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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Êbenfalls (Bd. 1, Sp. 1625 bis 1630)
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Artikelverweis  E, der fünfte Buchstab des Deutschen Alphabetes und der zweyte unter den Vocalen oder Hülfslauten.
   1. Dieser Buchstab hat im Hochdeutschen einen doppelten Laut, indem er theils wie das e der Lateiner in meus, heri, bene, merito u. s. f. theils aber auch wie ä lautet.
   Das erste e, welches auch das hohe e genannt wird, und, wenn es den Ton hat, dem e fermé der Franzosen gleicht, wird am häufigsten gebraucht; ob sich gleich alle die Fälle, in welchen es vorkommt, nicht leicht unter gewisse bestimmte Regeln bringen lassen. Vor dem h ist es in den meisten Fällen hoch, und hat zugleich den Ton; wie in géhen, séhen, stéhen, méhr, u. s. f. Indessen gibt es auch Fälle, wo es wie ä lautet, wie in fêhlen, hêhlen, Hêhler, stêhlen, Mêhl, nêhmen, sêhnen u. s. f. In zehren, wehen, drehen und andern mehr, wird es selbst im Hochdeutschen oft hoch, am häufigsten aber tief ausgesprochen.
   Das tiefe ê, das e ouvert der Franzosen, lautet wie ä, und findet sich in der ersten Sylbe vieler zweysylbigen Wörter, dergleichen lêben, gêben, Hêbel, lêdig, rêden, Sêgel, Kêgel, Êlend, lêsen, Wêsen, bêthen, trêten, sêlig u. s. f. sind. In allen diesen Fällen ist es zugleich gedehnt und hat den Ton. Geschärft aber ist es in Bêrg, Wêrk, Zwêrg, Êssig, Kêssel, lêcken, Zwêck, strêcken u. s. f.
   Das verdoppelte e oder ee, oder das Zeichen des gedehnten e, ist in den meisten Fällen hoch, See, Klee, Meer, Heer, Beere, leer, Seele, das Beet, Allee, die Beete. Denn Scheere, scheeren, scheel, Meet, sind bloße Neuerungen, für Schere, scheren, schel, Meth.
   Da der Übergang von einem Selbstlaute zu dem andern in allen Sprachen etwas gewöhnliches ist, so darf man sich auch nicht wundern, wenn verschiedene Deutsche Mundarten statt des Hochdeutschen e andere Töne hören lassen. So sprechen die rauhern Oberdeutschen Mundarten, linka Seitha für linke Seite, Wunda für Wunde; die Schlesier Fahl für Fell, Nalken für Nelken, ihrlich für ehrlich, Siele für Seele, gihe für gehe; die Pfälzer Ältisten für Ältesten, spätisten für spätesten, wehrtister für werthester; einige Niedersachsen Bieke, in zwey Sylben, für Beke, Bach, Tiewe für Tewe, Hündinn, Jesel für Esel u. s. f. Selbst die Hochdeutsche Mundart ist davon nicht frey; denn daher rühret unter andern auch die Verwandtschaft der Vocale so wohl in vielen abgeleiteten Wörtern, als auch in der Conjugation der irregulären Zeitwörter. So kommt von Berg Gebirg, und von Werk wirken; so gehet das e in a über, in kennen, ich kannte, gekannt, brennen, brannte, gebrannt, genesen, genas; in ie, befehlen, du befiehlst, schwer, schwierig; in i, bergen, du birgst, geben, du gibst, brechen, brichst, brich, ich esse, du issest; in o, ich pflege, gepflogen, brechen, gebrochen, schelten, gescholten; zuweilen, obgleich seltener, auch in u, stehen, ich stund, für ich stand, werden, ich wurde.
   2. Der Gebrauch dieses Buchstaben ist von einem sehr weiten Umfange. Ohne hier dasjenige zu wiederholen, was in der Sprachlehre und Orthographie davon gesagt worden, sollen nur ein Paar Stücke davon bemerket werden.
   1) Am häufigsten dienet dieser Vocal zur Flexion der Wörter am Ende, welche der Regel nach allein durch ihn geschiehet. Er

