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Doppeltaffet bis Dorfmark (Bd. 1, Sp. 1522 bis 1523)
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Artikelverweis Der Doppeltaffet, des -s, plur. von mehrern Arten, die -e, ein doppelter Taffet, d. i. der stärker ist und fleißiger gearbeitet worden, als der gewöhnliche.
 
Artikelverweis 
Doppelzüngig, adj. et adv. eine gedoppelte Zunge habend, d. i. nicht bey einerley Rede bleibend, sich gern widersprechend. Daher die Doppelzüngigkeit. Logau hat auch das Hauptwort ein Doppelzüngler.
 
Artikelverweis Der
Dōrant, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, eine Benennung derjenigen Pflanze, welche sonst auch Hundskopf, Löwenmaul u. s. f. genannt wird; Antirrhinum, L. S. diese Wörter. Frisch glaubet, daß der Deutsche Nahme aus dem jetzt gedachten Lateinischen oder vielmehr Griechischen Nahmen verderbt worden. Im Norwegischen heißt der Dorant Thorskastab. S. auch Orant. Für Dorant ist in einigen gemeinen Mundarten auch Dragut üblich.
 
Artikelverweis Das
Dorf, des -es, plur. die Dörfer, Diminut. das Dörfchen, Oberdeutsch das Dörflein, eine Sammlung mehrerer Häuser bey einander, ohne Ringmauern und Stadtrecht, welche von Ackerleuten oder Bauern bewohnet wird. Von Dorf zu Dorfe gehen, von einem Dorfe zu dem andern. Ein Kirchdorf, in welchem sich eine Kirche befindet. Ein Pfarrdorf, in welchem ein Pfarrer wohnet, u. s. f. Das sind ihm Böhmische Dörfer, sagt man, wenn jemanden eine Sache fremd, sonderbar vorkommt, vielleicht von den Nahmen der Böhmischen Dörfer, welche einem Deutschen seltsam und ungewöhnlich klingen. Das schmeckt nach dem Dorfe, nach der ungekünstelten Einfalt, die sich noch auf den Dörfern erhalten hat. Die Frau schmeckt gewiß nach dem Dorfe, die ihrem Manne treu bleibt, Weiße. Oft bedeutet

[Bd. 1, Sp. 1523]


Dorf auch so viel als das Land, im Gegensatze der Stadt. Auf dem Dorfe wohnen, d. i. auf dem Lande. Wird ein individuelles Dorf verstanden, so wohnet man in dem Dorfe.
   Anm. Dorf lautet bey dem Tatian Thorp und Thorf, bey dem Ottfried Thorf, bey dem Willeram Dorf, im Nieders. Dörp, im Dän. Dorp, im Angels. Dorpe, im Altengl. Thorpe, im Schwed. Torp, im Isländ. Thorp. Unter den vielen Ableitungen, welche man versucht hat, ist diejenige noch immer die wahrscheinlichste, die es von Trupp, ein Haufe, eine Sammlung mehrerer Dinge Einer Art abstammen lässet. Das Schwedische Torp hat diese Bedeutung gleichfalls gehabt; im Isländischen bedeutet Thyrpa eine Vereinigung, und thyrpast versammeln, und im Wallisischen ist Torf eine Menge, womit auch das Lat. Turba und Griech. δορυβος überein kommen. In Westphalen bedeutet Dorf ein mit einer Kirche versehenes Dorf, ein Kirchdorf, dagegen ein Dorf ohne Kirche daselbst eine Bauerschaft heißt. Das Hauptwort der Dörfer, ist nur in den zusammen gesetzten eigenthümlichen Nahmen üblich. Ein Hermannsdörfer, der aus Hermannsdorf gebürtig ist. Im Schwedischen hingegen bedeutet Torpare einen jeden Einwohner eines Dorfes. Man hat viele Zusammensetzungen mit diesem Worte. Diejenigen, welche ohne Mühe verstanden werden können, wie Dorfpfarrer, Dorfgeistlicher, Dorfprediger, Dorfküster, Dorfschulmeister, Dorfbäcker, Dorffleischer, u. s. f. habe ich übergehen zu können geglaubt, und nur einige angeführet, deren Bedeutung nicht gleich bey dem ersten Anblicke in die Augen fällt.
 
Artikelverweis 
Dörfen, S. Adelung Dürfen.
 
Artikelverweis Die
Dorfflur, plur. die -en, der Umfang des zu einem Dorfe gehörigen Grundes und Bodens; die Dorfmark. S. Adelung Flur.
 
Artikelverweis Der
Dorfgalgen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Galgen von zwey oder drey starken Pfosten, dergleichen auf den Dörfern üblich sind, im Gegensatze eines beständigen Hochgerichtes.
 
Artikelverweis Die
Dorfhube, plur. die -n, in Pommern, eine Hufe, welche dreyßig Morgen hält; zum Unterschiede von den Hakenhufen, welche deren funfzehen, von den Tripelhufen, welche fünf und vierzig, und von den Hegerhufen, welche sechzig Morgen haben.
 
Artikelverweis Der
Dorfjunker, des -s, plur. ut nom. sing. im verächtlichen Verstande, ein Edelmann, welcher auf dem Dorfe oder auf seinem Gute wohnet.
 
Artikelverweis Der
Dorflieger, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, z. B. in Pommern, der Einwohner eines Dorfes.
 
Artikelverweis Die
Dorfmark, plur. die -en, der Bezirk eines Dorfes mit seinem ganzen Zubehör an Äckern, Wäldern, Wiesen u. s. f. die Dorfflur, S. Adelung Mark.