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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Obenein (Bd. 3, Sp. 551 bis 556)
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Artikelverweis  O, der funfzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes, und der vierte unter den Selbstlautern, welcher mit einer runden Öffnung des Mundes ausgesprochen wird. Es hat im Hochdeutschen nur einen einzigen Laut, welcher aber bald gedehnt ist, wie in Tod, roth, schon, bald geschärft, wie in Post, Sonne, Stock. In den Mundarten aber gehet es fast in alle andere Selbstlauter, das i ausgenommen, und oft in die widrigsten Doppellauter über. Saun für Sohn, Pust für Post, grauß, groaß, gruß, für groß u. s. f. So wie in eben diesen Mundarten andere Selbstlauter in diesen übergehen. Die Doppellauter oi und ou finden sich, außer einigen eigenthümlichen Nahmen, nur noch in den gemeinen gröbern Mundarten. Für auch spricht der Schweizer ouch, für Eimer Oimer, und statt Voigt schreibt und spricht man im Hochdeutschen beständig Vogt.
   Ehedem druckte man das gedehnte o oft durch ein angehängtes e aus, welche Schreibart sich noch in einigen eigenthümlichen Nahmen erhalten hat. So schreibt man Soest und Coesfeld, und spricht Sooft und Coosfeld. In den neuern Zeiten fing man an, in einigen Wörtern das gedehnte o mit einem oo zu schreiben, und dieses Zeichen des gedehnten Selbstlauters gar für einen Doppellaut auszugeben, welches es doch auf keine Weise seyn kann, S. Aa. So wollte Gottsched Boot, und Room (besser Rahm, denn Room ist Niederdeutsch) zum Unterschiede von der Stadt Rom, geschrieben wissen. Allein die Verdoppelung der Selbstlauter ist unter allen möglichen das unschicklichste Zeichen der Dehnung, und die seltsame Neuerung, verschiedene gleichlautende Wörter auch durch die Schreibart zu unterscheiden, hat zu wenig Beyfall gefunden, als daß man noch Rücksicht darauf nehmen könnte, zumahl da sie sich unter hundert Fällen kaum in Einem anwenden lässet. Von dem h, so fern es gleichfalls das Zeichen eines gedehnten o ist, S. H.
   Ein sehr nahe mit o verwandter Selbstlaut ist das ö, welches eben so wohl bald gedehnt bald geschärft ist, und daher von den meisten Sprachlehrern irrig für einen Doppellaut gehalten worden, da es doch vielmehr ein eigener Selbstlaut ist, welchen man nur aus Armuth an Schriftzeichen durch ein oe, eo, oder ö ausdruckt, S. Adelung Ä. In der Ableitung und Beugung der Wörter pflegt das o gern in diesen Selbstlaut überzugehen. Groß, größer, Größe; Tod, tödten, tödtlich; Ochs, Öchschen; Wort wörtlich, Wörter; roth, Röthel, röthlich, röthen, u. s. f. Regeln lassen sich davon nicht geben, sondern der Gebrauch entscheidet hier alles.
   Das o druckt vermöge seiner Natur etwas Großes, Hohes, Erhabenes, Weites aus, und ist der natürliche Ausdruck der staunenden Verwunderung. S. den folgenden Empfindungslaut. Man findet es daher gemeiniglich in denjenigen Wörtern, welche diese Eigenschaft bezeichnen; groß, grob, hoch, Ochs, empor, ori, u. s. f. obgleich durch die Länge der Zeit, durch die natürliche Unbeständigkeit der Menschen, und durch das Eigenthümliche der Mundarten, dieses ursprüngliche o in vielen Wörtern in andere verwandte Selbstlauter übergegangen ist. Indessen haben wir doch noch Wörter, wo die verschiedenen Vocale zugleich die Verschiedenheit der Größe ausdrucken. Stock, Stecken und die Nieders. Stake und Sticken sind alle in der Größe verschieden, wie Kloß