[Bd. 1, Sp. 1626]


dienet zur Declination, der Mann, des Mannes, dem Manne, die Männer; der Trieb, des Triebes, dem Triebe, die Triebe. Zur Comparation, süß, süßer, der süßeste; hoch, höher, am höchsten. Zur Conjugation, ich tödte, du tödtest, er tödtet, ich tödtete, getödtet, tödten. In allen diesen Fällen ist er kurz, und gemeiniglich auch von dem Tone verlassen. Ja er wird in vielen Fällen gar weggelassen, wie hernach wird gesagt werden.
   2) Dienet dieser Buchstab auch zur Bildung neuer Wörter. So werden aus Adverbien vermittlest des angehängten e Hauptwörter, das Abstractum derselben auszudrucken; gut, Güte, lieb, Liebe, stark, Stärke, groß, Größe, mild, Milde, dürr, Dürre u. s. f. Alle solche Substantive sind weiblichen Geschlechtes.
   3) Eine der vornehmsten Verrichtungen dieses Vocales ist die Beförderung des Wohlklanges. Dieses e euphonicum verdienet hier ein wenig umständlicher entwickelt zu werden.
   Die Hochdeutsche Mundart beobachtet die Mittelstraße zwischen der allzu großen Weichlichkeit der Niedersächsischen, und der rauhen Härte der Oberdeutschen Mundart. Die letztere zu mildern, hat sie unter andern auch den weichen Consonanten b, d, g, s, dem gelinden ß, und dem w, welche am Ende nicht anders als hart ausgesprochen werden können, ihre erste gelinde Aussprache wieder gegeben, und dieses konnte nicht anders als durch Anhängung eines e geschehen. In Bild, Sieb, Raub, lang, des, Haß lauten die letzten Consonanten, wie t, p, k, ß und ss. Allein in tausend andern Wörtern, wo die Hochdeutsche Mundart weichere Mitlaute hören lassen will und muß, ist das e unentbehrlich. Dahin gehören Bube, Knabe, Schwabe, Gewölbe, Gewerbe, Glaube, Rabe, Gnade, Friede, behende, spröde, blöde, Schade, geschwinde, Heide, Habe, Stube, gerade, herbe, Gebäude, Gewinde, Gemählde, Ende, enge, geringe, träge, das Beschläge, das Auge, Gebirge, Gedränge, böse, lose, leise, weise, Franzose, Matrose, Hase, Accise, Gekröse, Getöse, Preuße, Löwe; ingleichen die Imperativi, welche sich auf einen von diesen Mitlauten endigen, liebe, büße, begnüge, borge, sage, klage u. s. f. Alle diese Wörter lauten im Oberdeutschen hart Bub, Knab, Schwab, blöd, Rab, Heid, bös, weis, Has u. s. f. In andern Wörtern aber, wo die Hochdeutsche Mundart die Oberdeutsche Aussprache behalten hat, würde es ein Fehler seyn, sie durch ein angehängtes e weicher zu machen. Man spricht und schreibt also bald, Geduld, Schuld, lang, (außer wenn es das Nebenwort der Zeit lange ist,) jung, gib, lis u. s. f.
   Dieser Regel folgen auch einige andere Wörter, welche sich auf einen Hauch- oder Lippenbuchstab endigen, denen im Hochdeutschen gleichfalls ein e angehänget wird, vermuthlich, um die harte Einsylbigkeit dadurch zu heben. Dergleichen Wörter sind, z. B. Affe, Laffe, Gedanke, Funke, Schnepfe, Franke, Türke, Sache, Stampfe, Drache u. s. f. dagegen Glück, Geschick, dick, Graf, Gespräch und andere dieser Milderung nicht bedürfen.
   Auch gehören hierher die Gentilia, welche sich nicht auf ein r endigen, und dergleichen außer den oben gedachten sind, der Däne, der Schwede, der Pohle, der Russe, der Norwege, der Böhme, der Hesse, u. s. f. welche dieses e nur um des Wohllautes

