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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Tactführer (Bd. 4, Sp. 511 bis 513)
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Artikelverweis  T, der zwanzigste Buchstab des Deutschen Alphabetes und der sechzehnte unter den Mitlautern, welcher mit an die Zähne gelegter Zunge und schnell und stark ausgestoßenem Athem ausgesprochen wird, wodurch er sich von dem d unterscheidet, welches mit einem langsamern und gelindern Drucke der Lunge begleitet wird. Um dieses schnellen und starken Druckes willen, ist dieser Buchstab auch der eigentliche Ausdruck ähnlicher hörbarer Veränderungen in der Natur, daher er denn auch sehr schicklich ist, ein Zeichen der Intension abzugeben, besonders in solchen Fällen, wo der ursprüngliche Laut durch ein d oder s ausgedruckt wird. Daher ist das tz, wo es vorkommt, gemeiniglich ein im hohen Grade verstärktes s, ob es gleich auch in manchen Fällen ein durch den härtesten Zischlaut verstärktes d und t ist.
   Da sich die Ober- und Niederdeutschen Mundarten, besonders durch das Harte und Weiche in der Aussprache unterscheiden, so wird dieser Unterschied vorzüglich in den Fällen sichtbar, wo ein und eben derselbe ursprüngliche Laut nach verschiedenen merklichen Stufen der Härte oder Gelindigkeit gesprochen und geschrieben werden kann. Daher hat die weichere und sanftere Niederdeutsche Mundart in den meisten Fällen ein d, wo in der rauhern und härtern, zu lauter Intensionen und harten Nachdrücken geneigten Oberdeutschen das t herrschet. Die Niedersächsischen dadeklik, Dag, Danz, Dapper, daven, Deeg, Dook, delgen, Dütsch, u. s. f. lauten im Hoch- und Oberdeutschen thätlich, Tag, Tanz, tapfer, toben, Teig, Tuch, tilgen, Teutsch. Die Hochdeutsche Mundart, welche in vielen Fällen das Mittel zwischen beyden hält, folgt zwar hier größten Theils der Oberdeutschen, behält aber doch in manchen Fällen das Niederdeutsche d; z. B. Dacht oder Docht, Deich, ein Damm, dichten u. s. f. welche im Oberdeutschen Tocht, Teich, tichten lauten. In vielen Fällen scheinet das so zweydeutige th, seiner ursprünglichen Bestimmung nach, ein Mittellaut zwischen dem weichen Niederdeutschen d und harten Oberdeutschen t zu seyn, wovon an seinem Orte besonders.
   Von dem Übergange des t in s ist bey S. 3 (1) schon etwas gesagt worden. Ein mehreres würde hier zu weit führen.
   Die diesem Buchstaben eigene Härte ist oft ein bequemes Mittel in der Zusammensetzung und Ableitung der Wörter, die unangenehme Weiche zusammen treffender flüssiger Mitlauter zu vermeiden; welches besonders alsdann statt findet, wenn von einem Infinitiv oder einem andern Worte auf -en, ein Wort auf lich und niß gebildet werden soll, wo um des Wohllautes willen gerne ein t eingeschaltet wird; Kenntniß, Erkenntniß, Bekenntniß, kenntlich, eigentlich, wesentlich, öffentlich, nahmentlich, geflissentlich, ordentlich, gelegentlich, wissentlich, wöchentlich, stehentlich, freventlich, hoffentlich u. s. f. wofür man ehedem nur sagte Kennniß, öffentlich, eigentlich u. s. f In manchen Fällen geschiehet dieses auch vor einem Hauch- und Blaselaute; allenthalben, dessentwegen, kenntbar, meinetwegen, deinethalben, um seinet willen u. s. f. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet man noch weiter und schreibt und spricht daselbst zwüschent, nebent, dieselbten, u. s. f. für dieselben, zwischen, neben. Eben so gebraucht man diesen Buchstaben im Französischen in manchen Fällen den Hiatum zu vermeiden; fera-t-il? für fera il? S. auch Antlitz und Ent-
   Von dem th siehe an seinem Orte besonders.

[Bd. 4, Sp. 512]



 
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Tabak, S. Adelung Tobak.
 