[Bd. 3, Sp. 552]


und Klößchen, das Schwed. Not, ein großes Netz, und Nätt, ein kleines Netz, und andere mehr. S. J den Selbstlaut.
   In den nördlichen Mundarten ist das o zu Anfange der Wörter oft aus unserm un entstanden, wo es sich denn dem a privativo der Griechen nähert. Im Schwed. ist otrogen ungetreu, osinaklig unschmackhaft, abgeschmackt, Ofall Unfall, Osoid ein schädliches Thier, u. s. f. Hingegen ist es im Schwedischen auch eine intensive Partikel; omycken, sehr stumm. Im Deutschen wird es manchen Wörtern, welche sich auf ein r endigen, oft müßig angehängt; dero, ihro, nunmehro, dahero u. s. f. wo es aber die reinere Hochdeutsche Mundart, einige wenige Fälle ausgenommen, wieder weggeworfen hat. S. Adelung Dero.
 
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1. O! ein Zwischenwort, welches sehr lang ausgesprochen wird, und ein Zeichen des Stillehaltens ist. So ruft man den Pferden vor dem Wagen, wenn sie stille stehen sollen, zu: O! wo man es auch wohl Oh zu schreiben, und im Sprechen auch wohl mit dem ha zu verlängern pflegt, oha! Das o, wenn es in einigen Sprachen den Vocativis vorgesetzet wird, jemanden zu rufen, scheinet gleichfalls hierher zu gehören. S. He 2. Im Deutschen ruft man mit diesem Selbstlaute gewöhnlich nicht, denn wenn er den Vocativis mit Heftigkeit, oder mit einer Gemüthsbewegung vorgesetzet wird, da ist er eigentlich die folgende Interjection.
 
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2. O! ein Empfindungslaut, welcher der natürliche Ausdruck zunächst der Verwunderung, hernach aber auch fast aller lebhaften Gemüthsbewegungen mit allen ihren Schattirungen und Unterarten ist. 1) Der Verwunderung, so wohl der Verwunderung überhaupt. O, wie groß das ist! O, welch eine Tiefe! O, das ist zu viel! Als der fröhlichen, angenehmen Verwunderung. O, welch ein Glück! O, wie schön! O, der Entzückung! Weiße. O, was ist der Umgang mit großen Herzen für eine Wollust! Gell. Als auch der unangenehmen. O, welch ein Schmerz! O, welche Schande! O, Himmel! O, der Schande. 2) Einer jeden angenehmen Empfindung, nach allen Graden ihrer Stärke. O, wie mir das Herz schlägt!
   O Anblick, der mich fröhlich macht,
   Mein Weinstock reift und Doris lacht,
   Haged.
   Gegrüßet seyst du edles Licht,
   O Sonne!
   Weiße.
   Vergönne doch auch der süßen Cythere
   Den Zutritt, und, o! dem freundlichen Amor,
   Raml. wo das o! den freundlichen Amor mit Bewunderung gleichsam ankündiget. 3) Einer jeden unangenehmen Empfindung von der Verzweifelung, der auffahrenden Wuth an, bis zum kältern Hohne, und dem gelassenern Unwillen. O, du Ungeheuer! O, ihr Thoren und träges Herzens! Luc. 24, 25. O, du Kind des Teufels! Apostelg. 13, 10. O, welche Noth! O, der großen Noth! O, ich Elender! O, mich Unglücklichen! O, der kurzen Freude! Weiße. O, über den insamen Kalender, daß ein solcher Tag darinnen steht! Weiße. O, des klugen Mannes! ironisch. O, ich habe es wohl ehe gesehen, daß du hast gehen wollen! Gell. 4) Des Wunsches, des Mitleidens, der Sehnsucht. O, daß ich dieser Hoffnung gewiß wäre! O, daß ihr weise wäret! O, wenn er doch käme!
   Du blutest armes Thierchen, du,
   O, bissest du nicht an!
   Weiße. 5) Ja fast einer jeden veränderten Gemüthsstellung, besonders in der vertraulichen Sprechart. O, gehen sie doch noch nicht! O, sieh doch mir erst ins Gesicht! Weiße. O, warum sagen sie es denn laut? Da es denn im gemeinen Leben, oft müßig ohne alle Gemüthsbewegung gebraucht wird. O ja, o nein, für das einfache ja und nein.
   Anm. Dieser Empfindungslaut bindet sich so wie die Leidenschaft selbst, deren Dolmetscher er ist, an keine bestimmte Wortfügung. Man findet ihn so wie ach mit allen Endungen, ohne daß man eben sagen könne, daß er diese Endungen regiere, S. 2 Ach, Anm. 2. Im gemeinen Leben verstärkt man ihn bey schwächern Gemüthsbewegungen oft mit dem ho. Oho, finde ich dich da?
   Diese Interjection lautet mit wenigen in allen Fällen üblichen Veränderungen fast in allen Sprachen O! Oh! Das Hebräische 05d0#05d9, das Griech. οι, das Latein. Eheu! und unser ach, ah, ha sind genau damit verwandt, oder sind vielmehr nur verschiedene Aussprachen eines und eben desselben Lautes. Ach ist wegen des Hauchlautes im Oberdeutschen, besonders in den Ausdrücken des Schmerzens, der Wehmuth, der Klage üblicher, so wie die Niederdeutschen, und die Hochdeutschen in der vertraulichen Sprechart, o häufiger gebrauchen, welches doch in allen Mundarten der Verwunderung vorzüglich eigen ist; so wie es bey der sanften, angenehmen, schmeichelnden Bewunderung gern in das ey! Übergehet, welches wegen des kleinern Lautes ei schon eine Verkleinerung bezeichnet, S. Adelung I den Selbstlaut. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es oft mit dem vorgesetzten Zischlaute vor. So we dir werlt! o, weh dir Welt! So helfe berndes trostes! o, des hülfreichen Trostes! S. Ach.
 
