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Centāur bis Cervelāt-Wurst (Bd. 1, Sp. 1318 bis 1319)
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Artikelverweis Der Centāur, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. ein erdichtetes Geschöpf der alten Griechischen und Römischen Dichter, welches dem Obertheile nach ein Mann, und dem Untertheile nach ein Pferd war.
 
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Die Cêntifōlie, plur. die -n, eine Art Gartenrosen, deren Blumenstängel mit kurzen braunen Haaren besetzt sind. Sie hat platte Blumen, welche aus einer großen Menge kurzer dicht in einander gepreßter Blättchen von schöner dunkeler Farbe, aber ohne einen merklichen Geruch, bestehen. Von diesen vielen Blumenblätter hat sie auch den Nahmen; Rosa centifolia, L.
 
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Der Cếntner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gewicht von hundert Pfunden; aus dem Latein. Centenarium und Centenarius. Oft hält ein Centner noch zehen bis funfzehen Pfund über hundert. In Schlesien, besonders zu Breslau, hat er 160; im Chursächsischen Erzgebirge 115; zu Hamburg 112; zu Braunschweig 114; zu Hannover, Leipzig u. s. f. 100 Pfund.
 
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Das Cếntner-Gewicht, des -es, plur. die -e. 1) Ein Gewicht, welches die Schwere eines Centners hat. Bey dem Probiren, da man die Gewichte nur im Kleinen hat, wiegt dasjenige Gewicht, welches einen Centner vorstellet, und gleichfalls ein Centner-Gewicht heißt, nur ein Quentchen. 2) Die Art nach Centnern zu wägen, ohne Plural; im Gegensatze des Pfundgewichtes. So ist das Centner-Gewicht zu Frankfurt am Main um acht von hundert schwerer als das Pfundgewicht.
 
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Die Cếntner-Last, plur. die -en, figürlich, eine schwere Last. Centner-schwer, sehr schwer.
 
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Cêntrāl, adj. et adv. indecl. aus dem Latein Centralis, in oder um den Mittelpunct einer Sache befindlich, nach dem Mittelpuncte wirkend u. s. f. welches aber nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. Das Central-Feuer, welches in dem Mittelpuncte der Erde befindlich seyn soll; die Central-Kraft, in der Mechanik, eine Kraft, nach welcher ein Körper in seiner Bewegung theils von einem gewissen Puncte entfernet, theils aber auch nach einem gewissen Puncte getrieben wird, so daß er eine krumme Linie beschreiben muß; in weiterer Bedeutung, eine jede Kraft, die im Mittelpuncte befindlich ist, oder sich aus demselben thätig erweiset, u. s. f.
 
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Cếntrum, S. Adelung Mittelpunct.
 
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Ceremonīe, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig.) 1) Überhaupt ein jedes Zeichen dessen, woran man bey einem Vorhaben denken soll. So ist die Musik in den Kirchen eine Ceremonie,

[Bd. 1, Sp. 1319]


d. i. ein Zeichen der Freude, die man über die Wohlthaten Gottes empfinden soll. In engerer Bedeutung, ein jeder außerwesentlicher Umstand einer Handlung, vermittelst dessen sie im Andenken erhalten werden soll. Die Ceremonien bey einer Krönung, bey der Audienz eines Gesandten. Die Taufe des Prinzen geschahe mit vielen Ceremonien. Gottesdienstliche, kirchliche Ceremonien. 2) Gebräuche, Umstände, welche die Höflichkeit im gesellschaftlichen Leben eingeführet hat, führen zuweilen auch diesen Nahmen, zumahl wenn sie übertrieben werden. Er hat es mir mit vielen Ceremonien abgeschlagen. Wir wurden mit vielen Ceremonien empfangen. 3) Eine mit solchen Ceremonien begleitete Handlung. Die Ceremonie der Krönung, der Taufe eines Prinzen u. s. f.
   Anm. Die Abstammung des Latein. Wortes Ceremonia, Caeremonia oder Caerimonia, ist noch nicht ausgemacht. Einige leiten es von Ceris munia her, weil diese Opfer mit vielen Feyerlichkeiten vollzogen wurden; andere von einer kleinen Stadt Cere oder Cäre, wo die Römer mit vielem Gepränge zu opfern pflegten. Am wahrscheinlichsten leitet man es noch aus dem Hetruscischen cere, heilig, und mon, Sache, her. Im mittlern Lateine kommt es so wohl von einem Götzenopfer, als von einem feyerlichen Feste vor. Da wir dieses Wort zunächst aus dem Franz. Ceremonie angenommen haben, so behält es auch den Ton auf der letzten Sylbe. Nur wenige sprechen es nach dem Lateinischen Ceremōnie, fünfsylbig und mit dem gedehnten o aus, welche Aussprache indessen doch in den Zusammensetzungen Ceremonien-Meister u. s. f. üblich ist.
 
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Das Ceremoniếll, des -es, plur. inus. der ganze Umfang aller Ceremonien oder feyerlichen Umstände, und diese auch wohl selbst. Das Ceremoniell der Höfe. Das Ceremoniell beobachten. Aus dem Franz. Ceremoniel, besser, Ceremonial.
 
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Der Ceremōnien-Meister, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, eine Person, welche das Ceremoniell bey allen vorfallenden Begebenheiten, besonders aber bey den Audienzen der Gesandten, einzurichten hat.
 
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Die Cervelāt-Wurst, S. Adelung Hirnwurst.