[Bd. 1, Sp. 1627]


willen annehmen, dagegen die, so sich auf ein r endigen, wie Baier, Perser, Indier, Pommer, Märker u. s. f. es nicht bedürfen.
   Hieraus erhellet zugleich, wie unrecht diejenigen daran sind, welche manchen Wörtern, die nicht unter diese Fälle gerechnet werden können, ein unnützes e anhängen, und späte, ofte, dünne, Narre, schöne, ihme, indeme, Poete, Prophete, Fürste u. s. f. sprechen und schreiben. Eben so merklich ist der Übelklang bey den auf solche Art ohne gehörige Ursache verlängerten Neutris, Glück, Geschick, Geschenk, Geschlecht, Geblüt, Gemüth, Gesetz, Netz, Gedicht, Gerücht, Gewicht, Geräusch, Gewächs u. s. f. Nur einige einsylbige Nebenwörter vertragen dieses e, wenn sie am Ende einer Periode zu stehen kommen, um den Mißklang zu vermeiden, den ein einsylbiges Wort in diesem Falle verursachen würde. Mehr ist von diesem e in der Orthographie gesagt worden.
   3. Weil das e, nicht das e euphonicum, sondern dasjenige, welches die Wörter am Ende beugen hilft, die Rede oft schleppend macht, so kann und muß es oft weggelassen werden. Diese Weglassung ist,
   1) Nothwendig. (a) Im Dative der Hauptwörter, wenn sie ohne Artikel stehen, S. 1 Der, S. 1454. (b) In einigen Superlativen. Der beßte oder beste für besseste, der liebste für liebeste, der dümmste, frömmste, gröbste, höchste, nächste, schwächste, jüngste, längste u. s. f. Besonders diejenigen, welche sich im Positive auf ig, lich, ach, bar, sam, em, en und er endigen. (c) In den Mittelwörtern der vergangenen Zeit auf et, ein Geliebter für Geliebeter, Betrübter für Betrübeter, verstimmte Saiten, ein geübter Redner u. s. f. Nur nicht, wenn schon ein anderes t vorher gehet: ein gerichtetes Haus, nicht gerichttes, ein verpflichteter Diener. (d) In einigen Zeiten mancher Verborum. Ich liebte, lobte, für liebete, lobete. (e) In den Endungen elen, eren der Zeitwörter, wo am besten das zweyte, von härtern Mundarten aber das erste e verbissen wird. Mauern, (mauren) dauern, (dauren) lauern, (lauren) für maueren, daueren, laueren; mangeln, (manglen) segeln, (seglen) für mangelen, segelen.
   2) Bloß erlaubt ist sie, besonders in der vertraulichen Sprache des Umganges und in der Poesie, in allen Fällen, wo der Wohlklang nicht darunter leidet, das ist, wo durch die Zusammenziehung nicht zu viele und zu harte Mitlauter zusammen kommen. So wird das e des Genitivs und Dativs, auch wenn ein Artikel vorhanden ist, in den Adjectiven auf ein kurzes en, in den Mittelwörtern der vergangenen Zeit auf en, in den Infinitiven mancher Zeitwörter, in den Comparativen und Superlativen u. s. f. sehr oft verschlungen. Die kühle Luft am Abend, die Stärke des Thiers, sein eignes Vermögen, geh, steh, beßre Menschen, das völlste Faß.
 
Artikelverweis 
Der Êbbanker, des -s, plur. ut nom. sing. in der Seefahrt, ein Anker, welcher der Ebbe oder fallenden Fluth widerstehet, im Gegensatze des Fluthankers, welcher sich der steigenden Fluth widersetzet. Beyde Anker zusammen genommen werden Teyanker oder Gabelanker genannt.
 
