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Landrichter bis Landschaft (Bd. 2, Sp. 1892 bis 1893)
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Artikelverweis Der Landrichter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Richter in einem Landgerichte oder Landrechte, der aber nicht allemahl in demselben den Vorsitz hat. S. Adelung Landrecht und Landgericht. In dem größern Landrechte des Königreiches Böhmen hat der Landrichter noch den obersten Burggrafen, den obersten Landhofmeister, den obersten Landmarschall und den obersten Landkämmerer, in dem kleinern Landrechte aber den Vice-Burggrafen und Vice-Landkämmerer über sich. 2) Ein Richter auf dem Lande; im Gegensatze eines Stadtrichters.
 
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Die Landröthe, plur. inus. im Handel und Wandel, die gemeinste Art Röthe oder Grappe, welche durch Schößlinge fortgepflanzet wird, und ihren Samen nicht zur Reife bringt. Vermuthlich weil sie gemeiniglich in dem Lande, in welchem sie gebauet wird, auch verbraucht wird.
 
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Die Landruhr, plur. inus. eine epidemische Ruhr auf dem Lande. Ingleichen eine epidemische Ruhr, welche in einem ganzen Lande herrschet.
 
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Die Landruthe, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art eines Längenmaßes auf dem Lande, welches der Stadtruthe entgegen gesetzt ist. So hält im Nürnbergischen, dem Frisch zu Folge, die Landruthe 16, die Stadtruthe aber nur 10 bis 12 Schuh.
 
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Der Landsafran, des -es, plur. doch nur von mehrern Quantitäten, die -e, Safran, welcher in dem Lande selbst erbauet worden; zum Unterschiede von dem ausländischen.
 
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Der Land-Salamander, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Salamander, welche sich nur allein auf dem trocknen Lande aufhält. S. Adelung Landmolch.
 
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Die Land-Sarsche, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, Sarsche, welche im Lande selbst verfertiget wird; zum Unterschiede von der ausländischen. Ingleichen schlechte, gemeine Sarsche, so wie sie von gemeinen Leuten auf dem Lande getragen wird.
 
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Der Lándsáß, des -ssen, plur. die -ssen. 1. * Ein jeder, welcher im Lande ansässig ist; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher Lantsaez im Schwabenspiegel vorkommt, wo es einen ansässigen Einwohner bedeutet. 2. * In engerer Bedeutung, der auf dem Lande ansässig ist, ein Landmann, er sey übrigens von welchem Stande er wolle; eine im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliche Bedeutung. 3. In noch engerm Verstande, sind Landsassen, 1) * in einigen Gegenden Deutschlandes, eine Art Zinsleute, welche, wie es in der Glosse zum Sachsenspiegel heißet, »auf gemiethetem Laßgute sitzen, da man sie abweisen mag, wenn man will, und die auch Bauergülden heißen,« und daselbst den Pfleghaften entgegen gesetzet werden, welche Eigenes im Lande haben. Ohne Zweifel sind es eben dieselben, welche am Ober- und Nieder-Rheine Landsiedler heißen, wo ihre Güter auch Landsiedel, ihre Eigenschaft und Stand aber die Landsiedeley genannt wird. 2) In höherer Bedeutung ist ein Landsaß in einigen Gegenden, selbst Obersachsens, der Besitzer eines freyen Landgutes in einem Lande, es sey übrigens ein adeliges Landgut oder nicht, wenn er nur dem Lande, worin es gelegen ist, davon zu Dienst und Pflicht verbunden ist; im Gegensatze eines Reichssassen, der sein Gut unmittelbar von dem Kaiser und Reiche zu Lehen hat. Und in diesem Verstande werden die Landsassen wiederum in Schriftsassen und in Amtssassen eingetheilet, S. diese Wörter. In noch engerm Verstande heißt in einigen Ländern nur derjenige ein Landsaß, welcher ein

[Bd. 2, Sp. 1893]


solches Landgut besitzet, welches Sitz und Stimme auf dem Landtage hat.
 
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Die Landsässerey, der Lándsassiāt, plur. inus. in den Kanzelleyen verschiedener Gegenden, die Eigenschaft, der Stand eines Landsassen, in allen Bedeutungen dieses Wortes; besser die Landsässigkeit.
 
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Landsässig, adj. et adv. die Eigenschaft eines Landsassen habend, in der Landsässerey gegründet, in allen Bedeutungen des Wortes Landsaß. Besonders in der letzten, da es denn dem reichssässig entgegen gesetzet ist. Ein landsässiges Rittergut, welches der Provinz, worin es liegt, zu Dienst und Pflicht verbunden ist, von dem Landesherren zu Lehen empfangen wird, Sitz und Stimme auf dem Landtage hat. Daher die Landsässigkeit. S. das vorige.
 
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Die Landschaft, plur. die -en. 1. Von Land, eine Provinz. 1) Eigentlich, eine Provinz, ein Land; eine sehr alte Bedeutung, in welcher Landscaffi schon bey dem Kero, (fone rumen landscaffen, aus entlegenen Ländern,) Lantscheffi in dem Tatian, Lantschefft bey dem Notker, und Landscipe im Angelsächsischen vorkommen. Im Hochdeutschen ist sie größten Theils veraltet, außer, daß in einigen Gegenden noch besondere Bezirke eines Landes oder einer Gegend den Nahmen der Landschaften führen. So bestehet in dem Herzogthume Schleßwig das Amt Tondern aus zwey Landschaften oder Bezirken, und die Landschaft Bredstedt ist mit dem Amte Flensburg verbunden. In andern Schleßwigischen Ämtern führen diese Bezirke den Nahmen der Harden und Birke. Solchen Landschaften sind entweder Amtleute oder auch Landvögte vorgesetzt. 2) Figürlich werden die Landstände einer Provinz als ein Ganzes betrachtet, die Landschaft genannt, welchen Nahmen auch wohl ein besonderer von derselben niedergesetzter Ausschuß führet, die Angelegenheiten der gesammten Landschaft in ihrem Nahmen zu verwalten. Die Landschaft zusammen berufen, entlassen u. s. f. Daher landschaftlich, der Landschaft gehörig, in derselben gegründet, der Landschaftsdiener, die Landschafts-Casse, das Landschaftshaus, worin sie sich versammeln, welches oft gleichfalls nur die Landschaft genannt wird, u. a. m.
   2. Von Land, im Gegensatze der Stadt, eine Gegend auf dem Lande, so wie sie sich dem Auge darstellet. 1) Eigentlich. Eine schöne, eine reitzende Landschaft. So schön, wie eine Landschaft, auf welcher der Thau in flüchtigem Nebel verduftet. Noch mehr aber, 2) figürlich, ein Gemählde, welches eine solche Gegend auf dem Lande abbildet, Franz. Paysage; in welchem Verstande auch wohl das Diminut. Landschäftchen üblich ist. Daher der Landschaftmahler, ein Mahler, welcher vornehmlich Landschaften mahlet, und der von einigen auch ein Landschafter genannt wird; Franz. Paysagiste. Der Landschaftsstein, S. Baumstein. S. -Schaft.

 

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