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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Báchbinse (Bd. 1, Sp. 676 bis 679)
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Artikelverweis  B, der zweyte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher mit den Lippen ausgesprochen und wegen seiner Leichtigkeit von den Kindern am ersten und liebsten hervor gebracht wird. Die gewöhnlichste Aussprache desselben hält das Mittel zwischen den mit ihm verwandten p und w; das ist, das b wird weicher als das p und härter als das w ausgesprochen. Nur am Ende eines Wortes oder einer Sylbe nähert es sich dem erstern: z. B. Sieb, Leib, Staub, Dieb, Trieb, Siebmacher, leiblich, Liebling, Triebfeder. Ist aber ein e weggeworfen, so behält es auch hier seine weichere Aussprache, z. B. Hebopfer, Knäblein, Weiblein u. s. f. weil diese Wörter eigentlich Hebeopfer, Knäbelein, Weibelein heißen sollten. Am weichesten wird dieser Buchstab ausgesprochen, wenn er in einfachen Wörtern in der Mitte zwischen zwey Selbstlautern stehet, wo er wenig von dem w unterschieden ist, wie in leben, geben, bleiben, Körbe, Hiebe. In den wenigen einfachen Wörtern, in welchen dieser Buchstab doppelt vorkommt, findet diese weiche Aussprache gleichfalls Statt, wie in Ebbe, Krabbe; kommen aber zwey b durch die Zusammensetzung zusammen, wie in abbrechen, so wird das erste hart, das andere aber gelinde ausgesprochen. S. die Orthogr. Th. 1, S. 155.
   Da diejenigen Buchstaben, welche mit einerley Sprachwerkzeugen vorgebracht werden, in allen Sprachen sehr gern mit einander verwechselt zu werden pflegen: so ist solches in der Deutschen auch dem b, f, v, w und p widerfahren. Beyspiele davon findet man in den Schriften der ältern und mittlern Zeiten fast in allen Zeilen. Ob nun gleich die Schreibart seitdem beständiger und gleichförmiger geworden ist, so sind doch noch einige Überbleibsel dieser Verwechselung zurück geblieben; z. B. Gift, von geben, Wapen, von Waffen u. s. f. So schreibt man auch wohl noch jetzt Ingber und Ingwer, Zittwer und Zittber, Wittwe und Wittib. So sehr die Niederdeutsche Mundart diesen Buchstaben liebt, so sparsam gehet die rauhere Oberdeutsche mit demselben um, indem sie fast gar kein Anfangs-B kennet, sonder Par, Pär, Purk, Paum u. s. f. für Baier, Bär, Burg, Baum, spricht, und wenn sie sich selbst überlassen wird, auch schreibet. Das b, welches im Oberdeutschen so gern dem m nachschleicht, als Lamb, frommb, umb, Ambt, nimmbt u. s. f. ist im Hochdeutschen längst verbannt worden.
   Das Anfangs-b ist nicht alle Mahl ein Stammbuchstab, sondern oft nur die Ableitungssylbe be, welche ihr e verloren; ein Umstand, welcher für die Wortforschung sehr wichtig ist. Man sehe, was von der Abstammung der Wörter bang, barmherzig, bleiben, Blut, Brücke und hundert anderer angemerket worden.
 
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Baake, S. Adelung Bake.
 
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Der Baals-Pfaffe, des -n, plur. die -n, ein Schmähwort auf einen gottlosen abergläubigen Priester, dergleichen diejenigen waren, welche dem ehemahligen morgenländischen Götzen Baal dieneten.
 
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Baar, S. Adelung Bar.
 
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Die Baare, S. Adelung Bahre.
 
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Der Bacchánt, des -en, plur. die -en, Femin. die Bacchántinn, plur. die -en, ein Priester, oder Priesterinn des Bacchus bey den ehemahligen Griechen und Römern. S. Adelung Bacchus.

[Bd. 1, Sp. 678]



   Anm. Das Wort Bachant, mit welchem man ehedem auf den Universitäten einen angehenden Studenten bezeichnete, hat mit diesem nichts gemein, sondern ist vermuthlich aus dem Lat. Beanus entstanden, welches in den mittlern Zeiten, besonders auf der Universität zu Paris, einen solchen jungen Studenten bezeichnete, und in welches die Alemannische Mundart ihren gewöhnlichen Hauchlaut eingeschoben hat. S. Adelung Frisch v. Bachant, und des du Fresne Glossar v. Beanus.
 
