Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abdrucken bis Abendandacht (Bd. 1, Sp. 19 bis 22)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Abdrucken, verb. reg. act. 1. Activum, durch Drücken nachahmen oder abbilden; und zwar, (1) durch das Drücken in einen weichen Körper. Ein Siegel in Wachs, eine Statue in Thon, eine Münze in Zinn abdrucken u. s. f. Ingleichen metonymisch, ein Buch abdrucken, bey den Buchbindern, mit dem Stämpel Figuren auf das Buch drucken. Und dann auch figürlich. Diese Züge in denen sich die Verzweifelung und das Bild des Todes abdruckt. (2) Durch das Drucken mit Farben auf die Oberfläche eines andern Körpers. Einen Kupferstich abdrucken. Ein Buch abdrucken. Der Bogen ist noch nicht abgedruckt; in welcher Bedeutung es auch den Begriff der Vollendung mit in sich schließet. 2. Ein Neutrum mit haben, die aufgedruckte Farbe fahren lassen.
 
Artikelverweis 
Abdrücken, verb. reg. act. 1) Durch Drücken absondern, besonders in den im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen R. A. Die Angst will mir das Herz abdrücken. Es würde ihm das Herz abgedrückt haben, wenn er es nicht ausgeplaudert hätte. Ingleichen figürlich für abdringen, doch mit dem Nebenbegriffe mehrern Nachtheiles von Seiten des andern. Einem eine Waare abdrücken.
   Noch einen neuen Schmuck den Männern abzudrücken, Gell.

[Bd. 1, Sp. 21]


2) Durch Drücken los machen, von Handgewehren, Schlössern u. s. f. die vermittelst einer Feder gespannt sind. Ein Gewehr abdrücken. Den Pfeil, den Bogen abdrücken.
   Drauf drückte sie die Schlösser selber ab,
   Rost. Daher die Abdrückung in beyden Bedeutungen.
   Anm. Abdrücken, als ein Neutrum, für sterben, er wird bald abdrücken, ist niedrig. Von dem Unterschiede zwischen drucken und drücken S. diese Wörter.
 
Artikelverweis 
Die Abdrucksstange, plur. die -n, in dem Schlosse eines Gewehres, eine kleine Stange, welche in die Nuß einspringt, damit das Gewehr nicht losgehe.
 
Artikelverweis 
Abdunkeln, verb. reg. act. bey den Färbern, eine helle Farbe in dem Färben in eine dunklere verwandeln.
 
Artikelverweis 
Abdunsten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich in Dünste auflösen und verfliegen, wie abdampfen. Einen flüssigen Körper abdunsten lassen. Daher die Abdunstung.
 
Artikelverweis 
Abdünsten, verb. reg. act. in Gestalt der Dünste vertreiben, das Abdunsten eines flüssigen Körpers zuwege bringen. Wasser, Wein u. s. f. abdünsten. Daher die Abdünstung.
 
Artikelverweis 
Abêbenen, verb. reg. act. völlig eben machen. Einen Garten, ein Feld abebenen. Einen Pelz abebenen, ihn am Rande gerade schneiden. Daher die Abebenung.
 
Artikelverweis 
Abeifern, verb. reg. recipr. sich abeifern, sich durch Eifern oder Zürnen abmatten.
 
Artikelverweis 
Abelmosch, S. Adelung Bisamkorn.
 
