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Búschstreu bis Buße (Bd. 1, Sp. 1275 bis 1277)
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Artikelverweis Die Búschstreu, plur. inus. in der Landwirthschaft, die Streu aus den Wäldern, das Laub der Bäume, besonders des Nadelholzes, wenn es dem Viehe statt des Strohes untergestreuet wird; Laubstreu, Nadelstreu.
 
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Der Búscht, des -es, plur. die -e, bey den Papiermachern, ein Pack von 182 frisch gemachten und mit Filz durchschossenen Bogen. Drey Buscht machen ein Rieß. Daher der Buschtfilz, des -es, plur. die -e, die Filze zwischen welche die frisch gemachten Bogen geleget werden.
   Anm. So fremd dieses Wort auch klinget, so ist es doch wohl Deutsch, und vermuthlich aus Busch, Büschel verderbt, welches ehedem auch ein Pack, Packet, bedeutete. Frisch führet aus dem Pictorius das Wort Butscholete, ein Pack oder Bündel an. Indessen stehet es noch dahin, ob Buscht, Bust, ehedem nicht einen Haufen bedeutet hat. Das Wort Wust wird im gemeinen Leben noch so gebraucht, und einige Oberdeutsche Mundarten, besonders die Schwäbische, sprechen das st ohnehin allemahl wie scht aus. S. Wust.
 
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Die Búschweide, plur. die -n. 1) Ein Nahme aller derjenigen Weidenarten, welche am häufigsten buschweise wachsen; besonders aber der Korb- oder Erdweide; Salix triandria, L. 2) Auch der Salweide oder Palmweide; Salix caprea, L. S. diese Wörter.
 
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Das Búschwêrk, des -es, plur. car. Buschholz, Gebüsch. Ein Acker der mit Buschwerk umgeben ist.
 
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Die Büse, plur. die -n, eine Art Schiffe in Holland, von etwa sechzig Tonnen, welche wie ein Fliboth gebauet sind, und am häufigsten zum Häringsfange gebraucht werden, daher sie auch Häringsbüsen heißen; aus dem Holländ. Buise, Buyse. Es ist ein altes Wort, wie aus dem du Fresne erhellet, bey welchem Bussa, Buza, Bucca, Bucia, Buscia, Burcia, u. s. f. häufig genug von einer Art großer Schiffe vorkommen.

[Bd. 1, Sp. 1276]



 
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Der Busen, ehedem Busem, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eigentlich eine jede gebogene Fläche, welche nunmehr veraltete Bedeutung sich nur noch in dem Worte Meerbusen findet. In etwas engerer Bedeutung, eine Falte. So gebrauchen noch die Jäger dieses Wort, wenn sie einem Garne Busen geben, d. i. Falten darein machen, damit sich das Wild desto eher darin fange. Bey eben denselben wird auch das kleine inwendige gestrickte Garn, welches zwischen die Spiegelnetze zum Fangen eingebunden wird, vielleicht aus eben der Ursache ein Busen oder Ingarn genannt. 2. In engerer Bedeutung, die Falten und die Öffnung in der Kleidung vor der Brust. 1) Eigentlich, besonders in Rücksicht auf die Kleidertracht der Alten. Die Hand in den Busen stecken. Auch schüttelte ich meinen Busen aus und sprach u. s. f. Nehem. 5, 13. Kann auch jemand Feuer im Busen behalten, daß seine Kleider nicht brennen? Sprichw. 6, 27. Etwas in dem Busen tragen, auch figürlich, liebreich verpflegen, warten. Eine Schlange im Busen tragen, einem heimlichen Feinde, welcher in Zukunft schaden wird, Gutes erweisen. In seinen Busen greifen, sich selbst zu erkennen suchen.
   Der Feige fällt weit eh, als der, der den Gefahren
   Mit offnem Busen trotzt,
   Weiße. 2) Figürlich. (a) Derjenige Theil des Leibes, der dadurch bedeckt wird, die Brust, doch nur bey dem andern Geschlechte. Ein voller Busen. Sanfte Empfindungen dehneten den wallenden Busen. (b) Nach einer noch weitern Figur, die Brust, das Herz, in dem figürlichen Verstande dieser Wörter. Alle Leidenschaften toben in meinem pochenden Busen zu heftig, Dusch. Noch nie war die Liebe in seinem Busen erwacht, Geßn. (c) Die Person selbst, welcher Gebrauch doch außer der biblischen Schreibart nicht Statt findet. Und vergilt unsern Nachbarn siebenfältig in ihrer Busen ihre Schmach, Ps. 79, 12. Der du vergiltest die Missethat der Väter in den Busen ihrer Kinder, Jer. 32, 18. Ich will sie in ihren Busen bezahlen, Es. 65, 6. Ich will ihnen zumessen ihr voriges Thun in ihren Busen, V. 7. Wo die Figur von der Kleidertracht der Morgenländer entlehnet ist.
   Anm. Busen bey dem Tatian Buosum, bey dem Notker Puosam und Bousem, im Nieders. Bosem, Bossem, Bussem, im Holländ. Boesem, im Engl. Bosom, im Angels. Bosm, scheinet von biegen und Bug herzustammen; denn daß der Hauchlaut und der Zischlaut sehr oft in einander übergehen, ließe sich mit mehrern Beyspielen erweisen. Daß es ehedem, besonders im Niedersächsischen, auch Verwandte in einem gewissen Grade bedeutet habe, haben schon Frisch, Haltaus, und die Verfasser des Brem. Nieders. Wörterbuches angemerket. Ob das Osnabrückische Bosem, ein Rauchfang, auch hierher gehöre, weiß ich nicht. Busen ist den Hochdeutschen Mundarten gemäßer, als das Oberdeutsche Busem. In der engern Bedeutung kommt der Plural dieses Wortes nur selten vor.
 