Artikelverweis 
1. * Ob, eine im Hochdeutschen veraltete Partikel, welche noch im Oberdeutschen üblich ist, wo sie dem nied (S. Adelung Nieden) entgegen gesetzet ist, und in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Nebenwort des Ortes, für das Hochdeutsche oben, S. dieses Wort. Besonders in den Zusammensetzungen obbesagt, obbemeldt, obgemeldt, obberührt, oberwähnt, obgedacht, obgenannt, obgeschrieben, oberzählt, obangezogen u. s. f. welche auch in den Hochdeutschen Kanzelleyen nicht selten sind, und wofür man in der reinern Schreibart oben gedacht, oben gemeldet, oben genannt u. s. f. gebraucht. S. auch Obig. 2) Als ein Vorwort, welches die dritte Endung erfordert, und eigentlich über, figürlich aber auch wegen, an, während u. s. f. bedeutet, in welcher Gestalt es auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Ob dem Haupte schweben, über. Meine Hand soll ob dir halten, über dir, 2 Mos. 32, 22. Darum daß ich ob dem Guten halte, Ps. 38, 21. Halte ob dem Wort, Tik. 1, 9. Daß ihr ob dem Glauben kämpfet, Epist. Jud. 3, für den Glauben oder wegen desselben. Ob dem Mahle, Macc. 16, 16, während der Mahlzeit. Du schiltest ob der stolzen Leute Schaar, Opitz. Gott halt ob ihnen Hand, ebend. Ob denen wird des Herren Güte schweben, ebend. Österreich ob der Ens, über, jenseit der Ens. Rothenburg ob der Tauber, an der Tauber. Wir haben ob Ew. Schreiben vernommen, aus. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Vorwort noch zuweilen in der komischen Schreibart. Ihm graute ob einem solchen Wundersmann. Dahin gehören auch die Zusammensetzungen darob, darüber, hierob, hierüber, Obacht, Obdach, Obhut, Obhanden, Obmann, Obsicht, Obstatt, obliegen, obsiegen u. s. f. welche im Oberdeutschen am üblichsten sind, wenigstens aus dieser Mundart herstammen, ob sie gleich zuweilen auch im Hochdeutschen vorkommen.
   Anm. Diese alte Partikel lautet schon bey dem Kero und Ottfried oba. Sie ist das Stammwort von unserm oben, oder und über, und ist mit auf, Nieders. up, genau verwandt; S. diese

[Bd. 3, Sp. 554]


Wörter. Auf eben diese Art stammen von dem Oberdeutschen nied die Hochdeutschen nieden und nieder her.
 