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Die Tabélle, plur. die -n, aus dem Lat. Tabella, ein Verzeichniß, wo Individua, oder auch die Arten, Gattungen und Unterarten kürzlich unter oder neben einander gesetzet werden, so wie sie auf einander folgen, oder aus einander fließen. Eine genealogische, chronologische Tabelle. Daher tabellarisch, in Gestalt einer Tabelle.
 
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Das Tabernākel, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. Tabernaculum, in der Römischen Kirche, sowohl eine mit Säulen und Giebeln gezierde Bilderblinde, in Gestalt eines kleinen Altares, Bilder und Heiligthümer dahin zu setzen, als auch das gezierte Behältniß, worin die consecrierte Hostie verwahret wird.
 
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* Die Tabêrne, plur. die -n, aus dem Lat. Taberna, ein noch hin und wieder in Ober- und Nieder-Deutschland übliches, im Hochdeutschen aber unbekanntes Wort, ein öffentliches Wirthshaus, eine Schenke zu bezeichnen; im Oberd. ehedem Tafern, Tefern, Täferey, im Nieders. Taverne, Engl. Tavern. Daher Taverner, ein Gast- oder Schenkwirth. In einigen Oberdeutschen eigenthümlichen Nahmen ist es in Zabern verändert worden; Bergzabern, Tabernae montanae, Elsaßzabern, Tabernac Alsatiae, Rheinzabern, Tabernae Rhenanae.
 
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Das Tabulāt, des -es, plur., die -e, aus dem Lat. Tabulatum, ein noch hin und wieder, besonders in den Klöstern übliches Wort, einen gediehlten Boden, oder mit Bretern belegten Gang zu bezeichnen.
 
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Die Tabulatur, plur. inusit. 1. In der Musik, die Art die Töne an statt der Noten mit Buchstaben und darüber gesetzten Strichen zu bezeichnen. 2. Bey den Meistersängern bezeichnet es den Inbegriff der Regeln und Gesetze, nach welchen sie ihre Gesänge verfertigen und absingen mußten; daher ist im gemeinen Leben nach der Tablatur noch so viel, als nach der Ordnung. Es ist in beyden Fällen ohne Zweifel von einem mittlern Latein. Tabulatura, welches wieder von Tabella abstammet, ungeachtet ersteres bey den Lateinischen Schriftstellern des mittlern Zeitalters noch nicht gefunden worden.
 
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Das Tabulēt, des -es, plur. die -e, ein aus leichten Brettern gemachter Kasten oder ein ähnliches Behältniß, worin gewisse herum wandernde Krämer ihre Waaren am Halse hängen haben. Daher ein Tabulet-Krämer, ein herum wandernder Krämer, welcher seine Waaren auf solche Art mit sich herum trägt, Franz. Col-porteur, von Col, der Hals. Es ist aus dem mittlern Lat. Tabuleta, welches einen kleinen Tisch bedeutet, vermuthlich, weil sie ihre Waaren oft auf einem solchen kleinen Tische vor sich hangen haben. Er heißt Reffträger, wenn er sie in einem Reffe, auf den Rücken herum träget.
 
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Der Tact, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Tactus, in der Musik und Tanzkunst. 1. Die gehörige und bestimmte Dauer eines jeden Tones und einer jeden Geberde, als ein Abstractum und ohne Plural; das Tonmaß. Nach dem Tacte singen, tanzen. Den Tact schlagen oder führen, diese Dauer mit der Hand bezeichnen, von welcher Bewegung der Hand eben die Benennung hergenommen ist. Tact halten, diese Dauer beobachten. 2. Besonders die bestimmte Dauer derjenigen Noten, welche auf dem Papiere zwischen zwey Strichen eingeschlossen sind,

[Bd. 4, Sp. 513]


und diese Noten selbst. Ein Tact, zwey Tacte, drey Tacte. Ein ganzer, halber Tact, ein Dreyviertel-Tact und so ferner. 3. Diejenige Note, welche einen ganzen Tact bezeichnet, die ganze Tact-Note.
 
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Tactfêst, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, den Tact oder das Tonmaß gehörig zu beobachten, und darin gegründet. Daher die Tactfestigkeit.
 
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Der Tactführer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher bey großen Musiken den Tact führet, d. i. das Tonmaß durch Aufhebung und Niederschlagung der Hand anzeiget.