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Abend-Musik bis Abendsonne (Bd. 1, Sp. 24 bis 25)
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Artikelverweis Die Abend-Musik, plur. die -en, eine Musik, die man jemanden zu Ehren Abends veranstaltet. Einem eine Abend-Musik bringen. Ital. Serenata. Bringt man sie unter Fenster, so heißt sie ein Abendständchen.
 
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Das Abendopfer, des -s, plur. ut nom. sing. Bey den ältern Juden, dasjenige Brandopfer, welches Abends angezündet wurde, und die ganze Nacht durch brennen mußte. Schon bey dem Notker Abentopher.
 
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Der Abend-Punct, des -es, plur. die -e, in der Astronomie, derjenige Punct, in welchem die Sonne untergehet, wenn sie im Äquator steht, der wahre und eigentliche Abend.
 
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Der Abendrègen, des -s, plur. ut nom sing. 1) Eigentlich ein Regen, der Abends fällt. 2) In einigen Stellen von Luthers Bibelübersetzung, z. B. Jac. 5, 7. bedeutet es so viel, als der gleichfalls biblische Ausdruck Spatregen, wodurch diejenige Regenzeit angedeutet wird, welche in den Morgenländern kurz vor der Ernte im Aprill einfällt, im Gegensatze des Frühregens oder Morgenregens, der zur Saatzeit im October oder November fällt. Alle diese Benennungen sind freylich unbequem und bloß nach dem Hebräischen und Griechischen gebildet. Daher der Herr Hofrath Michaelis allerdings Beyfall verdienet, daß er in seiner Übersetzung für Spat- und Abendregen den Ausdruck Frühlingsregen gewählet hat.
 
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Das Abendroth, des -es, plur. car. die Abendröthe. O laßt uns den Glanz des Abendrothes und den sanften Schimmer des Mondes betrachten! Gesn. Froh bin ich, wenn das Abendroth am Himmel mich bescheinet, ebend. Dieses Wort kommt schon unter den Schwäbischen Kaisern, aber im männlichen Geschlechte vor. Si bran uf schone Sam der abend rot, singt Rudolph von Rottenburg. Bey dem gemeinen Manne, besonders in Niedersachsen, ist dieses Wort üblicher, als Abendröthe außerdem wird es um der Kürze willen am häufigsten in der höhern Schreibart gebraucht.
 
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Die Abendröthe, plur. die -n. 1) Der rothe Schein, der gleich nach dem Untergange der Sonne am Horizonte gesehen wird, und von der Refraction der Sonnenstrahlen in der Luft herrühret. 2) Die durch diese Strahlen gefärbten Wolken. In dieser Bedeutung sagt der Landmann: die Abendröthe ziehe über Land, wenn die solcher Gestalt erleuchteten Wolken gegen Osten fort ziehen, worauf den andern Tag heiteres Wetter zu erfolgen pfleget. Der Plural, die Abendröthen, ist wenig gebräuchlich, kommt aber doch zuweilen bey den Naturlehrern und Dichtern vor.
 
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Abends, adv. am Abende, auf den Abend. Gestern Abends. Heute Abends. Abends zuvor. Ich werde erst Abends spät wieder kommen. Ich kann ihn vor Abends nicht sprechen. Den neunten Abends.
   Anm. Eigentlich ist dieses Wort, so wie die verwandten Morgens, Mittags, Montags, Dinstags, u. s. f. der verkürzte Genitiv des Substantives Abend, für Abendes, welches

[Bd. 1, Sp. 25]


daraus erhellet, daß man auch mit dem Artikel des Abends, des Morgens sagt. Etwas mehr sticht die adverbische Beschaffenheit vor, wenn es mit der Präposition vor verbunden wird, die doch sonst keinen Genitiv regieret, vor Abends. Allein da dessen ungeachtet, der Begriff eines Substantives immer noch der merklichste ist, so schreibt man am richtigsten mit einem großen Buchstaben. S. Orthogr. Theil 1, S. 351.
 
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Die Abendschicht, plur. die -en, in den Berg- und Hüttenwerken, die Schicht oder Arbeitszeit, welche Abends ihren Anfang nimmt, und an einigen Orten auch die Nachtschicht genannt wird, an andern aber von ihr noch verschieden ist.
 
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† Der Abendsègen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben so viel als das Abendgebeth. Den Abendsegen bethen.
 
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Die Abendseite, plur. die -n, die gegen Abend gelegene Seite eines Landes, Feldes, Berges, Gebäudes u. s. f.
 
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Die Abendsonne, plur. die -n, bey den Dichtern, der Glanz der untergehenden Sonne. Und Abendsonnen kühlten sich zögernder im Meer, Mich. Fig. auch der Abend. Wir arbeiten von der Morgensonne bis zu der Abendsonne, und was haben wir denn gewonnen? Gesn.