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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Pacht-Contract (Bd. 3, Sp. 631 bis 634)
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Artikelverweis  P, der sechzehnte Buchstab des Deutschen Alphabetes, der zwölfte unter den Mitlautern, und der vierte unter den Lippenbuchstaben, welcher entstehet, wenn die fest geschlossenen Lippen mit Ausstoßung des Hauches geöffnet werden, da er denn einen härtern Laut gewähret, als das weichere verwandte b und noch gelindere w hat. Ist dieses p mit einem merklichen Blasen begleitet, so entstehet daraus das pf, davon an seinem Orte. Da die mit einerley Sprachwerkzeugen ausgesprochenen Buchstaben in allen Sprachen und Mundarten sehr leicht in einander übergehen, so widerfähret solches auch den Lippenbuchstaben. Beyspiele sind schon bey b, f und m gegeben. Das letzte wechselt besonders gern mit dem p ab. So sagt man so wohl Mandore als Pandore, pantschen als mantschen. Im Englischen lautet der verkürzte Nahme Maria im gemeinen Leben eben so oft Mall und Moll, als Pall und Poll. Aber nicht leicht werden zwey Buchstaben häufiger mit einander verwechselt, als b und p, welches selbst in einer und eben derselben Mundart allerley Ungleichheiten verursacht. Besonders lieben die Sächsischen Mundarten das weiche b, und die Oberdeutschen Mundarten das harte p; ja unter den letztern findet man ganze Provinzen, welche kein Anfangs B haben, sondern statt dessen alle Mahl ein P hören lassen, Paum, Piern, (Birn,) pey, Pruder; so wie Ihre alle mit einem P im Schwedischen sich anfangenden Wörter für ausländisch hält, weil die ältern Schweden kein Anfangs P kannten. Ja auch im Hochdeutschen ist man oft unschlüssig, ob man bicken oder picken, Buckel oder Puckel, Budel oder Pudel, Betze oder Petze u. s. f. schreiben und sprechen soll. Ich will ihm schon ein P vorschreiben, d. i. ich will es ihm schon verbiethen oder verwehren, ist eine im Niedersächsischen sehr gewöhnliche Redensart. Man leitet sie gemeiniglich von dem Anfangsbuchstaben der Lat. prohibere oder Poena her, zumahl da man in den Gerichten gemeiniglich bey Pön zu verbiethen pflegt.
 
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Paar, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Gleich, im arithmetischen Verstande. Eine paare Zahl, welche sich mit 2 gerade auf dividiren läßt, im Gegensatze einer unpaaren. Am häufigsten als ein Nebenwort. Paar oder unpaar spielen, ein gewöhnliches Spiel der Kinder. 2) Zu dem andern gehörend, mit demselben ein Paar ausmachend; doch nur im Oberdeutschen und am häufigsten als ein Nebenwort. Diese Handschuhe sind nicht paar, gehören nicht zusammen. Es kommt mit dem Latein. par genau überein, S. das folgende.
 
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Das Paar, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pärchen, Oberd. Pärlein. 1) Zwey zusammen gehörige Dinge Einer Art, es mag nun die Natur der Sache alle Mahl zwey solcher Dinge erfordern, oder es mag auch diese Verbindung willkührlich seyn. Ein Paar gesunde Augen haben. Ein Paar Schuhe, weil man deren alle Mahl zwey gebraucht. Drey Paar Stiefeln. Ein Paar Ochsen, welche zusammen gehören. Zwey Paar Kutschpferde. Paar und Paar gehen, immer zwey und zwey in Einer Reihe, paarweise. Sie näherten sich Paar bey Paar, Geßn. paarweise. Zu Paaren kommen, paarweise, ist ungewöhnlich, obgleich Gellert an einem Orte singt:
   Ihr Kinder, kommt ihr gar zu Paaren? Andere gebrauchen dafür bey Paaren, welches üblicher ist, besonders in der Dichtkunst. Da kommen sie bey Paaren, paarweise.

