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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis 2. Die Macht (Bd. 3, Sp. 1 bis 7)
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Artikelverweis  M, der dreyzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher der dritte unter den Lippenbuchstaben ist, und entstehet, wenn bey einer gelinden Ausstoßung des Hauches die Lippen geschlossen werden. Wegen dieses leichten und sehr einfachen Lautes ist er auch einer von den so genannten flüssigen, welche bey den Lateinern auch Halb-Vocale genannt wurden. Als ein solcher nimmt er auch, wenn er einen gedehnten Vocal vor sich hat, oft ein h an, lahm, zahm, nehmen, wie schon bey dem Buchstaben H mit mehrerm bemerket worden.
   Viele Wortforscher schließen das m von der Reihe der Stammbuchstaben aus. Unter gehörigen Einschränkungen haben sie nicht Unrecht; denn der eigenthümliche Laut, welchen das m ausdruckt, ist in der Natur nicht allemahl so bestimmt vorhanden, daß ihn nicht auch die andern Lippenbuchstaben fast eben so genau sollten ausdrucken können. Daher kommen denn auch so wohl in der Deutschen als in andern Sprachen so häufige Verwechselungen der Lippenbuchstaben. Schlaff, lahm, Schlamm, Schleim, ingleichen greifen, krapfen, Krampe, krumm, sind genau mit einander verwandt, so wie Griebe und Krume. Der Wachholder heißt im Nieders. Machandel. Für das alte Mangon ist jetzt Wange üblich, und Dampf, Duft, vielleicht auch taub und dumm, stampfen und stapfen, schlappen und schlampen stammen aus Einer Quelle her, hundert anderer zu geschweigen. Um deßwillen wird es auch andern Lippenbuchstaben gern müßig vorgesetzet. Unser Hufe lautet im Schwedischen Hump, und für Hobarius findet man im mittlern Lat. auch Hombarius; so wie manche Mundarten dem m gerne ein b oder p nachschleichen lassen, oder vielmehr das letzte von mm in b oder p verwandeln, wie Lamb für Lamm, krump für krumm, krümpen für krümmen. Man darf sich daher bey der Aufsuchung des Stammes nicht so ängstlich an diesen Buchstaben binden, daß man ihm nicht, wo es nöthig ist, einen jeden andern Lippenbuchstaben sollte unterschieben können.

[Bd. 3, Sp. 2]


So würde man z. B. fehl gehen, wenn man bey Aufsuchung des Stammes des Wortes hemmen ängstlich an dem m kleben bleiben und es zu Himmel, Humpe oder andern ähnlichen Wörtern rechnen wollte; indem die wahre Abstammung in dem Worte heften oder haben zu suchen ist, so wie Humpe und Kumpf auf Kopf, Kufe u. s. f. zurück geführet werden müssen.
   Ich habe gesagt, daß der eigenthümliche Laut, welchen das m ausdruckt, in der Natur nicht allemahl so bestimmt vorhanden ist, daß ihn nicht auch die übrigen Lippenbuchstaben sollten ausdrucken können. Zu den Fällen, wo er es ist, gehören z. B. die Laute, welche durch die Wörter hemmen, summen, brummen, mummeln, ausgedruckt werden, welche kein anderer Lippenlaut so bestimmt bezeichnet, daher in denselben das m allerdings ein Stammbuchstab ist.
 
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Maal, Maaru. s. f. S. in Mahl, Mahr.
 
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Maaß, S. Adelung Maß.
 
Artikelverweis 
Maccaronisch, S. in Makrone.
 
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Die Máche, plur. car. ein von dem folgenden Zeitworte nur in den niedrigen Sprecharten übliches Wort. 1) Das Machen, d. i. der Zustand, da man ein Ding zur Wirklichkeit bringt. Ein Kleid in die Mache nehmen, anfangen daran zu arbeiten. Der Schuh ist noch in der Mache. 2) Figürlich, doch eben so niedrig. Jemanden in der Mache haben, ihm mit Hieben, mit Schlägen, mit Verweisen oder Spöttereyen zusetzen.
 
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Máchen, verb. reg. act. und in einigen Fällen auch Neutr. da es denn das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutete,
   I. Ursprünglich und eigentlich allem Ansehen nach, bewegen, da es denn mit dem einfachen wegen Eines Stammes zu seyn scheinet, indem w und m als Buchstaben eines und eben desselben Sprachwerkzeuges sehr oft für einander gesetzt werden. Von dieser größten Theils veralteten Bedeutung sind nur noch einige wenige Überreste erhalten worden, wohin folgende Bedeutungen gehören.

