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bis Dachflêchte (Bd. 1, Sp. 1359 bis 1365)
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Artikelverweis  D, der vierte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher sehr gelinde, gelinder als das th, so wie das Latein. d und Griech. δ ausgesprochen wird; daß, der, dein, Dach, du, beyde, Brüder. Doch weicht es von dieser gelladen Aussprache ab, so oft es am Ende einer Sylbe stehet, da es beynahe so hart wie das t lautet, Bad, blind, Wind, Bild, niedlich, schädlich, Tod, Herd; es müßte denn das d bloß durch eine Elision an das Ende der Sylbe gerathen seyn, in welchem Falle es seine gelinde Aussprache behält, wie in würdgen, für würdigen, tadlen, Tadler, für tadeln und Tadeler, Adler, für Adeler oder Adelaar. Freylich gibt es noch andere Wörter, besonders Diminutiva auf lein, wo es sehr gelinde ausgesprochen wird, wie in Bändlein, Mündlein, Kindlein, Hündlein, Händlein u. s. f. wozu man auch das Nebenwort blindlings rechnen kann. Allein hier rühret die weiche Aussprache vermuthlich daher, weil man in solchen Verkleinerungswörtern, besonders im Oberdeutschen, so gern ein e vor der Endsylbe einschiebet, Bändelein, Mündelein, Kindelein u. s. f.
   Man siehet hieraus zugleich, daß man diejenigen Wörter, wo das d nothwendig weich lauten muß, nicht um ihr Schluß e bringen dürfe. Bürde, Erde, gelinde, geschwinde, Freude, Gnade, Heide, Lade, Sünde würden eine der Hochdeutschen Mundart ganz fremde Aussprache bekommen, wenn man das e unterdrücken wollte, ob man gleich im Oberdeutschen Bürd, Erd, gelind, Grad u. s. f. schreibt und spricht.
   Dieser Buchstab wird im Hochdeutschen sehr selten verdoppelt, und Widder ist vielleicht das einzige Wort dieser Art. Um deßwillen ist auch die Sylbe, welche vor demselben hergehet, alle Mahl gedehnt, Boden, Faden, Feder u. s. f. Nur muß man die Gewohnheit einiger Mundarten, besonders der Schlesischen, welche diese und andere Wörter mit einem kurzen Vocal aussprechen, als wenn sie Bodden, Fadden, Fedder geschrieben wären, nicht mit in Rechnung bringen. Wohl aber lässet sich das d mit dem t verbinden, welches doch eigentlich nur in solchen Fällen geschiehet, wo ein e weggeworfen worden, abgewandt für abgewendet, er empfindt für empfindet. Hierher gehöret auch das Beywort todt, welches wirklich das Mittelwort von dem veralteten doen, toden, sterben, ist, und für todet stehet. Die Stadt, urbs, hat den langen Gebrauch für sich, aber bey Brot, Schwert und noch einigen andern ist keine begreifliche Ursache des dt vorhanden.
   Die Substantiva, welche sich mit diesem Buchstaben endigen, haben kein gewisses Geschlecht. Man findet ihrer von allen Geschlechtern. In vielen ist das Schluß d das Merkmahl eines Abstracti, da es denn der Überrest der Sylbe de ist, wie in Jugend, Gegend und andern mehr: S. Adelung De. Andere Substantiva auf d sind ursprünglich Participia, und zwar so wohl von der gegenwärtigen Zeit, wie Freund, Feind, Hund, Abend, Wind, Mond, als auch von der vergangenen, wie Brand, Jagd u. s. f.
   Die Deutschen haben diesen Buchstab mit dem Lateinischen Alphabete bekommen, und man findet ihn schon bey dem Kero in vollem Gebrauche. Nur die Fränkischen Schriftsteller thaten nachmahls etwas sparsam damit, indem sie zu Anfange der Wörter ein th schrieben, und das d in die Mitte verwiesen, wo

