande; zum Unterschiede von der See oder dem Weltmeere, oder einem beträchtlichen Theile desselben. Bey dem Ottfried Lantse.
 
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Das Landseil, des -es, plur. die -e, ein in Böhmen übliches Feld- oder Ackermaß, welches so wie das Waldseil gegenwärtig 52 Prager Ellen hält; zum Unterschiede von einem Weinbergsseile, welches deren 64 hält.
 
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Die Landseuche, plur. die -n, eine Seuche oder ansteckende Krankheit, welche viele Menschen oder Thiere in einem Lande auf einmahl befällt.
 
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Das Landsiedel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders am Rheinstrome, so wohl ein jeder Landsitz oder ein jedes Landgut, als auch in engerm Verstande, eine Art Zinsgüter, welche mit den Obersächsischen Meiergütern überein kommen. S. Adelung Landsaß. Daher der Landsiedler, der Besitzer eines Landsiedels oder Landsiedelgutes, welcher zuweilen gleichfalls der Landsiedel genannt wird, die Landsiedeley, die Eigenschaft eines solchen Gutes, der Landsiedelherr, der Grund- und Eigenthumsherr, das Landsiedelrecht u. s. f. Bey dem Ottfried ist Landsidilo ein Landsmann. S. Siedel.
 
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Der Landsitz, des -es, plur. die -e, der Sitz, d. i. Wohnort, Aufenthalt eines Mannes von Stande auf dem Lande.
 
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Das Landskind, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben, eine Person, welche aus einem Lande gebürtig ist, in Ansehung desselben, und ohne Unterschied des Geschlechtes. Ein Preußisches, Sächsisches Landskind, eine Person, welche in Preußen, in Sachsen, oder in einer zu den Preußischen, den Sächsischen Staaten gehörigen Provinz geboren ist. Im Oberdeutschen ein Landzögling, Landmann, Landsmann.
 
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Der Landsknêcht, des -es, plur. die -e. 1) Ein zur Vertheidigung des Landes bestimmter Knecht; eine nunmehr veraltete Benennung eines gemeinen Soldaten, besonders eines Fußgängers. Man gebraucht dieses Wort nur noch zuweilen im gemeinen Leben, besonders in der R. A. fluchen, wie ein Landsknecht. Im mittlern Lat. Lanskenetus. 2) Eine besondere Art eines vornehmlich in Frankreich üblichen Kartenspieles; vermuthlich

[Bd. 2, Sp. 1895]


weil es durch die ehemahligen Deutschen Landsknechte oder Soldaten daselbst bekannt geworden, daher es im Französischen auch den Deutschen Nahmen behalten hat, wo es Lansquenet heißt. Landsknecht spielen.
   Anm. Einige haben geglaubt, daß die erste Hälfte dieses Wort nicht Land, sondern vielmehr Lanze sey, daß es daher Lanzknecht geschrieben werden müsse, und einen mit einer Lanze bewaffneten Soldaten bedeute. Allein, die wahre Lanze war kein Gewehr für Fußgänger, ja es durfte niemand als ein wirklicher Ritter dieselbe führen. Die Ritter hatten zwar ihre Bedienten zur Tragung der Lanzen, welche Lanzenträger und Lanzenknechte hießen; allein diese waren von unsern Landsknechten gar sehr verschieden. Von dem Nahmen und Ursprunge der Landsknechte, S. Senkenbergs Selecta Th. 3, S. 481. Nova Miscell. Lips. Th. 9, S. 425.