[Bd. 3, Sp. 3]



   1. Den Ort verändern, als ein Reciprocum, für sich begeben; in einigen R. A. des gemeinen Lebens und mit dem Nebenbegriffe einiger Geschwindigkeit. Sich davon machen, oder sich fort machen, sich hurtig weg begeben. Sich aus dem Staube machen. Sich auf den Weg machen, sich auf den Weg begeben. Sich auf die Flucht machen. Sich auf die Seite machen. Sich über etwas machen, sich darüber her machen, auch figürlich, einen ernstlichen Anfang damit machen. Sich von dem Berge hinab machen. Wie kannst du dich so nahe zu mir machen? Sich an jemanden machen, figürlich, so wohl ihn angreifen, als auch sich an ihn wenden.
   So bald es morgen früh newr tagt,
   So will ich mich dahin machen,
   Theuerd. Kap. 47. 2. Eine Bewegung, und in weiterer Bedeutung, eine Handlung, eine Veränderung beschleunigen; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, und als ein Neutrum. Mach fort! eile dich! Mache doch! Mache, daß du bald wieder kommst. Ja, macht doch nur und geht. So machen sie denn, daß wir fortkommen. Wenn sie es sagen wollen, so machen sie, sonst gehe ich, Gell.
   II. In gewöhnlicherer und weiterer Bedeutung, handeln, wirken, Veränderungen hervor bringen, zunächst von körperlichen, dann aber auch von unkörperlichen Veränderungen.
   1. Absolute, ohne ausdrückliche Meldung der Veränderung; nur in einigen Arten des Ausdruckes. Mache es mit uns wie dirs gefällt, Richt. 10, 15. Der Herr wirds wohl machen, Ps. 37, 7. Was machen sie? Laß ihn nur machen. Man kann ihm nichts recht machen. Machen sie mit mir, was sie wollen. Damit kann ich nichts machen, damit ist nichts zu machen. So machen es alle die, welche kein gut Gewissen haben. Schon zwey Mahl hast du mirs fast eben so gemacht. Sie machen es darnach, daß man ihnen so begegnen muß. Was mach ich? soll ich zu ihm gehen? Was macht euer Bruder? figürlich, in der vertraulichen Sprechart, wie befindet er sich? Ich wollte nur sehen, was der Kranke macht, wie er sich befindet. Er wird es nicht lange mehr machen, sagt man im gemeinen Leben von jemanden, der bald aufhören wird in einer Sache wirksam zu seyn, ingleichen, der bald aufhören wird zu leben.
   2. Mit ausdrücklicher Meldung der Wirkung.
   1) Eigentlich.
   (a) Ein Werk hervor bringen, einem Dinge die Wirklichkeit geben, es sey nun ein körperliches oder unkörperliches Ding. Gott hat Himmel und Erde gemacht, 1 Mos. 2, 4. Gott machte den Menschen aus einem Erdenkloße, Kap. 2, 7. Mache und Götter, 2 Mos. 32, 1. Wie groß ist der, der dich (Sonne) gemacht! Weiße.
   Der Wein ist für freudige Herzen gemacht,
   Cron. Der Schneider macht ein Kleid, der Uhrmacher eine Uhr, der Schuster einen Schuh, der Tischler einen Tisch, der Schmid ein Hufeisen, die Nähterinn ein Hemd u. s. f. Gold aus Bley machen. Verse machen, ein Gedicht machen, eine Rede, eine Predigt machen, sie ausarbeiten. Käse, Butter machen. Feuer machen. Einem Platz machen, ihm Raum verschaffen. Einem eine Beschreibung von etwas machen. Einem die Rechnung machen. Zwey Mahl zwey macht vier. Sich auf etwas Rechnung machen, figürlich, es zu bekommen hoffen. Groß Aufhebens, viel Rühmens von etwas machen. Lärm machen. Ein Geschrey machen. Einwürfe gegen etwas machen. Sich einen Begriff von etwas machen. Ein Gesetz machen. Ein Zeichen machen.

