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Ābênd bis Abendkost (Bd. 1, Sp. 21 bis 23)
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Artikelverweis Der Ābênd, des -es, oder -s, plur. die -e. 1) Die Zeit zwischen Tag und Nacht oder kurz vor und nach dem Untergange der Sonne. Es wird Abend. Es gehet gegen den Abend. Der Abend überfiel uns. Der Abend brach an, da ich ihn verließ. Diesen Abend will ich zu dir kommen. Auf den Abend sehe ich dich. Gegen Abend. Mit dem Abend (d. i. bey Anbruch des Abends) in die Stadt kommen. Zu Abend essen, im gemeinen Leben, d. i. Abendmahlzeit halten. Guten Abend! der gemeine Abendgruß; daher, einem einen guten Abend wünschen, sagen oder biethen. Sprw. Ein feuriger Abend bedeutet einen heitern Morgen. Es ist noch nicht aller Tage Abend, omnium dierum sol nondum occidit, Liv. In figürlicher Bedeutung, besonders in biblischen R. A. bezeichnet Abend das Ende einer gewissen bestimmten Zeit. Am Abend der jüdischen Cärimonien. Um den Abend wird Licht seyn, Zach. 14, 7. So auch in der poetischen Schreibart für das Ende des Lebens, oder das Alter.
   Mein Abend kommt heran, jetzt sollen Thränen rinnen, Can. 2) Der Tag vor einem Feste, mit Beyfügung des Wortes heilig, oder auch des Nahmens des Festes. Der heilige Abend, der Pfingstabend, der Osterabend. So auch Fastenabend, der Tag vor dem ersten Tage in der Fasten; Sonnabend, der Tag vor dem Sonntage, u. s. f. In Oberdeutschland heißt der Tag vor einem Feste auch der Vorabend. 3) Die Gegend am Himmel, wo die Sonne im Äquinoctio unterzugehen scheint, Westen. Gegen Abend liegen. Der Wind kommt aus oder von Abend. In dieser Bedeutung hat das Wort keinen Plural, wird auch nur mit den Präpositionen aus, gegen, gen und von, ohne Artikel, ja ohne alle Abänderung gebraucht. Nur die Dichter erlauben sich auch hier zuweilen Ausnahmen; so saget z. E. Dusch: die letzten Inseln des Abends.
   Anm. 1) Nichts ist gewöhnlicher, als daß in der Declination dieses Wortes im Singular das e in der letzten Sylbe verbissen wird; am Abend für am Abende, des Abends für des Abendes. Allein da es im Plural ohne alle Ausnahme ein e bekommt, so sollte es dasselbe auch im Singular haben; weil es sonst eine Ausnahme von der Regel machen würde. Einige der Alten sind

[Bd. 1, Sp. 22]


hierin genauer. Ottfried, sagt am Abande, und der Verf. des Rhythm. de S. Annone: Einis abindis.
   2) Von der biblischen R. A. zwischen Abends S. das Adv. Abends.
   3) Abend, beym Kero Abunt, beym Notker Habant, beym Ottfried und Tatian Aband und Abant, Nieders. Avend, Holl. Avent, Angels. Aefen, Engl. Even, Evening, ist bisher von dem alten in der Hochdeutschen Mundart nicht mehr üblichen Zeitworte aben, absteigen, abnehmen, abgeleitet worden, dessen Stammwort wiederum die Partikel ab ist. Weil aber die nordischen Mundarten in diesem Worte wider ihre Gewohnheit härtere Mitlauter haben, indem Abend bey den Isländern Apton, bey den Schweden Affton, und bey den Dänen Aften heißt: so nimmt Herr Ihre mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit das Isl. aptan, Goth. aftana, und Angels. aeftana, nach, für das Stammwort an; so daß Abend eigentlich den letzten Theil des Tages bedeuten würde. Von Abend hatte man ehedem auch das unpersönliche Zeitwort abenden für Abend werden, so wie man von Tag saget, es taget; Is abandet, beym Tatian. Die Holländer und gemeinen Deutschen Mundarten haben es auch noch jetzt. Wachter hat schon angemerket, daß Abend in der Bedeutung einer Himmelsgegend neueren Ursprunges ist. Die Gothen nannten diese Gegend Saithqua, von Saitgan, ponere; die Angelsachsen Westdael; die nordischen Völker Sol-biorg, gleichsam die Schlafstätte der Sonne; die Franken und Alemannen aber Sedelgang, d. i. Niedergang.
 