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Der Busenfreund, des -es, plur. die -e, ein sehr vertrauter, geliebter Freund, welchen man gleichsam in seinem Busen träget; oder auch als eine Anspielung auf Johannem den geliebten Freund Christi, der an seiner Brust lag.
 
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Der Busenstreif, des -es, plur. die -e, ein schmaler Streif von seiner Leinwand an dem Busen beyder Geschlechter.
 
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Die Busensünde, plur. die -n, in der Theologie, eine Lieblingssünde; Schooßsünde.
 
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Der Búßaar, des -en, plur. die -en, eine vornehmlich Oberdeutsche Benennung einer Art Falken, welche so groß als ein Fasan ist, lange Schenkel und kurze starke Füße hat, aber nicht zur Jagd gebraucht wird, sondern sich von Mäusen und todtem Aase ernähret, daher er auch Mäusefalk genannt wird; Falco Buten

[Bd. 1, Sp. 1277]


vulgaris, Kl. Der Nahme Bußaar, welcher auch Bußhard geschrieben und gesprochen wird, ist alt, und liegt schon in dem mittlern Latein. Busio zum Grunde. Die Engländer nennen diesen Falken Buzzard, die Franzosen Busard, Buissart, Buisard, Buse, die Italiäner Buzzago. Den Nahmen soll er von seinem beständigen Schreyen und Busen, d. i. Blasen, haben, daher einige Italiäner ihn auch Trombone nennen. Bey dem Stumpf heißt er Busant, bey andern Oberdeutschen Bußfahrn, Buspart. Die meisten neuern Schriftsteller nennen ihn auch Buteo, allein de Thou behauptet bey dem du Fresne v. Butor, daß der Butco bey dem Plinius ein edler Falke oder Adler sey, den man nicht mit dem feigen Buzard verwechseln müsse. Da man in Ober- Elsaß alle große Raubvögel Poussants, Poussanten nennet, von pousser, stoßen, so könnte auch wohl Bußaar davon abstammen, und einen Stoßvogel überhaupt bedeuten. In der Lotharingischen Volkssprache heißt der Falke vermuthlich eben daher Bouhon, Bouho.
 