[Bd. 3, Sp. 4]



   Da das Zeitwort machen nicht in allen den Fällen üblich ist, wo etwas, besonders aber ein körperliches Ding, zur Wirklichkeit gebracht wird, so haben verschiedene Sprachforscher Regeln zu geben gesucht, in welchen man dasselbe brauchen könne oder nicht. Allein sie sind theils falsch, theils reichen sie nicht hin. Am besten thut man, wenn man diese Fälle bloß aus dem Gebrauche erlernet. Machen ist ein sehr allgemeines Wort, welches eigentlich sich bewegen, und figürlich durch eine Bewegung hervor bringen bedeutet. Da die Art und Weise der Hervorbringung so sehr verschieden ist, so sind in sehr vielen Fällen besondere Zeitwörter eingeführet, welche diese Art und Weise näher bestimmen. So sagt man nicht, ein Haus machen, sondern bauen, nicht einen Garten machen, sondern anlegen, nicht Erz machen, sondern schmelzen, nicht Lichter machen, sondern ziehen, nicht eine Glocke machen, sondern gießen u. s. f. Das allgemeinere Zeitwort machen ist daher nur für diejenigen Fälle aufbehalten, welche kein besonderes Wort hergebracht haben, und diese Fälle lassen sich nicht durch Regeln, sondern bloß aus dem Gebrauche lernen. Indessen gibt es Fälle, wo so wohl das allgemeine machen, als auch ein eigenes Zeitwort üblich ist. Ein Buch machen, ingleichen es schreiben.
   In einigen Fällen ist ein gemachtes Ding so viel als ein nachgemachtes oder unechtes, im Gegensatze des natürlichen und echten. Ein gemachter Demant. Gemachtes Gold. Ein gemachter Wein.
   In andern wird es elliptisch von gewissen besondern Arten der Hervorbringung gebraucht. Etwas machen, im gemeinen Leben, seine Nothdurft verrichten; das Kind hat nichts gemacht. Das gemachte Neue ist bey den Jägern der frisch gefallene Schnee, S. Adelung Neu. Holz machen, d. i. es hacken, klein machen.
   (b) In weiterer Bedeutung ein Verhältniß, eine Veränderung hervor bringen, die wirkende oder bewegende Ursache einer Veränderung seyn; gleichfalls auf eine sehr allgemeine und unbestimmte Art. Die Universitäten machen Doctores. Jemanden zum Doctor, zum Könige, zum Vormund, zum geheimen Rath, zum Professor machen, ihn dazu ernennen, erklären. Jemanden zum Sclaven, zum Knechte, zum Gefangenen machen. Ein Land zur Wüste machen. Eine Grafschaft zu einem Fürstenthume machen. Viele Schulden machen. Complimente machen. Einem ein Compliment machen. Einen Versuch, eine Probe machen, anstellen. Er will aus seinem Sohne einen Kaufmann machen. Ein Bündniß mit jemanden machen. Friede machen, so wohl die wirkende oder bewegende Ursache desselben seyn, als auch ihn schließen, als handelnde Ursache. Sich jemanden zum Freunde, zum Feinde machen. Jemanden ein saures Gesicht, eine finstere Miene machen. Anstalt zu etwas machen. Das macht bey ihm keinen Eindruck. Sich allerley Gedanken machen. Machen sie sich keine Sorgen, keinen Kummer, keine Unruhe. Sich ein Bedenken machen. Einem Hoffnung machen. Machen sie ihm doch die Freude. Einem Verdruß, Noth machen. Sie haben mir tausend vergnügte Stunden gemacht. Wir wollen uns einen Spaß, eine Lust machen. Bekanntschaft, Freundschaft mit jemanden machen. Einem allerley Vorwürfe machen. Den Anfang machen, den Anfang mit etwas machen. Der Sache ein Ende machen. Einem Lust zu essen machen. Machen sie doch keine Umstände mit ihm. Große Augen machen. Einem Ehre, Schande machen. Ernst machen, zeigen, daß es Ernst ist. Eine Entdeckung machen. Feyerabend machen, Schicht machen, aufhören zu arbeiten. Jemanden zum Gelächter machen. Sich etwas zur Pflicht machen. Bank machen, im Hasardspiele. Etwas zu Gelde machen, es verkaufen. Jemandes Glück machen, dessen Ursache seyn. Er