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Bacchus, plur. car. 1) Der eigenthümliche Nahme des Gottes des Weines, in der Götterlehre der Griechen und Römer. Ein Sohn des Bacchus, figürlich ein Liebhaber des Weines. 2) Figürlich und in der dichterischen Schreibart, der Wein selbst. Im Scherze auch so wohl ein Liebhaber des Trunkes, als auch eine kleine ungewöhnlich dicke Person.
   Anm. Weil dieses Wort im Griechischen βακχος geschrieben wird: so haben einige Neuere angefangen, es auch im Deutschen mit zwey cc zu schreiben. Man könnte dawider den nicht ungegründeten Einwurf machen, daß unser ch nach einem geschärften Vocale bereits doppelt lautet, und daß man, wenn man dieses Wort ja dem Griechischen gemäß schreiben wollte, es eigentlich Bakchus schreiben müßte, welches doch noch niemanden eingefallen ist.
 
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Der Bách, des -es, plur. die Bäche, Diminutivum das Bächlein, ein fließendes Wasser, welches kleiner ist, als ein Fluß. Nahe Bäche lispelten durch das Gras oder rauschten in kleinen Fällen sanft in das Getöse, Geßn. Im gemeinen Leben einiger Gegenden bedeutet Bach ohne Artikel Röhrwasser, im Gegensatze des Brunnenwassers. Es ist Bach, Röhrwasser.
   Anm. 1. Dieser Ausdruck ist ein allgemeiner Nahme eines jeden fließenden Wassers von geringerer Größe, es mag nun aus seiner eigenen Quelle beständig fließen, oder nur von dem Regen- oder Schneewasser zu gewissen Zeiten entstehen. Die letztern pflegt man auch Gießbäche, Feldbäche und Regenbäche zu nennen. Die meisten Bäche im gelobten Lande waren von dieser Art, daher das Wort Bach in Luthers Bibel oft auch das Bett eines solchen Regenbaches bedeutet, welches nur zu gewissen Zeiten mit Wasser angefüllet war. Dagegen Wasserbach Ps. 1. einen Bach bezeichnet, welcher beständig mit Wasser angefüllet ist. In Niedersachsen unterscheidet man auch die Bäche nach Maßgebung ihrer Größe durch besondere Nahmen. Ein kleiner Bach heißt daselbst Rihe, welches mit dem Gothischen Richa, dem Angelsächsischen Riw, und dem Lateinischen Rivus überein kommt; ein größerer Bach, wird Beke (Bäke) ein Fluß aber Fleet genannt.
   Anm. 2. In Oberdeutschland ist dieses Wort weiblichen Geschlechtes, und wird daselbst die Bach, oder die Bache gesprochen, welcher Mundart nicht nur die Schlesier, sondern auch viele Obersachsen und die Einwohner des Saalkreises folgen. Opitz gebraucht Bach Ein Mahl für Wasser, welche sonst ungewöhnliche Figur wohl nur eine poetische Freyheit ist:
    Man soll, daß uns der Wein
   Nicht Schaden bringen mag, ihm selber schädlich seyn,
   Und Bach darunter thun. Anm. 3. Bach lautet schon bey den Willeram Bach, im Niedersächsischen Beke, im Schwed. Back, im Dänischen Bäk, und

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im Wendischen Bec. Frisch glaubt mit dem Dieterich von Stade, daß in diesem Worte vornehmlich auf das ausgehöhlte Bett eines fließenden Wassers gesehen werde, so daß Bach mit Becken, Becher, Backen und Bauch zu einerley Stammworte gehören würde. Allein es scheinet vielmehr, daß Bach in den ältesten Mundarten überhaupt Wasser, oder doch ein fließendes Wasser bedeutet habe, welches die Vergleichung mit dem Hebr. 05d105db05d4, manavit, 05d105db05d9 fluctus rivorum, und mit dem Griech. πγ, und im Dorischen παγα, sehr wahrscheinlich macht. Das Böhmische Bahno, bedeutet Sumpf, Morast, und viele mit Bach zusammen gesetzte Nahmen der Pflanzen, bezeichnen solche Gewächse, welche an wässerigen, sumpfigen Orten wachsen, im Gegensatze derer, welche einen trockenen Boden verlangen.
 
Artikelverweis Die
Báchamsel, plur. die -n, ein Nahme, welchen in Oberdeutschland die Bachstelze führet. Bey andern ist es ein Vogel, welcher sich an Wasserfällen und Bächen aufhält, wo er von kleinen Fischen und Wasser-Insecten lebt, Sturnus Cinclus, L. im Deutschen auch Bachvogel, Seeamsel, Wasseramsel, Wassermerle, Wasserstahr.
 
Artikelverweis 
Die Báchbambele, plur. die -n, in der Schweiz der Nahme der glatten Elritze, Cyprinus phoxinus, L.
 
Artikelverweis 
Die Báchbinse, plur. die -n, eine Art Binsen, welche in sumpfigen Gegenden wächset, im Gegensatze derjenigen Binsen, welche auf den Feldern und Bergen zu Hause sind. Zu diesen Bachbinsen gehören der Juncus conglomeratus, effusus, filiformis, und articulatus des Linné.