[Bd. 3, Sp. 632]


Von dem reinen Vieh gingen zu ihm in den Kasten bey Paaren, je ein Männlein und ein Fräulein, 1 Mos. 7, 8. f. Zu Paaren treiben, ausschweifende Leute in Ordnung bringen, und in weiterer Bedeutung, überwinden, überwältigen; eigentlich die getrennten Paare einer Prozession durch Gewalt wieder herstellen, ohne Ordnung gehende Leute zwingen, paarweise zu gehen, wofür man auch wohl sagt, zu Chore treiben. Mit einer Sache in einem gleichen Paare gehen, ihr gleich seyn, ingleichen mit ihr einerley Veränderungen haben, ist eine Figur, welche wenig gebraucht wird.
   Die Dehmuth ging mit ihr in einem gleichen Paare,
   Günther. In engerer Bedeutung ist ein Paar ein Ehepaar, der Mann mit seiner Gattinn. Das Durchlauchtigste Paar, von fürstlichen Personen. Ein Paar werden, einander heirathen; wofür man auch wohl im Diminutivo sagt, ein Pärchen werden. Ich möchte gern, daß sie ein Paar würden, Gell. Wenn dieses Wort ein Zahlwort vor sich hat, so bleibt es nach dem Muster so vieler andern Wörter, welche ein Maß, ein Gewicht, eine Zahl bedeuten, im Plural unverändert. Sechs Paar Tauben, nicht Paare. Oft wird ein Paar auch adverbisch gebraucht, da es denn unverändert bleibt und sich der folgenden adverbischen Bedeutung nähert. Machen sie sich nicht zum Märtyrer von ein Paar schönen Augen, Gell. für, von einem Paare.
   2. Sehr häufig wird der Ausdruck ein Paar, besonders im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, für wenig, ingleichen für einige, gebraucht, da er denn adverbisch stehet, folglich nicht verändert wird, und das Hauptwort im Plural nach sich hat. Ein paar Tage, d. i. wenig Tage. Es verlieret alsdann den Ton und wirft ihn auf das folgende Substantiv; gemeiniglich wird es alsdann auch mit einem kleinen p geschrieben, um dessen adverbischen Gebrauch von der ersten mehr substantiven Bedeutung zu unterscheiden. Ein paar Thaler, ein paar Äpfel, ein paar Leute oder Personen. Nicht viel, nur ein paar. Es soll mir auf ein paar Versprechungen nicht ankommen, auf einige. Ich habe ein paar Worte mit ihnen zu reden, einige oder wenig Worte. Vor ein paar Augenblicken habe ich ihn noch gesehen, nicht vor einem paar, oder vor einem Paare. Sie hat ihn ja vor ein paar Stunden angestanden, Gell. vor wenig Stunden. Ich will selber ein paar Zeilen an ihn schreiben, ebend.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Paar, im Engl. Pair, im Franz. Paire, im Ital. Paro, Pajo, im Schwed. und Wallis. Par, im Böhm. gleichfalls Par. Da dieses Wort in so vielen Sprachen angetroffen wird, so ist es nicht wahrscheinlich, daß es unmittelbar aus dem Latein. Par entlehnet worden, wohl aber, daß es ein Seitenverwandter von demselben ist, und mit ihm aus einer gemeinschaftlichen ältern Sprache herstammet. Indessen kommt es doch bey unsern ältern Oberdeutschen Schriftstellern nicht vor. Ein Paar Turteltauben heißen im Tatian zua gimachun turtilutubun, wo Gimachun unser Gemahl in seiner ältesten weitesten Bedeutung ist. Spätere Schriftsteller gebrauchen dafür Genoß, Genössel. Dieses Wort ist von der ersten Bildung unserer heutigen Orthographie an mit einem gedoppelten a geschrieben worden, nicht nur die Dehnung zu bezeichnen, welche durch den

[Bd. 3, Sp. 633]


einfachen Consonanten am Ende schon hinlänglich gesichert wäre, sondern wahrscheinlich, dem Worte als einem Substantive mehr Umfang im Außern zu geben. Man sehe darüber meine Orthographie. S. 281. Indessen könnte es seyn, daß man gerade bey diesem Worte auf das Lat. par Rücksicht genommen, welches geschärft gesprochen wird, da man denn durch die Verdoppelung des Vocales vor der Schärfung hat warnen wollen.
 