Artikelverweis 
Die Êbbe, plur. inus. der Abfluß des Meerwassers nach der Fluth. Ebbe und Fluth, das periodische Steigen und Fallen des Wassers in dem Weltmeere. Es ist Ebbe. Die Ebbe tritt ein.
   Anm. Dieses Wort lautet im Angels. Ebba, Ebbe, im Engl. Ebb, Ebbing, im Franz. Ebe, im mittlern Lateine Ebba, im Dän. und Nieders. gleichfalls Ebbe. Es scheinet von dem veralteten Verbo aben, hinab gehen, abnehmen, herzustammen. S. Adelung Ab und Abend. Die Niedersachsen und Dänen haben auch das

[Bd. 1, Sp. 1628]


Verbum ebben, und die Engländer to ebb, nach der Fluth ablaufen, als ein Neutrum. Das Meer fängt an zu ebben.
 
Artikelverweis 
Êben, ein Wort, welches in doppelter Gestalt üblich ist.
   I. Als ein Bey- und Nebenwort, und da bedeutet es, 1. eigentlich, gleich, was keine hervor stehende Erhöhungen oder Ungleichheiten hat, am häufigsten von der Oberfläche des Erdbodens. Ein ebenes Feld, welches keine Berge, Hügel, oder Thäler hat. Ein ebener Weg. Der Weg ist sehr eben. Etwas eben machen. 2. In figürlicher Bedeutung, 1) * hübsch, fein, von der Gesichtsbildung.
   Wer Jüngling ebener Gestalt,
   Wer Jungfrau ist, ja jung und alt,
   Opitz Ps. 148. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. S. Adelung Uneben. 2) Genau, eigensinnig, im gemeinen Leben einiger Gegenden. Er ist ein ebener Mann, ein Mann, der alles sehr genau haben will. Er ist in seinen Sachen sehr eben.
   II. Als ein bloßes Nebenwort, oder Adverbium.
   1. * Gleich, aequalis, gemäß; welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. Als es der Natur der Dinger eben kommt, Buch der Natur, Augsb. 1483. Es gilt alles eben viel, Opitz.
   2. Genau, accurat, im gemeinen Leben. Eben voll, ganz voll. Ich kann es so eben nicht wissen. Jemanden gar eben ansehen. Merke eben darauf, was ich dir zeigen will, Ezech. 40, 4. Da sah ich eine Magd sitzen und sahe eben auf ihn, Luc. 22, 56.
   3. Besonders wird es in diesem Verstande gebraucht, ein Wort und den dadurch ausgedruckten Begriff sehr genau zu bestimmen, das es denn zu allerley Redetheilen gesetzet werden kann. 1) Zu Nebenwörtern und Bindewörtern. Es geschiehet dir eben recht. Du thust eben als wenn du mich fragtest. Eben damahls, genau zu derselbigen Zeit. Eben jetzt habe ich ihn gesehen. Eben daselbst. Ich wollte eben gern ein Wort mit ihm allein reden, Gell. Eben, weil sie fühlt, daß ihr Herz überwunden ist, so wendet sie auch noch die letzte Bemühung an u. s. f. ebend. Eben deßwegen singt und bethet sie alle Stunden, weil sie alle Stunden reicher werden will, ebend. Es ist eben heute ein Jahr, da sie ihr Vermögen verloren, ebend. Besonders stehet es gern bey der Partikel so, die Ähnlichkeit noch genauer zu bestimmen. Ich bin eben so alt als du. Er ist eben so groß als ich. Eben so reich als Crösus. Eben so, auf eben dieselbe Art. Er ist eben so glücklich als vorher. Ich verlange den Reichthum eben so wenig, als die Armuth, Gell. 2) Zu Pronominen. Eben dich meine ich. Besonders zu den anzeigenden der, die, das, derselbe, dieselbe, dasselbe. Ich sahe ihn noch an eben demselben Tage. Er ist noch an eben dem Orte, wo er gestern war. Eben derselbe Mensch, welchen wir gesehen haben. Im gemeinen Leben setzet man die Präposition gern zwischen eben und das Pronomen, welches aber in der edlen Schreibart nur selten eine gute Wirkung thut. Ich sahe ihn noch eben an demselben Tage. Eben mit dem Maß, da ihr mit messet, Luc. 6, 38. Noch weniger ist es zu rathen, das Nebenwort in dieser Bedeutung zu verschweigen. Es ist derselbe Mensch, welchen wir gestern gesehen haben. Oder noch das und einzuflicken, welches hier völlig unnütz ist: hat es vor diesem Menschen gegeben, so kann es auch wohl eben und dieselben Fehler gegeben haben. Die gemeinen Sprecharten gebrauchen für eben derselbe gern der nehmliche, der nehmlichste, der gleiche, welche Ausdrücke aber einem Hochdeutschen Ohre anstößig sind. 3) Zu Nenn- und Zeitwörtern. Es ist mir eben eins, im gemeinen Leben, es ist mir gleich viel. Das wußte ich eben