[Bd. 1, Sp. 1360]


dessen weiche Aussprache am merklichsten ist. So schreibt Ottfried beständig ther, thaz, thanne, thu, thoh, thenkan u. s. f. vermuthlich, weil er und seine Landsleute hier eine härtere Aussprache hören ließen, als sie dem d beylegen konnten. Der Alemannische Dialekt scheinet diesen feinen Unterschied, wenn ja einer gewesen ist, nicht gekannt zu haben, denn da findet man zu Anfange der Wörter entweder d oder t, und die Hochdeutschen haben ihn noch mehr vernachlässiget, indem in der Aussprache des th und t bey ihnen fast gar kein Unterschied ist. S. Th. Die weiche Niedersächsische Mundart macht unter allen Deutschen Mundarten den häufigsten Gebrauch von dem d. Sie spricht Dag, Dod, god, vergöden, gadden, Graden, für Tag, Tod, gut, vergüten, gatten, Gräthe, und da auch dieß für ihre zarten Sprachwerkzeuge noch zu hart ist, so wirft sie es oft gar weg, und da wird doen, vergoen, gaen, Graen, für tödten, vergüten, gatten, Gräthe. Die Hochdeutsche hält auch hier zwischen der Ober- und Niederdeutschen das Mittel.
 
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Da, ein Bestimmungswörtchen, welches so wohl für sich allein, als auch in seinen Zusammensetzungen zu betrachten ist.
   I. Für sich allein ist es in einer doppelten Gestalt üblich.
   1. Als ein Umstandswort, und zwar,
   1) Als ein bezeichnendes Umstandswort des Ortes, Adverbium demonstrativum, da es denn so wohl einen nahen, als einen entfernten, als auch einen jeden Ort überhaupt bezeichnet. Im ersten Falle stehet es für hier. Da ist sie. Da bringe ich ihnen Geld. Da sind sie jetzt alle beysammen.
   Da hast du bare funfzig Thaler,
   Nur unterlasse den Gesang,
   Haged. Wie er so hölzern da steht! Traurig und niedergeschlagen sitzt er da und seufzet. Ingleichen in den elliptischen Redensarten: Was will der Mensch da? Was gebe ich für das Buch da?
   In weiterer Bedeutung wird es oft für gegenwärtig gebraucht, besonders mit dem Hülfsworte seyn. Ich werde gleich wieder da seyn. Genug, mein Schöps ist da, er ist nicht verloren. S. Adelung Daseyn.
   Zuweilen wird diese Bedeutung unmerklich, und alsdann dienet es bloß die Ründe der Rede zu erhalten. Wer da hat, dem wird gegeben.
   Aus deinem Feuermeere fließt
   Die Wärm' in alles, was da ist,
   Ihm Kraft und Glanz zu geben,
   Weiße. In welchem Falle es auch niemahls den Ton hat.
   Wenn es einen mehr entfernten Ort bezeichnet, stehet es dem hier entgegen, und bedeutet so viel als dort. Wer| da? Hier stand ich, da standst du.
   In den im gemeinen Leben üblichen Fragen, wo da? wo denn da? für wo? und wo denn? bedeutet es, wie in einigen der oben angeführten Redensarten, einen Ort überhaupt, ohne Rücksicht auf dessen Nähe oder Ferne.
   2) Ein beziehendes Umstandswort, Adverbium relativum. Es beziehet sich aber,
   (a) Auf einen Ort, für in welchem Orte, an welchem Orte. Ich will in ein Land reisen, da mich niemand kennen soll.

