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Entsündigen bis Entweihen (Bd. 1, Sp. 1837 bis 1840)
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Artikelverweis  Entsündigen, verb. reg. act. in der Sprache der Gottesgelehrten, von der Schuld und Strafe der Sünde befreyen. Entsündige Mich mit Isopen, daß ich rein werde, Ps. 51, 9. Und sollt den Altar entsündigen, wenn du ihn versöhnest, 2 Mos. 29, 36. Wer einen todten Menschen anrühret, der soll sich entsündigen, 4 Mos. 29, 11.
   Den irdischen Trieb der Lüsternheit
   Entsündigte des Ehstands Schuldigkeit,
   Haged. Daher die Entsündigung.
 
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Entthronen, verb. reg. act. von dem Throne stoßen, in der dichterischen Schreibart; bey dem Opitz entthrönen. Daher die Entthronung.
 
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Entübrigen, verb. reg. act. 1) Übrig behalten; für das bessere erübrigen. Jährlich etwas von seinen Einkünften entübrigen. Ich entübrige nichts. 2) Mit einer unangenehmen Sache verschonen; nur im Participio, mit dem Zeitworte seyn und der zweyten Endung der Sache. Ich hätte dieser Arbeit entübriget seyn können, hätte dieselbe ersparen können, sie nicht verrichten dürfen. Ich kann dessen nicht entübriget seyn, kann dessen nicht überhoben seyn. Ich möchte der Reise gern entübriget seyn. Dieser Mühe kannst du entübriget seyn, du kannst sie sparen. Bey dem Opitz kommt das einfache übrigen in einer ähnlichen Bedeutung vor. Welches Theil meines Leibes ist der Marter geübriget worden? ist damit verschonet worden. S. Adelung Übrig.
 
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Entvölkern, verb. reg. act. des Volkes, d. i. der Einwohner, berauben, von dem Plurale des Wortes Volk, so wie das nur noch im Oberdeutschen übliche entvolken von dessen Singular ist; im Gegensatze des bevölkern. Ein Land entvölkern. Ein entvölkertes Land. Im Mittlern Land. Im mittlern Lat. depopulare. Daher die Entvölkerung.
 
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Entwachsen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Wachsen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, von etwas wegwachsen, figürlich, und in der anständigern Sprechart. Der Knabe ist den Kleidern entwachsen, im gemeinen Leben, ist aus den Kleidern gewachsen. So bald die Mädchen der Ruthe entwachsen sind, so sind ihnen die Mütter im Wege, Weiße.
 
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Entwaffnen, verb. reg. act. der Waffen berauben, die Waffen abnehmen. Die Gefangenen wurden entwaffnet, man nahm ihnen

[Bd. 1, Sp. 1839]


das Gewehr ab. Die Bürger entwaffnen. Ingleichen figürlich. Seinen Feind durch Wohlthun entwaffnen, ihm durch Wohlthun die Neigung zu schaden benehmen. Daher die Entwaffnung. Entwaffen findet sich in dieser Bedeutung schon in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter.
 
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Entwässern, verb. reg. act. der wässerigen Theile berauben, besonders wenn es durch Verdunstung in offenen und Destilliren in verschlossenen Gefäßen geschiehet; für das fremde dephlegmiren.
 
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Entwêder, ein unterscheidendes Bindewort, welches gebraucht wird, 1) wenn unter zwey oder mehrern Dingen Eines mit Ausschließung der übrigen seyn oder geschehen muß, so daß die Glieder einander aufheben. Entweder wird alsdann dem ersten Satze vorgesetzet, und hat alle Mahl das oder nach sich. Man muß es entweder mit Gewalt, oder mit List versuchen. Entweder auf diese oder auf jene Art. Entweder kann in einigen Fällen auch verschwiegen werden. Vogel friß oder stirb. Man muß es mit Gewalt oder mit List versuchen. Gehorche, oder du wirst gestraft. 2) Wenn eine Eintheilung mehrerer Dinge ausgedruckt werden soll. Alle lebendige Geschöpfe sind entweder Menschen oder Thiere. Wenn mehr als zwey Glieder vorhanden sind, wird oder mehrmahls wiederhohlet, und demselben zuletzt wohl noch ein auch, oder endlich zugesellet. Die Thiere sind entweder vierfüßige Thiere, oder Vögel, oder Fische, oder Schlangen, oder Insecten, oder auch Würmer.
   Anm. Ent ist dieser Zusammensetzung das Zahlwort Ein, welches im Oberdeutschen in einigen Fällen einte lautet, S. Adelung Ein II. Daher lautet es bey dem Notker noch einuueder, im Dänischen aber nur unten. Im Schwabenspiegel und noch in der heutigen Mundart der Schweizer bedeutet einetweder einer von beyden, keinetweder oder dwäders keiner von beyden. S. Weder.
 
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Entwêhren, verb. reg. act. 1) In einigen Gegenden, für erwehren, mit der zweyten Endung der Sache. Ich kann mich seiner nicht entwehren. Ich kann mich des Hungers, des Feindes kaum entwehren. 2) Einige Oberdeutsche Dichter haben es auch für entwaffnen gebraucht; alsdann aber stammet es unmittelbar von Wehr, Gewehr ab, und ist der Gegensatz von bewehren. 3) In den Rechten einigen Gegenden ist entwehren, eine erkaufte Sache dem Käufer auf Ansuchen des wahren Besitzers durch richterliche Gewalt wegnehmen, und die Entwehrschaft diese Wegnahme, die Eviction; im Gegensatze des gewehren, der Gewehr oder Gewehrschaft.
 
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Entweichen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Weichen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Ausweichen, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Der Fuß ist mir entwichen, ausgewichen, ausgeglitten. Ingleichen figürlich, einem entweichen, ihm ausweichen, im Schwabenspiegel, der Gefahr entweichen, entgehen, im Oberdeutschen. 2) Von einem Orte wegweichen. Und der Himmel entwich, wie ein eingewickelt Buch, Offenb. 6, 14. Unter den Schwäbischen Kaisern bedeutete einem entweichen oder einem geschwichen zuweilen so viel als ihn verlassen. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Wort nur für in der Stille von einem Orte weichen. Er ist aus der Stadt entwichen. Böslich entweichen. Ein entwichener (ausgetretener,) Schuldner. Die dicke Finsterniß entweicht, Uz. So auch die Entweichung. In diesem Verstande, in welchem es nach dem Latein. elabi gebildet ist, lautet es schon bey dem Ottfried intweichan, bey dem Willeram intuuichan, und in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter untwiken und untwigen. S. Weichen.

[Bd. 1, Sp. 1840]



 
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Entweihen, verb. reg. act. der Weihe berauben. 1) Eigentlich. Einen Priester entweihen, ihn des geistlichen Ordens, der Priesterweihe berauben, besonders in der Römischen Kirche, wo es mit vielen Feyerlichkeiten verbunden ist. 2) Wider die Heiligkeit eines Ortes handeln. Eine Kirche, einen Altar, heilige Örter entweihen. Für, den Sabbath entweihen, Es. 56, 6, gebraucht man im Hochdeutschen lieber entheiligen. Daher die Entweihung S. Adelung Weihen.