[Bd. 3, Sp. 5]


hat sein Glück gemacht, er ist glücklich geworden. Sich ein Gewissen aus etwas machen. Einer Sache Luft machen. Mit einem gemeine Sache machen.
   So auch mit Nebenwörtern. Ein Gefäß rein machen, es reinigen. Etwas, das los oder locker ist, fest machen, es befestigen. Jemanden arm, reich, krank, gesund machen. Sich beliebt, verhaßt machen. Etwas größer, kleiner machen. Einen Gefangenen frey machen, ihn befreyen. Sich naß, schmutzig machen. Einen andern unruhig, lustig, verdrießlich, aufgeräumt, treuherzig, weichmüthig, stolz machen. Das macht mein Unglück vollkommen. Sich nothwendig machen. Einem andern etwas weiß machen, S. Weiß. Sich bezahlt machen. Alles rückgängig machen. Etwas lächerlich machen. Einem das Leben sauer, das Herz schwer, den Kopf warm machen. Einem etwas deutlich machen. Eine Arbeit fertig machen. Sich einer Sache würdig machen. Machen sie es fein kurz. Etwas ausfündig machen. Sich mit jemanden gemein machen. Jemanden herunter machen, im gemeinen Leben, ihn wacker ausschelten.
   Ingleichen mit dem Bindeworte daß. Machen sie, daß er kommt, werden sie Ursache, veranstalten sie es. Machen sie nur, daß ich artiger und muntrer werde, Gell. Sie machen, daß man das Glück und die Liebe erst recht hoch schätzt, ebend. Machen sie, daß wir ihnen heute noch gratuliren müssen, ebend. Wie machen wir es, daß wir ihn fangen?
   Viele gebrauchen es auch mit dem bloßen Infinitive des andern Zeitwortes. Verflucht sey, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege, 5 Mos. 27, 18. Weil du die Feinde des Herrn hast lästern gemacht, 2 Sam. 12, 14. Der da hat Israel sündigen gemacht, 1 Kön. 14, 16. Du ließest mich entschlafen und machtest mich leben, Es. 38, 16. Ein Schatten macht uns oft zittern, Mosheim. Jemanden lachen machen, wofür auch zu lachen machen üblich ist. Eine Liebe, die uns alle Vortheile unsers Eigennutzes vergessen macht. Man tadelt diese Wortfügung; aber allem Ansehen nach ohne Noth. Daß sie sehr alt ist, erhellet aus dem Französischen, wo das Zeitwort faire auf ähnliche Art, aber in einem noch viel weiterm Umfange gebraucht wird. Wenigstens ist sie erträglicher, als die mit dem Mittelworte: der Herr macht die Blinden sehend, Ps. 146, 8. In einigen, aber vielleicht nur wenigen Fällen, ist auch der Infinitv mit dem Wörtchen zu eingeführet. Sich etwas zu thun machen. Das hat mir viel zu schaffen gemacht.
   Die wirkende Ursache braucht nicht eben ein verständiges Wesen zu seyn, wie einigen behaupten. Das Zeitwort machen hat eine so allgemeine Bedeutung, daß es auch von allen leblosen Dingen gebraucht werden kann. Die Sonne macht das Wachs weich. Sorgen macht vor der Zeit alt. Aufrichtige Reue macht alles wieder gut. Geschwefelter Wein macht den Kopf dumm. Salzige Speisen machen Durst. Das macht Kopfweh. Das macht, weil er arm ist. Das macht dein Unbestand. Die Bescheidenheit machte, daß sie zurück wich.
   So zahlreich nun auch, wie zum Theil schon aus dem vorigen erhellet, die Fälle sind, in welchen dieses Zeitwort in der Bedeutung der Hervorbringung oder Verursachung einer Veränderung gebraucht werden kann, so sind sie doch auch nicht ohne alle Einschränkung, und man muß auch hier den Gebrauch nicht aus den Augen setzen. In der vertraulichen Sprechart sagt man zwar ein Spielchen machen, und im gemeinen Leben, einen Schnapps machen, aber nicht, einen Trunk machen, sondern thun, nicht, Gutes, Böses, Sünde, Wunder machen, sondern thun, nicht, den Angriff machen, einen Einfall in ein Land machen, sondern thun, nicht, einem Vorstellung machen, sondern thun. Hingegen