[Bd. 1, Sp. 1361]


Ein Ort, da ich mich ehrlich hinbringen kann. In diesen Fällen, wo das da eine bloße beziehende Partikel ist, gebraucht man alle Mahl lieber wo, welches das eigentliche Relativum des Ortes ist. Indessen ist dieser Gebrauch des da sehr alt. Schon Ottfried sagt zu seiner Zeit:
   In krippa man nan legita
   Thar man thaz fihu nerita; man legte ihn in eine Krippe, da man das Vieh fütterte.
   Allein in andern Fällen, wo es nebst der beziehenden Bedeutung auch eine bezeichnende hat, oder wo es ein adverbium demonstrativo-relativum ist, und für an diesem Orte, oder an demselben Orte stehet, wird es ganz richtig gebraucht. Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Er kam gestern in die Stadt, und begab sich heute von da weiter. Wenn die Partikel in diesem Falle an das Ende einer Periode zu stehen kommt, so gebraucht man dafür lieber allda, S. dieses Wort.
   (b) Auf eine Zeit, für alsdann. Ja, wenn ich da noch lebe, willst du mich auch da nicht hoffen lassen? Was werde ich erst da empfinden, wenn ich meinen Geliebten vor Freuden über mein Glück erschrecken sehe! Gell. Oft wird dein Schatten in einsamen melancholischen Stunden vor mir erscheinen; da werde ich dich immer noch sterben sehen und weinen, Dusch. Ingleichen als ein bloßes Relativum der Zeit. Es vergehet kein Tag, da (an welchem) ich nicht Wünsche für dich gen Himmel schicke. In dem Augenblicke, da ich alles dieses als ein Spiel des Schicksales ansehe.
   (c) Auf Personen oder Sachen. Da (unter ihnen) ist keiner der gutes thue. Das ist nicht wahr, was sie da sagen, daß mich meine Schwester sehr liebte, Weiße. Da in der Sache) soll schon Rath werden, ebend. Sie kennen ihn nicht? O da (in dem Falle) kennen sie einen großen Geist weniger, Less. Da (hieraus, oder an diesem Beyspiele) siehet man, wohin ein so böses Gemüth verfallen kann.
   Zuweilen ist die Beziehung dunkel, und alsdann dienet es entweder kleinen Unwillen zu begleiten, oder auch nur bloß zur Vollständigkeit der Rede. Du redest artig, da werden die Töchter studieren können, wie die Söhne, Gell. Ja, da wird man ihm gleich aufwarten. Man sollte sich auch da noch lange besinnen. Da haben sie mir nun drein geredet. 2. Als ein Bindewort, in welchem Falle aber doch der Begriff der Zeit alle Mahl der herrschende ist. Es bezeichnet aber, 1) Eine einfache Zeitfolge, und stehet alsdann, (a) in dem Vordersatze, für als. Da ich ihn sahe, bewegte sich mein Herz vor Freuden. Da die Sonne aufging, ging Loth in Zoar ein. Alsdann aber folgt, (b) in dem Nachsatze oft ein zweytes da, welches die Rede fortsetzet. Da ich ihn sahe, da bewegete sich mein Herz vor Freuden. Da die Sonne aufging, da ging Loth in Zoar ein. Aus den obigen Beyspielen erhellet schon, daß dieses zweyte da auch weggelassen werden kann, ja wenn es nicht um eines besondern Nachdruckes willen nöthig ist, die Rede in den meisten Fällen nur schleppend macht.
   2) Eine Ursache, für weil oder nachdem. Da weder Stolz noch Ehrgeitz dich dazu bewegen, so ist deine Absicht wohl tugendhaft. Da er ihn Ein Mahl gehöret hat, so will er nun niemanden als ihn hören.
   3) Einen Gegensatz, in welchem Falle es durch obgleich, indem, anstatt, ersetzet werden kann. Du lachst, da du doch Thränen vergießen solltest. Da einer genug wäre, kommen ihrer acht. Und wenn auch dieser liebenswürdiger wäre, da er es doch nicht ist.
   Die gute Galathee! Man spricht, sie schwärz' ihr Haar,
   Da doch ihr Haar schon schwarz, als sie es kaufte, war,
