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Burggrafthum bis Burgmannschaft (Bd. 1, Sp. 1266 bis 1267)
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Artikelverweis Das Burggrafthum, des -es, plur. die -thümer, wie das vorige in der zweyten Bedeutung. Zuweilen auch nur in geringerer Bedeutung, eine geringere Burg mit einigen dazu gehörigen Gütern, welche von einem Stifte oder Fürsten jemanden unter der Bedingung zu Lehen gegeben wurde, entweder Kriegsdienste dafür zu leisten, oder die Burg zu beschützen.

[Bd. 1, Sp. 1267]



 
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Die Burghalde, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine Halde, d. i. ein Berg, auf welchem ehedem eine Burg gestanden hat; ein Burgstadel, Burgstall, d. i. Burgstelle.
 
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Der Burghauptmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, der Hauptmann in einer Burg, welcher über die Besatzung in derselben gesetzt ist.
 
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Der Burghêrr, des -en, plur. die -en, der Herr oder Eigenthümer einer Burg.
 
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Der Burghirsch, S. Adelung Gebirghirsch.
 
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Die Burghuth, plur. inus. die Huth, d. i. Beschützung und Vertheidigung einer Burg, um das Jahr 1361 im Oberdeutschen Purchuta.
 
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Der Burgkêller, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Städten, der Stadt- oder Rathskeller, entweder weil Burg hier noch so viel als Stadt bedeutet, oder auch, weil ein solcher Keller ehedem zu einer in der Stadt befindlichen landesfürstlichen Burg gehöret hat.
 
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Das Burglehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine zu Lehen gegebene Burg mit ihrem Gebiethe. 2) Ein Gut, welches ein Afterlehen eines Ganerbengutes ist. 3) Ein Lehen, welches der Eigenthümer einer Burg jemanden unter der Bedingung verleihet, die Burg dafür zu vertheidigen oder vertheidigen zu helfen; dergleichen Lehen auch Seßlehen oder Sitzlehen genannt werden, im Gegensatze der Reitlehen.
 
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Die Burgleute, S. Adelung Burgmann.
 
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Der Burgmann, des -es, plur. die -männer, und -leute, ein Wort, welches in den mittlern Zeiten unter verschiedenen Bedeutungen vorkommt. Es bedeutet aber, 1) den Eigenthümer oder Bewohner einer Burg, einen Schloßgesessenen, Castrensem, Castellanum. 2) Einen Burggrafen, S. dieses Wort. 3) Einen Kriegsmann, welcher sich zu Vertheidigung und Beschützung einer Burg verpflichtet hat, deren es wieder verschiedene Arten gab. Dahin gehören, (a) diejenigen von hohen und niederm Adel, welche mit einer Burg und deren Zubehör belehnet wurden, und sich dafür verpflichteten, entweder Kriegsdienste zu leisten, oder doch die Burg zu beschützen; Castrenses, Advocati castrenses, Castellani, welche zuweilen auch Burggrafen und Burgvögte genannt werden. Hierher gehören auch die Burgleute oder Burgmänner der Gauerbenhäuser, welche sich durch einen Vertrag verbunden haben, eine ihnen untergebene Burg zu vertheidigen, welche in Burgmeister, Regiments-Burgmänner und gemeine Burgmänner getheilet werden. (b) Diejenigen, welche für den Genuß eines Lehengutes zur Vertheidigung einer Burg verbunden waren, und die Besatzung des Burgherren als Ober-Officiers commandireten; Milites castrenses, Castellani, Ministeriales castrenses. Man findet Personen von hohem Adel, welche als solche Burgmänner bey ihres Gleichen dieneten. Aus diesen Burgmännern sind vermuthlich die heutigen Amtssassen erwachsen, da doch die meisten heutigen Ämter ehemahlige Bürge waren. S. dieses Wort. (c) Diejenigen, welche in der Freyheit einer Burg wohneten, meisten Theils leibeigene Unterthanen der Burgherren waren, als gemeine Soldaten bey Bewachung und Vertheidigung der Burg Dienste leisten mußten, und bey den Gerichten des Burgherren die Schöppen abgaben, werden sehr häufig gleichfalls Burgleute genannt. Bey der neuen Einrichtung des Kriegswesens nach Erfindung des Schießpulvers hat aber diese ganze Verfassung der Bürge in und mit dem 15ten Jahrhunderte aufgehöret.
 
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Die Burgmannschaft, plur. inus. 1) Die Würde und das Amt eines Burgmannes. So sind bey den heutigen Gauerbenschlössern alle diejenigen, welche von einem Burgmanne abstammen,

[Bd. 1, Sp. 1268]


zur Burgmannschaft berechtiget. 2) Collective, die sämmtlichen Burgmänner oder Burgleute.