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2. Ob, ein Bindewort, welches überhaupt einen Zweifel, eine Ungewißheit begleitet, und in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist.
   1. Einen eigentlichen Zweifel, eine eigentliche Ungewißheit zu begleiten, wo es alle Mahl im Nachsatze stehet, und solche Zeitwörter vor sich hat, auf welche sich die Ungewißheit beziehet. Frage ihn, ob er es gesehen hat. Frage erst, ob er da ist. Siehe zu, ob er es ist. Daß ich sehe, ob sie noch leben, 2 Mos. 4, 18. Ich frage dich, ob du gehen willst. Es fragt sich, ob es noch Zeit ist. Wo das es sehr häufig mit dem ob zusammen gezogen wird. Wer weiß obs wahr ist. Ich weiß nicht, ob ichs thue. Wer weiß auch ob ich ihm gefalle.
   Laß sehn, spricht Galathe, obs auch die meine sey,
   Gell. Es kommt darauf an, ob er auch will.
   Man siehet schon aus diesen Beyspielen, daß ob nicht schlechterdings den Conjunctiv erfordert. In dem Gellertschen Beyspiele Laß sehn u. s. f. könnte auch der Indicativ stehen, obs auch die meine ist. Wird aber die Frage erzählet, so ist der Conjunctiv unentbehrlich. Man fragte ihn, ob er sich wohl befunden habe. Der auch in einigen andern Fällen nöthig ist, wenn das Ungewisse der Rede ihn erfordert. Sie mögen aus meiner Bestürzung schließen, ob mir ihr Antrag gleichgültig gewesen sey, Gell.
   Wenn nach der ungewissen Sache ihr Gegensatz mit beygefüget wird, so bekommt derselbe das oder vor sich. Bis er erkennete, ob der Herr zu seiner Reise Gnade gegeben hätte, oder nicht, 1 Mos. 24, 21. Der Priester soll es schätzen, obs gut oder böse sey, 3 Mos. 27, 12. Ich weiß nicht, ob ich es thue oder nicht. Man konnte lange nicht erfahren, ob er gesund oder krank sey. Die ungewissen Subjecte in dem Nachsatze leiden in der vertraulichen Sprechart auch eine Ellipse des Zeitwortes. Ja ich weiß nicht, welche sie meinen, ob die erste oder die letzte, Gell. d. i. ob sie die erste oder die letzte meinen. Ich weiß nicht, wem ich glauben soll, ob dem Magister, oder Lottchen, ebend.
   Bey den Dichtern wird statt des oder auch wohl das ob wiederhohlet.
   Kurz er blieb ungewiß, wo er mehr Ansehn hätte,
   Ob in dem Feld, ob in dem Cabinette,
   Gell. Im Nieders. ist diese Wortfügung sehr üblich. Ich weiß nicht, ob ich warte, ob nicht. Allein, da wird of, oft und ofte auch für oder überhaupt, ingleichen für entweder gebraucht. Ob dieß, ob das, entweder dieß, oder das.
   In der vertraulichen Sprechart dienet ob sehr oft auch ohne ein vorher gehendes Zeitwort eine Muthmaßung zu begleiten. Ob ich etwa gar krank werde? Gell. In andern Fällen ist die Auslassung des vorher gehenden Zeitwortes merklicher. Lassen sie uns gehen, ob wir die Sache sehen oder nicht, d. i. es ist nichts daran gelegen. Ob wir ihr kaltsinniges Gespräch von der Freundschaft hören oder nicht, Gell.
   Ehedem war es sehr üblich, ob vielleicht, oder nur ob allein für vielleicht daß zu setzen. Schreye zu deinem Gott, ob vielleicht Gott an uns gedenken wollte, Jon: 1, 6. Laßt uns Buße thun, ob Gott uns möchte gnädig seyn. In der reinern Schreibart der Hochdeutschen ist dieser Gebrauch veraltet.
   2) Einen möglichen aber doch noch ungewissen, oder wenigstens noch künftigen Fall, wo es bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern sehr häufig für das wenn überhaupt vorkommt. Vbe si daz ne tuont, wenn sie das nicht thun, Notker. Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher, 1 Joh. 2, 1. Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig, 1 Pet. 3, 14. Im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch, den folgenden