Artikelverweis 
Der Ābênd, des -es, oder -s, plur. die -e. 1) Die Zeit zwischen Tag und Nacht oder kurz vor und nach dem Untergange der Sonne. Es wird Abend. Es gehet gegen den Abend. Der Abend überfiel uns. Der Abend brach an, da ich ihn verließ. Diesen Abend will ich zu dir kommen. Auf den Abend sehe ich dich. Gegen Abend. Mit dem Abend (d. i. bey Anbruch des Abends) in die Stadt kommen. Zu Abend essen, im gemeinen Leben, d. i. Abendmahlzeit halten. Guten Abend! der gemeine Abendgruß; daher, einem einen guten Abend wünschen, sagen oder biethen. Sprw. Ein feuriger Abend bedeutet einen heitern Morgen. Es ist noch nicht aller Tage Abend, omnium dierum sol nondum occidit, Liv. In figürlicher Bedeutung, besonders in biblischen R. A. bezeichnet Abend das Ende einer gewissen bestimmten Zeit. Am Abend der jüdischen Cärimonien. Um den Abend wird Licht seyn, Zach. 14, 7. So auch in der poetischen Schreibart für das Ende des Lebens, oder das Alter.
   Mein Abend kommt heran, jetzt sollen Thränen rinnen, Can. 2) Der Tag vor einem Feste, mit Beyfügung des Wortes heilig, oder auch des Nahmens des Festes. Der heilige Abend, der Pfingstabend, der Osterabend. So auch Fastenabend, der Tag vor dem ersten Tage in der Fasten; Sonnabend, der Tag vor dem Sonntage, u. s. f. In Oberdeutschland heißt der Tag vor einem Feste auch der Vorabend. 3) Die Gegend am Himmel, wo die Sonne im Äquinoctio unterzugehen scheint, Westen. Gegen Abend liegen. Der Wind kommt aus oder von Abend. In dieser Bedeutung hat das Wort keinen Plural, wird auch nur mit den Präpositionen aus, gegen, gen und von, ohne Artikel, ja ohne alle Abänderung gebraucht. Nur die Dichter erlauben sich auch hier zuweilen Ausnahmen; so saget z. E. Dusch: die letzten Inseln des Abends.
   Anm. 1) Nichts ist gewöhnlicher, als daß in der Declination dieses Wortes im Singular das e in der letzten Sylbe verbissen wird; am Abend für am Abende, des Abends für des Abendes. Allein da es im Plural ohne alle Ausnahme ein e bekommt, so sollte es dasselbe auch im Singular haben; weil es sonst eine Ausnahme von der Regel machen würde. Einige der Alten sind

[Bd. 1, Sp. 22]


hierin genauer. Ottfried, sagt am Abande, und der Verf. des Rhythm. de S. Annone: Einis abindis.
   2) Von der biblischen R. A. zwischen Abends S. das Adv. Abends.
   3) Abend, beym Kero Abunt, beym Notker Habant, beym Ottfried und Tatian Aband und Abant, Nieders. Avend, Holl. Avent, Angels. Aefen, Engl. Even, Evening, ist bisher von dem alten in der Hochdeutschen Mundart nicht mehr üblichen Zeitworte aben, absteigen, abnehmen, abgeleitet worden, dessen Stammwort wiederum die Partikel ab ist. Weil aber die nordischen Mundarten in diesem Worte wider ihre Gewohnheit härtere Mitlauter haben, indem Abend bey den Isländern Apton, bey den Schweden Affton, und bey den Dänen Aften heißt: so nimmt Herr Ihre mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit das Isl. aptan, Goth. aftana, und Angels. aeftana, nach, für das Stammwort an; so daß Abend eigentlich den letzten Theil des Tages bedeuten würde. Von Abend hatte man ehedem auch das unpersönliche Zeitwort abenden für Abend werden, so wie man von Tag saget, es taget; Is abandet, beym Tatian. Die Holländer und gemeinen Deutschen Mundarten haben es auch noch jetzt. Wachter hat schon angemerket, daß Abend in der Bedeutung einer Himmelsgegend neueren Ursprunges ist. Die Gothen nannten diese Gegend Saithqua, von Saitgan, ponere; die Angelsachsen Westdael; die nordischen Völker Sol-biorg, gleichsam die Schlafstätte der Sonne; die Franken und Alemannen aber Sedelgang, d. i. Niedergang.
 
Artikelverweis 
Die Abendandacht, plur. die -en. 1. Die andächtige Gemüthsfassung am Abend; ohne Plural. Seine Abendandacht halten 2. Eine erbauliche Betrachtung am Abend, ingleichen das Abendgebeth.