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Paaren, verb. reg. act. zwey Dinge, welche beysammen bleiben sollen, mit einander verbinden; wo es doch nur in dem Falle gebraucht wird, wenn man Dinge, welche man nicht anders als paarweise verkaufen will, mit einander verbindet. Ingleichen die zu einem Paare gehörigen zwey Stücke aussuchen und zu Einem Paare verbinden. Die Handschuhe paaren. Die Markscheider paaren zwey Züge, wenn sie einen Grubenzug, so wie er in der Grube gemessen worden, wirklich abstecken; wo doch das Wort aus einer andern Quelle herzustammen scheinet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist sich paaren, von zwey lebendigen Geschöpfen verschiedenen Geschlechtes, sich zu einem Paare verbinden, und in engerer Bedeutung sich zur Fortpflanzung vermischen, sich begatten; eigentlich von Thieren, besonders von Vögeln, wenn sich ein Männchen und ein Weibchen zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes zusammen begeben, ingleichen wenn sie sich wirklich begatten. Von Menschen gebraucht man es nur im Scherze.
   Der Masken Scherz, wo Mummerey und List
   Verliebte paart, Gepaarten günstig ist,
   Haged.
   Flavia will nichts gestatten
   Was den Schein des Paarens hat,
   ebend. So auch die Paarung und das Paaren. S. Paar.
 
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Paarweise, adv. in Paaren, je zwey und zwey. Paarweise gehen, verkaufen.
 
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Pabst, S. Adelung Papst.
 
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Der Pacht, des -es, plur. die Pächte. 1) * Ein jeder Vertrag, oder Contract; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gangbar ist, und wofür man im gemeinen Leben der Hochdeutschen in manchen Fällen noch Pact saget, S. dieses Wort. Einen Pacht mit den Satan machen. Den Pacht halten, erneuern, aufheben, den Vertrag, Contract. Es ist in dieser Bedeutung unstreitig aus dem Latein. Pactum entlehnet. Da die älteste Art Gesetze zu machen in einem verabredeten Vertrage zwischen dem Landesherren und seinen Unterthanen bestand, so wurde ein Gesetz in den ältesten Zeiten sehr häufig Pactum genannt, wovon in des Du Fresne Glossario Stellen genug vorkommen. Nach diesem Vorgange nannte man im 13ten und den folgenden Jahrhunderten auch im Deutschen ein Gesetz den oder die Pacht, oder mit der blasenden Aussprache einiger Provinzen, der oder die Pfacht, bey dem Stryker die Phacht, womit denn zuweilen auch das göttliche Gesetz bezeichnet wurde. 2) In engerer Bedeutung, ein Vertrag, in welchem man die Nutzung einer Sache einem andern gegen einen Theil des Ertrages, oder auch gegen eine bestimmte Geldsumme überlässet, in denjenigen Fällen, in welchen das Zeitwort pachten üblich ist; der Pacht-Contract. Ingleichen der Genuß der Nutzung vermöge und Kraft eines solchen Vertrages. Der Pacht der Zölle, der Einkünfte, der Accise, des Zehenten, der Jagd, der Fischerey, der Schenknahrung an einem Orte, der Kühe auf einem Landgute, einer Schäferey u. s. f. Etwas in Pacht nehmen, es pachten. Einem etwas in Pacht geben, im gemeinen Leben, es in Pacht austhun, es verpachten. Etwas in Pacht haben, den Ertrag einer Sache gegen eine bestimmte Vergütung genießen. Der Erbpacht, der erbliche Besitz und Genuß der Nutzungen gegen ein bestimmtes Pachtgeld; zum Unterschiede von einem Zeitpachte, welcher am häufigsten unter dem Pachte schlechthin verstanden