   Less. Nur in Verbindung mit dem schon macht es einen unangenehmen Übelklang.
   Der Fürsten Macht hat meinen Fall begehrt,
   Und mich verfolgt, da ich schon nichts begangen,
   Opitz Ps. 119, 81. Für da ich doch u. s. f. Noch unerträglicher aber ist folgende Stelle eben dieses Dichters aus seinem 135 Ps.
   Heiden Götzen sind nur Pracht
   Sie sind stumm, da Mäuler sind,
   Da gleich Augen, doch stockblind.
   Für: sie sind stumm, da sie doch Mäuler haben u. s. f. 4) Die Bedingung einer noch ungewissen Sache für wenn, da es denn den Conjunctivum nach sich hat. Da es ja also seyn müßte. Da er ja sterben sollte. Dieser Gebrauch ist im Hochdeutschen größten Theils veraltet; wenigstens wird er in der reinen und anständigen Schreibart eine schlechte Figur machen.
   II. Es findet sich diese Partikel aber auch in verschiedenen Zusammensetzungen, und zwar so wohl mit Verbis, als mit Adverbiis, als auch mit Präpositionen.
   1. Mit Verbis lautet sie alle Mahl dar, denn da seyn, (das Mittelwort Daseyn ausgenommen) da bleiben, da stehen, da sitzen, sind eben so wenig eigentliche Zusammensetzungen, als oben seyn, unten stehen und andere mit Adverbien gebrauchte Verba. Doch von diesen soll bey Dar etwas gesagt werden.
   2. Mit Adverbien wird so wohl das bezeichnende als beziehende da zusammen gesetzet, und zwar am häufigsten so, daß es voran stehet. Fänget sich das folgende Adverbium mit einem Consonanten an, so bleibt da unverändert, wie in dafern, daheim, daher, dahin, damahls und danieden. Fängt es sich aber mit einem Vocale an, so wird aus da dar, wie in darinnen, darunten, darunter, daraußen, daroben, welche, ohnehin nur im gemeinen Leben übliche Wörter, gemeiniglich in drinnen, drunten, drunter, draußen, droben zusammen gezogen werden. S. jedes dieser Wörter an seinem Orte besonders. Immerdar hat das Oberdeutsche dar behauptet, aber in allda ist bloß das da geblieben. S. diese Wörter.
   3. Eben dieses findet auch in der Zusammensetzung mit Präpositionen Statt. Es ist aber das dabey wohl zu bemerken, daß da in dieser Zusammensetzung nur allein die Pronomina demonstrativa und demonstrativo-relativa dieser, diese, dieses, und derselbe, dieselbe, dasselbe, vertreten kann, und daß diese kein Substantiv nach sich, wohl aber eine Präposition vor sich haben müssen, da denn der Präposition das da vorgesetzet wird. So kann für bey diesem, bey dieser, mit diesem, mit dieser, neben demselben, neben derselben u. s. f. dabey, damit, daneben gesetzet werden. Ist nun der erste Buchstab der Präposition ein Consonant, so bleibt da unverändert, wie außer den bereits angeführten, in dadurch, dafür, dagegen, davon, davor, dawider, dazu und dazwischen. Fängt sich aber die Präposition mit einem Vocale an, so tritt auch hier das dar an dessen Stelle, wie in daran, darauf, daraus, darein, darin, darüber, darum, darunter. Auch darnach hat sein r schon lange hergebracht, ob sich gleich hier das Vorwort mit einem Vocale anfängt, woraus aber nicht folgt, daß man auch darneben, darnieder, darmit u. s. f. schreiben müsse, wie wohl im Oberdeutschen geschiehet. Übrigens sind bey diesen Zusammensetzungen noch folgende Stücke zu bemerken.
   1) Das r in dem dar scheinet hier bloß um des Wohlklanges willen eingeschoben zu seyn, man müßte denn auch dieses als ein verkürztes daher ansehen, aus welchem Worte es in darstellen, darreichen und andern entstanden zu seyn scheinet. S. Adelung Dar.

