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Burzelkraut bis Bschel (Bd. 1, Sp. 1272 bis 1274)
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Artikelverweis Das Burzelkraut, des -es, plur. inus. eine im gemeinen Leben übliche Benennung des Portulaks, Portulaca, L. aus welchem

[Bd. 1, Sp. 1273]


Worte es auch verderbet ist, und auch wohl Bürgelkraut gesprochen wird. S. Adelung Portulak.
 
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Burzeln, Purzeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, im gemeinen Leben und im komischen Scherze, fallen, besonders so fallen, daß man den Hintern dabey in die Höhe hebt. Einer burzelte über den andern. Nieders. purreln. S. Adelung Bürzel.
 
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1. Der Búsch, des -es, plur. die Bsche. 1) Ein aus niedrigem Gesträuche oder so genanntem Unterholze bestehendes Gehölz, auch wenn solches mit hohen Bäumen oder mit Oberholze untermengt ist, im Gegensatze eines Waldes oder Forstes. In dieser Bedeutung ist es im Niedersächsischen am üblichsten. Im Hochdeutschen hat man dafür das zusammen gesetzte Gebüsch. S. Adelung Buschholz. 2) Das Individuum eines solchen Gebüsches, ein Strauch, auch nur in den gemeinen Mundarten. S. Strauch und Staude. 3) Mehrere zusammen gebundene Zweige oder Pflanzen, von der Ähnlichkeit mit einem Strauche. Ein Busch Blumen, Kornähren u. s. f. In weiterer Bedeutung auch von der Ähnlichkeit, ein Busch Haare, ein Busch Federn, ein Federbusch. In dieser dritten Bedeutung hat man auch das Diminutivum Büschlein, im Hochdeutschen Büschchen und Büschelchen, noch mehr aber Büschel. S. solches hernach besonders.
   Anm. Das Nieders. Busk, Dän. Busk, Schwed. Buske, Engl. Bush, Holländ. Bosch, Ital. Bosco, Span. Bosque, das mittlere Latein. Boscus, Buscus, bedeuten insgesammt entweder ein Gebüsch, oder einen Strauch, oder auch etwas zusammen gebundenes, wozu auch die mittelste Sylbe des Latein. Arbuscula gehöret. Da dieses Wort auch sehr frühe von Holz überhaupt gebraucht worden, wie aus dem Boscus der mittlern Zeiten und dem heutigen Franz. Bois erhellet, so scheinet dieses die erste und Hauptbedeutung zu seyn. Indessen können auch die Verba bauschen und bausen gegründeten Anspruch auf die Verwandtschaft mit diesem Worte machen, und alsdann würde dessen dritte Bedeutung dessen eigentliche und erste seyn. Bey den Schwäbischen Dichtern bedeutet ein Boschen einen Strauch, und im Schwabenspiegel einen Dornstrauch. Die Franzosen haben noch viele Ableitungen von diesem Worte, dahin ihr Buisson, Boscage, Bosquet, und Bouquet, ein Strauß oder Büschel, Busche, Buche, Scheitholz u. a. m. gehören. Der Plural lautet im gemeinen Leben besonders Niedersachsens auch Büscher.
 
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2. Der Búsch, des -es, plur. die Bsche, eine Scheidemünze, in Aachen, welche vier Heller gilt. 324 Büsche machen daselbst einen Reichsthaler courant. Beym du Fresne geschiehet einer Spanischen Münze Meldung, welch Bossamaya hieß, deren Werth aber nicht gemeldet wird. Bey eben demselben kommt bussus für dick, und buscus für fahl vor. Es stehet dahin, ob diese Wörter zur Erläuterung der Abstammung dieses Wortes etwas beytragen können.
 
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Der Búschaffe, des -n, plur. die -n, eine Art Affen, welche sich in Afrika in den Gebüschen und Wäldern aufhält, und dem Menschen vor andern Arten sehr ähnlich ist; der Waldmann, Waldteufel, Satyr, Urang-Utang.
 
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Die Búschameise, plur. die -n, im gemeinen Leben, Ameisen welche sich nur in Wäldern und Gebüschen aufhalten; Waldameisen, im Gegensatze der Feldameisen. Die Buschameisen theilen sich in rothe, oder Roßameisen, und in schwarze.
 
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Der Búschampfer, des -s, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Sauerklees.
 
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Der Búschbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Gärtnern, ein frey stehender Zwergbaum, welcher als ein Busch gezogen wird, im Gegensatze der Spalierbäume.
 
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Die Búschbohne, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine Art Bohnen, welche in niedrigen Büschen wächset, holzige Hülsen hat,

[Bd. 1, Sp. 1274]


breite weiße Bohnen träget, und vermuthlich zu dem Phaseolus vulgaris, L. gehöret.
 
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Der Búschdorn, des -s, plur. inus. S. Adelung Buchsdorn.
 
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Das Bschel, des -s, plur. ut nom. sing. das Diminutivum des Wortes Busch, in dessen dritten Bedeutung, ein kleiner Busch, obgleich man davon wieder ein neues Diminutivum das Büschelchen macht. Ein Büschel Rosen, Blumen, Haare, Federn, Stroh, u. s. f. Ein Büschel Flachs, wofür in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten eine Büse, Bosse, Büsel, Büssel, und in Niedersachsen Both üblich ist. S. Adelung Bündel. Bey den neuern Kräuterkennern werden Büschel, oder Blumenbüschel, diejenigen Blumen genannt, wenn alle Blüthen Stängel von ungleicher Länge haben, und gerade in die Höhe stehen; Corymbus. In den Zinnhütten ist Büschel oder Püschel ein Schock zusammen gebundener ausgeschossener untauglicher Bleche, welche an die Röhrenmacher verkauft werden. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Büschel.