[Bd. 3, Sp. 6]


sind in manchen Fällen beyde Zeitwörter üblich. Einem einen Antrag machen und thun, kund machen und kund thun, eine Reise machen und thun. In andern Fällen kann man andere Zeitwörter unterschieben. Ich habe diese traurige Erfahrung schon oft gemacht, oder gehabt. Einen Versuch machen und anstellen. Hochzeit machen und halten. Seinem Sohne Hochzeit machen und ausrichten.
   2) Figürlich. (a) Zubereiten, zu einer gewissen Absicht tüchtig, geschickt machen; gemeiniglich nur im gemeinen Leben, und in einigen Fällen. Das Bett machen. Holz machen, d. i. es klein machen, es hacken, es zum Verbrennen zubereiten. Thee, Kaffeh machen. Das Essen machen, es zubereiten. (b) Vermögen erwerben, verdienen. Er hat sich viel bey dieser Sache gemacht. Er weiß sich bey allem etwas zu machen. Dabey ist nichts zu machen, nichts zu gewinnen. (c) Sie machen es gar zu gefährlich, sie stellen es sehr gefährlich vor, geben es für sehr gefährlich aus. Er ist so arm nicht, als ihn die Leute machen. Er macht sich sehr arm, stellt sich sehr arm. Einem die Gefahr geringe machen, ihn überreden wollen, daß die Gefahr nur geringe sey. Einem etwas leicht, schwer machen, so vorstellen. Ich weiß nicht, was ich daraus machen soll, was ich davon denken, mir davon vorstellen soll. Einem ein Verbrechen aus etwas machen, es ihm als ein Verbrechen auslegen. Jemanden zu Ketzer machen, ihn dafür erklären. (d) Der Schauspieler macht den Cäsar, wenn er dessen Person vorstellet. Seine Rolle gut, schlecht machen. Er macht in diesem Hause den Narren, stellet ihn vor, gibt einen Narren ab. Da würde ich eine sehr alberne Figur machen, vorstellen. (e) Ich mache mir nichts daraus, ich achte es nicht. Viel aus einer Sache machen, sie hoch schätzen, sehr achten. Viel aus einer Person machen. Es wird wenig daraus gemacht, man achtet es nicht groß. (f) Bey den Jägern macht oder zeigt der Hirsch einen guten Fuß, wenn er einen guten Fuß hat. Der Hirsch hat eben daselbst wenig oder viel gemacht, wenn er ein Gehörn von wenig oder viel Enden aufgesetzt, d. i. bekommen hat. In den Zusammensetzungen kommen noch andere Bedeutungen vor.
   Das Hauptwort, die Machung, ist von dem einfachen Zeitworte nicht üblich. In einigen Fällen kann man den Infinitiv als ein Hauptwort gebrauchen, in andern aber muß man seine Zuflucht zu andern Ausdrücken nehmen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried machon, gimachon, im Nieders. maken, im Engl. to make, im Angels. macan, im Schwed. maka, im Griech. mit der intensiven oder iterativen Endung ten, μοχθειν, wohin auch das einfachere μχαν, in der Dorischen Mundart μαχανα, gehöret. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es mit dem Lat. movere zu dem Geschlechte des Wortes wegen, bewegen, gehöret, weil m und w mehrmahls mit einander abwechseln. Alsdann würde auch die Verwandtschaft mit dem Lat. facere begreiflich seyn, indem das f so gut ein mit dem m verwandter Lippenbuchstab ist als w. S. Adelung Mähen, Fachen und Fackeln.
 
Artikelverweis 
Der Mácher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mácherinn, eine Person, welche etwas macht; doch nur in den Zusammensetzungen Goldmacher, Uhrmacher, Hutmacher, Kammmacher, Brillenmacher, Harnischmacher, Knopfmacher, Zeugmacher, Ketzermacher u. s. f. Bey dem Notker ist Machara der Urheber.
 
Artikelverweis 
Die Mácherēy, plur. die -en, das Machen, ohne Plural, ingleichen das gemachte Werk, die Arbeit; beydes nur im gemeinen Leben und im verächtlichen Verstande. Das ist eine elende Macherey. So auch in einigen Zusammensetzungen, die Goldmacherey, für das Goldmachen, die Ketzermacherey, die Meutmacherey

[Bd. 3, Sp. 7]


u. s. f. Nieders. Makerije. Von der vor der Ableitungssylbe ey eingeschobenen Sylbe er, S. 1. -Ey I. 3.
 