[Bd. 3, Sp. 555]


Fall ausgenommen, veraltet, daher Ramler ihn wenigstens für die Dichtung, wieder einzuführen gesucht:
   Und ob er auch diesen Triumph verlenkt
   So singe du doch u. s. f. Und an einem andern Orte:
   Ob alle Reisigen aus euren Vesten,
   Ob eine neue Helene
   Euch alle Prinzen aus Lutetiens Palästen
   Zu Feldherrn sendete; d. i. wenn auch.
   Das Nieders. oft, ofte, das alte Oberdeutsche oba, ibu das Angels. gif, und Engl. if, bedeuten gleichfalls wenn.
   Wir gebrauchen es in der Bedeutung des wenn nur noch in einem doppelten Falle. 1) In den zusammen gesetzten Bindewörtern obgleich, obschon und obwohl, S. diese Wörter. 2) Nach dem als, eben als, gleich als, eine Ähnlichkeit zu bezeichnen, wo alle Mahl der Conjunctiv folgen muß. Es ist mir, als ob ich zu Rom wäre. Es siehet aus, als ob es regnen wollte. Gerade, als ob heute ein Festtag wäre. Ich will thun, als ob ich es gesehen hätte. Ich muß also thun, als ob ich gar nichts wüßte, Gell. Aber warum sehen sie mich so ängstlich an, als ob sie mich bedauerten? Gell. Wenn sie es erzählen, so wird mirs so neu klingen, als ob ichs selbst noch nicht wüßte, ebend. Als obs eine Schande wäre, zu nehmen, was man uns gibt, Weiße.
   Anm. Bey dem Ulphilas jabai, jau, gau, im Isidor und bey dem Kero ibu, in dem alten Gesetze der Könige Ludwigs und Lothars aus der ersten Hälfte des 9ten Jahrhundertes avo, bey dem Ottfried oba, bey dem Willeram obe, avo, im Nieders. of, oft, ofte, im Isländ. ef, im Dän. em, im Lat. an. Im Schwed. ist noch If als ein Hauptwort für Zweifel, und jefwa als ein Zeitwort für zweifeln, muthmaßen, üblich. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt oba auch für daß und ach daß vor.
 
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* Die Obacht, plur. car. ein nur in den gemeinen Sprecharten für Achtung, Aufsicht, übliches Wort; von dem Oberdeutschen Vorworte ob, auf, über, und Acht. Etwas in Obacht nehmen, in Acht, ingleichen es wahrnehmen. Obacht auf etwas geben, Achtung geben, aufmerken. Der göttlichen Obacht empfehlen, Aufsicht, Obhuth. Unser beobachten stammet noch davon her, S. dasselbe, ingleichen 1 Ob.
 
Artikelverweis 
Obbemeldet, Obbenannt, Obberührt, Obbesagt, S. 1 Ob.
 
Artikelverweis 
Das Óbdách, des -es, plur. die -dcher, eigentlich ein Dach über etwas. Figürlich wird es im Oberdeutschen häufig für einen bedeckten Ort, ingleichen für einen bedeckten Aufenthalt, eine Herberge gebraucht, in welcher Bedeutung es auch wohl in der edlern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Schon Hornegk gebraucht es für Herberge. Jemanden Obdach geben, Herberge. Etwas unter Obdach bringen, an einen bedeckten Ort; Nieders. ein Schauer.
   Mit Schweiße bedecket
   Eilen die heißen Gespanne mit Brausen unter das Obdach,
   Zachar. S. 1 Ob.
 