[Bd. 3, Sp. 634]


wird. Der eiserne Pacht, ein Pacht auf eine lange Zeit. Einen Pacht antreten. Aus dem Pachte gehen. In der engsten Bedeutung ist der Pacht der Genuß des Ertrages eines Landgutes oder eines Stückes der Erdfläche gegen eine jährliche verhältnißmäßige Geldsumme. Ein Gut in Pacht haben. Der Pacht eines Ackers, eines Gartens. S. Pachten. 3) Figürlich wird auch das Pachtgeld sehr häufig nur der Pacht genannt. Das Gut gibt hundert Thaler Pacht, trägt dem Besitzer so viel Pachtgeld ein. Den Pacht bezahlen. Mehr Pacht biethen. Viel, wenig Pacht geben. Den Pacht schuldig bleiben.
   Anm. Der Plural ist in der zweyten Bedeutung von mehrern Arten des Pachtes am üblichsten, so wie er in der dritten nur von mehrern Summen Statt findet. Der Pacht in der zweyten Bedeutung heißt im mittlern Lat. Pactum, Apactus, Appaltus, Affictus, Fictum, Fictus, im Ital. Appalto, Fitto, Affitto. Wäre es nicht überwiegend wahrscheinlich, daß es von Pactum entlehnet worden, so würde das mittlere Lat. pacare, zahlen, bezahlen, Ital. pagare, Franz. payer, von welchem Paagium, Pacagium, Pedagium, Franz. Peage, ehedem auch einen Tribut, eine Steuer bedeutete, ein bequemes Stammwort abgeben. Im Deutschen scheinet es jüngern Ursprunges zu seyn, wenigstens kommt es in der ersten Bedeutung eines Gesetzes am frühesten vor. In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist es weiblichen Geschlechtes, die Pacht, dagegen die Hoch- und Oberdeutschen es beständig im männlichen gebrauchen, welches auch dem Lat. Pactum gemäßer ist. In einigen Oberdeutschen Provinzen lautet dieses Wort Pfacht. Übrigens ist statt desselben im Oberdeutschen auch Bestand, und in einigen, besonders Niederdeutschen, Gegenden auch Arrende üblich, aus dem Franz. Arrende. S. Adelung Pachten.
 
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Der Pachtanschlag, des -es, plur. die -schläge, der Anschlag, oder die Schätzung des jährlichen Ertrages eines Dinges, welches verpachtet werden soll; zum Unterschiede von dem Kaufanschlage.
 
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Der Pachtbauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bauer, welcher ein Bauergut in Pacht hat. Ingleichen, ein Bauer, so fern er ein anderes Grundstück in Pacht hat, besonders im Gegensatze des Verpachters. Jemandes Pachtbauer seyn müssen, sich von ihm allerley Lasten und Beschwerden müssen aufbürden lassen. Im Nieders. lautet das Wort in dieser Redensart Packbuur, Packbauer; daher unser Hochdeutsches entweder auch von packen abstammet, oder die Niedersachsen, bey welchen das Wort Pacht nicht so gewöhnlich ist, dasselbe von den Oberdeutschen entlehnet haben müssen.
 
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Der Pachtbrief, des -es, plur. die -e, der Brief, d. i. die Urkunde, über einen geschlossenen Pacht, der schriftliche Pacht-Contract.
 
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Der Pacht-Contract, des -es, plur. die -e, der Contract oder Vertrag über die Nutzung einer Sache gegen eine gewisse jährliche Geldsumme; der Pacht, der Pachtvertrag. Ingleichen der schriftliche Aufsatz desselben; der Pachtbrief.