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Bullochs bis Bundesschreiber (Bd. 1, Sp. 1253 bis 1256)
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Artikelverweis Der Bullochs, des -en, plur. die -en, 1) An einigen Orten so viel als ein Bulle, indem Ochs an vielen Orten auch einen ungeschnittenen Bullen bedeutet. 2) An andern Orten, ein Bulle, welcher, wenn er schon einige Jahre zur Zucht gebraucht worden, verschnitten, und dadurch zu einem Ochsen im engern Verstande gemacht wird.
 
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Die Bullwurz, plur. car. in einigen Gegenden, ein Nahme der Tollkirsche oder Wolfsbeere, Atropa Belladonna, L. vielleicht wegen ihrer knolligen Wurzel von 2. Bolle.
 
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Die Bülte, plur. die -n, S. Adelung Bühel, Anm.
 
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Der Bültrocken, des -s, plur. car. eine Art Winterrocken in den Vierlanden bey Hamburg, welcher in Niedersachsen häufig zu Saatrocken gekauft wird, weil er sich besser bestandet als anderer. Vielleicht von den Bülten, worauf er wächset.
 
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Der Bund, des -es, plur. die Bünde, von dem Participio der vergangenen Zeit des Verbi binden.
   1. Der Zustand, da mehrere Körper mit einander verbunden, oder durch ein Band an einander befestiget sind; in welcher Bedeutung dieses Wort aber nur figürlich von demjenigen Zustande gebraucht wird, da sich mehrere Personen, und besonders ganze Staaten, zu gewissen Pflichten vereiniget haben, und in welcher es nur allein im Singular üblich ist. Mit jemanden im Bunde stehen. Rußland und Preußen haben Österreich mit in ihren Bund aufgenommen. S. die folgende Bedeutung, welche in den meisten Fällen mit dieser zusammen fließet.

[Bd. 1, Sp. 1254]