Artikelverweis Der
Obelísk, des -en, plur. die -en, ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, eine hohe viereckige Pyramide mit einer kleinen Grundfläche zu bezeichnen. Weil sie gemeiniglich zur Pracht errichtet werden, so hat man dieses Wort durch Prachtkegel zu geben versucht. Opitz gebraucht dafür Spitzstein. Spitzsäule ist schicklicher, nur daß es auch von Pyramiden gebraucht wird.
 
Artikelverweis 
Oben, ein Nebenwort des Ortes, der Höhe nach, mehr von der Oberfläche der Erde, oder von ihrem Mittelpuncte entfernet, im

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Gegensatze des unten und nieden, ingleichen auf der Oberfläche, d. i. der von dem Mittelpuncte der Erde am weitesten entfernten Fläche eines Dinges. 1. Eigentlich. Oben schwimmen, auf der Oberfläche des Wassers. Gemeiniglich kommen noch Vorwörter dazu, welche diesen sonst unbestimmten Begriff näher bestimmen. Oben auf dem Berge. Oben im Sacke, 1 Mos. 42, 27. Oben im Hause, wofür man auch nur schlechthin oben sagt. Oben wohnen, oben im Hause. Oben im Himmel. Von oben an bis unten aus. Bis oben an füllen. Oben drauf stehen, legen, setzen, stellen. Wir kommen von oben her. Etwas oben abschneiden. Von oben herab, von oben nieder. Oben durch das Dach. Dort oben, im Gegensatze des hier unten oder hier nieden. 2. Figürlich. 1) Für vorher, im vorigen: in Schriften, im Gegensatze des unten. Wie oben gedacht worden, im vorigen. Der oben gemeldete Freund. Die oben erwähnte Sache. In den Hoch- und Oberdeutschen Kanzelleyen ist dafür das veraltete ob üblich, welches alsdann mit den Mittelwörtern zusammen gezogen wird; oberwähnt, S. 1 Ob. Aber unser oben mit ihnen zusammen zu ziehen, obengedacht, ist wider alle Analogie. 2) Oben an sitzen, gehen, stehen, an dem obersten, vornehmsten Platze. 3) Oben ein, oder oben drein, über dieß noch, als ein überflüssiges, eigentlich nicht zur Sache gehöriges Stück. Etwas oben drein geben, als eine Zugabe. Die zehnte gäb ich oben drein, Weiße. Ingleichen über dieß noch, in der vertraulichen Sprechart. Ich mußte noch oben ein den Verdruß empfinden u. s. f. Er ist so reich wie sie oben drein aber ist er noch ein rechtschaffener und ehrlicher Mann, Weiße. Da werde ich noch oben ein ausgelacht. Da kommt noch oben drein jemand. 4) Oben hin, welches von vielen ohne Noth zusammen gezogen wird, obenhin, nachlässig, gleichsam nur die Oberfläche berührend, auf der Oberfläche hin, im Gegensatze des gründlich. Nur so oben hin arbeiten. Eine Sache nur oben hin machen, verfertigen, betrachten, untersuchen u. s. f. Latein. obiter.
   Anm. Schon bey dem Kero obuna, bey dem Ottfried obana, im Tatian ufana, im Dän. oven, oppe, im Schwed. osvan. Es ist das alte ob, (S. 1 Ob,) mit der adverbischen Endung -en, welche auch in unten, nieden, außen, hinten, vornen u. s. f. angetroffen wird; im Oberdeutschen hängt man sie den meisten Nebenwörtern in der adverbischen Form an, heimlichen, gröblichen, für heimlich, gröblich. Die Niederdeutschen und nördlichen Mundarten setzen noch ein b voran, Nieders. baven, Holländ. boven, Angels. bufan, Engl. above, so wie die Lateiner statt dessen den Zischlaut vorsetzen, supra, und die Griechen den Hauchlaut υπερ. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich. Der obene Beweis, der obige, Opitz, und bey dem Hornegk findet sich auch das im Hochdeutschen veraltete Zeitwort oben, oben über etwas seyn oder schweben.
 
Artikelverweis 
Obenein und Obenhin, S. das vorige.