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Die Buße, plur. die -n, von dem folgenden Verbo büßen. 1. * Die Verbesserung einer verdorbenen Sache, im eigentlichsten Verstande, und ohne Plural. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung gebraucht nicht nur Kero schon Puazza, sondern es kommt auch dieselbe noch hin und wieder im Oberdeutschen vor, wo z. B. die Bußwürdigkeit der Wege, die Nothwendigkeit ist, solche auszubessern. Besonders gebrauchte man es ehedem für allerley Art der Hülfe.
   Ob er besteckt mit seinem füeß,
   So thu im deß halben khein pueß,
   Theuerd. keine Hülfe. Das im wurde buoz und heil an sinem fuoz getan, Fabeln der Schwäb. Dicht. Fab. 47. Bey dem Hornegk heißet daher auch ein Arzeneymittel Puezz.
   2. Verbesserung, d. i. Ersetzung eines zugefügten Schadens, oder einer angethanen Beleidigung. 1) * Überhaupt, in welcher, im Hochdeutschen gleichfalls veralteten Bedeutung dieses Wort in den mittlern Zeiten häufig vorkommt.
   O we truren und klagen
   Wi sol mir din mit froiden werden iemer buos,
   Reinmar der Alte, wie soll mir für dich jemahls mit Freuden Vergütung geschehen?
   Die ich da minne uad miden muos
   Hat mir sorgen viel gegeben
   Der mir niemer wirdet buos,
   Rudolph von Rotenburg, die mir nie vergütet werden. 2) Besonders. (a) Im rechtlichen Verstande, da Buße diejenige gerichtliche Genugthuung bedeutet, welche man dem beleidigten Theile geben muß, besonders, wenn sie in Gelde geschiehet; im Gegensatze der Brüche und Wette, welche für die Übertretung des Gesetzes an den Richter bezahlet wird. In dieser Bedeutung ist es noch in Niedersachsen, im Hochdeutschen aber auch unter den Handwerkern üblich, wo Bußen mehrmahls Geldstrafen bedeuten. In weiterer Bedeutung führet auch, besonders im gemeinen Leben, eine jede Strafe diesen Nahmen, wenn sie gleich nicht in Gelde, noch an den Beleidigten gegeben wird. Einem eine Buße auflegen. Kirchenbuße. Ich will mir die schrecklichsten Bußen auflegen, Weiße. Der soll sein Urtheil um der That willen haben, es sey zum Tod, oder in die Acht, oder zur Buße am Gut, oder ins Gefängniß, Esr. 7, 26. Darzuo wart ir buos gegeben, ward ihr zur Strafe auferlegt, in der 44ten Fab. der Schwäb. Dichter. Ja es bedeutet auch zuweilen so viel als eine jede Bezahlung, doch nur in den Zusammensetzungen Einbuße und Zubuße. (b) Im theologischen Verstande, die Genugthuung für begangene Sünden durch verdienstliche gute Werke. In diesem Verstande

[Bd. 1, Sp. 1278]


kommt des Wort in der Römischen Kirche sehr häufig vor, wo die Buße auch ein Sacrament ist. Einem eine Buße auflegen, oder etwas zur Buße auflegen. In der Protestantischen Kirche hat man dieses Wort behalten, aber einen andern Begriff damit verbunden; denn da ist Buße nichts anders, als die schmerzhafte Reue über die begangenen Sünden, so fern sie mit der Besserung des Lebens verbunden ist, und in dieser Bedeutung ist der Plural ungebräuchlich. Buße thun. Eine ernstliche, rechtschaffene Buße. Deine Buße ist nicht rechter Art.
   Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero Puazza, bey dem Notker Buozzo. Beyde gebrauchen es für Verbesserung, der letzte aber schon für poenitentia. Die Oberschwaben sprechen dieses Wort noch jetzt Buaß aus, um welches alten Doppellautes willen es im Hochdeutschen auch ein langes u hat, dagegen andere Mundarten es mit einem kurzen u Busse sprechen. Die Nieders. Mundart hat hier statt des Zischlautes ein t, Bote, Schwed. Bot, Dän. Boed, Bod, Angels. Bot, Engl. Bote, Holländ. Boete. So fern dieses Wort eine Geldstrafe bedeutet, kommt es mit dem Latein. Emenda, und dem Franz. Amende überein, welche eigentlich gleichfalls eine Verbesserung bedeuten. S. das folgende.