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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Büttel bis Butterampfer (Bd. 1, Sp. 1281 bis 1282)
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Artikelverweis  1. Büttel, eine Endung, welche an den eigenthümlichen Nahmen verschiedener Orte in Niedersachsen angetroffen wird; z. B. in Wolfenbüttel, Ritzebüttel u. s. f. Es ist das Diminutivum von Bode, Bude, im Wallisischen Buth, ein Gebäude, oder Haus. Auch das Angels. Botle bedeutet einen Meierhof. S. Adelung Bude.
 
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2. Der Büttel, des -s, plur. ut nom. sing. eine selbst im gemeinen Leben verächtlich gewordene Benennung, so wohl der niedrigsten Gerichtsdiener oder Häscher, als auch des Henkers und seiner Knechte.
   Anm. Es hat dieses Wort nicht zu allen Zeiten und in allen Gegenden den so verhaßten Nebenbegriff gehabt, welcher jetzt damit verbunden wird. Bey dem Stumpf heißt noch der Priester ein Büttel Gottes, d. i. ein Diener, der dessen Befehle ausrichtet. Am häufigsten wurde der Frohnbothe, oder der Gerichtsbediente Büttel genannt. Im Schwab. Spieg. heißt es von diesen Frohnbothen Kap. 109: Etuua heizzent si gebutel, etuua Rihter, etuua anders, d. i. an einigen Orten heißet man sie Gebütel, an andern Orten Richter, an andern anders. Die wahrscheinlichste Ableitung ist von dem Verbo biethen oder gebiethen, weil sie im Nahmen des Richters gebiethen mußten, so wie von warten und weisen, auch Wärtel und Weisel, für Wärter und Weiser gemacht worden; ohne daß man eben nöthig hätte Bittel und Büttel zu schreiben. Das Nieders. Bödel, Böel, das Engl. Beadle, das Angels. Bydel, das Schwed. Bödel, das Isländ. Bodul, das Dänische Boddel, bedeuten alle entweder einen Bothen, oder einen Gerichtsdiener, oder auch den Henker. Herr Ihre ziehet die Ableitung von dem Isländ. bödla, martern, vor, welche sich aber mit dem Deutschen Gebrauche dieses Wortes nicht reimen lässet. S. auch Pedell. Schilter hält Büttel für das Diminutivum von Bothe, welchem aber das männliche Geschlecht widerspricht. S. auch Henker.
 
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* Das Buttelbier, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, in den gemeinen Sprecharten, Bouteillen-Bier, aus welchem Worte es auch zusammen gezogen ist. Daher man daselbst auch das Verbum butteln, schäumen, besonders von dem Bouteillen-Biere, hat.
 
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Die Büttelēy, plur. die -en, im gemeinen Leben einiger Orte, das öffentliche Gefängniß, weil es gemeiniglich unter der Aufsicht des Büttels oder Gerichtsdieners stehet, der ehedem auch seine Wohnung daselbst hatte.
 
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Die Buttelhiefe, plur. die -n, eine Niedersächsische Benennung der Früchte des Hagebuttenstrauches. S. Adelung Hagebutte.
 
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Die Buttelnase, plur. die -n, in den Niedersächsischen Gegenden, der Nahme einer Art dreyzehiger Patschfüße, welche so groß als eine Änte ist, und einen kurzen dreyeckigen Schnabel hat; Plautus arcticus, Kl. Engl. Bottle-nose. Er hat den Nahmen von dem Nieders. butt, stumpf, wegen seines stumpfen Schnabels. S. 2 Butte. Wegen seiner weißen Backen wird er auch Weißback genannt.
 
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Die Buttelrose, plur. die -n, S. Adelung Hagebutte.

[Bd. 1, Sp. 1282]



 
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Der Buttenkorb, plur. die -körbe, in den Salzwerken, ein Korb in Gestalt einer Butte, in welchen man das gekochte Salz aus dem Kessel thut.
 
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Der Buttenträger, des -s, plur. ut nom. sing. gemeine Krämer, welche ihre Waaren auf dem Lande in Butten hausiren tragen; Reffträger, Tabulett-Träger.
 
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Die Butter, plur. car. 1) Eigentlich, das aus der Milch besonders des Rind- und Schafviehes geschiedene Fett. Frische Butter. Gesalzene, ungesalzene Butter. Ausgelassene, ausgeschmelzte Butter, welche geschmelzet und von dem Salze geschieden worden. Er besteht wie Butter an der Sonne, in einer niedrigen Figur, er steht beschämt da, kann nichts zu seiner Entschuldigung vorbringen. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit nennet man in der Chymie auch diejenige schmierige Substanz eine Butter, welche man erhält, wenn man ein Metall oder Halbmetall mit einem corrosiven Sublimate in einer Retorte destilliret. Daher Bleybutter, Spießglasbutter u. s. f.
   Anm. Dieses alte Wort lautet im Nieders. Botter, im Holländ. Boter, im Angels. Butere, im Engl. Butter, im Lat. Butyrum, im Ital. Butiro, Burro, und im Franz. Beurre. Allem Ansehen nach haben unsere Vorfahren dieses Wort mit der Sache selbst aus ihren ehemahligen Wohnsitzen, der heutigen Tatarey gebracht, denn schon Hippokrat versichert, daß β##τυρος bey den damahligen Scythen Butter bedeutet habe. Vermuthlich haben es die Griechen auch daher erhalten; ob es aber, wie Plinius behauptet, von β##, eine Kuh, und τυρος, coagulum, herstammet, muß man freylich dahin gestellet seyn lassen. So viel ist doch gewiß, daß die heutigen Tatarn mit Weglassung der ersten Sylbe, Thur, für Butter sagen. Brauchte man für Butter ein Deutsches Stammwort, so würde sich das alte batten, schlagen, (S. 3. Beutel) oder butten, stoßen, vielleicht nicht uneben hierher schicken, weil doch die Butter durch Schlagen oder Rütteln von der Milch geschieden wird. S. Buttern.
   Im Hochdeutschen ist das weibliche Geschlecht dieses Wortes allgemein. Allein im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Butter, und in einigen Gegenden sagt man auch das Butter. In beyden Fällen sind schon die Griechen mit ihrem β##τυρος und β##τυρον voran gegangen.
   Kero nennet die Butter Anka, welches, dem Wachter zu Folge, aus Unguentum zusammen gezogen seyn soll. Noch jetzt bedeutet am Oberrheine und in der Schweiz der Anken oder die Anke ausgelassene Butter. In einem 1482 in Oberdeutschland gedruckten Vocabulario heißt es: Puter, Milichschmalz, Ancke; und an einem andern Orte: Ancke, sagimen oder ungeleuterte Butter. Kuhschmer ist ein anderes altes Wort, welches unter andern auch in Lipsii Glossen für Butter gefunden wird. Eingemachte, oder ungesalzene, oder ausgeschmelzte Butter heißt in Oberdeutschland Schmalz, und in Obersachsen Schmelzbutter.
 
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Der Butterampfer, S. Adelung Buchampfer.