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Abendluft bis Abendröthe (Bd. 1, Sp. 23 bis 24)
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Artikelverweis Die Abendluft, plur. die -lüfte. 1) Die Luft oder ein gelinder Wind, der aus Abend kommt. 2) Die kühle Luft Abends nach Untergang der Sonne; ohne Plural. Die kühle Abendluft genießen.
 
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Die Abendlust, plur. car. ein Vergnügen, welches man Abends genießet.
 
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Das Abendmahl, des -es, plur. car. 1) Ehedem das Abendessen, die Abendmahlzeit, in welcher nun veralteten Bedeutung, welche noch Joh. 12, 2, und Marc. 6, 21. vorkommt, auch der Plural üblich war. Die Schweden sagen noch jetzt Aftonmal. 2) Jetzt bedeutet das Abendmahl, das heilige Abendmahl, oder das Abendmahl des Herrn, in den protestantischen Kirchen noch den sacramentlichen Genuß des Leibes und Blutes Christi, welcher sonst auch das Sacrament des Altares, der Tisch des Herrn, die Communion, im gemeinen Leben das Nachtmahl und Gottestisch genannt wird, und hier ist der Plural nicht gebräuchlich. Das heilige Abendmahl halten, austheilen. Das Abendmehl empfangen, genießen. Zum heiligen Abendmahle gehen. Einem das Abendmahl reichen.
   Anm. Wachter merket an, das dieses Wort in beyden Bedeutungen den Alten unbekannt gewesen Von der ersten Bedeutung S. Adelung Abendessen. Die Angelsachsen, Gothen und Scandier

[Bd. 1, Sp. 24]


bedienten sich Statt desselben in der zweyten Bedeutung des Wortes, Husl, Hunsl, und Hust, Opfer, und die Franken des Wortes Wizzod, Gesetz, Beobachtung. Die unter dem gemeinen Volke noch übliche Betheurung,: ich will das heilige Abendmahl darauf nehmen, ist ein Überbleibsel der ehemaligen purgationis per eucharistiam, wovon Gericken ad Schottel. S. 197 und Grupens Observatt. S. 63 nachgesehen werden können.
 
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Die Abendmahlzeit, plur. die -en, die Mahlzeit, die man Abends hält, das Abendessen, in anständigen Ausdrücken von vornehmen Personen.
 
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Der Abendmarkt, des -es, plur. die -märkte, an einigen Orten, eine Art von Vormarkt, welcher jeden Abend vor den Wochenmärkten gehalten wird.
 
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Die Abend-Musik, plur. die -en, eine Musik, die man jemanden zu Ehren Abends veranstaltet. Einem eine Abend-Musik bringen. Ital. Serenata. Bringt man sie unter Fenster, so heißt sie ein Abendständchen.
 
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Das Abendopfer, des -s, plur. ut nom. sing. Bey den ältern Juden, dasjenige Brandopfer, welches Abends angezündet wurde, und die ganze Nacht durch brennen mußte. Schon bey dem Notker Abentopher.
 
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Der Abend-Punct, des -es, plur. die -e, in der Astronomie, derjenige Punct, in welchem die Sonne untergehet, wenn sie im Äquator steht, der wahre und eigentliche Abend.
 
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Der Abendrègen, des -s, plur. ut nom sing. 1) Eigentlich ein Regen, der Abends fällt. 2) In einigen Stellen von Luthers Bibelübersetzung, z. B. Jac. 5, 7. bedeutet es so viel, als der gleichfalls biblische Ausdruck Spatregen, wodurch diejenige Regenzeit angedeutet wird, welche in den Morgenländern kurz vor der Ernte im Aprill einfällt, im Gegensatze des Frühregens oder Morgenregens, der zur Saatzeit im October oder November fällt. Alle diese Benennungen sind freylich unbequem und bloß nach dem Hebräischen und Griechischen gebildet. Daher der Herr Hofrath Michaelis allerdings Beyfall verdienet, daß er in seiner Übersetzung für Spat- und Abendregen den Ausdruck Frühlingsregen gewählet hat.
 
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Das Abendroth, des -es, plur. car. die Abendröthe. O laßt uns den Glanz des Abendrothes und den sanften Schimmer des Mondes betrachten! Gesn. Froh bin ich, wenn das Abendroth am Himmel mich bescheinet, ebend. Dieses Wort kommt schon unter den Schwäbischen Kaisern, aber im männlichen Geschlechte vor. Si bran uf schone Sam der abend rot, singt Rudolph von Rottenburg. Bey dem gemeinen Manne, besonders in Niedersachsen, ist dieses Wort üblicher, als Abendröthe außerdem wird es um der Kürze willen am häufigsten in der höhern Schreibart gebraucht.
 
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Die Abendröthe, plur. die -n. 1) Der rothe Schein, der gleich nach dem Untergange der Sonne am Horizonte gesehen wird, und von der Refraction der Sonnenstrahlen in der Luft herrühret. 2) Die durch diese Strahlen gefärbten Wolken. In dieser Bedeutung sagt der Landmann: die Abendröthe ziehe über Land, wenn die solcher Gestalt erleuchteten Wolken gegen Osten fort ziehen, worauf den andern Tag heiteres Wetter zu erfolgen pfleget. Der Plural, die Abendröthen, ist wenig gebräuchlich, kommt aber doch zuweilen bey den Naturlehrern und Dichtern vor.