[Bd. 1, Sp. 1363]



   2) Die Pronomina, welche auf solche Art mit Vorwörtern zusammen gezogen werden sollen, müssen sich auf Sachen, nicht aber auf Personen beziehen. Ich habe dafür gut gesagt, nehmlich für diese Sache, nicht aber für diesen Menschen. Er ist der Meinung, wir wollen ihn dabey lassen; aber nicht, er ist bey meinem Freunde, wir wollen ihn dabey lassen. Freylich machen davon, darunter und dazwischen auch hier Ausnahmen; aber wo ist eine Regel ohne Ausnahmen?
   3) Zu dieser Zusammensetzung schicken sich alle einfache Präpositionen, welche die dritte und vierte Endung zu sich nehmen, ob sie gleich nicht alle üblich sind. Dagen, darohne, dasonder u. s. f. hat noch niemand gesagt. Die Präpositionen, welche die zweyte Endung erfordern, bekommen statt da, das deß, oder der, deßhalben, deßwegen, derhalben, derwegen.
   4) Unter den Pronominen verstatten nur allein dieser und derselbe, wie schon gesagt worden, diese Zusammensetzung. Die bloßen Relativa taugen also eigentlich nicht dazu, sondern diese bekommen das wo. Die Zusätze, dadurch diese Auflage sich von den vorigen unterscheidet, Gottsch. Hier muß wodurch, oder noch besser durch welche stehen. Der Tag, daran ich ihn sehe, besser woran. Das Land, darein ich euch bringen will, für worein. Die Hand damit du segnest, für womit, u. s. f. S. Adelung Wo.
   5) Es dürfen diese Zusammensetzungen auch nicht wieder zerrissen werden, wie in Niedersachsen häufig geschiehet, und in der Deutschen Bibel mehrmahls angetroffen wird. Da zankten sie sich nicht über, für darüber zankten sie sich nicht. Da gebe Gott Glück zu, für dazu gebe Gott Glück. An dem Lande, da du ein Fremdling innen bist, für darin, oder richtiger worin, weil es hier das bloße Relativum welches ist. Die Stätte, da sie ihn hinlegten, für wohin sie ihn legten.
   6) Eben so wenig darf das da wiederhohlet werden, wie man im gemeinen Leben sehr oft höret. Da sorge nicht dafür, dafür sorge nicht. Da bin ich nicht dabey gewesen. Da habe ich nichts davon gehöret.
   Die Ruhm und Ehresucht
   Da Rom und Griechenland so geitzig darnach stechen,
   Opitz. 7) In den zusammen gesetzten Wörtern dieser Art lieget der Ton auf der Präposition, wenn das da bloß relativ ist, aber auf dem da, wenn es zugleich demonstrativ ist. Dázu soll es nicht kommen; dabey bleibt es nicht; dáwider habe ich nichts einzuwenden. Hingegen: es soll nicht dazú kommen; es bleibt nicht dabéy; ich habe nichts dawíder.
   8) Diese Zusammensetzung ist schon alt. Tharzua, tharmit, findet sich schon bey dem Ottfried, dagegen hat eben derselbe pediu, für dabey, mit thiu, für damit, und Isidors Übersetzer bidhiu, für dabey; woraus zu erhellen scheint, daß da hier eigentlich der Artikel der ist, der hier die Stelle der Pronominum dieser und derselbe vertritt. Ein mehreres wird bey jedem dieser Wörter besonders angemerket werden. Im Oberdeutschen macht man dergleichen Zusammensetzungen auch mit zusammen gesetzten Präpositionen, die aber einem Hochdeutschen ein Ärgerniß sind, wie dabenebst, dabeneben, dabeynebst, dabevor, darentgegen, für dagegen, dahingegen u. s. f.
   Anm. 1. Im Oberdeutschen gebraucht man da noch in andern Fällen, z. B. um da weniger, für um so viel weniger; um da angelegenster, um so viel angelegentlicher, oder desto angelegentlicher; um da gesicherter, desto gesicherter u. s. f.
   Anm. 2. So wohl das Adverbium als die Conjunction lauten bey den ältern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern ohne allen Unterschied tho, thar, dhar, do, dhuo, dhoh, dii,