[Bd. 1, Sp. 1629]


nicht, das war eigentlich die Sache, welche ich nicht wußte. Das läugnet er eben. Das ist eben, was ich sage. Dieses ist eben mein Wunsch, Gell. Sie sagte, sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, ebend. Eben der Leute wegen will er nur Abends kommen, Weiße. Du hättest sie eben sollen ruhig machen, Gell. Eben durch die Gutheit macht man nur mehr Bettler, ebend. Man weiß, daß nicht eben die besten Schriften am häufigsten abgehen.
   4. Auch eine Zeit sehr genau zu bestimmen, in welcher etwas geschehen ist. Da das Thor eben zugeschlossen war. Wir haben eben deiner gedacht, eben jetzt. Du warst eben weggegangen, den Augenblick zuvor. So eben erhalte ich einen Brief, im gemeinen Leben. Eben da ich trinke. Wir wollten eben gehen und sie rufen, Weiße, eben jetzt, oder zu eben derselben Zeit. Dahin gehören auch die Oberdeutschen Ausdrücke, eben gedachter, eben bemeldeter u. s. f. für jetzt gedachter.
   5. Zuweilen hat diese Partikel eine bloß einschränkende Kraft, zumahl wenn sie einer Verneinung beygefüget wird, deren Härte sie oft bloß mildert; welcher Gebrauch der vertraulichen Sprech- und Schreibart vorzüglich eigen ist, und der Bedeutung des Wortes zwar nahe kommt. Das wäre mir nun eben nicht recht, wenn mir so einer wieder Querfeld ein käme, Weiße. Ich will mich eben nicht groß damit machen, Gell. Das will ich eben nicht sagen. Die Frage geschahe eben aus keinem Mißtrauen. Das dächte ich eben nicht, Gell.
   Die Hand, die könnet ihr mir küssen,
   Dieß wird mich eben nicht verdrießen,
   Gell. Anm. Eben, in Oberschwaben eban, im Nieders. even und effen, kommt fast in allen obigen Bedeutungen schon bey den Alten vor. Für gleich gebraucht Kero eban, ebanlih. Dem Ottfried bedeutet ebeno genau, eban gleich als, ebanon vergleichen; dem Isidor ist eban so, und Notker gebraucht diese Partikel auch für ja. Ze mannis ebin christanin minno, zu des Menschen ja Christen Liebe; anderer veralteten Bedeutungen zu geschweigen. Das alte Goth. ibn, das Angels. efn, efen, em, das Schwed. efwen, jafn, jefn, aem, das Wallis. eun, das Engl. even, das Dän. effen und jävn, kommen mit dem Deutschen genau überein. Selbst das Griech. ὁμος, ἁμα, und die Latein. imitor, imago, gehören, dem Ihre zu Folge, zu dieser Verwandtschaft, wohin man denn auch unser Deutsches ahmen rechnen müßte; S. Adelung Nachahmen.
 
Artikelverweis Der
Ebenbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Adelung Ebenholz.
 