   2. Dasjenige, was zwey oder mehrere Körper mit einander verbindet, oder an einander befestiget; ein Band. 1) Eigentlich, in welcher Bedeutung dieses Wort nur in einigen bereits eingeführten Fällen üblich ist. So ist der Bund bey den Schlössern ein Band von Eisen, welches zwey ein wenig von einander entfernte Theile, besonders in einem Gitterwerke, umgibt und befestiget. Bey den Buchbindern sind die Bünde diejenigen Schnüre, worauf ein Buch geheftet wird, welche auch die Gebünde genannt werden. Bey den Feuerwerkern ist der Bund dasjenige, womit die Feuer- Leucht- Brand- und andern Kugeln von außen beschnüret werden, damit sie der Gewalt des Pulvers desto besser widerstehen, wo dieses Wort auch zuweilen die Art und Weise dieser Beschnürung ausdruckt. Daher der Trommelbund, der Rosenbund, der Ballenbund, der Schneckenbund, der Rippenbund u. s. f. Bey den Nähterinnen wird der doppelt eingeschlagene schmale Streif, womit ein Stück Wäsche, da wo es in Falten gereihet ist, eingefasset wird, ein Bund, und wenn es schmal ist ein Bündchen genannt. Die Glaser schwingen einen Bund, wenn sie die aufgeschlitzten Ecken des Fensterbleyes mit Zinn zugießen, wobey der Kolben mit einem Schwunge herum gedrehet wird. 2) Figürlich, der Vertrag, die Verabredung, wodurch sich mehrere Personen oder freye Staaten zu gewissen gegenseitigen Pflichten verbinden. Einen Bund mit jemanden machen. Den Bund brechen. Im Hochdeutschen ist der Plural in dieser Bedeutung nicht üblich, wohl aber im Oberdeutschen, und besonders in der Schweiz, wo die Verträge, welche die Cantons unter sich errichtet haben, sehr häufig die Bünde und Pündten genannt werden. Überhaupt kommt dieses Wort im Hochdeutschen in dieser ganzen figürlichen Bedeutung, auch wo es den Zustand bedeutet, außer der dichterischen Schreibart, immer seltener vor, indem das Wort Bündniß üblicher geworden ist. Dagegen wird es in der Deutschen Bibel sehr häufig in allerley ungewöhnlichen Verbindungen gebraucht, das göttliche Gesetz auszudrucken, welches daselbst als ein Bund Gottes mit dem Menschen vorgestellet wird; woraus denn auch die Zusammensetzungen Bundesengel, Bundessiegel, Bundeszeichen, Bundeshandlung, Bundesgnade u. s. f. erkläret werden müssen.
   3. Mehrere mit einander verbundene Dinge. 1) Eigentlich. Dahin gehöret der Bund in dem Bretspiele, d. i. einige Paar ohne Zwischenraum auf einander folgende Steine. Einen guten Bund in dem Brete haben. Der Türkische Bund, eine Bekleidung des Kopfes bey den Türken, welche aus einem langen schmalen zusammen gebundenen, oder vielmehr gewundenen Stücke Zeuges bestehet. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der Blumen heißt eine Art Lilien mit eingebogenen Blumen, deren Kronen zurück gerollet sind, der Türkische Bund, Lilium Martagon, L. welche an andern Orten Feldlilie, wilde Lilie, Goldwurzel genannt wird. In den meisten übrigen Fällen, wo dieses Wort zusammen gebundene Körper bedeutet, ist es im Hochdeutschen ungewissen Geschlechtes. S. das folgende. 2) Figürlich, mit einander verbundene Staaten oder Personen. In dieser Bedeutung ist es nur im Oberdeutschen, und besonders in der Schweiz gebräuchlich, wo die drey Republiken der Graubünde, der graue oder obere Bund, der Bund des Hauses Gottes, und der Bund der zehen Gerichte, alle drey zusammen genommen aber, die drey Bünde, oder die Graubünde genannt werden.
   Anm. Woher die bey den Falkenieren üblich R. A. komme, der Falk macht einen Bund, d. i. einen Bogen, wenn er auf ein Thier stößet, ist mir unbekannt. Im Dän. lautet dieses Wort gleichfalls Bund, im Schwed. Bunt. In Boxhorns Glossen wird Winiscat durch foedus übersetzt.

[Bd. 1, Sp. 1255]



 
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Das Bund, des -es, plur. die -e, oder Bünde, Diminut. das Bündchen, Oberdeutsch das Bündlein, (S. auch Bündel,) mehrere zusammen gebundene Dinge. Ein Bund Heu, ein Bund Stroh, ein Bund Reiser, oder Reisholz, ein Bund Schlüssel u. s. f. Siehe auch Gebund. Zuweilen zeigt dieses Wort eine gewisse bestimmte Zahl zusammen gebundener Sachen an. So ist bey den Böttchern ein Bund Reise eine Zahl von fünf bis sechs Stücken, welche auf einem Fasse unmittelbar neben einander zu liegen kommen. Ein Bund Fensterglas ist der zwanzigste Theil einer Kiste und hält sechs Tafeln. In Braunschweig hält ein Bund Garn zwanzig Löpfe, oder 18 bis 20. 000 Haspelfäden. In einigen Gegenden ist es in dieser Bedeutung einer Zahl auch männlichen Geschlechtes. Wenn es in dieser Bedeutung ein Zahlwort vor sich hat, so bleibt es nach dem Muster so vieler anderer im Plural unverändert, sechs Bund Stroh, nicht Bünde.
   Anm. Im Oberdeutschen wird es in dieser ganzen Bedeutung zusammen gebundener Sachen im männlichen Geschlechte gebraucht. Der Bund Stroh, Heu u. s. f. Das ungewisse ist nur den Hochdeutschen eigen, die es von den Niedersachsen angenommen haben. S. auch Bündel. Ein Bund Stroh heißt in Obersachsen und Thüringen auch eine Schütte Stroh, und in Niedersachsen ein Schauf oder Schov Stroh, und wenn es klein ist, eine Klape Stroh.
 