[Bd. 1, Sp. 1364]


da. Ni uuas thar ther firstuanti, da war keiner, der verstand, Ottfr. Oxsso auh endi Leo dhar ezssant samant spriu, der Ochse und Löwe werden da zusammen Spreu essen, Isid. Mit in tho kosonti, indem er mit ihnen da redete, Ottfr. Druhtin queman uuolta, tho man alla uuorolt zalta, der Herr wollte kommen, da man alle Welt zählete, Ottfr. Thar sprah ther Fater, ebend. Sie tho luto irharetun, da schrien sie laut. Auch die heutigen Oberdeutschen scheinen da und dar fast ohne allen Unterschied zu gebrauchen. Selbst Opitz und seine Zeitgenossen gebrauchen da nur, wenn es alsdann bedeutet, in den übrigen Fällen aber auch dar. Fern von dar, Opitz. Ist sonst kein Opfer dar? Lohenst. Fleuch eilends, fleuch, die Schlang ist dar, Gryph. S. Dar. Im Hochdeutschen ist dieses dar außer der Zusammensetzung völlig veraltet; die Niedersachsen aber gebrauchen ihr daar, so wie die Engländer ihr there, die Schweden ihr ther und thaer, und die Holländer ihr daer am häufigsten als ein Nebenwort, zuweilen aber auch als ein bedingendes Bindewort. Daß unser da mit dem Lat. tunc und Griech. δε und τοτε verwandt zu seyn scheine, haben schon andere angemerkt.
 
Artikelverweis 
Dābey und Dabēy, adv. demonstrativo-relativum, für bey diesem, bey dieser, bey demselben, bey derselben. Es stehet 1. Als ein eigentliches Umstandswort, da es denn ein Naheseyn, eine Gegenwart bey einer Sache, so wohl im eigentlichen als uneigentlichen Verstande bedeutet; und zwar so wohl bloß relativ, da denn die Präposition den Ton hat. Das Haus fiel ein, und wir standen nahe dabey. Es entstand ein Tumult, aber wir waren nicht dabey. Sah er denn nicht, daß Carolinchen dabey saß? Gell. Wie wenig rühret uns das Geschrey des Bekümmerten, wenn unsere Ergetzung etwas dabey leiden soll! Er bleibt dabey, bey diesem Vorgeben, er habe es nicht gethan. Es mag also dabey bleiben, bey der Abrede, diesen Abend reisen wir. Wir haben ihn dabey, bey dieser Meinung, gelassen. Als auch mehr demonstrativ, da denn der Ton auf dem da lieget. Dabey ließ er es bewenden. Dabey bleibt es nicht.
   2. Als ein verknüpfendes Bindewort, für über dieß, in welchem Falle es aber in der anständigen Hochdeutschen Schreibart veraltet. Ich tadele deine Absicht; dabey mißbillige ich auch dieses u. s. f. Auch hier liegt der Ton auf dem da.
   Anm. Ottfried gebraucht bithiu schon als ein Bindewort; aber bey ihm stehet es für daher. Tha bi findet sich in dem Fragmente eines Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter, und dabi in dem alten Gedichte auf den h. Anno. S. Adelung Da II.
 