Artikelverweis 
Das Mácherlōhn, des -es, plur. inus. der Lohn, welchen man einem andern für das Machen, d. i. für die Hervorbringung eines Werkes, und figürlich auch für die Verursachung einer Veränderung bezahlet. Gemeiniglich nur in solchen Fällen, wo man den Lohn nicht tageweise, sondern stückweise bezahlet, ingleichen von der Arbeit, besonders der Handarbeit allein, mit Ausschließung der zu dem Werke nöthigen Materialien. So bekommen der Schneider für die Verfertigung eines Kleides, und andere Handwerker für die Verfertigung anderer Arbeiten Macherlohn. Ich will ihnen das Macherlohn doppelt bezahlen, Gell. Im Oberdeutschen der Macherlohn, S. Lohn. Es ist unmittelbar von dem Hauptworte Macher gebildet, wie man auch sagt Schneiderlohn, Arbeiterlohn, Tischerlohn u. s. f. Von dem Zeitworte machen müßte es Machlohn heißen.
 
Artikelverweis 
1. * Die Macht, plur. die Mächte, ein ungewöhnliches Wort, einen Schleyer zu bezeichnen, welches nur 1 Cor. 11, 10 vorkommt. Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupte haben um der Engel willen. Obgleich Luther das Deutsche Wort nach dem Muster des im Grundtexte befindlichen Griech. εξουσια gewählet hat, so finden sich doch Spuren, daß diese Wahl nicht ganz willkührlich gewesen, ob mir gleich der Deutsche Ausdruck in dieser oder einer ähnlichen Bedeutung noch nicht vorgekommen ist; weil man es sonst leicht von dem Lat. amictus herleiten könnte. Im mittlern Lat. kommt Mafors, Mauors, und im mittlern Griech. μαφοριον, sehr häufig nicht nur von einem Schleyer des andern Geschlechtes vor, sondern auch von einem Scapulier der Mönche. Bey dem Papias heißt es: Mauorte matronale operimentum, quod caput operit; vocatum autem sic quasi Marte. Mauorte signum est maritalis dignitatis; idem et stola dicitur. Bey andern findet sich in einer ähnlichen Bedeutung das Wort Magaldus. Auch Dominicalis kommt in der Bedeutung eines leinenen Schleyers vor, mit welchem sich das andere Geschlecht, wenn es in die Kirche ging, ehedem das Haupt bedeckte. Du Fresne führet aus einem alten Poenitentiale folgende Stelle an: Si mulier communicans Dominicale suum super caput suum non habuerit, usque ad alium diem dominicum non communicet. Er merkt dabey an, daß der seidene Schleyer des weiblichen Geschlechtes in der Provence noch jetzt Domino genannt werde.
 
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2. Die Macht, plur. die Mächte, so wohl das Vermögen etwas zur Wirklichkeit zu bringen, als auch ein mit diesem Vermögen begabtes Ding.
   1. Das Vermögen, oder die Kraft etwas zur Wirklichkeit zu bringen; ohne Plural.
   1) Von der physischen oder natürlichen Kraft eines Dinges, für Kraft oder Stärke. Meine Macht ist schwach über meinem Seufzen, Hiob 23, 2. Ruben mein erster Sohn, du bist meine erste Kraft und meine erste Macht, 1 Mos. 49, 3. David aber und das ganze Israel spieleten vor Gott her aus ganzer Macht, 1 Chron. 14, 8. Die Stimme mit Macht aufheben, erheben, Es. 40, 9. In dieser Bedeutung ist es im gemeinen Leben am üblichsten. Der Kranke hat nicht so viel Macht, sich aufzurichten, nicht so viel Kräfte. Eine außerordentliche Macht haben, Leibesstärke. Einen Stein mit aller Macht aufheben. Alle seine Macht anstrengen. Mit aller Macht, oder aus ganzer Macht schreyen, laufen, arbeiten. Über Macht, mehr als die Leibeskräfte es verstatten. Sie liefen über Macht dem Walde zu. Ingleichen, eine vorzügliche Kraft. Diese Vorstellung drang mit Macht in meine Seele. Siehe Ohnmacht. In einigen Gegenden ist es auch im Plural üblich.

