Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Landsässig bis Landsee (Bd. 2, Sp. 1893 bis 1894)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Landsässig, adj. et adv. die Eigenschaft eines Landsassen habend, in der Landsässerey gegründet, in allen Bedeutungen des Wortes Landsaß. Besonders in der letzten, da es denn dem reichssässig entgegen gesetzet ist. Ein landsässiges Rittergut, welches der Provinz, worin es liegt, zu Dienst und Pflicht verbunden ist, von dem Landesherren zu Lehen empfangen wird, Sitz und Stimme auf dem Landtage hat. Daher die Landsässigkeit. S. das vorige.
 
Artikelverweis 
Die Landschaft, plur. die -en. 1. Von Land, eine Provinz. 1) Eigentlich, eine Provinz, ein Land; eine sehr alte Bedeutung, in welcher Landscaffi schon bey dem Kero, (fone rumen landscaffen, aus entlegenen Ländern,) Lantscheffi in dem Tatian, Lantschefft bey dem Notker, und Landscipe im Angelsächsischen vorkommen. Im Hochdeutschen ist sie größten Theils veraltet, außer, daß in einigen Gegenden noch besondere Bezirke eines Landes oder einer Gegend den Nahmen der Landschaften führen. So bestehet in dem Herzogthume Schleßwig das Amt Tondern aus zwey Landschaften oder Bezirken, und die Landschaft Bredstedt ist mit dem Amte Flensburg verbunden. In andern Schleßwigischen Ämtern führen diese Bezirke den Nahmen der Harden und Birke. Solchen Landschaften sind entweder Amtleute oder auch Landvögte vorgesetzt. 2) Figürlich werden die Landstände einer Provinz als ein Ganzes betrachtet, die Landschaft genannt, welchen Nahmen auch wohl ein besonderer von derselben niedergesetzter Ausschuß führet, die Angelegenheiten der gesammten Landschaft in ihrem Nahmen zu verwalten. Die Landschaft zusammen berufen, entlassen u. s. f. Daher landschaftlich, der Landschaft gehörig, in derselben gegründet, der Landschaftsdiener, die Landschafts-Casse, das Landschaftshaus, worin sie sich versammeln, welches oft gleichfalls nur die Landschaft genannt wird, u. a. m.
   2. Von Land, im Gegensatze der Stadt, eine Gegend auf dem Lande, so wie sie sich dem Auge darstellet. 1) Eigentlich. Eine schöne, eine reitzende Landschaft. So schön, wie eine Landschaft, auf welcher der Thau in flüchtigem Nebel verduftet. Noch mehr aber, 2) figürlich, ein Gemählde, welches eine solche Gegend auf dem Lande abbildet, Franz. Paysage; in welchem Verstande auch wohl das Diminut. Landschäftchen üblich ist. Daher der Landschaftmahler, ein Mahler, welcher vornehmlich Landschaften mahlet, und der von einigen auch ein Landschafter genannt wird; Franz. Paysagiste. Der Landschaftsstein, S. Baumstein. S. -Schaft.
 
Artikelverweis 
Die Landscheide, plur. die -n. 1) Die Scheide, d. i. Gränze, eines Landes; die Landmark, Landesgränze. 2) Die Scheide oder Gränze, des eigenthümlichen Landes besondrer Personen; die Feldgränze. Daher gewisse verpflichtete Leute, welche die Aufsicht über die Gränzen der Felder und Äcker haben, Landscheider genannt werden. An andern Orten heißen sie Untergänger, Steinsetzer u. s. f.
 
Artikelverweis 
Das Landschießen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders ehedem, ein feyerliches Schießen aller Schützen eines Landes; zum Unterschiede von einem Gemeinschießen, welches nur von den Schützen einer Gemeine oder eines Ortes gehalten wird. Ein Landschießen halten.
 
Artikelverweis 
Die Landschildkröte, plur. die -n, S. Adelung Erdschildkröte.

[Bd. 2, Sp. 1894]



 
Artikelverweis 
Die Landschnêcke, plur. die -n, alle Arten Schnecken, welche vier Hörner haben und sich auf dem trocknen Lande aufhalten, Erdschnecken; zum Unterschiede von den Wasserschnecken.
 
Artikelverweis 
Der Landschöppe, des -n, plur. die -n. 1) Der Schöppe, d. i. Beysitzer, eines Land- oder Provinzial Gerichtes. So werden die Beysitzer der Landrechte oder Landgerichte in Schlesien Landschöppen genannt. 2) Der Beysitzer eines Gerichtes auf dem Land, eines Dorfgerichtes. S. Schöppe.
 
Artikelverweis 
Die Landschranne, plur. die -n, S. Adelung Landgericht.
 
Artikelverweis 
Der Landschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Schreiber in einem Land- oder Provinzial-Gerichte, dessen Würde und Vorzug nach Maßgebung der Länder von verschiedener Art ist. In Böhmen, Mähten und andern Provinzen gehöret der Landschreiber nebst dem Landkämmerer und Landrichter zu den drey obersten Land-Officieren oder Landesbeamten; vermuthlich weil er daselbst, so wie in der Schweiz, zugleich der Syndicus der ganzen Provinz ist. In andern Landrechten oder Landgerichten ist er nur Secretarius oder Actuarius des Landgerichtes. 2) Der Schreiber oder Actuarius in einem Gerichte auf dem flachen Lande oder für das flache Land; zum Unterschiede von einem Stadtschreiber. S. Adelung Schreiber.
 
Artikelverweis 
Die Landschule, plur. die -n. 1) Eine Schule auf dem Lande; zum Unterschiede von einer Stadtschule. 2) Eine zum Besten eines ganzen Landes, oder auf dessen Kosten errichtete Schule, wofür doch Landesschule üblicher ist.
 
Artikelverweis 
Der Landsee, des -s, (dreysylbig,) plur. die Landseen, (dreysylbig,) ein See mitten im festen Lande; zum Unterschiede von der See oder dem Weltmeere, oder einem beträchtlichen Theile desselben. Bey dem Ottfried Lantse.