Artikelverweis 
Das Dách, des -es, plur. die Dcher, Diminut. das Dächlein, vulg. das Dächelchen; überhaupt, alles dasjenige, was einen Körper decket. Besonders, 1. der oberste Theil eines Gebäudes, welcher es vor der Gewalt der Witterung bedecket. 1) Eigentlich, dasjenige, womit es gedecket ist. Ein Dách von Ziegeln, von Stroh, von Schiefer u. s. f. In weiterer Bedeutung, auch die ganze Rüstung dazu. Ein einhängiges Dach, welches nur auf Einer Seite abhängig ist; ein Pultdach. Ein zweyhängiges Dach, welches auf beyden Seiten abhängt; ein Satteldach. Ein Holländisches Dach, welches von allen vier Seiten schräge zuläuft; ein Zelt- oder Walmdach. Ein Italiänisches Dach, welches nur den vierten Theil so hoch als breit ist. Ein gebrochenes oder Französisches Dach, welches bis auf die Mitte jäher als gewöhnlich gehet, hernach aber etwas flacher geschlossen wird. Das Dach decken, das Gerüst des Daches bedecken. Das Dach aufsetzen, das Gerüst zu dem Dache aufrichten. Ein Gebäude unter das Dach, oder unter

[Bd. 1, Sp. 1365]


Dach bringen, es mit einem Dache versehen; es bis unter das Dach bringen, es bis auf das Dach vollführen. Ein Gebäude in Dach und Fach erhalten, es im baulichen Stande erhalten. Die figürlichen Ausdrücke, einem auf dem Dache seyn oder sitzen, genau Acht auf ihn haben, einem etwas auf das Dach geben, ihm einen Schlag geben, da ist gleich Feuer im Dache, er wird gleich zornig, gehören in die niedrige Sprechart. 2) Figürlich, zuweilen das ganze Haus, doch nur so fern damit auf die Bedeckung gesehen wird. Mit einem unter Einem Dache wohnen, in Einem Hause. Komm unter mein schattiges Dach, Geßn. Einem Dach und Fach geben, ihn beherbergen.
   Und ohne Kampf und Blut hast du kein Dach zu hoffen,
   Schleg. keine Behausung. 2. Im Bergbaue ist das Dach eines Flötzes, dasjenige Gestein, welches unmittelbar über einem Flötze lieget, und dasselbe gleichsam bedecket, und welches bey den Gängen das Hangende genannt wird. Die Falkenierer nennen den Rücken des Falken zwischen den Flügeln gleichfalls das Dach.
   Anm. Dach, bey dem Notker Tach, bey dem Tatian im Plural Theki, Nieders. Dak, Schwed. Tak, Isländ. Theki, Angels. Theke, kommt von decken her, so fern solches ehedem tagen, dagen, dachen lautete. Das Lat. tectum, das Griech. τεγος und mit dem Zischlaute σεγος, und das Hebr. 05ea05d705ea sind genau damit verwandt. In der zweyten Bedeutung ist der Plural nicht gebräuchlich. S. Adelung Decke.
 
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Die Dachänte, plur. die -n, oder das Dachäntlein, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Taucher mit schwarzem Halse, Kopfe und Rücken, welche einen weißen Bauch, rostfarbene Seitentheile des Kopfes und Halses und einen schwarzen Schnabel hat; Colymbus minor, Kl. Sie wird auch der Schwarztaucher, ingleichen die Käferänte genannt.
 
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Der Dachbalken, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Dachschwelle.
 
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Der Dachdêcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher die Dächer der Gebäude verfertiget und sich davon nähret.
 
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Die Dachfahne, plur. die -n, die kleine blecherne Fahne, welche auf das Dach gesetzet wird, die Gegend des Windes zu zeigen; der Wetterhahn, wenn sie die Gestalt eines Hahnes hat.
 
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Das Dachfênster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fenster in einem Dache. Ist es eine bloße Öffnung mit einem Laden ohne Glasfenster, so wird es eine Dachluke genannt.
 
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Die Dachfêtte, plur. die -n, bey den Zimmerleuten, ein horizontal liegendes Holz, welches die Stuhlsäulen eines Daches oben mit einander verbindet; die Fette, Stuhlfette, Dachstuhlfette. S. Adelung Fette 2.
 
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Die Dachflêchte, plur. inus. S. Adelung Dachmoos.