[Bd. 3, Sp. 8]


Aus allen Mächten, Oberd. Machten, d. i. aus allen Kräften. Schon Ottfried sagt vbar mine mahti, über meine Kräfte. Im Nieders. ist Wohlmagt die Gesundheit des Leibes.
   In der R. A. über Macht essen oder trinken, scheinet es zunächst von mögen, Appetit haben, abzustammen. Im Nieders. ist Möge der Appetit. Elk sien Möge, chacun à son gout. Über Möge essen, über Macht, über seinen Appetit.
   In der Deutschen Bibel wird dieses Wort häufig von Gott gebraucht, und da bedeutet es dessen höchstes Vermögen, das Mögliche ohne Mühe zur Wirklichkeit zu bringen, wofür man auch, und zwar am häufigsten, das Wort Allmacht gebraucht.
   2) Von der vorzüglichen äußern Möglichkeit, das Beschlossene zur Vollziehung zu bringen.
   (a) Überhaupt. So sagt man von jemanden, er habe eine große Macht, wenn er angesehene Freunde hat, durch welche er seine Absichten erreichen kann. Wehe denen die Schaden zu thun trachten, weil sie die Macht haben, Micha 2, 1. Indessen ist das Bey- und Nebenwort mächtig in diesem Verstande üblicher, als das Hauptwort.
   (b) In engerer Bedeutung, eine genugsame Anzahl zu Führung der Waffen verpflichteter Menschen. Eine große Macht auf den Beinen haben, ein großes Kriegsheer. In dieser Bedeutung ist es in den zusammen gesetzten Kriegsmacht, Landmacht, Seemacht am üblichsten. Im Schwed. ist Magt gleichfalls das Kriegesheer. Es kann seyn, daß es in dieser Bedeutung zunächst zu dem Worte Menge gehöret, indem der Nasenlaut n gar oft ein müßiger Zusatz ist. Festus erklärt mactus durch magis auctus, und bey dem Plautus kommt mactare für vermehren vor. Der sonst ungewöhnliche Plural finde sich noch bey dem Opitz:
   Der Saracen muß noch der alten Satzung achten,
   Durch der Spahoner Zwang und der Stambolet Machten, für Mächte. (c) * Figürlich, Majestät, und äußeres Ansehen, Vorzug, Ehre überhaupt; eine veraltete Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Aus dem Munde junger Kinder hast du dir eine Macht zubereitet, Ps. 8, 3. Die Sonne gehet auf in ihrer Macht, Richt. 5, 31.
   3) Am häufigsten von dem sittlichen Vermögen, etwas zur Wirklichkeit zu bringen, d. i. von der Freyheit, dem Rechte und Befugnisse etwas zu vollbringen oder zu unterlassen. Es soll niemand Macht haben, das Volk zusammen zu fordern, 1 Macc. 14, 44. Die Obrigkeit hat Macht zu strafen und zu belohnen. Einem Macht geben etwas zu thun. Das stehet nicht in meiner Macht. Macht über Leben und Tod haben. Siehe auch Vollmacht.
   2. Ein mit vorzüglicher Macht begabtes Wesen, wo es zuweilen von mächtigen Geistern und geistigen Wesen vorkommt.
   Der in der Gottheit glaubt
   Drey unterschiedne Machten, Opitz für Mächte.
    Verzeiht es, ihr stoischen Mächte,
   Ihr Beherrscher der Seelen,
   Zachar. Am üblichsten ist es in dieser Bedeutung von souveränen mächtigen Staaten, sie seyen nun Königreiche oder Republiken; wo es auch im Plural die Mächte, im Oberdeutschen aber die Machten hat. Die Europäischen Mächte. Holland und England sind Seemächte. Die Macht Frankreich, d. i. der Staat, die Krone Frankreich.
   Anm. Für Stärke schon im Isidor Magti, bey dem Notker und im Tatian in der gewöhnlichern Bedeutung für potentia, Maht, im Schwed. wo es auch das Blut bedeutet, Magt, bey dem Ulphilas Mahts, im Angels. Myht, Maeth, Meath, im Dän. und Nieders. Magt, im Engl. Might, im Pohln und Böhm.

[Bd. 3, Sp. 9]


Moc. Es stammet zunächst von dem Zeitworte mögen, können, und dem damit verwandten machen ab, und lautet im Nieders. auch Möge, im Schwed. Megn und Mågn. Das Alterthum dieses Wortes und seines Geschlechtes erhellet aus dem Lat. Majestas, Magistratus, Magister, und auch aus dem Griech. μεγας. S. Adelung Mögen und Mächtig, in welchem letztern sich der Begriff der Größe noch erhalten hat. In Schleswig ist die Macht der Geschwornen eine besondere Art Gerichte, welche aus dem Amtmanne als Landvogt, und den Kämmerern und Richtern der Kirchspiele bestehen.