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Conferếnz bis Contōr (Bd. 1, Sp. 1346 bis 1348)
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Artikelverweis Die Conferếnz, plur. die -en, aus dem Franz. Conference, und mittlern Latein. Conferentia, eigentlich eine jede Zusammenkunft zur gemeinschaftlichen Berathschlagung oder Unterhandlung, und diese Berathschlagung selbst. Conferenz halten, berathschlagen, unterhandeln. Mit jemanden in Conferenz treten. Die Conferenz eröffnen. An einigen Höfen wird die Versammlung der Staats- oder Cabinetts-Minister über Landesangelegenheiten gleichfalls eine Conferenz genannt. Daher der ConferenzRath,

[Bd. 1, Sp. 1347]


der Conferenz-Minister, ein Rath oder Minister, der bey dergleichen Conferenzen den Zutritt hat.
 
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Confisciren, verb. reg. act. aus dem Latein. confiscare, dem Fisco oder öffentlichen Schätze einverleiben, doch nur von den Gütern eines Verbrechers oder Straffälligen; einziehen. Eines Vermögen, contrabande Waaren confisciren. Daher die Confiscation, die Einziehung.
 
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Der Congrếß, des -sses, plur. die -sse, aus dem Latein. Congressus, eigentlich eine jede Zusammenkunft, wie Conferenz. Besonders wird die Zusammenkunft der Minister oder Gesandten mehrerer Fürsten oder Mächte zu Berichtigung einer gemeinschaftlichen Angelegenheit ein Congreß genannt. Daher ein Friedens-Congreß, Theilungs-Congreß, Gränz-Congreß u. s. f.
 
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Cónrad, ein alter Deutscher Mannsnahme, dessen erste Hälfte von können oder auch von kühn abstammet, und einen mächtigen oder kühnen Rathgeber bedeutet, wie das Griech. Thrasybulus. Kunz, Kurd, im Nieders. Koord, in den mittlern Zeiten Cono, Cuno, Chuono, Chunzo, Conzo, Chuzo, Cozzilo, u. s. f. sind bloße Verkürzungen dieses Nahmens. S. Frischens Wörterbuch.
 
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Das Cónrads-Kraut, des -es, plur. inus. eine Art des Johannis-Krautes, mit langen spitzigen Blättern, gelben Blumen und purpurrothen Beeren, welche in England, Languedoc und Italien wächset; Hypericum Androsaemum, L.
 
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Das Consistōrium, des -rii, plur. die -ria, aus dem mittlern Latein. Consistorium, locus in quo consistitur, und hernach ein jeder Ort, in welchem über öffentliche Angelegenheiten berathschlaget wird. 1) An dem päpstlichen Hofe zu Rom, die Versammlung des Papstes und der Cardinäle, Consistorium halten, und der Ort, wo sie sich versammeln. Daher die Consistoriāl-Pfründe, eine Pfründe höherer Art, welche bey dem Consistorio gesucht und von demselben vergeben wird. 2) In den protestantischen Kirchen, ein geistliches Gericht, welches aus geistlichen oder weltlichen Personen bestehet, und theils die Besetzung der geistlichen Stellen, theils die kirchliche Polizey, theils aber auch die für das geistliche Gericht gehörigen Streitsachen zu besorgen und zu entscheiden hat; der Kirchenrath, (der doch an manchen Orten, wie z. B. in Sachsen, noch von dem Consistorio verschieden ist,) in Breslau das Kirchenamt, in der Schweiz das Chorgericht. Daher der Consistoriāl-Rath, ein fürstlicher Rath, der im Consistorio Sitz und Stimme hat.
 
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Der Cónsonánt, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. consonans, ein Buchstab, welcher durch den Druck irgend eines Theiles des Mundes hervor gebracht wird, zum Unterschiede von den Vocalen, welche durch die bloße Öffnung des Mundes oder sanfte Niederlassung der Lunge entstehen. Im Deutschen hat man seit geraumer Zeit die erstern Mitlauter, die letztern aber Selbstlauter genannt. Allein zu geschweigen, daß dieses bloße buchstäbliche Übersetzungen der Lateinischen Ausdrücke sind, so geben sie von beyden einen ganz falschen Begriff, und haben wirklich viele verleitet, die Vocale für die wesentlichsten Bestandtheile der Wörter, die Consonanten aber nur für unbedeutende Nebenlaute zu halten; da doch eine gründliche Untersuchung gerade das Gegentheil lehret. Verlangt man daher ja Deutsche Nahmen für beyde, so kann man die Consonanten am richtigsten Hauptlaute, die Vocale aber Hülfslaute nennen; indem jene die wesentlichsten Bestandtheile der Wörter sind, diese aber nur die Höhe oder Tiefe des Tones ausdrucken, mit welchem jene hervor gebracht werden

[Bd. 1, Sp. 1348]


sollen, daher auch mehrere alte Sprachen sie gar nicht bezeichnen. S. mein Lehrgebäude der Deutschen Sprache.
 
