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Delicāt bis Demokratīe (Bd. 1, Sp. 1443 bis 1444)
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Artikelverweis  Delicāt, -er, -este, adj. et adv. aus dem Franz. delicat, welches doch in den meisten Fällen entbehret werden kann. 1) Fein, im Gegensatze des grob, ingleichen zärtlich, schwächlich; wo es völlig entbehret werden kann. Eine delicate Arbeit, eine feine. Ein delicates Kind, ein zärtliches, schwächliches. 2) Wegen feiner oder mißlicher Beschaffenheit viele Behuthsamkeit erfordernd. Eine delicate Sache, welche sehr behuthsam behandelt seyn will, im gemeinen Leben eine kitzelige Sache, im Oberdeutschen eine häkelige. 3) Schmackhaft, von Speisen und Getränken, lecker; gleichfalls entbehrlich. 4) Gewöhnt nur das Schmackhafte zu wählen, mit feiner Empfindung des Unschmackhaften, lecker, ekel, im Oberdeutschen häkelig, im Nieders. köhrisch, nach welchem einige Hochdeutsche das alberne wählerisch eingeführet haben. 5) In weiterer Bedeutung, gewöhnt, nur das Angenehme, Schöne u. s. f. zu suchen und zu empfinden, mit seiner Empfindung und Vermeidung des Unangenehmen, Häßlichen u. s. f. wo man es ohne Umschreibung nicht leicht mit einem gleich bedeutenden Deutschen Ausdruck wird ersetzen können.
 
Artikelverweis Der
Delinquênt, des -en, plur. die -en, von dem Latein. Delinquens, der sich wegen eines schweren Verbrechens in Verhaft befindet, ein Missethäter; besonders nach seiner Verurtheilung zum Tode.
 
Artikelverweis Der
Delphīn, des -es, plur. die -e, nach dem Griech. und Latein. Delphinus. 1) Eigentlich, eine Art großer Seefische mit horizontalem Schwanze, der Lungen hat, Athem schöpfet, und daher nicht beständig unter dem Wasser leben kann; Delphinus, L. Der Nordkaper, oder Butzkopf, der Tümmler, Delphis, und das Meerschwein, Phocaena, werden als Unterarten desselben angesehen. Wegen einiger Ähnlichkeit der Gestalt, 2) in der

[Bd. 1, Sp. 1444]


Sternkunde, ein nördliches Gestirn von zehn Sternen, welches nicht weit von dem Adler steht. 3) Die Handhaben der Kanonen und Mörser, weil man ihnen gemeiniglich die Gestalt eines Delphines zu geben pflegt.
 
Artikelverweis 
Dm, die dritte Endung der einfachen Zahl des Geschlechts- und Fürwortes der, S. Der.
 
Artikelverweis Der
Dēmant, mit seinen Zusammensetzungen, S. Adelung Diamant.
 
Artikelverweis Das
Dēmat, oder Dīemat, des -es, plur. die -e, ein Feldmaß in einigen Niedersächsischen Gegenden und den Marschländern, welches am häufigsten von Wiesen gebräuchlich ist. Im Hollsteinischen hält es, und zwar, im Eyderstädtischen, 216 Quadratruthen, die Ruthe zu 8 Ellen gerechnet, im Amte Tundern aber 180 Quadratruthen, die Ruthe zu 9 Ellen. In Ostfrießland bestehet es aus 450 Ruthen, Emder Maß, oder aus 400 Rheinländischen Quadratruthen.
   Anm. Am kürzesten kömmt man freylich weg, wenn man dieses Wort mit Frischen von dem Latein. demetere herleitet, weil es doch eigentlich so viel Land bedeutet, als ein Mann in einem Tage abmähen kann. Nur muß man alsdann nicht fragen, wie der Niedersächsische Landmann zu so vieler Gelehrsamkeit gekommen sey. Im Oberdeutschen ist in eben dieser Bedeutung Mannsmahd üblich; woraus sich schließen lässet, daß in Demat die letzte Sylbe gleichfalls von mähen, Mahd ist. Nur die erste Sylbe ist dunkel. Vielleicht ist sie das alte theo, thie, ein Knecht. Vielleicht gehöret sie auch zu Thiod, Deut, das Volk, welches in einer andern Form auch einen Mann bedeutet haben kann. Im Ostfrießischen lautet dieses Wort Diemt. Dejwerca, bey dem du Fresne aus einer alten Englischen Urkunde, scheinet gleichfalls hierher zu gehören.
 
Artikelverweis 
Dêmmen, S. Adelung Dämmen.
 
Artikelverweis 
Dêmmern Dêmmerungu. s. f. S. Adelung Dämmern.
 
Artikelverweis 
Dêmnāch, ein Bindewort, welches eine Folge oder ein Schluß aus einem vorher gegangenen Satze bezeichnet, und so wohl zu Anfange des Satzes, als auch, und zwar am häufigsten, und besten, nach einigen Worten stehet, für also, daher. Es gibt demnach solche Leute, welche u. s. f. Wie glücklich muß demnach ein Tugendhafter seyn!
   Anm. Demnach für nachdem, weil, oder da, zu Anfange einer Periode, gehöret zu dem Unerträglichen des Kanzelleystyls, besonders, wenn als darauf folget: demnach dieselben mein Gutachten verlangt, als habe mit demselben nicht länger anstehen wollen. Die Niedersachsen und Holländer sagen statt dieses Bindewortes nademaal.
 
Artikelverweis *
Dêmnǟchst, adv. eine nur im gemeinen Leben übliche Partikel. 1) Für mit nächsten, so bald als möglich. Ich werde demnächst zu dir kommen. 2) Für nächst dem, d. i. hierauf, alsdann. Wir wollen essen, und demnächst spazieren gehen.
 
Artikelverweis Die
Demokratīe, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) aus dem Griechischen, diejenige Verfassung des gemeinen Wesens, wo sich die höchste Gewalt bey dem Volke, oder allen einzelnen Gliedern ohne Unterschied befindet; ohne Plural. Daher demokrātisch, in dieser Verfassung gegründet; der Demokrāt, des -en, plur. die -en, der diese Verfassung begünstiget, derselben ergeben ist.