Artikelverweis 
Das Êbenbild, des -es, plur. die -er. 1) Ein Bild, welches der abgebildeten Sache gleich ist. Und da er einen Altar sahe, der zu Damasco war, sandte der König Ahas desselben Altars Ebenbild und Gleichniß zum Priester Uria, 2 Kön. 16, 10. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es nur noch in engerer Bedeutung von einer Person gebraucht, die einer andern sehr ähnlich oder gleich ist. Er ist das völlige Ebenbild seines Vaters.
   Du bist der Demuth Ebenbild, die in der Stille wohnt,
   Weiße. In eben diesem Verstande wird Christus in dem neuen Testamente mehrmals das Ebenbild Gottes oder seines Vaters genannt, Col. 1, 15. Ebr. 1, 3. 2 Cor. 11, 4. 2) Diejenigen Eigenschaften, worin eine Person oder Sache der andern ähnlich ist; in welcher Bedeutung es nur in der Theologie üblich ist, wo das Ebenbild Gottes in den vollkommenen sittlichen Eigenschaften der ersten Menschen gesetzet wird; so unbequem dieser Ausdruck auch ist, vornehmlich weil er eine sehr genaue und vollkommene Ähnlichkeit bezeichnet, die kein endliches Wesen mit einem unendlichen haben kann. 3) Ein Muster, Beyspiel, Vorbild,

[Bd. 1, Sp. 1630]


welche Bedeutung gleichfalls unter die veralteten gehöret. Daß sie gleich seyn sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, Röm. 8, 29.
   Und wenn die gelehrten und schrifft weisen
   Den leyen bose ebenpild vortragen, heißt es in dem ungedruckten Vaßnachtspil des Türken, aus dem 15ten Jahrhunderte. In eben derselben Bedeutung kommt dieses Wort auch in einer alten Übersetzung der goldenen Bulle aus dem 15ten Jahrhunderte vor.
   Anm. In der ersten Bedeutung ist der Plural selten, in der zweyten kommt er gar nicht vor. S. Adelung Bild.
 
Artikelverweis 
Êbenbürtig, adj. et adv. von gleicher Geburt, d. i. von gleichem Stande. Ebenbürtige Kinder, welche von Ältern gleiches Standes erzeuget worden, deren Ältern von einerley Heerschilde sind. So auch die Ebenbürtigkeit.
 
Artikelverweis 
Êbendrähtig, adj. et adv. keine unebene Stellen, in den Fäden keine Knoten habend, von einem Gewebe. Ebendrähtige Leinwand. S. Adelung Draht 1.
 
Artikelverweis 
Die Êbene, plur. die -n, eine ebene Fläche, welche keine Ungleichheiten hat; doch nur in engerer Bedeutung, ein ebener Theil auf der Oberfläche des Erdbodens. In der Mark Brandenburg gibt es viele unfruchtbare Ebenen. Die Städte auf der Ebene, 5 Mos. 3, 10. Auf der Ebene wohnen, Jer. 21, 13.
   Anm. In dieser Bedeutung kommt Epani schon in den Monseeischen Glossen vor. Bey den ältern Schriftstellern findet sich Ebini und Ebinu auch als ein Abstractum, für die Billigkeit des Gemüthes.
 
Artikelverweis 
Êbenen, verb. reg. act. eben, gleich machen, besonders von der Oberfläche des Erdbodens. Einen Garten, einen Platz ebenen.
   Plötzlich aber ebnen sich
   Alle Wasserwogen,
   Gleim. Daher die Ebenung.
   Anm. Das Nieders. evenen, verevenen, das Holl. effenen, Engl. to even, und Dän. jävnen haben gleiche Bedeutung. Bey dem Notker lautet dieses Zeitwort ebenon, aber Ottfried gebraucht es auch für vergleichen. In Niedersachsen war es ehedem auch als ein Neutrum üblich, für gelegen, bequem seyn; es ebenet mir nicht.
 
Artikelverweis 
Êbenfalls, adv. gleichfalls, in eben demselben Falle befindlich. Dein Bruder wird mich besuchen, und ich hoffe deine Schwester wird ebenfalls kommen. Sie heißt ebenfalls wie du, Julchen, Gell. Im Oberdeutschen ist dafür auch ebener Maßen üblich. S. Adelung Fall und Ebenmäßig.