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Der Cónstabler, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Gewisse Artillerie-Bediente, welche den Kanoniers Pulver und Kanonen austheilen, und die Stücke wohl selbst losfeuern. Daher die Constabels-Kammer, auf den Schiffen, ein Ort in dem Hintertheile des Schiffes unter der Kajüte, über der Pulverkammer, wo sich die Artilleristen aufhalten; Franz. Sainte-Barbe, weil die Artilleristen die heil. Barbara zur Patroninn haben. 2) In einigen Städten, ein Bürger, dessen Gewerk unter den Classen der Bürger noch nicht aufgenommen ist, der aber doch Rathsherr werden kann. S. Adelung Christoph.
   Anm. In beyden Bedeutungen ist dieses Wort aus dem mittlern Latein. Constabularius. Da dieses Wort auch so viel als Comes Stabuli oder Stallmeister bedeutet, so haben sich dadurch fast alle Wortforscher verleiten lassen, beyde Wörter mit einander zu verwechseln, woraus denn freylich wunderliche Auslegungen entstanden sind. Frisch ist der erste, der beyde Wörter gehörig von einander unterschieden hat. Ihm zu Folge kommt unser Constabler von Stabulum, eine Stelle, Lagerstatt, her, und Stabularii hießen in den mittlern Zeiten Soldaten, welche einerley Wohnung hatten, Stallbrüder, wie man sie auch nannte, oder Cameraden. König Johann in Frankreich theilete 1351 das Fußvolk in solche Contubernia, oder Constabulia, Franz. Connétablies, von 25 bis 30 Mann, deren Vorgesetzter Constabularius, Franz. Connétable, Deutsch Constabler genannt wurde. In dieser Bedeutung hat sich das Wort noch bey unserer Deutschen Artillerie erhalten. S. Adelung Camerad, und Staller, ingleichen Frischens Wörterb. v. Constabel.
 
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* Das Cónterfät, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Contrefait, ein veraltetes Wort, ein Gemählde, besonders ein nach der Natur verfertigtes Gemählde auszudrucken, welches nur noch zuweilen im gemeinen Leben gehöret wird. Es ist sehr frühe in die Deutsche Sprache aufgenommen worden, und kommt in den Schriften der vorigen Jahrhunderte unter allerley seltsamen Verstellungen häufig vor, so wie das Zeitwort conterfaiten, oder conterfeyn. Einer unserer berühmtesten Dichter hat beyde Wörter wieder in die höhere Schreibart aufzunehmen gesucht; allein man sollte sie immer der Vergessenheit überlassen, in der sie schon begraben liegen. In einer andern Bedeutung bezeichnete Conterfey ehedem auch eine Art unechtes Gold oder Silber, wie aus einem Paar Stellen aus dem Matthesius und der Straßburgischen Polizeyordnung bey dem Frisch erhellet. Vermuthlich spielet auf diese Bedeutung Walther von Klingen, einer der Schwäbischen Dichter, an, wenn es bey ihm heißt:
   Al min froeide ist gunterfeit, d. i. unecht, verstellt.
 
Artikelverweis Das
Cónto, plur. ut nom. sing. ein aus dem Ital. Conto entlehntes und bey den Kaufleuten eingeführtes Wort, eine Rechnung auszudrucken. Daher das Conto-Buch, das Rechnungsbuch, u. s. f.
 
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Das Contōr, des -es, plur. die -e, gleichfalls aus dem Italiän. Contoro, bey den Kaufleuten, die Schreibstube. In Ostindien führen auch die Niederlagen und Handlungshäuser der Europäer in fremden Gebiethe diesen Nahmen. Nach dem Franz. Comptoir, lautet dieses Wort auch zuweilen im Deutschen Comptor oder Comtor.