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Die Bundaxt, plur. die -äxte, bey den Zimmerleuten, eine Axt, oder vielmehr ein starkes Eisen in Gestalt eines Winkelhakens mit einer Schneide an dem längern Schenkel, etwas damit glatt abzustoßen; welche mit der Bindaxt nicht zu verwechseln ist, obgleich Bund hier auch von binden und verbinden abzustammen scheinet. Eben daselbst wird die mit der Bundaxt bearbeitete glatte Seite die Bundseite genannt.
 
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Búndbrchig, adj. et adv. der den Bund in figürlicher Bedeutung bricht. Frankreich ist im vorigen Jahrhunderte mehrmahls bundbrüchig geworden. Ein bundbrüchiger Freund. Daher die Bundbrüchigkeit.
 
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Das Bündel, des -s, plur. ut nom. sing. das Diminutivum des Wortes Bund, welches auch im Hochdeutschen üblich ist, ein kleines Bund zusammen gebundener Sachen auszudrucken. Ein Bündel Stroh. Ein Reisebündel, das Reisegeräthe armer Leute, welche zu Fuße reisen. Er trägt sein Bündel, sein Reisebündel, auf dem Rücken. Einem Bündel und Gruß versagen, bey den Handwerkern, seine Abreise durch Aufhaltung des Reisebündels und Vorenthaltung des Abschiedsgrußes hindern. Bey den Weißgärbern ist ein Bündel eine Zahl von 12 Fellen. Ein Bündel gerauften Flachses ist an einigen Orten eine gewisse bestimmte Menge solchen Flachses, welche im Oberdeutschen eine Stauche, im Bremischen ein Both, in Obersachsen und im Oberdeutschen eine Bose, Pose, Büsse, oder ein Büssel, im Franz. Botte, heißt. S. Adelung Busch und Büschel. Ein solches Bündel ist ungefähr eine Hand voll und zwanzig derselben machen eine Steige Flachs. Figürlich wird auch das Gedärme eines Fisches, besonders eines Karpfen, mit dem Rogen oder der Milch das Bündel, an andern Orten aber das Gebütte genannt. Aber da schon im mittlern Lateine Budella, Buella, Budellus und Botellus, im Ital. Budello, und im Franz. Boyau, das Eingeweide überhaupt bedeuten, so stehet es dahin, ob Bündel in dieser Bedeutung nicht noch zu einem andern Stammworte gehöret. S. auch Pudel.
   Anm. Im Angels. lautet dieses Wort Byndel, Byndela, im Engl. Bundle, im Holländ. Bondle, Bundel, bey dem Willeram Gebuntelin, im mittlern Lateine Bundela, Bundella, Bundellus. Im Oberdeutschen ist auch dieses Wort, wider die

[Bd. 1, Sp. 1256]


Natur der Diminutiven, männlichen Geschlechtes, der Bündel. In Niedersachsen bedeutet Bundel, und in Hamburg Bund, auch so viel als eine Windel. Pung, Punge, Pungel sind gleichfalls Niedersächsische, und Bingel, Büngel Oberdeutsche Wörter, ein Bund oder Bündel auszudrucken, aus welchen sie vermuthlich auch entstanden sind, weil die Verwechselung des g und d, besonders nach einem n, nichts seltenes ist. Das Angels. Schwed. und Dän. Bung, Pung, und Punga, Bungellus bey dem du Fresne kommen damit überein.
 
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Die Bundeslade, plur. inus. in den Kirchengebräuchen der ehemahligen Juden, ein Kasten, in welchem die Tafeln des Bundes, oder des Gesetzes aufbehalten wurden; die Lade des Bundes. S. der Bund 2. und Lade.
 
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Der Bundesschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. in den Graubünden, der Schreiber oder Secretarius bey der Versammlung eines Bundes oder mehrerer Bünde. S. der Bund 3.