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Die Abendandacht, plur. die -en. 1. Die andächtige Gemüthsfassung am Abend; ohne Plural. Seine Abendandacht halten 2. Eine erbauliche Betrachtung am Abend, ingleichen das Abendgebeth.
 
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Der Ābendbesūch, des -es, plur. die -e. 1. Der Besuch, welchen man am Abend macht oder bekommt. 2. Die besuchenden Personen.
 
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† Das Abendbrot, des -es, plur. inusit. eine besonders in Niedersachsen übliche Benennung des Abendessens, vornehmlich, wenn von geringen Personen die Rede ist.
   Anm. In denjenigen Provinzen, wo das Landvolk des Tages sehr oft, und gemeiniglich sechsmahl isset, hat man ein gedoppeltes Abendbrot. Das erste, welches Nachmittags um drey Uhr gegessen wird, heißt in Niedersachsen das kleine Abendbrot, Halbabendbrot, ingleichen Vesperbrot, im Hannöverischen des Veremahl oder Verigemahl, in Oberdeutschland aber Jausen, ingleichen Unteressen, und Abendzehr. Das zweyte wird schlechthin Abendbrot, in Westphalen Nachtmisse, im Chur-Braunschw. Nagtsen und in Oberdeutschl. Nachtimbiß und Nachtessen genannt.
 
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Die Abenddämmerung, plur. inus. die schwache Erleuchtung des Erdbodens durch die Refraction der Sonnenstrahlen, wenn sich die Sonne unter dem Horizonte verborgen hat. Angels. Aefenglomung. Im Nieders. de Uhlenflucht, weil die Eulen alsdann auszufliegen anfangen.
 
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Das Abendessen, des -s, plur. ut nomin. sing 1. Eine Speise, welche man Abends, vor dem Schlafengehen zu sich nimmt, die Abendspeise. Schinken ist kein gutes Abendessen. 2. Das Speisen zur Abendzeit, die Abendmahlzeit; ohne Plural. Jemanden zum Abendessen rufen.
   Anm. Die Alten, welche dieses zusammen gesetzte Wort nicht hatten, sagten dafür Abantcaumo und Abandmuas, und etwas später Nachtmahl, Nachtessen. Bey dem Ulphilas findet man Nahtamatz, und bey den Scandiern Nattord. Von Abandmuas hatten die Franken und Alemannen auch das Verbum abandmuasen, zu Abend essen.

[Bd. 1, Sp. 23]



 
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Der Abendgang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, ein Gang, welcher nach Abend zu streicht.
 
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Das Abendgebèth, des -es, plur. die -e. 1. Das Gebeth, in welchem man sich Abends vor Schlafengehen dem Schutze der Vorsehung empfiehlet; im gemeinen Leben der Abendsegen. 2. In einigen Gegenden, z. B. in Schlesien, ist es eine Bethstunde, welche Abends in der Kirche gehalten wird.
 
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Die Abendglocke, plur. inus. der Klang der Glocke, so fern er den Abend, oder die Zeit des Abendgebethes ankündiget.
 
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Die Abendjāgd, plur. die -en, eine Jagd, welche bey der Nacht, vermittelst angezündeter Strohfackeln gehalten wird; auch die Fackeljagd.
 
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† Die Abendkost, plur. car. Das Abendessen, im gemeinen Leben, besonders in Niedersachsen. Zum süßen Schluß der Abendkost, Haged.